Kontaktabbruch zu narzistischen Eltern – Wohin mit den SchuldgefĂŒhlen?

«Wir mĂŒssen reden!» bei diesem Satz schillern bei mir alle Alarmglocken. Ich öffne in meinem Kopf 100.000 Fenster, gehe x Situationen in den letzten Tagen und Wochen durch. Was habe ich falsch gemacht? Wo habe ich mich falsch ausgedrĂŒckt? Wo habe ich nicht emphatisch genug reagiert? Habe ich den falschen Ton getroffen, weil ich gestresst war?

Dabei ist der Satz «Wir mĂŒssen reden!» harmlos. Er besagt nur, dass Kommunikationsbedarf besteht, um etwas zu besprechen. Meist sind das banale Dinge, manchmal aber auch ernstes Zeug, aber noch nie hat mir jemand den Kopf abgeschlagen, auch wenn dieser Satz bei mir das GefĂŒhl auslöst. Ohne Kommunikation wĂ€ren unsere zwischenmenschlichen Beziehungen schwierig.

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Lockdown – Familiengedöns

«Ach, nicht mal einen Mann hat das MÀdel, eine Frau kann einen Mann nie ersetzten!» kam daraufhin von ihr. Zack- alles versaut in nicht mal 2 Minuten.

Meine Mutter hat sich gestern gemeldet, um sich nach meinem Wohlbefinden zu erkunden. Auch ich habe in letzter Zeit an sie gedacht, sie ist Mitte fĂŒnfzig und durch ihre NikotinabhĂ€ngigkeit zĂ€hlt sie zu der Risikogruppe. Und auch, weil sie in der Altenpflege tĂ€tig ist.  Wie es mir gehe, wollte sie wissen. Und gab mir gleich den guten Ratschlag mir doch die HĂ€nde zu waschen und in der Wohnung zu putzen. Ich meine, hey, das letzte Mal das wir uns gehört haben war als mein Vater verstarb und nun kommt sie um die Ecke um mir zu sagen, dass ich mir die HĂ€nde waschen soll. Ok, man will ja nicht so sein. Ich habe ihr dann nach langem hin und her ĂŒberlegen geantwortet. Dass es uns gut gehe, alles in Ordnung ist und das ich hoffe das es ihr auch gut geht.

 

Nein, ich habe immer noch kein Kind!

NatĂŒrlich erkundigte sich meine Mutter gleich, wen ich mit «wir» meinte. Ich schĂ€tze mal, sie dachte ich hĂ€tte nun ein Kind, ich kenne doch meine Mutter und die Art und Weise wie sie denkt.  «Die Frau mit der ich seit zwei Jahren zusammenwohne, meine Mitbewohnerin!»

«Ach, nicht mal einen Mann hat das MĂ€del, eine Frau kann einen Mann nie ersetzten!» kam daraufhin von ihr. Zack- alles versaut in nicht mal 2 Minuten. Meine Mutter kann nĂ€mlich bis heute nicht das Konzept einer WG verstehen, oder sie will es nicht. Ich schrieb ihr kurz und bĂŒndig, dass ich sicher keinen Mann brauche und es schĂ€tze, wenn sie sich um sich selber kĂŒmmert und ich mich um mich. Enkel oder einen Schwiegersohn wird sie von mir niemals bekommen. Ihre Nummer habe ich anschliessend gesperrt.

 

Schwer genervt!

Wobei ich mich schon frage, was mir ein Mann bieten kann, dass eine Frau nicht kann, bis auf einen Penis? Dieses Denken, MĂ€nner seien unersetzbar stösst mir einfach total sauer auf, denn das zeugt davon, dass sie sich von ihrem traditionellen Bild von Mann / Frau nie gelöst hat. Und selbst wenn ich mit meiner Mitbewohnerin zusammen wĂ€re, so what? Anstatt sich zu freuen, dass es mir gut geht, ich gesund bin, kommt sie mit ihren Belehrungen um die Ecke. WTF!? Ich sagte ihr mit bereits 14 Jahren, dass ich Bisexuell sei, sie tat so, als wĂ€re das nur eine Phase und nahm das nicht ernst. Wie alle Kinder möchte ich einfach so akzeptiert werden wie ich bin, nicht belehrt, nicht runtergemacht, einfach so wie ich bin – ansonsten kann ich auf den Kontakt verzichten, ja es geht mir sogar besser ohne.

Und ja, sie tut mir leid, weil sie niemanden hat im Falle eines Falles, aber so ein Theater, darauf habe ich keine Lust. FĂŒr einige mag das herzlos klingen, aber ich habe schon vor langer Zeit mit dem Kapitel abgeschlossen. Auch jetzt bereue ich es, ihr ĂŒberhaupt geantwortet zu haben, doch ich zog eben auch in ErwĂ€gung, dass sie es evtl. nicht schafft durch die Pandemie – nun waren meine letzten Worte, die ihr gewidmet waren, keine freundlichen. Mir ist bewusst, dass sie sich sorgt, und auch ich sorge mich, trotz allem um sie, doch kann ich nicht. Ich kann einfach nicht. Ich war gestern Abend bereits so wĂŒtend, auf das was sie geschrieben hat, dass es die Situation nur noch verschlimmern wĂŒrde. FĂŒr beide Seiten.

Ich vertraue einfach drauf, dass die Hilfsnetzwerke in dem Ort wo sie wohnt genauso dicht sind wie hier in der Schweiz. Dass sie trotz ihrer selbstgewÀhlten Isolation jemanden hat, der ein Auge auf sie hat und ihr im Notfall helfen kann.

Wie es wohl anderen geht, die eine gute Beziehung zu ihren Eltern und Verwandten pflegen, die sie nicht mehr besuchen können? Menschen, die im Krankenhaus liegen und nicht besucht werden können? Ich kann mir das schwer vorstellen, irgendwie. Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich froh, dass ich solche Situationen nie erleben werde in meiner Familie. Meine ganzen direkten Verwandten sind schon tot, Oma, Opa usw. Die Zahl der infizierten stieg in der Schweiz nÀmlich rasant an und der Schweiz, doch auch Weltweit. Die Sorge um mein direktes Umfeld ist schon belastend genug.

