Zu Gast beim Nachtcaf├ę

Meine lieben!

Ich weiss, was ihr nun denkt: „Wo ist nun endlich der zweite Beitrag ├╝ber den Digitalen Nachlass“ und „Warum ist es hier so ruhig in letzter Zeit?“

Ich war nun ein paar Wochen mit Bronchitis angeschlagen, und ehrlich gesagt habe ich noch nicht alle Infos zusammen, den ich f├╝r den Beitrag br├Ąuchte. So kurz vor Weihnachten wird es auch schwierig. Auch gibt es das Jahr hier auf dem Blog keinen Adventskalender oder ├ähnliches. ┬áDaf├╝r hat der Blog nun aber ein neues Gesicht!

Ich habe es einfach besinnlich genommen und Ruhiger. Das was ich das Jahr so oder so machen wollte. Mehr auf mich achten. Meine Grenzen erkennen und einlenken. In der Zwischenzeit war ich auch zu Gast beim Nachtcaf├ę. Jetzt ist die Katze aus dem Sack! Es war eine wunderbare Erfahrung und ich habe wundervolle Menschen getroffen. Und da w├Ąren wir schon beim n├Ąchsten Punkt:

Kommt jemand von meinen Lesern  aus Pforzheim?

Ich bin noch am ├╝berlegen, ob und wie man etwas organisieren k├Ânnte f├╝r Weihnachten. Wir hatten einen Gast im Studio, Herr Dera, der ganz einsam und verlassen Weihnachten in einem Altersheim verbringen wird. Er hat dort leider keine Verwandten oder Bekannte. Gibt es eine Familie, jemanden vor Ort der ihn besuchen k├Ânnte? ┬áIch bin schon am ├╝berlegen, zur Not fahre ich auch pers├Ânlich vorbei.

Anbei nun der Link zur Sendung

Ps: Danke, der Nachtcaf├ę Redaktion┬áf├╝r das tolle Bild ┬áund der Erlaubnis es hier benutzen zu d├╝rfen!

Ja, darf man das?

Was w├Ąre, wenn:

Die besten Freunde l├╝gen w├╝rden wie gedruckt?
Man sich nicht auf sie verlassen k├Ânnte?
Man immer Schuld ist an jeder Misere tr├Ągt, nur nicht sie selber?
Man jeden Tag zu h├Âren bekommen w├╝rde, wie unerw├╝nscht man ist?
Man keine Unterst├╝tzung von ihnen erfahren w├╝rde, sondern nur Kritik?

Und ich meine nicht die Art und Weise von Kritik, die einen vorw├Ąrtsbringt.

W├╝rde man sich solchen Menschen aussetzen, freiwillig?

W├╝rde man Wert legen auf solch eine ┬źFreundschaft┬╗? ┬áIch glaube wir alle k├Ânnen diese Frage mit einem klaren: ┬źNein!┬╗ beantworten.

Wenn Eltern den Kontakt zu ihren Kindern abbrechen

Ist das immer so eine Sache. Meist muss schon etwas ┬źschlimmes┬╗ passiert sein, dass Eltern diesen letzten verzweifelten Schritt gehen. Aber dieser Schritt, wird meist gesellschaftlich akzeptiert und verstanden. Die verstossenen Kinder werden dann gern ┬źSchwarze Schafe┬╗ genannt und damit ist das Thema meist vom Tisch.

Gerade zu dieser Zeit, so kurz vor Weihnachten, werde ich oft mit der Frage konfrontiert: ┬źUnd, gehtÔÇÖs zur Familie ├╝ber Weihnachten?┬╗ ┬źJa, zu meiner Wahlfamilie!┬╗ antworte ich dann oft. Dies l├Âst nat├╝rlich eine Flut an Fragen und besonderem Unverst├Ąndnis aus. Denn ich geh├Âre zu den Menschen, die ihren Eltern ┬źgek├╝ndigt┬╗ haben. ┬źJa, darf man das denn?┬╗ h├Âre ich einige von euch schon fragen.

Wenn Kinder den Kontakt abbrechen

Werden sie als undankbar bezeichnet und vieles mehr. Man zeigt kein Verst├Ąndnis, bezichtigt uns des Egoismus und auch sehr oft als herzlos. Und wehe Sie sind Tochter, dann erst recht! Gerade ich, in meinem Beruf (ich arbeite mit Kindern und Erwachsenen) ernte ich meist kr├Ąftiges, absch├Ątziges Kopfsch├╝tteln. Wie oft musste ich mir anh├Âren: ┬źKomm, ruf sie an, es sind deine Eltern, sei nicht so sturÔÇŽEines Tages werden sie nicht mehr da sein und dann wirst du es bereuen…Blablabla┬╗ und all der gleichen. ┬áNein, werde ich sicher nicht, ganz ehrlich!

