Kontaktabbruch zu den eigenen Eltern – Let`s break the silence!

Ich habe letztes Jahr einen Beitrag geschrieben über den Kontaktabbruch zu den eigenen Eltern. Dieser fand so viele Rückmeldungen, auch heute noch, dass ich mich entschloss erneut darüber zu schreiben. Es ist wieder Weihnachten und ich bin alleine in Polen. Es ist bezaubernd hier, zusätzlich konnte ich noch einen Abstecher nach Riga machen an Heiligabend. Einfach traumhaft und unverhofft (kommt gerade oft!) Nun ja, viele haben mich dann gefragt, ob es nicht doof sei so ohne Familie. Nein, ganz und gar nicht, ich bin sehr glücklich, ausgeglichen…nun ja, all das wozu manche eben andere Leute brauchen.

Sie kennen meine Familie nicht, sonst hätten sie sich die Frage erspart. Mein Vater ist (?) schwerer Alkoholiker, meine Mutter eine “Ewigunzufriedene” der nichts nur annähernd gut genug ist. Doch ich habe eine Entscheidung getroffen mit dem Kontaktabbruch zu beiden. Eine Entscheidung für mein Leben, für ein glückliches Leben. Ohne das Drama der Vergangenheit. Ohne mich in der Opferhaltung zu suhlen. Ich habe das überstanden was mir zugefügt wurde, ich habe verziehen. Heute bin ich glücklicher als ich es jemals war. Und habe nie Schuldgefühle, warum auch? Weil ich mich selber achte und respektiere. Und ich niemanden dulde in meiner Nähe der das nicht tut. Dieser zweite Artikel soll anderen helfen für sich einen Weg zu finden, soll Mut machen und mit dem Vorurteil aufräumen, dass es da draussen Kinder gibt die eines morgens aufwachen und aus dem nichts beschliessen den Kontakt zu ihren Eltern abzubrechen.

Ich bin nicht alleine

Ich habe seit letztem Jahr viele Zusendungen erhalten, was den letzten Artikel betrifft. “Wir” sind leider viele. Die meisten fragten ob ich einen Rat habe, ihnen irgendwie den Schritt erleichtern könnte und wie meine Erfahrungen waren. Viele, auch heute wieder, waren erleichtert zu lesen, dass sie nicht alleine sind mit diesem “Problem” über was man so selten spricht. Ich werde heute versuchen zu erklären was es mir so “einfach” gemacht hat diesen endgültigen Schritt zu gehen.

Auch angeregt wurde dieser Artikel von einem anderen Artikel über eine Mutter, die sich einfach nicht erklären kann wie ihr Kind einfach so mal den Kontakt abgebrochen hatte. Einfach so von heute auf morgen…schon alleine, wenn ich das lese könnte ich vor Wut durch die Decke gehen. Die Dame hat nun sogar einen Verein gegründet und ein Buch darüber geschrieben. (Es grüsst herzlich: Die Opferhaltung!) Denn “einfach so” passiert das nie. Man probiert Jahrelang gesehen zu werden, ernstgenommen zu werden, verstanden zu werden, faule Kompromisse werden geschlossen, nur um es den Eltern “recht zu machen:” Einigen ist aber nichts rechtens genug. Statt sich mit anderen Eltern zusammen zu tun denen es genau so ging, sollten sie lieber alle gemeinsam in eine Gruppentherapie – “Richtig reflektieren und Wahrnehmungstraining” oder “Meine Fehler in der Erziehung und ihre Konsequenzen.”

Keine Geduld, keine Kraft und keine Nerven mehr!