Ausgangssperre und ihre Folgen

Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich es nĂŒtzlich finden wĂŒrde, den Leuten einen kompletten Lockdown zu verordnen. Allerdings hatte ich nicht bedacht, was das fĂŒr einige, die in prekĂ€ren ZustĂ€nden lebenden Menschen bedeutet. Frauen,  in toxischen oder gewalttĂ€tigen Partnerschaften, z.B., nicht nur hier in der Schweiz. Was ich auch erstaunlich finde, dass man die Asylsuchenden völlig ausser Acht lĂ€sst, die auf engstem Raum zusammenleben mĂŒssen. In einigen Kantonen ist ja dieses krasse Instrument schon im Einsatz, Personen ĂŒber 65 Jahre dĂŒrfen dort ihre Wohnung nicht mehr verlassen. Man könnte hier in den StĂ€dten die Strukturen ausbauen fĂŒr Menschen in Not schaffen, fĂŒr Obdachlose, z.B, Frauen und Kinder, und auch fĂŒr die Asylsuchenden. Ich hoffe sehr, dass sich dort noch etwas tun wird, denn je lĂ€nger das ganze geht, desto schlimmer wird es fĂŒr sie.

 

 

 

 

Anzahl positiv getesteter ErkrankungsfÀlle
6113 Personen

Verstorben
56 Personen

 

Quelle: BAG 

Zu Gast beim Nachtcafé

Meine lieben!

Ich weiss, was ihr nun denkt: „Wo ist nun endlich der zweite Beitrag ĂŒber den Digitalen Nachlass“ und „Warum ist es hier so ruhig in letzter Zeit?“

Ich war nun ein paar Wochen mit Bronchitis angeschlagen, und ehrlich gesagt habe ich noch nicht alle Infos zusammen, den ich fĂŒr den Beitrag brĂ€uchte. So kurz vor Weihnachten wird es auch schwierig. Auch gibt es das Jahr hier auf dem Blog keinen Adventskalender oder Ähnliches.  DafĂŒr hat der Blog nun aber ein neues Gesicht!

Ich habe es einfach besinnlich genommen und Ruhiger. Das was ich das Jahr so oder so machen wollte. Mehr auf mich achten. Meine Grenzen erkennen und einlenken. In der Zwischenzeit war ich auch zu Gast beim Nachtcafé. Jetzt ist die Katze aus dem Sack! Es war eine wunderbare Erfahrung und ich habe wundervolle Menschen getroffen. Und da wÀren wir schon beim nÀchsten Punkt:

Kommt jemand von meinen Lesern  aus Pforzheim?

Ich bin noch am ĂŒberlegen, ob und wie man etwas organisieren könnte fĂŒr Weihnachten. Wir hatten einen Gast im Studio, Herr Dera, der ganz einsam und verlassen Weihnachten in einem Altersheim verbringen wird. Er hat dort leider keine Verwandten oder Bekannte. Gibt es eine Familie, jemanden vor Ort der ihn besuchen könnte?  Ich bin schon am ĂŒberlegen, zur Not fahre ich auch persönlich vorbei.

Anbei nun der Link zur Sendung

Ps: Danke, der NachtcafĂ© Redaktion fĂŒr das tolle Bild  und der Erlaubnis es hier benutzen zu dĂŒrfen!

Mein Radiointerview beim SRF zum Thema: Kontaktabbruch zu den Eltern

Ich hatte ja bereits einiges zu meiner Kindheit geschrieben, heute folgt das Interview beim SRF, bei Robin Rehmann, Sick of Silence. Anbei ein Auszug vom Artikel und den Link zum Interview.

 

„Nichts konnte Paula ihrer Mutter Recht machen. Frust und Aggressionen wurden an Paula und ihren Geschwistern ausgelassen. Wegen banalen Kleinigkeiten konnte eine Situation eskalieren. Immer wieder wurde Paula als kleines MĂ€dchen einfach vor die TĂŒre gestellt. Worte des Lobes oder physische Zuneigung erlebte sie nie.

Alleine gelassen

Obwohl Paula als Kind mit HandabdrĂŒcken im Gesicht in die Schule kam, unternahm die Schulbehörde nichts. Sogar als ihr Vater betrunken vor der Schule umherstreifte, schaute man beschĂ€mt weg oder noch schlimmer: machte sich ĂŒber die Familie lustig.“

 

 

Den ganzen Artikel und das gesamte Radiointerview mit Robin findet ihr hier

Ein offener Brief an eine verlassene Mutter

Liebe Mutter, die du von deinem Kind verstossen wurdest. Du riefst letzte Woche bei mir an, nach dem du mich im „Beobachter“ gesehen hast in einem Beitrag ĂŒber verlassene Eltern. Ich erfuhr den vollen Namen deiner Tochter, ihre Geschichte, ihren Beruf, von ihrer Abtreibung, und von ihrem Verdacht der Kindesmisshandlung in eurer Familie. Denn du natĂŒrlich fĂŒr total absurd hĂ€ltst.

