Kontaktabbruch zu narzistischen Eltern – Wohin mit den Schuldgef├╝hlen?

┬źWir m├╝ssen reden!┬╗ bei diesem Satz schillern bei mir alle Alarmglocken. Ich ├Âffne in meinem Kopf 100.000 Fenster, gehe x Situationen in den letzten Tagen und Wochen durch. Was habe ich falsch gemacht? Wo habe ich mich falsch ausgedr├╝ckt? Wo habe ich nicht emphatisch genug reagiert? Habe ich den falschen Ton getroffen, weil ich gestresst war?

Dabei ist der Satz ┬źWir m├╝ssen reden!┬╗ harmlos. Er besagt nur, dass Kommunikationsbedarf besteht, um etwas zu besprechen. Meist sind das banale Dinge, manchmal aber auch ernstes Zeug, aber noch nie hat mir jemand den Kopf abgeschlagen, auch wenn dieser Satz bei mir das Gef├╝hl ausl├Âst. Ohne Kommunikation w├Ąren unsere zwischenmenschlichen Beziehungen schwierig.

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Mein Radiointerview beim SRF zum Thema: Kontaktabbruch zu den Eltern

Ich hatte ja bereits einiges zu meiner Kindheit geschrieben, heute folgt das Interview beim SRF, bei Robin Rehmann, Sick of Silence. Anbei ein Auszug vom Artikel und den Link zum Interview.

 

„Nichts konnte Paula ihrer Mutter Recht machen. Frust und Aggressionen wurden an Paula und ihren Geschwistern ausgelassen. Wegen banalen Kleinigkeiten konnte eine Situation eskalieren. Immer wieder wurde Paula als kleines M├Ądchen einfach vor die T├╝re gestellt. Worte des Lobes oder physische Zuneigung erlebte sie nie.

Alleine gelassen

Obwohl Paula als Kind mit Handabdr├╝cken im Gesicht in die Schule kam, unternahm die Schulbeh├Ârde nichts. Sogar als ihr Vater betrunken vor der Schule umherstreifte, schaute man besch├Ąmt weg oder noch schlimmer: machte sich ├╝ber die Familie lustig.“

 

 

Den ganzen Artikel und das gesamte Radiointerview mit Robin findet ihr hier

Kontaktabbruch zu den eigenen Eltern – Warum rede ich dar├╝ber?

Einige von euch werden sich sicher mal gewundert haben, warum ich die letzten zwei Wochen beim WDR und beim SRF mit dem Thema zu Gast war. Vielleicht fragt man sich, warum ich mit dem Kontaktabbruch zu den eigenen Eltern, so in die ├ľffentlichkeit st├╝rme und was ich damit bezwecken m├Âchte. Als erstes: Nein, ich bekam daf├╝r kein Geld. Zweitens: Ich m├Âchte auch kein Mitleid, oder als Opfer gesehen werden. Oder sonst irgendeine spezielle Behandlung. Ich bin immer noch der Mensch der ich war, bevor ich mein Schweigen brach und m├Âchte auch so behandelt werden.

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Kontaktabbruch zu den eigenen Eltern – Let`s break the silence!

Ich habe letztes Jahr einen Beitrag geschrieben ├╝ber den Kontaktabbruch zu den eigenen Eltern. Dieser fand so viele R├╝ckmeldungen, auch heute noch, dass ich mich entschloss erneut dar├╝ber zu schreiben. Es ist wieder Weihnachten und ich bin alleine in Polen. Es ist bezaubernd hier, zus├Ątzlich konnte ich noch einen Abstecher nach Riga machen an Heiligabend. Einfach traumhaft und unverhofft (kommt gerade oft!) Nun ja, viele haben mich dann gefragt, ob es nicht doof sei so ohne Familie. Nein, ganz und gar nicht, ich bin sehr gl├╝cklich, ausgeglichen…nun ja, all das wozu manche eben andere Leute brauchen.