Für mich war es ausschlaggebend, dass ich einfach keine Geduld und keine Kraft mehr hatte mich mit meiner Mutter im Kreise zu drehen. Zu meinem Vater kappte der Kontakt schon als ich 17 / 18 Jahre alt war, da er sich für den Alkohol entschied und ich das respektierte. Aber ich konnte mir das nicht mehr länger mit ansehen und mich runter ziehen lassen. Aber zurück zu meiner Mutter. Wir gingen 2. Schritte vor…20. zurück, so ging das nach meinem Auszug ungefähr 13. Jahre. Bis ich vor 3. Jahren mich endgültig verabschiedete. Selbst meine Therapeutin riet mir dazu. Denn es zog mich jedes mal mehr und mehr runter. Und ich war es leid mich nach jedem Besuch bei ihr Tagelang zu Hause einzusperren oder angeschlagen durchs Leben zu laufen. Wozu?

Irgendwann sah ich keinen Grund mehr den Kontakt aufrecht zu erhalten

Warum auch? Es gab keinen logischen Grund. Nur weil sie meine Mutter war? Nun ja, jemand der sein Kind körperlich und seelisch misshandelt…für mich war das keine “Mutter” im klassischen Sinn. Für mich war sie eine Art Monster, deren Stimmungsschwankungen so unberechenbar waren wie das Wetter im April. Ich hatte jahrelang noch Alpträume von den “Szenen” die sie mir machte, wie sie mir ein Radio hinterher warf im Affekt, weil ich 2.Minuten zu spät war, oder mich anschrie vor all meinen Freunden, mitten in der Stadt. Glaub die Krönung war, als sie dachte ich würde ihr denn Mann ausspannen wollen, weil wir uns gut verstanden. Weil wir eine Gemeinsamkeit hatten – das Schreiben. Hätte sie ihre Tochter gekannt, würde sie wissen, dass ihre Tochter  nicht so auf ältere Männer abfährt, so ganz und gar nicht. Ausserdem war dieser Mann mir mehr Vater, als mein leiblicher Vater.  Die Geschichten liessen sich hier zu einem Buch, dicker als die “Herr der Ringe” Trilogie fortführen. Ich zog dann endlich aus mit 17 Jahren. (Nach 2. Jahren erfolglosen Vermittlungsversuchen vom Jugendamt mit einer Sozialpädagogin die jede Woche zu uns nach Hause kam, nach unzähligen Besuchen der Polizei bei uns zu Hause, denn die musste nach den Ausbrüchen meiner Mutter öfter antanzen als ihr lieb war. Ich lief auch ein paar mal von zu Hause weg, wenn es wieder ganz schlimm wurde.)

Und ich probierte es weiter mit ihr. Trotz allem. Immer und immer und immer und immer wieder. Nur gebracht hat es nichts. Es war Zeitverschwendung. Ich hätte mir den Kopf lieber gegen die Wand schlagen sollen…hätte genau so viel Sinn gemacht. Nämlich keinen. Null. Nada.

Knapp zwei Wochen wie gelähmt im Bett

Glaub seinen Höhepunkt erreicht das ganze Leiden der ganzen Jahre in den Sommerferien, als ich sie an ihrem Geburtstag besuchte, und nur 2. Tage später zurück kam um dann 1.5. Wochen in meinem abgedunkelten Zimmer im Bett zu liegen. Sie machte mich fertig wegen 2. Eiern die in einen Teig rein sollten. Sie las vor, ich führte aus, wir wollten mal backen. Wie normale Leute. Ich fragte noch: “Sollen die Eier getrennt werden oder kommen die ganz rein?” “Ganz rein!” Gesagt getan…nur um mir dann ein paar Sekunden später anzuhören: “Die sollten doch getrennt werden, nie kannst du was richtig machen!” Ich versuchte die Situation zu entschärfen, es sei doch nur ein Teig, wir machen einen neuen, alles easy. Aber es ging nicht, sie kam voll in Fahrt, Vorwürfe und Mist der letzten Jahrzehnte flogen mir nur so förmlich um die Ohren. Geschichten die ich längst vergessen hatte wurden ausgepackt, ich sei ja immer schon zu nichts zu gebrauchen gewesen und überhaupt. Wie ein kochender Dampfkochtopf der kurz vor dem explodieren steht, stand sie vor mir und schrie mich an. Ich schrie irgendwann zurück, packte meine Sachen ungläubig, dass sie wegen 2. Eiern so eskaliert, und ging. Das war so typisch. Sie flippte aus…ich versuchte sie zu beruhigen, was nie gelang, dann flippte ich irgendwann aus und fuhr wieder heim. So ging das Jahr ein, Jahr aus. Knapp 13 Jahre lang. Bis vor 3. Jahren.