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„Sie haben kein Recht auf bessere Eltern!“

Ivy Kundt, feige hinter einem Fakeprofil, war so frei mir einen ganz tollen Kommentar zu hinterlassen nach dem sie einen kleinen Ausschnitt des Beitrags auf FrauTV beim WDR gesehen hat:

Sie sind offfenbar die, die ihre Eltern verlassen hat. Was mich an Ihren Aussagen stoert: diese Weinerlichkeit, dieses Suhlen im Vergangenen. Perfekte Eltern gibt es nicht, das wissen alle, die Eltern haben und selbst sind. Und natuerlich machen alle Kinder ihren Eltern Vorwuerfe. Aber gluecklicherweise finden die allermeisten Familien irgendeinen Weg, miteinander in Kontakt zu bleiben auf eine Art, die allen entspricht. Wer den Kontakt aber ganz abbricht – und das nur wegen eines Eis – verbaut den Weg in eine bessere Zukunft. Wie dumm! Und wie arrogant! Merke: Sie haben kein Recht auf bessere Eltern. Mir scheint, dass Sie recht eitel und selbstbezogen sind und an sich selbst viel weniger Forderungen stellen als an Ihre Eltern.“

Es waren ZWEI Eier!

Ja, wegen einem Ei, na sowas aber auch. HĂ€tte die Dame besser hingehört, wĂŒsste sie, es waren sogar zwei. Und hĂ€tte sie nicht die Aufmerksamkeitsspanne einer Fliege, hĂ€tte sie weiterhin aufmerksam zugehört und nicht mit Schaum vor dem Mund mir diesen gehĂ€ssigen Kommentar geschrieben, wĂŒsste sie, dass diese Eiergeschichte nun mal das berĂŒhmte Fass zum explodieren brachte. Aber nun gut. Man kann auch Wörter wie „Gewalt“ und „Erniedrigung“ ĂŒberhören so wĂŒtend wie man ist. Sie war nicht alleine mit solchen Aussagen, die zum GlĂŒck in der Minderheit blieben.

„Im Fernsehen kam es schon leider ein bisschen so rĂŒber als hĂ€tte es an dem Ei gelegen. Aber kurzes Nachdenken hilft. Sicherlich macht niemand „Schuss“ wegen nur so einer Geschichte.“

Klar, wenn man die Wörter jahrelange Gewalt und Erniedrigung ausblendet, und den versuch jahrelang die Vergangenheit anzusprechen, lag es nur an diesem Ei! Niemand versaut mir den verdammten Kuchen Herr Gott nochmal! Entschuldigung, ich kann eben ĂŒber solche Dinge lachen. Was mir auch jemand ĂŒbel genommen hat, meinen Humor darĂŒber.

„Du hast anscheinend nicht genug PrĂŒgel bekommen, wenn Du das lustig findest! Du bist doch krank!“

Schon lustig, darĂŒber lachen geht als Opfer nicht, aber Opfer von Gewalt fertig machen scheint ok.

Ich weiss, was manche stört!

Wenn man Opfer von psychischen und physischen Misshandlung hört, hat man doch, wenn man ehrlich ist, ein Bild vor Augen wie diese Menschen aussehen. Oder wie sie auszusehen haben. Nun sitzt da aber eine selbstbewusste, gepflegte junge Frau, die klar, direkt und mit fester Stimme erzĂ€hlt was sich zugetragen hat. Das passt natĂŒrlich nicht ins Bild. Eine glĂŒckliche junge Frau? Die misshandelt worden sein soll, jahrelang? Nein! Das kann es nicht sein. So schlimm kann es nicht gewesen sein, wenn sie nun da so sitzt und frei erzĂ€hlt und mein Gott, sie lacht auch noch dabei. Mancher Leute Sensationsgeilheit ist echt unertrĂ€glich.

Auch, dass der Fokus auf der Geschichte mit der Geschichte mit dem Ei lag wurde bemÀngelt

Manchen wĂ€re eine fertige junge Frau lieber gewesen ĂŒbersĂ€t von blauen Flecken live aus dem Frauenhaus. Aufgeschnittene Arme, verkorkstes Leben, Sozialamt. Denn sie ist ja ein Opfer, also hat sie sich verdammt nochmal auch wie ein scheiss Opfer zu benehmen. Und Opfer lachen nicht, die haben kein Leben, keine Freude und keine Erfolge. Sie hĂ€ngen an der Flasche, sind verwahrlost und depressiv.

Ja, dann hĂ€tte man mir und anderen Mitleid ausgesprochen. Und das Recht zugestanden mich zu schĂŒtzen. Danke aber auch! Dumm nur, dass weder ich noch andere um Erlaubnis fragen, oder wann die persönliche Schmerzgrenze erreicht ist, an dem man das Recht hat sich umzudrehen und zu gehen um sich so vor weiteren Missbrauch zu schĂŒtzen.

 

Was du nicht willst das man dir tut

Einigen Damen habe ich dann auch vorgeschlagen, dass ich bei ihnen vorbei komme. Sie anschreie wegen jeder Sache, sie niedermache, immerwĂ€hrende kritisiere und schlage, ins Gesicht, mit dem Kopf gegen die Wand, mit GegenstĂ€nden nach ihnen werfe. Wenn sie denken, meine und andere Eltern hatten ein Anrecht dazu das mit ihren Kindern zu tun, dass es nicht weiter schlimm wĂ€re und wir uns nicht so anstellen sollen, dann sehe ich kein Problem, dass mal ein paar Tage mit ihnen durchzuziehen. Vor ihren Freunden, Verwandten, Arbeitskollegen und in der Öffentlichkeit. Oder die besagte obige Dame, die meinte ich hĂ€tte kein Recht auf bessere Eltern. Und, dass meine Forderungen an meine Eltern höher sind an diejenigen an mich selbst.

Klar, meine AnsprĂŒche und Anforderungen sind zu hoch gewesen an meinen Eltern

Klar, es war mein Fehler zu erwarten, dass ich mal gelobt werde oder in den Arm genommen, dass ich mich sicher und geborgen fĂŒhle. Es war mein Fehler zu erwarten nicht geschlagen zu werden, oder wegen allem niedergeschrien zu werden. Es ist auch mein Fehler gewesen zu erwarten, dass mich die Mutter nicht als Emotionalen Kotzeimer missbraucht, wĂ€hrend ihrer Scheidung und danach. Oder als Schutzschild, dass zwischen sie gestellt wurde, wenn sie sich wieder mit meinem Vater geschlagen hat. Oder, dass ich in der PubertĂ€t als Partnerersatz fungieren musste.