Menschen sind gegen Gewalt an Kindern

Jeglicher Missbrauch ist ihnen zuwider und jeden der ein Kind qu├Ąlt, auf welche Art und Weise auch immer, w├╝rden sie am liebsten auf Lebenszeit einsperren oder gar schlimmeres, da sind wir uns auch alle einig, hmm? Einem wehrlosen, schutzbed├╝rftigen Kind, dass auf seine Eltern angewiesen ist, keine Liebe oder Geborgenheit und Sicherheit zu geben, es nur bis auf das n├Âtigste zu versorgen und es nur beachten wenn es etwas zum Kritisieren gibt, um es dann k├Ârperlich zu z├╝chtigen, es bricht den meisten schon das Herz wenn sie nur davon lesen, stimmt`s?

Menschen sind auch gegen jegliche bevormundung wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht haben, wie die Vollj├Ąhrigkeit, nicht wahr?

Viele von euch nehmen solche Eltern in Schutz

Denn wenn Kinder, Eltern jeglichen Kontakt verweigern, ist meist wirklich etwas dahinter. In meinem Fall, all das von oben beschriebene. Also warum dr├╝ckt man mir und vielen anderen, die sich aus Scham nicht trauen dar├╝ber zu sprechen den Stempel der Undankbarkeit gegen├╝ber den Eltern auf? F├╝r was sollten wir in unserem Fall Dankbar sein?

Warum sch├╝ttelt man den Kopf, und zieht die Augenbrauen hoch, wenn wir uns nur sch├╝tzen wollen, nun, da wir selber Erwachsene sind und eine Wahl haben? Denn als Kind hat man keine Wahl, man ist angewiesen auf die Eltern.

Und man kommt auch nicht so einfach aus der Familie raus, im schlimmsten Fall, muss erst etwas passieren, dass die Beh├Ârden hellh├Ârig werden. Oder es braucht einen mutigen der das meldet. Doch die meisten sind nicht mutig und sehen weg, auch wenn das Ungl├╝ck vor ihren Augen passiert. Wie viele Kinder sind schon in Wohnungen verendet und angeblich hat niemand etwas mitbekommen? Wie viele Kinder werden in der ├ľffentlichkeit geohrfeigt und niemand schreitet ein?

Man sieht weg, es ist ja nicht das eigene Kind, nicht das eigene Problem, warum sich also mit sowas unn├Âtig belasten?

Aber wenn man dann als erwachsene Frau / Mann sagt: ┬źIch habe den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen!┬╗ Da f├╝hlen sich pl├Âtzlich alle eingeladen ihren absch├Ątzigen Senf dazu zugeben, vor allem zu verurteilen, sich einzumischen, obwohl sie niemand darum gebeten hat. Denn nicht jeder mag dann ausf├╝hrlich erz├Ąhlen warum wieso und weshalb es so weit kam.

Viele sagen auch aus den besagten Gr├╝nden einfach, dass ihre Eltern verstorben sind. Denn glaubt mir, diese Entscheidung trifft man nicht von heute auf morgen. Es ist ein langj├Ąhriger Prozess in der Hoffnung, dass eines Tages, die Eltern ihre Fehler erkennen, das Kind als solches erkennen, mit seinen Bed├╝rfnissen, W├╝nschen, ├ängsten.

Mit dem vergangenen abschliessen

Dass sie eines Tages anfangen Liebe zu zeigen, anstatt ihren Frust an ihren Kindern auszulassen. Doch je mehr Zeit vergeht, desto mehr stirbt die Hoffnung und man stellt fest, dass man sich das nicht antun braucht. Warum auch? Warum sollte sich jemand freiwillig niedermachen lassen wollen? Also trennt man sich und hat seine Ruhe. Die meisten brauchen eine Therapie, um sich von dem Traumata der Kindheit zu erholen, an ihrem Selbstbewusstsein zu arbeiten und um mit der Vergangenheit abzuschliessen.

Es war ein langer Weg auch f├╝r mich, all das was passiert ist hinter mir zu lassen. Doch ich wollte es immer anders machen, als meine Eltern. Und Menschen, die mich verurteilen, mich als schlechte Tochter hinstellen, die kann ich mittlerweile nur noch bel├Ącheln. Denn wenn sie meine Eltern so bemitleiden, kann ich ihnen gern die Adresse geben, damit sie ihnen einen Besuch abstatten k├Ânnen.

Wenn man sie dann konfrontiert mit der bitteren Wahrheit und dem Grund des Kontaktabbruchs, werden sie meist still und schauen bedr├╝ckt zu Boden. Es ist halt immer einfacher zu urteilen, statt zu hinterfragen.

Warum ich euch das heute erz├Ąhle?

Weil ich den vielen Menschen, denen es genauso geht Mut machen m├Âchte. Ihr seid keine schlechten Menschen, nur weil ihr euch sch├╝tzt! Denn jeder hat das Recht gl├╝cklich zu sein. Ich m├Âchte auch kein Mitleid, ich m├Âchte einfach nur, weniger verurteilende Worte, weniger Vorurteile, mehr Hinterfragen. Denn glaubt mir, viele von uns h├Ątten gern ein liebevolles Elternhaus und eine tolle Kindheit gehabt und vor allem: Einen guten Draht, auch als Erwachsene zu den eigenen Eltern!