Sie kennen meine Familie nicht, sonst h├Ątten sie sich die Frage erspart. Mein Vater ist (?) schwerer Alkoholiker, meine Mutter eine „Ewigunzufriedene“ der nichts nur ann├Ąhernd gut genug ist. Doch ich habe eine Entscheidung getroffen mit dem Kontaktabbruch zu beiden. Eine Entscheidung f├╝r mein Leben, f├╝r ein gl├╝ckliches Leben. Ohne das Drama der Vergangenheit. Ohne mich in der Opferhaltung zu suhlen. Ich habe das ├╝berstanden was mir zugef├╝gt wurde, ich habe verziehen. Heute bin ich gl├╝cklicher als ich es jemals war. Und habe nie Schuldgef├╝hle, warum auch? Weil ich mich selber achte und respektiere. Und ich niemanden dulde in meiner N├Ąhe der das nicht tut. Dieser zweite Artikel soll anderen helfen f├╝r sich einen Weg zu finden, soll Mut machen und mit dem Vorurteil aufr├Ąumen, dass es da draussen Kinder gibt die eines morgens aufwachen und aus dem nichts beschliessen den Kontakt zu ihren Eltern abzubrechen.

Ich bin nicht alleine

Ich habe seit letztem Jahr viele Zusendungen erhalten, was den letzten Artikel betrifft. „Wir“ sind leider viele. Die meisten fragten ob ich einen Rat habe, ihnen irgendwie den Schritt erleichtern k├Ânnte und wie meine Erfahrungen waren. Viele, auch heute wieder, waren erleichtert zu lesen, dass sie nicht alleine sind mit diesem „Problem“ ├╝ber was man so selten spricht. Ich werde heute versuchen zu erkl├Ąren was es mir so „einfach“ gemacht hat diesen endg├╝ltigen Schritt zu gehen.

Auch angeregt wurde dieser Artikel von einem anderen Artikel ├╝ber eine Mutter, die sich einfach nicht erkl├Ąren kann wie ihr Kind einfach so mal den Kontakt abgebrochen hatte. Einfach so von heute auf morgen…schon alleine,┬áwenn ich das lese k├Ânnte ich vor Wut durch die Decke gehen. Die Dame hat nun sogar einen Verein gegr├╝ndet und ein Buch dar├╝ber geschrieben. (Es gr├╝sst herzlich: Die Opferhaltung!) Denn „einfach so“ passiert das nie. Man probiert Jahrelang gesehen zu werden, ernstgenommen zu werden, verstanden zu werden, faule Kompromisse werden geschlossen, nur um es den Eltern „recht zu machen:“ Einigen ist aber nichts rechtens genug. Statt sich mit anderen Eltern┬ázusammen zu tun denen es genau so ging, sollten sie lieber alle gemeinsam in eine Gruppentherapie – „Richtig reflektieren und Wahrnehmungstraining“ oder „Meine Fehler in der Erziehung und ihre Konsequenzen.“

Keine Geduld, keine Kraft und keine Nerven mehr!

F├╝r mich war es ausschlaggebend, dass ich einfach keine Geduld und keine Kraft mehr hatte mich mit meiner Mutter im Kreise zu drehen. Zu meinem Vater kappte der Kontakt schon als ich 17 / 18 Jahre alt war, da er sich f├╝r den Alkohol entschied und ich das respektierte. Aber ich konnte mir das nicht mehr l├Ąnger mit ansehen und mich runter ziehen lassen. Aber zur├╝ck zu meiner Mutter. Wir gingen 2. Schritte vor…20. zur├╝ck, so ging das nach meinem Auszug ungef├Ąhr 13. Jahre. Bis ich vor 3. Jahren mich endg├╝ltig verabschiedete. Selbst meine Therapeutin riet mir dazu. Denn es zog mich jedes mal mehr und mehr runter. Und ich war es leid mich nach jedem Besuch bei ihr Tagelang zu Hause einzusperren oder angeschlagen durchs Leben zu laufen. Wozu?