Weil „Kinder haben keine eigenen Probleme in der PubertĂ€t.“ Auch ist es meine Schuld zu erwarten, dass meine Mutter mir glaubt, dass ich ihr sicher nicht den ĂŒber 30 Jahre Ă€lteren neuen Partner ausspannen möchte. BĂ€h! Auch bin ich natĂŒrlich schuld, an dem Leben, dass meine Eltern fĂŒhrten, dass sie so nicht wollten, aber mussten, weil ich geboren wurde. Auch, dass ich erwartet hatte, dass mein Vater sich um uns Kinder kĂŒmmert statt nur zu saufen, zu schlafen oder uns alle zu schlagen war zu viel verlangt, ich weiss. Ich schĂ€me mich ja schon in Grund und Boden das alles erwartet zu haben.

Diese hohen AnsprĂŒche und Anforderungen sind auch nur sehr schwer zu erfĂŒllen und vor allem nachzuvollziehen. Ich weiss. Was fĂ€llt mir nur auch ein, ein normales Leben mit respektvollen, liebenden Eltern zu erwarten, ich arrogante, dumme, eitle und selbstverliebte Kuh? Warum kann ich nicht einfach darĂŒber hinweg sehen, und mich nicht weinerlich in der Vergangenheit suhlen, dass alle Eltern „Fehler“ machen und einfach so tun als wĂ€re das alles nicht passiert?

Es gibt Fehler, ja. Und es gibt Missbrauch. Jahrelangen Missbrauch.

Wir ernten was wir sÀen

All diese Menschen, die mir versuchten einzureden ich wĂ€re schlecht, ich wĂ€re undankbar und arrogant und herzlos, es sind Eltern die verlassen worden sind. Und weil, sie ihren Frust nicht ihren Kindern um die Ohren hauen konnten tun sie es eben bei mir. Aber wie man sein Kind erzieht, so hat man es eben spĂ€ter auch. Wer seinem Kind eine solide Grundlage gibt, Urvertrauen, Liebe, liebevoll Grenzen setzt, Freiheit, wenn es so weit ist,  der muss sich auch keine Sorgen machen.

Kein Kind mit glĂŒcklicher Kindheit und genĂŒgend Freiraum um sich zu entfalten verlĂ€sst seine Eltern. Doch wer sich nicht bemĂŒht um ein respektvolles miteinander ohne Gewalt und Erniedrigung, MachtkĂ€mpfen und stĂ€ndigem Geschrei der kann sich sicher sein, dass er spĂ€ter mal von seinem Kind verlassen wird. Sorry for not sorry! Respekt und all das ist keine Einbahnstrasse.

Ich mag mich noch gut erinnern wie meine Mutter immer schrie, ich solle sie respektieren, wĂ€hrend sie auf mich einschlug. Ich habe sie damals ausgelacht. Und tue es heute noch fĂŒr diese Aktionen. „Herzlos“ nennen es die einen, damit kann ich leben. Sie als TĂ€ter scheint man ja teilweise in Schutz zu nehmen. Wie herrlich zu beobachten, wie sich die Eltern auch hier wieder mit dem TĂ€ter mehr Empathie zeigen, sich sogar verbĂŒnden und Gewalt plötzlich voll ok finden. Nur halt nicht an ihnen selber. Aber an anderen scheint sie voll in Ordnung zu gehen.

Ich weiss, was diese Eltern stört. Da sitzt eine glĂŒckliche erwachsene, die ihre Eltern nicht vermisst. Die es geschafft hat sich loszulösen, sich ein Leben aufgebaut hat, ganz ohne die elterliche Hilfe. Das ist das was diese wirklich sehr Menschen stört. Dass ich anderen zeige, wie schön es sein kann, wenn man sich vom Terror des Elternhauses löst und seine eigenen Wege geht with no fucking regrets!

Es könnten ja noch mehr auf die Idee kommen, dass es ihnen tatsÀchlich besser gehen wird, wenn sie sich lossagen von all dem was ihnen nicht gut tut. Und seien es die eigenen Eltern.

Zu Gast bei FrauTV, WDR

Gestern war der grosse Tag, gestern wurde die Folge ausgestrahlt, die wir in Köln gedreht haben, vor ein paar Wochen. Leider kam ich nicht frĂŒher dazu einen Beitrag zu schreiben, um euch Bescheid zu geben,  da es die Woche vor dem grossen Urlaub ist und dem entsprechend viel an steht und stand. Aber: Die komplette Folge gibt es in der Mediathek zu sehen. Auch wird die Folge ein paar mal im TV wiederholt, wenn mich nicht alles tĂ€uscht.

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Kontaktabbruch zu den eigenen Eltern – Ein paar Kommentare

Ich hatte ja vor einiger Zeit zwei BeitrĂ€ge ĂŒber den Kontaktabbruch der Kinder zu den eigenen Eltern geschrieben. FĂŒr viele ein grosses Tabu und einige bekamen gerade zu Schaum vor dem Mund vor Wut. Nun ja, die Überschrift lesen reicht eben nicht. Ich bin es auch leid, als schlechter Mensch hingestellt zu werden der seine Eltern nicht ehrt. Aber Erwachsenen, die Kinder misshandeln, möchte man am liebsten die Todesstrafe auferlegen und die armen kleinen Kinder retten und beschĂŒtzen. Verkehrte Welt.

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Kontaktabbruch zu den eigenen Eltern – Let`s break the silence!