Ich war halt einfach ein schlimmes Kind – so entschuldigt man den Missbrauch

Danach besuchte ich sie nur noch einmal, schlief aber in einem Hotel, was sie sehr erschütterte. Ich meine wirklich? Nach all den letzten Jahren wunderte man sich wirklich? Hallo “Opferhaltung!” Klar war mir der Titel “Schlechteste Tochter des Jahres” wieder sicher. Dass es Gründe wie diesen und andere gab dafür, wollte man nicht sehen: Sie kam das letze mal auch einfach so ins Bad geplatzt als ich dort länger verweilte, beim abschminken. “Was machst du da so lange?” fauchte sie mich an. Ich stand vor dem Spiegel und schminkte mich ab, dabei hörte ich Musik aus meinem iPhone, wie so oft…Wie dumm ich drein geschaut habe, konnte ich im Spiegel sehen…”Ich feiere hier eine wilde Drogenorgie Mutter, mit vielen Männern. Willst du nicht mitmachen? fragte ich sie schnippisch und verliess das Badezimmer. Ich sprach kein Wort mit ihr an dem Abend. Was sollte das denn bitte? Dafür schwieg sie mich am nächsten Tag an, ich fuhr wieder ab.

Ab und an versuchte ich mit ihr die Vergangenheit zu bewältigen. Das war das was ich immer hörte: “Du warst ein schlimmes Kind, warte ab bis du Mal Kinder hast, ich wünsche dir, dass deine Kinder werden so wie du!” Klar, wie immer sind die anderen Schuld, vor allem ich. War ich doch auch das einzige Kind weltweit, dass sich selber auf die Welt gebracht hat. Meine Eltern wurden nämlich nie müde mir zu sagen, dass es ihnen ohne mich besser ergangen wäre im Leben. Ich hatte eh immer Schuld an allem. Und ich war ein schlimmes Kind. Noch Fragen?

 

“Sie müssen sich selber die Mutter sein, die sie nie hatten. Sie müssen sich selber trösten, sich lieben, auf sich achten und respektieren!”

Das sagte meine Therapeutin damals zu mir. Und es half. Denn ich musste einfach einsehen: Wenn ich meinen Seelenfrieden wollte, musste ich den Kontakt kappen. Und ihr verzeihen. Nicht um ihretwillen. Sondern für meinen Seelenfrieden. Ich wollte ihr absolut keine Macht mehr über mich geben. Ich wollte  nur noch abschliessen und ein glückliches Leben haben.

Und überhaupt: Nichts wird gut genug sein, nichts wird so sein wie ich es als Tochter gerne hätte, ich jagte einer Illusion hinterher. Auch, weil es die Gesellschaft von mir forderte. Und auch, weil ich meinen Freunden und Bekannten nie, wirklich nie erzählte was man zu Hause mit mir machte oder gemacht hat. “Es geht niemanden was an, was in unserer Familie passiert!” brannte sich tief ein in meine Seele. Ich brauchte ganz lange um mich davon zu lösen. Doch teilweise schäme ich mich heute immer noch für das was ich durchleben musste. Völlig zu unrecht.

Und ich stellte fest mit dem ersten Beitrag

Ich bin nicht alleine. Da draussen gibt es ganz viele erwachsene Männer und Frauen denen es genauso geht. Die auch die Hölle auf Erden durch lebt haben, an einem Ort der einem Sicherheit, Liebe und Geborgenheit geben sollte. Erwachsene die nicht den Mut finden ihren Eltern ihre Grenzen aufzuzeigen. Die sich nicht trauen der Gesellschaft und ihren Ansprüchen einen dicken Mittelfinger zu zeigen. Die Schuldgefühle haben, die sich verantwortlich fühlen für das Glück ihrer Eltern.