Irgendwann sah ich keinen Grund mehr den Kontakt aufrecht zu erhalten

Warum auch? Es gab keinen logischen Grund. Nur weil sie meine Mutter war? Nun ja, jemand der sein Kind k├Ârperlich und seelisch misshandelt…f├╝r mich war das keine „Mutter“ im klassischen Sinn. F├╝r mich war sie eine Art Monster, deren Stimmungsschwankungen so unberechenbar waren wie das Wetter im April. Ich hatte jahrelang noch Alptr├Ąume von den „Szenen“ die sie mir machte, wie sie mir ein Radio hinterher warf im Affekt, weil ich 2.Minuten zu sp├Ąt war, oder mich anschrie vor all meinen Freunden, mitten in der Stadt. Glaub die Kr├Ânung war, als sie dachte ich w├╝rde ihr denn Mann ausspannen wollen, weil wir uns gut verstanden. Weil wir eine Gemeinsamkeit hatten – das Schreiben. H├Ątte sie ihre Tochter gekannt, w├╝rde sie wissen, dass ihre Tochter ┬ánicht so auf ├Ąltere M├Ąnner abf├Ąhrt, so ganz und gar nicht. Ausserdem war dieser Mann mir mehr Vater, als mein leiblicher Vater. ┬áDie Geschichten liessen sich hier zu einem Buch, dicker als die „Herr der Ringe“ Trilogie fortf├╝hren. Ich zog dann endlich aus mit 17 Jahren. (Nach 2. Jahren erfolglosen Vermittlungsversuchen vom Jugendamt mit einer Sozialp├Ądagogin die jede Woche zu uns nach Hause kam, nach unz├Ąhligen Besuchen der Polizei bei uns zu Hause, denn die musste nach den Ausbr├╝chen meiner Mutter ├Âfter antanzen als ihr lieb war. Ich lief auch ein paar mal von zu Hause weg, wenn es wieder ganz schlimm wurde.)

Und ich probierte es weiter mit ihr. Trotz allem. Immer und immer und immer und immer wieder. Nur gebracht hat es nichts. Es war Zeitverschwendung. Ich h├Ątte mir den Kopf lieber gegen die Wand schlagen sollen…h├Ątte genau so viel Sinn gemacht. N├Ąmlich keinen. Null. Nada.

Knapp zwei Wochen wie gel├Ąhmt im Bett

Glaub seinen H├Âhepunkt erreicht das ganze Leiden der ganzen Jahre in den Sommerferien, als ich sie an ihrem Geburtstag besuchte, und nur 2. Tage sp├Ąter zur├╝ck kam um dann 1.5. Wochen in meinem abgedunkelten Zimmer im Bett zu liegen. Sie machte mich fertig wegen 2. Eiern die in einen Teig rein sollten. Sie las vor, ich f├╝hrte aus, wir wollten mal backen. Wie normale Leute. Ich fragte noch: „Sollen die Eier getrennt werden oder kommen die ganz rein?“ „Ganz rein!“ Gesagt getan…nur um mir dann ein paar Sekunden sp├Ąter anzuh├Âren: „Die sollten doch getrennt werden, nie kannst du was richtig machen!“ Ich versuchte die Situation zu entsch├Ąrfen, es sei doch nur ein Teig, wir machen einen neuen, alles easy. Aber es ging nicht, sie kam voll in Fahrt, Vorw├╝rfe und Mist der letzten Jahrzehnte flogen mir nur so f├Ârmlich um die Ohren. Geschichten die ich l├Ąngst vergessen hatte wurden ausgepackt, ich sei ja immer schon zu nichts zu gebrauchen gewesen und ├╝berhaupt. Wie ein kochender Dampfkochtopf der kurz vor dem explodieren steht, stand sie vor mir und schrie mich an. Ich schrie irgendwann zur├╝ck, packte meine Sachen ungl├Ąubig, dass sie wegen 2. Eiern so eskaliert, und ging. Das war so typisch. Sie flippte aus…ich versuchte sie zu beruhigen, was nie gelang, dann flippte ich irgendwann aus und fuhr wieder heim. So ging das Jahr ein, Jahr aus. Knapp 13 Jahre lang. Bis vor 3. Jahren.