Ich habe letztes Jahr einen Beitrag geschrieben ĂŒber den Kontaktabbruch zu den eigenen Eltern. Dieser fand so viele RĂŒckmeldungen, auch heute noch, dass ich mich entschloss erneut darĂŒber zu schreiben. Es ist wieder Weihnachten und ich bin alleine in Polen. Es ist bezaubernd hier, zusĂ€tzlich konnte ich noch einen Abstecher nach Riga machen an Heiligabend. Einfach traumhaft und unverhofft (kommt gerade oft!) Nun ja, viele haben mich dann gefragt, ob es nicht doof sei so ohne Familie. Nein, ganz und gar nicht, ich bin sehr glĂŒcklich, ausgeglichen…nun ja, all das wozu manche eben andere Leute brauchen.

Sie kennen meine Familie nicht, sonst hĂ€tten sie sich die Frage erspart. Mein Vater ist (?) schwerer Alkoholiker, meine Mutter eine „Ewigunzufriedene“ der nichts nur annĂ€hernd gut genug ist. Doch ich habe eine Entscheidung getroffen mit dem Kontaktabbruch zu beiden. Eine Entscheidung fĂŒr mein Leben, fĂŒr ein glĂŒckliches Leben. Ohne das Drama der Vergangenheit. Ohne mich in der Opferhaltung zu suhlen. Ich habe das ĂŒberstanden was mir zugefĂŒgt wurde, ich habe verziehen. Heute bin ich glĂŒcklicher als ich es jemals war. Und habe nie SchuldgefĂŒhle, warum auch? Weil ich mich selber achte und respektiere. Und ich niemanden dulde in meiner NĂ€he der das nicht tut. Dieser zweite Artikel soll anderen helfen fĂŒr sich einen Weg zu finden, soll Mut machen und mit dem Vorurteil aufrĂ€umen, dass es da draussen Kinder gibt die eines morgens aufwachen und aus dem nichts beschliessen den Kontakt zu ihren Eltern abzubrechen.

Ich bin nicht alleine

Ich habe seit letztem Jahr viele Zusendungen erhalten, was den letzten Artikel betrifft. „Wir“ sind leider viele. Die meisten fragten ob ich einen Rat habe, ihnen irgendwie den Schritt erleichtern könnte und wie meine Erfahrungen waren. Viele, auch heute wieder, waren erleichtert zu lesen, dass sie nicht alleine sind mit diesem „Problem“ ĂŒber was man so selten spricht. Ich werde heute versuchen zu erklĂ€ren was es mir so „einfach“ gemacht hat diesen endgĂŒltigen Schritt zu gehen.

Auch angeregt wurde dieser Artikel von einem anderen Artikel ĂŒber eine Mutter, die sich einfach nicht erklĂ€ren kann wie ihr Kind einfach so mal den Kontakt abgebrochen hatte. Einfach so von heute auf morgen…schon alleine, wenn ich das lese könnte ich vor Wut durch die Decke gehen. Die Dame hat nun sogar einen Verein gegrĂŒndet und ein Buch darĂŒber geschrieben. (Es grĂŒsst herzlich: Die Opferhaltung!) Denn „einfach so“ passiert das nie. Man probiert Jahrelang gesehen zu werden, ernstgenommen zu werden, verstanden zu werden, faule Kompromisse werden geschlossen, nur um es den Eltern „recht zu machen:“ Einigen ist aber nichts rechtens genug. Statt sich mit anderen Eltern zusammen zu tun denen es genau so ging, sollten sie lieber alle gemeinsam in eine Gruppentherapie – „Richtig reflektieren und Wahrnehmungstraining“ oder „Meine Fehler in der Erziehung und ihre Konsequenzen.“

Keine Geduld, keine Kraft und keine Nerven mehr!

FĂŒr mich war es ausschlaggebend, dass ich einfach keine Geduld und keine Kraft mehr hatte mich mit meiner Mutter im Kreise zu drehen. Zu meinem Vater kappte der Kontakt schon als ich 17 / 18 Jahre alt war, da er sich fĂŒr den Alkohol entschied und ich das respektierte. Aber ich konnte mir das nicht mehr lĂ€nger mit ansehen und mich runter ziehen lassen. Aber zurĂŒck zu meiner Mutter. Wir gingen 2. Schritte vor…20. zurĂŒck, so ging das nach meinem Auszug ungefĂ€hr 13. Jahre. Bis ich vor 3. Jahren mich endgĂŒltig verabschiedete. Selbst meine Therapeutin riet mir dazu. Denn es zog mich jedes mal mehr und mehr runter. Und ich war es leid mich nach jedem Besuch bei ihr Tagelang zu Hause einzusperren oder angeschlagen durchs Leben zu laufen. Wozu?

Irgendwann sah ich keinen Grund mehr den Kontakt aufrecht zu erhalten

Warum auch? Es gab keinen logischen Grund. Nur weil sie meine Mutter war? Nun ja, jemand der sein Kind körperlich und seelisch misshandelt…fĂŒr mich war das keine „Mutter“ im klassischen Sinn. FĂŒr mich war sie eine Art Monster, deren Stimmungsschwankungen so unberechenbar waren wie das Wetter im April. Ich hatte jahrelang noch AlptrĂ€ume von den „Szenen“ die sie mir machte, wie sie mir ein Radio hinterher warf im Affekt, weil ich 2.Minuten zu spĂ€t war, oder mich anschrie vor all meinen Freunden, mitten in der Stadt. Glaub die Krönung war, als sie dachte ich wĂŒrde ihr denn Mann ausspannen wollen, weil wir uns gut verstanden. Weil wir eine Gemeinsamkeit hatten – das Schreiben. HĂ€tte sie ihre Tochter gekannt, wĂŒrde sie wissen, dass ihre Tochter  nicht so auf Ă€ltere MĂ€nner abfĂ€hrt, so ganz und gar nicht. Ausserdem war dieser Mann mir mehr Vater, als mein leiblicher Vater.  Die Geschichten liessen sich hier zu einem Buch, dicker als die „Herr der Ringe“ Trilogie fortfĂŒhren. Ich zog dann endlich aus mit 17 Jahren. (Nach 2. Jahren erfolglosen Vermittlungsversuchen vom Jugendamt mit einer SozialpĂ€dagogin die jede Woche zu uns nach Hause kam, nach unzĂ€hligen Besuchen der Polizei bei uns zu Hause, denn die musste nach den AusbrĂŒchen meiner Mutter öfter antanzen als ihr lieb war. Ich lief auch ein paar mal von zu Hause weg, wenn es wieder ganz schlimm wurde.)