Ich habe eine klare Botschaft für euch: Fangt an, euch als vollwertige Menschen zu sehen! Ihr seid liebenswert, besonders und vor allem: Ihr seid stark!

Ihr seid nicht verantwortlich für das Glück eurer Eltern. Ihr schuldet euch selber aber Respekt, Liebe und euren Seelenfrieden.

Ihr schuldet niemanden eine Erklärung für eure Entscheidung. Lasst euch professionell begleiten, wenn ihr es nicht alleine schafft, es ist keine Schande sich Hilfe zu holen.

Es ist euer Leben. Ihr seid dafür verantwortlich! Und manchmal muss man sich schützen um nicht daran zu Grunde zu gehen. Fangt an euch selber zu lieben und setzt euch niemanden aus, der euch fertig macht, euch nicht respektiert oder euch gequält hat.

Man rät ja auch niemanden sich seinem Peiniger zu stellen, und ihn gern zu haben, nach dem man ihm entkommen ist, oder?

 

An die Gesellschaft

Hört auf die armen, so armen Eltern solcher Kinder zu bemitleiden und die Kinder zu verurteilen. Die Eltern wollen es nicht zugeben was sie falsch gemacht haben. Oder sehen nicht wo das Problem lag. Und da lag sicher ein Problem vor, niemand der eine liebevolle, “normale”  Kindheit hatte verhält sich so. Nach knapp über 15. Jahren mit Kindern und Erwachsenen im Beruf und auch privat habe ich noch kein Elternteil erlebt, dass zugegeben hat das Kind misshandelt zu haben. Sei es emotional oder körperlich. Aber sich dann als das Opfer hinstellen, wo das Kind “einfach so von heute auf morgen,” den Kontakt verweigert. Ehrlich? Jeder der sich ein wenig mit Kindern und Bezugspersonen auseinander setzt weiss: Kinder würden alles tun um von ihren Eltern geliebt zu werden. Kinder akzeptieren auch vieles von ihren Eltern um geliebt zu werden…Für die Kinder sind die Eltern das ein und alles, egal was die Eltern anstellen. Sich dann von diesen zu trennen, aus welchen Gründen auch immer erfordert extrem viel Mut, Zeit und Kraft. Niemand “kündigt” einfach mal so über Nacht seinen Eltern aus einer Laune heraus. Die Eltern die das behaupten würde ich dringend zu einer Therapie raten, damit sie lernen sich und ihr Verhalten zu reflektieren.

 

Zum Titelbild: Das ist das letzte Bild, dass meine Mutter von mir schoss. Ich hatte ihr einen Schneemann im Garten gebaut um sie aufzumuntern. Das Bild trügt, auch wenn ich lache,  denn sie machte zwar das Bild auf meinen Wunsch hin, schnauzte mich aber im selben Augenblick an wegen des Topfes, den ich ohne ihre Erlaubnis für den Schneemann aus dem Schrank nahm.

Danach, packte ich meine Sachen erneut und fuhr zurück in die Schweiz. Zur Info…meine Mama wohnt 4. Stunden Zugfahrt von mir weiter weg…

26 Antworten auf „Kontaktabbruch zu den eigenen Eltern – Let`s break the silence!“

  1. Ich war sehr schnell drin in dem Text, man fühlt gut mit und wird fast selbst wütend. Wenn es dir gut geht hast du offensichtlich die richtige Entscheidung getroffen.

    Trotzdem, soll nicht blöd klingen, aber ich finde es schade gibt es keinen ebenso tiefen und ausführlichen Text von deiner Mutter.