Ich war halt einfach ein schlimmes Kind – so entschuldigt man den Missbrauch

Danach besuchte ich sie nur noch einmal, schlief aber in einem Hotel, was sie sehr ersch├╝tterte. Ich meine wirklich? Nach all den letzten Jahren wunderte man sich wirklich? Hallo „Opferhaltung!“ Klar war mir der Titel „Schlechteste Tochter des Jahres“ wieder sicher. Dass es Gr├╝nde wie diesen und andere gab daf├╝r, wollte man nicht sehen: Sie kam das letze mal auch einfach so ins Bad geplatzt als ich dort l├Ąnger verweilte, beim abschminken. „Was machst du da so lange?“ fauchte sie mich an. Ich stand vor dem Spiegel und schminkte mich ab, dabei h├Ârte ich Musik aus meinem iPhone, wie so oft…Wie dumm ich drein geschaut habe, konnte ich im Spiegel sehen…“Ich feiere hier eine wilde Drogenorgie Mutter, mit vielen M├Ąnnern. Willst du nicht mitmachen? fragte ich sie schnippisch und verliess das Badezimmer. Ich sprach kein Wort mit ihr an dem Abend. Was sollte das denn bitte? Daf├╝r schwieg sie mich am n├Ąchsten Tag an, ich fuhr wieder ab.

Ab und an versuchte ich mit ihr die Vergangenheit zu bew├Ąltigen. Das war das was ich immer h├Ârte:┬á„Du warst ein schlimmes Kind, warte ab bis du Mal Kinder hast, ich w├╝nsche dir, dass deine Kinder werden so wie du!“ Klar, wie immer sind die anderen Schuld, vor allem ich. War ich doch auch das einzige Kind weltweit, dass sich selber auf die Welt gebracht hat. Meine Eltern wurden n├Ąmlich nie m├╝de mir zu sagen, dass es ihnen ohne mich besser ergangen w├Ąre im Leben. Ich hatte eh immer Schuld an allem. Und ich war ein schlimmes Kind. Noch Fragen?

 

„Sie m├╝ssen sich selber die Mutter sein, die sie nie hatten. Sie m├╝ssen sich selber tr├Âsten, sich lieben, auf sich achten und respektieren!“

Das sagte meine Therapeutin damals zu mir. Und es half. Denn ich musste einfach einsehen: Wenn ich meinen Seelenfrieden wollte, musste ich den Kontakt kappen. Und ihr verzeihen. Nicht um ihretwillen. Sondern für meinen Seelenfrieden. Ich wollte ihr absolut keine Macht mehr über mich geben. Ich wollte  nur noch abschliessen und ein glückliches Leben haben.

Und ├╝berhaupt: Nichts wird gut genug sein, nichts wird so sein wie ich es als Tochter gerne h├Ątte, ich jagte einer Illusion hinterher. Auch, weil es die Gesellschaft von mir forderte. Und auch, weil ich meinen Freunden und Bekannten nie, wirklich nie erz├Ąhlte was man zu Hause mit mir machte oder gemacht hat. „Es geht niemanden was an, was in unserer Familie passiert!“ brannte sich tief ein in meine Seele. Ich brauchte ganz lange um mich davon zu l├Âsen. Doch teilweise sch├Ąme ich mich heute immer noch f├╝r das was ich durchleben musste. V├Âllig zu unrecht.