Und ich probierte es weiter mit ihr. Trotz allem. Immer und immer und immer und immer wieder. Nur gebracht hat es nichts. Es war Zeitverschwendung. Ich hĂ€tte mir den Kopf lieber gegen die Wand schlagen sollen…hĂ€tte genau so viel Sinn gemacht. NĂ€mlich keinen. Null. Nada.

Knapp zwei Wochen wie gelÀhmt im Bett

Glaub seinen Höhepunkt erreicht das ganze Leiden der ganzen Jahre in den Sommerferien, als ich sie an ihrem Geburtstag besuchte, und nur 2. Tage spĂ€ter zurĂŒck kam um dann 1.5. Wochen in meinem abgedunkelten Zimmer im Bett zu liegen. Sie machte mich fertig wegen 2. Eiern die in einen Teig rein sollten. Sie las vor, ich fĂŒhrte aus, wir wollten mal backen. Wie normale Leute. Ich fragte noch: „Sollen die Eier getrennt werden oder kommen die ganz rein?“ „Ganz rein!“ Gesagt getan…nur um mir dann ein paar Sekunden spĂ€ter anzuhören: „Die sollten doch getrennt werden, nie kannst du was richtig machen!“ Ich versuchte die Situation zu entschĂ€rfen, es sei doch nur ein Teig, wir machen einen neuen, alles easy. Aber es ging nicht, sie kam voll in Fahrt, VorwĂŒrfe und Mist der letzten Jahrzehnte flogen mir nur so förmlich um die Ohren. Geschichten die ich lĂ€ngst vergessen hatte wurden ausgepackt, ich sei ja immer schon zu nichts zu gebrauchen gewesen und ĂŒberhaupt. Wie ein kochender Dampfkochtopf der kurz vor dem explodieren steht, stand sie vor mir und schrie mich an. Ich schrie irgendwann zurĂŒck, packte meine Sachen unglĂ€ubig, dass sie wegen 2. Eiern so eskaliert, und ging. Das war so typisch. Sie flippte aus…ich versuchte sie zu beruhigen, was nie gelang, dann flippte ich irgendwann aus und fuhr wieder heim. So ging das Jahr ein, Jahr aus. Knapp 13 Jahre lang. Bis vor 3. Jahren.

Ich war halt einfach ein schlimmes Kind – so entschuldigt man den Missbrauch

Danach besuchte ich sie nur noch einmal, schlief aber in einem Hotel, was sie sehr erschĂŒtterte. Ich meine wirklich? Nach all den letzten Jahren wunderte man sich wirklich? Hallo „Opferhaltung!“ Klar war mir der Titel „Schlechteste Tochter des Jahres“ wieder sicher. Dass es GrĂŒnde wie diesen und andere gab dafĂŒr, wollte man nicht sehen: Sie kam das letze mal auch einfach so ins Bad geplatzt als ich dort lĂ€nger verweilte, beim abschminken. „Was machst du da so lange?“ fauchte sie mich an. Ich stand vor dem Spiegel und schminkte mich ab, dabei hörte ich Musik aus meinem iPhone, wie so oft…Wie dumm ich drein geschaut habe, konnte ich im Spiegel sehen…“Ich feiere hier eine wilde Drogenorgie Mutter, mit vielen MĂ€nnern. Willst du nicht mitmachen? fragte ich sie schnippisch und verliess das Badezimmer. Ich sprach kein Wort mit ihr an dem Abend. Was sollte das denn bitte? DafĂŒr schwieg sie mich am nĂ€chsten Tag an, ich fuhr wieder ab.

Ab und an versuchte ich mit ihr die Vergangenheit zu bewĂ€ltigen. Das war das was ich immer hörte: „Du warst ein schlimmes Kind, warte ab bis du Mal Kinder hast, ich wĂŒnsche dir, dass deine Kinder werden so wie du!“ Klar, wie immer sind die anderen Schuld, vor allem ich. War ich doch auch das einzige Kind weltweit, dass sich selber auf die Welt gebracht hat. Meine Eltern wurden nĂ€mlich nie mĂŒde mir zu sagen, dass es ihnen ohne mich besser ergangen wĂ€re im Leben. Ich hatte eh immer Schuld an allem. Und ich war ein schlimmes Kind. Noch Fragen?

 

„Sie mĂŒssen sich selber die Mutter sein, die sie nie hatten. Sie mĂŒssen sich selber trösten, sich lieben, auf sich achten und respektieren!“

Das sagte meine Therapeutin damals zu mir. Und es half. Denn ich musste einfach einsehen: Wenn ich meinen Seelenfrieden wollte, musste ich den Kontakt kappen. Und ihr verzeihen. Nicht um ihretwillen. Sondern fĂŒr meinen Seelenfrieden. Ich wollte ihr absolut keine Macht mehr ĂŒber mich geben. Ich wollte  nur noch abschliessen und ein glĂŒckliches Leben haben.

Und ĂŒberhaupt: Nichts wird gut genug sein, nichts wird so sein wie ich es als Tochter gerne hĂ€tte, ich jagte einer Illusion hinterher. Auch, weil es die Gesellschaft von mir forderte. Und auch, weil ich meinen Freunden und Bekannten nie, wirklich nie erzĂ€hlte was man zu Hause mit mir machte oder gemacht hat. „Es geht niemanden was an, was in unserer Familie passiert!“ brannte sich tief ein in meine Seele. Ich brauchte ganz lange um mich davon zu lösen. Doch teilweise schĂ€me ich mich heute immer noch fĂŒr das was ich durchleben musste. Völlig zu unrecht.