    1. Ja, mich würde auch mal ihre Sicht der Dinge interessieren. Aber eben… 😉 Man konnte ja nicht mal normal mit ihr darüber sprechen. Ich wollte auch mit ihr mal zur Therapie…aber sie meinte sie sei ok, sie brauche diesen “Sch….” nicht. Dabei bin ich überzeugt, das hätte ihr und auch uns allen geholfen, sehr sogar. Aber man kann niemanden helfen oder retten, der das nicht möchte. Ohne Einsicht, keine Besserung. Ich weiss um ihre schlimme Kindheit, aber das ist keine Entschuldigung es dann genauso weiter zu geben und sich dann zu wundern…

  2. Hallo Paula,
    Es tut mir sehr leid, dass du mit so einer Familie leben musstest. Ich kann deine Entscheidung, den Kontakt abzubrechen, total verstehen. Ich war auch mal kurz davor, mich auf Nimmerwiedersehen von meinem Vater zu verabschieden, weil er mich auch so runter zog. Jetz hat er ne neue Frau und ist ein anderer Mensch geworden und hat sich für vieles entschuldigt, weshalb ich ihm noch eine Chance gegeben habe.
    Aber du hast recht, Kinder verzeihen extrem viel, wenn es um ihre Eltern geht. Kein Kind ist von Grund auf “schlecht”, hier kommt es zu einem großen Teil auf die Eltern an.
    Danke für deine Offenheit! Ich glaube das kann vielen Menschen in derselben Situation helfen!
    LG Julie

    1. Hallo Julie

      Gern geschehen! Das freut mich zu hören <3 Das hoffe ich sehr, dass es anderen Menschen hilft!

      Liebe Grüsse und einen guten Rutsch ins 2017!

  3. Hallo Paula Deme,

    ich habe mit sehr großem Interesse diesen Blog gelesen, auch den ersten Teil wo es darum ging. Sehr sehr interessant, Danke! Ich konnte mich in fast allen Situationen wieder finden. Ich bin da auch gerade in so einem Prozess drin…das dauert halt.
    Mich würde interessieren, auch wenn jede Situation oder jedes Verhältnis zu den Eltern anders ist, wie und ob Du den Absprung kommuniziert hast…
    Das ist so ein Thema wo ich hin und her überlege…
    Würde mich freuen von Dir zu lesen.
    LG Ralf

    1. Hallo Ralf

      Mit meinem Vater hat sich das zerlaufen, da ich damals in eine andere Stadt gezogen bin und dann schliesslich das Land verlassen habe. Mit meiner Mutter, nun ja. Ich habe ihr eigentlich jedes mal gesagt, dass ich mich nie wieder melde, tat es aber immer wieder auf Druck von aussen oder sie meldete sich wieder.

      Letztes mal, bin ich auch wieder mal davon gerauscht, aber habe nie wieder zurück gesehen. Auf ihre Anrufe nicht reagiert, Telefonnummer gesperrt, sie auf Facebook ausgeschlossen. Ich hatte nicht mehr das Gefühl ich müsste ihr irgendwas erklären, es wurde schon zu viel gesagt, wir drehten uns im Kreis.

      Ich glaube auch, dass sie es begriffen hat, da von ihr nun auch seit knapp 2. Jahren nichts mehr kam.

      Viel Kraft wünsche ich Dir!

      Liebe Grüsse,

      Paula

  4. Hi Paula,

    Ich bin heute via Facebook auf deinen Beitrag gestossen und musste dir einfach schreiben, da du quasi eins zu eins meine Geschichte erzählt hast…fast unheimlich :-p
    Ich bin auch mit 17 wegen meiner depressiven, aggressiven Mutter ausgezogen und habe sie seit dem nicht gesehen. Meinen Vater kenne ich auch nur noch von Fotos.

    Ich bin 31 und lebe seit 2007 in der “zweitschönsten” Stadt der Schweiz…Luzern 🙂
    Beruflich mache ich gerade ein Studium zur Sozialarbeiterin und privat bin ich ebenfalls glückliche Singlerin ohne Kinder.

    Einen lieben Gruss aus Luzern,
    Antje

    1. Hallo Antje

      Ui, das ist bisschen creepy. Tut mir leid, dass Du auch so etwas durchmachen musstest.

      Ich werde auch in die Richtung Sozial weiter gehen, hatte mir auch schon überlegt in Luzern zu studieren 😉 Wir sollten mal auf einen Kaffee, natürlich nur wenn Du magst.