Und ich stellte fest mit dem ersten Beitrag

Ich bin nicht alleine. Da draussen gibt es ganz viele erwachsene M├Ąnner und Frauen denen es genauso geht. Die auch die H├Âlle auf Erden durch lebt haben, an einem Ort der einem Sicherheit, Liebe und Geborgenheit geben sollte. Erwachsene die nicht den Mut finden ihren Eltern ihre Grenzen aufzuzeigen. Die sich nicht trauen der Gesellschaft und ihren Anspr├╝chen einen dicken Mittelfinger zu zeigen. Die Schuldgef├╝hle haben, die sich verantwortlich f├╝hlen f├╝r das Gl├╝ck ihrer Eltern.

Ich habe eine klare Botschaft f├╝r euch: Fangt an, euch als wertvolle Menschen zu sehen! Ihr seid liebenswert, besonders und vor allem: Ihr seid stark!
Ihr seid nicht verantwortlich f├╝r das Gl├╝ck eurer Eltern, ihr schuldet ihnen nichts. Ihr schuldet euch selber aber Respekt, Liebe und euren Seelenfrieden.
Ihr schuldet niemanden eine Erkl├Ąrung f├╝r eure Entscheidung. Lasst euch professionell begleiten, wenn ihr es nicht alleine schafft, es ist keine Schande sich Hilfe zu holen.
Es ist euer Leben. Ihr seid daf├╝r verantwortlich! Und manchmal muss man sich sch├╝tzen um nicht daran zu Grunde zu gehen. Fangt an euch selber zu lieben und setzt euch niemanden aus, der euch fertig macht, euch nicht respektiert oder euch gequ├Ąlt hat.
Man r├Ąt ja auch niemanden sich seinem Peiniger zu stellen, und ihn gern zu haben, nach dem man ihm entkommen ist, oder?

An die Gesellschaft

H├Ârt auf die armen, so armen Eltern solcher Kinder zu bemitleiden und die Kinder zu verurteilen. Die Eltern wollen es nicht zugeben was sie falsch gemacht haben. Oder sehen nicht wo das Problem lag. Und da lag sicher ein Problem vor, niemand der eine liebevolle, „normale“ ┬áKindheit hatte verh├Ąlt sich so. Nach knapp ├╝ber 15. Jahren mit Kindern und Erwachsenen im Beruf und auch privat habe ich noch kein Elternteil erlebt, dass zugegeben hat das Kind misshandelt zu haben. Sei es emotional oder k├Ârperlich. Aber sich dann als das Opfer hinstellen, wo das Kind „einfach so von heute auf morgen,“ den Kontakt verweigert. Ehrlich? Jeder der sich ein wenig mit Kindern und Bezugspersonen auseinander setzt weiss: Kinder w├╝rden alles tun um von ihren Eltern geliebt zu werden. Kinder akzeptieren auch vieles von ihren Eltern um geliebt zu werden…F├╝r die Kinder sind die Eltern das ein und alles, egal was die Eltern anstellen. Sich dann von diesen zu trennen, aus welchen Gr├╝nden auch immer erfordert extrem viel Mut, Zeit und Kraft. Niemand „k├╝ndigt“ einfach mal so ├╝ber Nacht seinen Eltern aus einer Laune heraus. Die Eltern die das behaupten w├╝rde ich dringend zu einer Therapie raten, damit sie lernen sich und ihr Verhalten zu reflektieren.

 

Zum Titelbild: Das ist das letzte Bild, dass meine Mutter von mir schoss. Ich hatte ihr einen Schneemann im Garten gebaut um sie aufzumuntern. Das Bild trügt, auch wenn ich lache,  denn sie machte zwar das Bild auf meinen Wunsch hin, schnauzte mich aber im selben Augenblick an wegen des Topfes, den ich ohne ihre Erlaubnis für den Schneemann aus dem Schrank nahm.

Danach, packte ich meine Sachen erneut und fuhr zur├╝ck in die Schweiz. Zur Info…meine Mama wohnt 4. Stunden Zugfahrt von mir weiter weg…

Ja, darf man das?