Und ich stellte fest mit dem ersten Beitrag

Ich bin nicht alleine. Da draussen gibt es ganz viele erwachsene MĂ€nner und Frauen denen es genauso geht. Die auch die Hölle auf Erden durch lebt haben, an einem Ort der einem Sicherheit, Liebe und Geborgenheit geben sollte. Erwachsene die nicht den Mut finden ihren Eltern ihre Grenzen aufzuzeigen. Die sich nicht trauen der Gesellschaft und ihren AnsprĂŒchen einen dicken Mittelfinger zu zeigen. Die SchuldgefĂŒhle haben, die sich verantwortlich fĂŒhlen fĂŒr das GlĂŒck ihrer Eltern.

Ich habe eine klare Botschaft fĂŒr euch: Fangt an, euch als wertvolle Menschen zu sehen! Ihr seid liebenswert, besonders und vor allem: Ihr seid stark!
Ihr seid nicht verantwortlich fĂŒr das GlĂŒck eurer Eltern, ihr schuldet ihnen nichts. Ihr schuldet euch selber aber Respekt, Liebe und euren Seelenfrieden.
Ihr schuldet niemanden eine ErklĂ€rung fĂŒr eure Entscheidung. Lasst euch professionell begleiten, wenn ihr es nicht alleine schafft, es ist keine Schande sich Hilfe zu holen.
Es ist euer Leben. Ihr seid dafĂŒr verantwortlich! Und manchmal muss man sich schĂŒtzen um nicht daran zu Grunde zu gehen. Fangt an euch selber zu lieben und setzt euch niemanden aus, der euch fertig macht, euch nicht respektiert oder euch gequĂ€lt hat.
Man rÀt ja auch niemanden sich seinem Peiniger zu stellen, und ihn gern zu haben, nach dem man ihm entkommen ist, oder?

An die Gesellschaft

Hört auf die armen, so armen Eltern solcher Kinder zu bemitleiden und die Kinder zu verurteilen. Die Eltern wollen es nicht zugeben was sie falsch gemacht haben. Oder sehen nicht wo das Problem lag. Und da lag sicher ein Problem vor, niemand der eine liebevolle, „normale“  Kindheit hatte verhĂ€lt sich so. Nach knapp ĂŒber 15. Jahren mit Kindern und Erwachsenen im Beruf und auch privat habe ich noch kein Elternteil erlebt, dass zugegeben hat das Kind misshandelt zu haben. Sei es emotional oder körperlich. Aber sich dann als das Opfer hinstellen, wo das Kind „einfach so von heute auf morgen,“ den Kontakt verweigert. Ehrlich? Jeder der sich ein wenig mit Kindern und Bezugspersonen auseinander setzt weiss: Kinder wĂŒrden alles tun um von ihren Eltern geliebt zu werden. Kinder akzeptieren auch vieles von ihren Eltern um geliebt zu werden…FĂŒr die Kinder sind die Eltern das ein und alles, egal was die Eltern anstellen. Sich dann von diesen zu trennen, aus welchen GrĂŒnden auch immer erfordert extrem viel Mut, Zeit und Kraft. Niemand „kĂŒndigt“ einfach mal so ĂŒber Nacht seinen Eltern aus einer Laune heraus. Die Eltern die das behaupten wĂŒrde ich dringend zu einer Therapie raten, damit sie lernen sich und ihr Verhalten zu reflektieren.

 

Zum Titelbild: Das ist das letzte Bild, dass meine Mutter von mir schoss. Ich hatte ihr einen Schneemann im Garten gebaut um sie aufzumuntern. Das Bild trĂŒgt, auch wenn ich lache,  denn sie machte zwar das Bild auf meinen Wunsch hin, schnauzte mich aber im selben Augenblick an wegen des Topfes, den ich ohne ihre Erlaubnis fĂŒr den Schneemann aus dem Schrank nahm.

Danach, packte ich meine Sachen erneut und fuhr zurĂŒck in die Schweiz. Zur Info…meine Mama wohnt 4. Stunden Zugfahrt von mir weiter weg…

Ja, darf man das?

Was wÀre, wenn:

Die besten Freunde lĂŒgen wĂŒrden wie gedruckt?
Man sich nicht auf sie verlassen könnte?
Man immer Schuld ist an jeder Misere trÀgt, nur nicht sie selber?
Man jeden Tag zu hören bekommen wĂŒrde, wie unerwĂŒnscht man ist?
Man keine UnterstĂŒtzung von ihnen erfahren wĂŒrde, sondern nur Kritik?

Und ich meine nicht die Art und Weise von Kritik, die einen vorwÀrtsbringt.

WĂŒrde man sich solchen Menschen aussetzen, freiwillig?

WĂŒrde man Wert legen auf solch eine «Freundschaft»?  Ich glaube wir alle können diese Frage mit einem klaren: «Nein!» beantworten.

Wenn Eltern den Kontakt zu ihren Kindern abbrechen

Ist das immer so eine Sache. Meist muss schon etwas «schlimmes» passiert sein, dass Eltern diesen letzten verzweifelten Schritt gehen. Aber dieser Schritt, wird meist gesellschaftlich akzeptiert und verstanden. Die verstossenen Kinder werden dann gern «Schwarze Schafe» genannt und damit ist das Thema meist vom Tisch.

Gerade zu dieser Zeit, so kurz vor Weihnachten, werde ich oft mit der Frage konfrontiert: «Und, geht’s zur Familie ĂŒber Weihnachten?» «Ja, zu meiner Wahlfamilie!» antworte ich dann oft. Dies löst natĂŒrlich eine Flut an Fragen und besonderem UnverstĂ€ndnis aus. Denn ich gehöre zu den Menschen, die ihren Eltern «gekĂŒndigt» haben. «Ja, darf man das denn?» höre ich einige von euch schon fragen.

Wenn Kinder den Kontakt abbrechen

Werden sie als undankbar bezeichnet und vieles mehr. Man zeigt kein VerstĂ€ndnis, bezichtigt uns des Egoismus und auch sehr oft als herzlos. Und wehe Sie sind Tochter, dann erst recht! Gerade ich, in meinem Beruf (ich arbeite mit Kindern und Erwachsenen) ernte ich meist krĂ€ftiges, abschĂ€tziges KopfschĂŒtteln. Wie oft musste ich mir anhören: «Komm, ruf sie an, es sind deine Eltern, sei nicht so stur
Eines Tages werden sie nicht mehr da sein und dann wirst du es bereuen…Blablabla» und all der gleichen.  Nein, werde ich sicher nicht, ganz ehrlich!

Menschen sind gegen Gewalt an Kindern

Jeglicher Missbrauch ist ihnen zuwider und jeden der ein Kind quĂ€lt, auf welche Art und Weise auch immer, wĂŒrden sie am liebsten auf Lebenszeit einsperren oder gar schlimmeres, da sind wir uns auch alle einig, hmm? Einem wehrlosen, schutzbedĂŒrftigen Kind, dass auf seine Eltern angewiesen ist, keine Liebe oder Geborgenheit und Sicherheit zu geben, es nur bis auf das nötigste zu versorgen und es nur beachten wenn es etwas zum Kritisieren gibt, um es dann körperlich zu zĂŒchtigen, es bricht den meisten schon das Herz wenn sie nur davon lesen, stimmt`s?

Menschen sind auch gegen jegliche bevormundung wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht haben, wie die VolljÀhrigkeit, nicht wahr?

Viele von euch nehmen solche Eltern in Schutz

Denn wenn Kinder, Eltern jeglichen Kontakt verweigern, ist meist wirklich etwas dahinter. In meinem Fall, all das von oben beschriebene. Also warum drĂŒckt man mir und vielen anderen, die sich aus Scham nicht trauen darĂŒber zu sprechen den Stempel der Undankbarkeit gegenĂŒber den Eltern auf? FĂŒr was sollten wir in unserem Fall Dankbar sein?

Warum schĂŒttelt man den Kopf, und zieht die Augenbrauen hoch, wenn wir uns nur schĂŒtzen wollen, nun, da wir selber Erwachsene sind und eine Wahl haben? Denn als Kind hat man keine Wahl, man ist angewiesen auf die Eltern.

Und man kommt auch nicht so einfach aus der Familie raus, im schlimmsten Fall, muss erst etwas passieren, dass die Behörden hellhörig werden. Oder es braucht einen mutigen der das meldet. Doch die meisten sind nicht mutig und sehen weg, auch wenn das UnglĂŒck vor ihren Augen passiert. Wie viele Kinder sind schon in Wohnungen verendet und angeblich hat niemand etwas mitbekommen? Wie viele Kinder werden in der Öffentlichkeit geohrfeigt und niemand schreitet ein?

Man sieht weg, es ist ja nicht das eigene Kind, nicht das eigene Problem, warum sich also mit sowas unnötig belasten?

Aber wenn man dann als erwachsene Frau / Mann sagt: «Ich habe den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen!» Da fĂŒhlen sich plötzlich alle eingeladen ihren abschĂ€tzigen Senf dazu zugeben, vor allem zu verurteilen, sich einzumischen, obwohl sie niemand darum gebeten hat. Denn nicht jeder mag dann ausfĂŒhrlich erzĂ€hlen warum wieso und weshalb es so weit kam.

Viele sagen auch aus den besagten GrĂŒnden einfach, dass ihre Eltern verstorben sind. Denn glaubt mir, diese Entscheidung trifft man nicht von heute auf morgen. Es ist ein langjĂ€hriger Prozess in der Hoffnung, dass eines Tages, die Eltern ihre Fehler erkennen, das Kind als solches erkennen, mit seinen BedĂŒrfnissen, WĂŒnschen, Ängsten.

Mit dem vergangenen abschliessen

Dass sie eines Tages anfangen Liebe zu zeigen, anstatt ihren Frust an ihren Kindern auszulassen. Doch je mehr Zeit vergeht, desto mehr stirbt die Hoffnung und man stellt fest, dass man sich das nicht antun braucht. Warum auch? Warum sollte sich jemand freiwillig niedermachen lassen wollen? Also trennt man sich und hat seine Ruhe. Die meisten brauchen eine Therapie, um sich von dem Traumata der Kindheit zu erholen, an ihrem Selbstbewusstsein zu arbeiten und um mit der Vergangenheit abzuschliessen.

Es war ein langer Weg auch fĂŒr mich, all das was passiert ist hinter mir zu lassen. Doch ich wollte es immer anders machen, als meine Eltern. Und Menschen, die mich verurteilen, mich als schlechte Tochter hinstellen, die kann ich mittlerweile nur noch belĂ€cheln. Denn wenn sie meine Eltern so bemitleiden, kann ich ihnen gern die Adresse geben, damit sie ihnen einen Besuch abstatten können.

Wenn man sie dann konfrontiert mit der bitteren Wahrheit und dem Grund des Kontaktabbruchs, werden sie meist still und schauen bedrĂŒckt zu Boden. Es ist halt immer einfacher zu urteilen, statt zu hinterfragen.

Warum ich euch das heute erzÀhle?

Weil ich den vielen Menschen, denen es genauso geht Mut machen möchte. Ihr seid keine schlechten Menschen, nur weil ihr euch schĂŒtzt! Denn jeder hat das Recht glĂŒcklich zu sein. Ich möchte auch kein Mitleid, ich möchte einfach nur, weniger verurteilende Worte, weniger Vorurteile, mehr Hinterfragen. Denn glaubt mir, viele von uns hĂ€tten gern ein liebevolles Elternhaus und eine tolle Kindheit gehabt und vor allem: Einen guten Draht, auch als Erwachsene zu den eigenen Eltern!