Was w├Ąre, wenn:

Die besten Freunde l├╝gen w├╝rden wie gedruckt?
Man sich nicht auf sie verlassen k├Ânnte?
Man immer Schuld ist an jeder Misere tr├Ągt, nur nicht sie selber?
Man jeden Tag zu h├Âren bekommen w├╝rde, wie unerw├╝nscht man ist?
Man keine Unterst├╝tzung von ihnen erfahren w├╝rde, sondern nur Kritik?

Und ich meine nicht die Art und Weise von Kritik, die einen vorw├Ąrtsbringt.

W├╝rde man sich solchen Menschen aussetzen, freiwillig?

W├╝rde man Wert legen auf solch eine ┬źFreundschaft┬╗? ┬áIch glaube wir alle k├Ânnen diese Frage mit einem klaren: ┬źNein!┬╗ beantworten.

Wenn Eltern den Kontakt zu ihren Kindern abbrechen

Ist das immer so eine Sache. Meist muss schon etwas ┬źschlimmes┬╗ passiert sein, dass Eltern diesen letzten verzweifelten Schritt gehen. Aber dieser Schritt, wird meist gesellschaftlich akzeptiert und verstanden. Die verstossenen Kinder werden dann gern ┬źSchwarze Schafe┬╗ genannt und damit ist das Thema meist vom Tisch.

Gerade zu dieser Zeit, so kurz vor Weihnachten, werde ich oft mit der Frage konfrontiert: ┬źUnd, gehtÔÇÖs zur Familie ├╝ber Weihnachten?┬╗ ┬źJa, zu meiner Wahlfamilie!┬╗ antworte ich dann oft. Dies l├Âst nat├╝rlich eine Flut an Fragen und besonderem Unverst├Ąndnis aus. Denn ich geh├Âre zu den Menschen, die ihren Eltern ┬źgek├╝ndigt┬╗ haben. ┬źJa, darf man das denn?┬╗ h├Âre ich einige von euch schon fragen.

Wenn Kinder den Kontakt abbrechen

Werden sie als undankbar bezeichnet und vieles mehr. Man zeigt kein Verst├Ąndnis, bezichtigt uns des Egoismus und auch sehr oft als herzlos. Und wehe Sie sind Tochter, dann erst recht! Gerade ich, in meinem Beruf (ich arbeite mit Kindern und Erwachsenen) ernte ich meist kr├Ąftiges, absch├Ątziges Kopfsch├╝tteln. Wie oft musste ich mir anh├Âren: ┬źKomm, ruf sie an, es sind deine Eltern, sei nicht so sturÔÇŽEines Tages werden sie nicht mehr da sein und dann wirst du es bereuen…Blablabla┬╗ und all der gleichen. ┬áNein, werde ich sicher nicht, ganz ehrlich!

Menschen sind gegen Gewalt an Kindern

Jeglicher Missbrauch ist ihnen zuwider und jeden der ein Kind qu├Ąlt, auf welche Art und Weise auch immer, w├╝rden sie am liebsten auf Lebenszeit einsperren oder gar schlimmeres, da sind wir uns auch alle einig, hmm? Einem wehrlosen, schutzbed├╝rftigen Kind, dass auf seine Eltern angewiesen ist, keine Liebe oder Geborgenheit und Sicherheit zu geben, es nur bis auf das n├Âtigste zu versorgen und es nur beachten wenn es etwas zum Kritisieren gibt, um es dann k├Ârperlich zu z├╝chtigen, es bricht den meisten schon das Herz wenn sie nur davon lesen, stimmt`s?

Menschen sind auch gegen jegliche bevormundung wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht haben, wie die Vollj├Ąhrigkeit, nicht wahr?

Viele von euch nehmen solche Eltern in Schutz

Denn wenn Kinder, Eltern jeglichen Kontakt verweigern, ist meist wirklich etwas dahinter. In meinem Fall, all das von oben beschriebene. Also warum dr├╝ckt man mir und vielen anderen, die sich aus Scham nicht trauen dar├╝ber zu sprechen den Stempel der Undankbarkeit gegen├╝ber den Eltern auf? F├╝r was sollten wir in unserem Fall Dankbar sein?

Warum sch├╝ttelt man den Kopf, und zieht die Augenbrauen hoch, wenn wir uns nur sch├╝tzen wollen, nun, da wir selber Erwachsene sind und eine Wahl haben? Denn als Kind hat man keine Wahl, man ist angewiesen auf die Eltern.

Und man kommt auch nicht so einfach aus der Familie raus, im schlimmsten Fall, muss erst etwas passieren, dass die Beh├Ârden hellh├Ârig werden. Oder es braucht einen mutigen der das meldet. Doch die meisten sind nicht mutig und sehen weg, auch wenn das Ungl├╝ck vor ihren Augen passiert. Wie viele Kinder sind schon in Wohnungen verendet und angeblich hat niemand etwas mitbekommen? Wie viele Kinder werden in der ├ľffentlichkeit geohrfeigt und niemand schreitet ein?

Man sieht weg, es ist ja nicht das eigene Kind, nicht das eigene Problem, warum sich also mit sowas unn├Âtig belasten?

Aber wenn man dann als erwachsene Frau / Mann sagt: ┬źIch habe den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen!┬╗ Da f├╝hlen sich pl├Âtzlich alle eingeladen ihren absch├Ątzigen Senf dazu zugeben, vor allem zu verurteilen, sich einzumischen, obwohl sie niemand darum gebeten hat. Denn nicht jeder mag dann ausf├╝hrlich erz├Ąhlen warum wieso und weshalb es so weit kam.

Viele sagen auch aus den besagten Gr├╝nden einfach, dass ihre Eltern verstorben sind. Denn glaubt mir, diese Entscheidung trifft man nicht von heute auf morgen. Es ist ein langj├Ąhriger Prozess in der Hoffnung, dass eines Tages, die Eltern ihre Fehler erkennen, das Kind als solches erkennen, mit seinen Bed├╝rfnissen, W├╝nschen, ├ängsten.

Mit dem vergangenen abschliessen

Dass sie eines Tages anfangen Liebe zu zeigen, anstatt ihren Frust an ihren Kindern auszulassen. Doch je mehr Zeit vergeht, desto mehr stirbt die Hoffnung und man stellt fest, dass man sich das nicht antun braucht. Warum auch? Warum sollte sich jemand freiwillig niedermachen lassen wollen? Also trennt man sich und hat seine Ruhe. Die meisten brauchen eine Therapie, um sich von dem Traumata der Kindheit zu erholen, an ihrem Selbstbewusstsein zu arbeiten und um mit der Vergangenheit abzuschliessen.

Es war ein langer Weg auch f├╝r mich, all das was passiert ist hinter mir zu lassen. Doch ich wollte es immer anders machen, als meine Eltern. Und Menschen, die mich verurteilen, mich als schlechte Tochter hinstellen, die kann ich mittlerweile nur noch bel├Ącheln. Denn wenn sie meine Eltern so bemitleiden, kann ich ihnen gern die Adresse geben, damit sie ihnen einen Besuch abstatten k├Ânnen.

Wenn man sie dann konfrontiert mit der bitteren Wahrheit und dem Grund des Kontaktabbruchs, werden sie meist still und schauen bedr├╝ckt zu Boden. Es ist halt immer einfacher zu urteilen, statt zu hinterfragen.

Warum ich euch das heute erz├Ąhle?

Weil ich den vielen Menschen, denen es genauso geht Mut machen m├Âchte. Ihr seid keine schlechten Menschen, nur weil ihr euch sch├╝tzt! Denn jeder hat das Recht gl├╝cklich zu sein. Ich m├Âchte auch kein Mitleid, ich m├Âchte einfach nur, weniger verurteilende Worte, weniger Vorurteile, mehr Hinterfragen. Denn glaubt mir, viele von uns h├Ątten gern ein liebevolles Elternhaus und eine tolle Kindheit gehabt und vor allem: Einen guten Draht, auch als Erwachsene zu den eigenen Eltern!