      Fühl Dich umarmt,

      Paula

  5. Glückwunsch zu der Entscheidung. Bei mir war es so, dass ich äußerlich eh schon vor Jahren den Kontakt nicht explizit abgebrochen, aber schleifen gelassen hatte, aber innerlich noch immer litt, dass es keinen guten Kontakt gab. Besuche sind mutig, ich hatte mich auf Telefonate beschränkt (nach dem Motto: Kontakt halten, vielleicht wird es ja mal wieder was – 1x im Jahr zum Geburtstag rief ich an). Zum Glück hat ein Telefonat im vorletzten Jahr dann alles geklärt, als endlich einmal glasklar wurde, dass mein Vater komplett die Schuld bei mir sieht (du kennst das, “das schlimme Kind”). Seitdem bin ich innerlich frei und es fühlt sich gut an, zu wissen, dass ich sehr wahrscheinlich nie wieder mit ihm reden werde, bevor einer von uns stirbt – weil ich nicht muss, weil ich frei bin, weil es egal ist, ob er sich für mich interessiert der nicht. Und weil ich alt genug bin um zu wissen: Es sind die Erwachsenen, die für das Gestalten der Beziehung zum Kind verantwortlich sind. Wenn es keine gibt, dann weil die Eltern diese nicht so gestaltet haben, dass es beiden darin gut geht. Man kann ihnen als Erwachsener noch eine Chance geben (das habe ich mit meiner Mutter getan, sie wird von ihrer Opferrolle nie ganz los kommen, aber wir kommen jetzt zurecht), aber wenn sie dann noch immer zu nix Neuem fähig sind, dann darf man sie los lassen. Und allein ihre destruktiven Bahnen ziehen lassen.

  6. Danke für den Text. Er hat mich sehr berührt und viel mit meiner Geschichte zu tun. Auch meine Mutter hat eine affektive Störung. Ich habe schon seit über 10 Jahren losen Kontakt zu ihr, meine Geschwister ebenso. War auch lange Zeit in einer kognitiven Verhaltenstherapie, alpträume, ängste, das volle Programm… Das grosse Ding ist ja, das man bei solchen Eltern eine unsichere Bindung erlernt und unter erschwerten Bedingungen sozialisiert wird. Dementsprechend ist das abgrenzen und der Kontaktabruch nur Teil 1 unserer Aufgabe, Teil 2 ist das neu erlernen von sozialen Beziehungen, also nicht selbst in irgendeiner destruktiven copingstrategie zu verharren und dann auf eine andere Art so sein wie sie. Ich fahre gut mit modellernen, schaue wie andere gewisse Dinge und die Welt anschauen, welche sozial gesund sind. Wichtig ist auch die Einsicht keine normale Mutter zu haben, nicht die Erwartung zu haben, dass sie irgendwann normal ist, dann kann man das ganze auf eine andere Ebene schieben und hat mehr Spielraum wenn Sie ausklinkt. Am besten geht es mir, wenn ich die Vorstellung habe, dass sie wie eine Art Behinderung oder Krankheit hat, welche sie beeinträchtigt. Nun ist es so, dass man Menschen mit einer physischen Krankheit integriert, irgendwie muss unsere Gesellschaft auch die mit solchen Beeinträchtigungen integrieren. Ich habe gelernt stolz auf meine Geschichte zu sein, stolz dass ich meinen eigenen Weg gehen musste, von klein auf. Es macht mich in meinem heutigen Leben brutal stark und kreativ. Ich leite eine Fachstelle im Bereich mit Kindern und Jugendlichen und kann dort u.a. durch meine Geschichte viel weitergeben, vielleicht mehr als viele die normal aufgewachsen sind. Peace.

  7. Hallo zusammen, es macht mich sehr traurig, dass zu Lesen. Aktuell geht es den Kindern immer noch so, dass sie nicht geschützt werden vor psyschischem und emotionalem Missbrauch. Betroffene Eltern die sich getrennt haben von dem Partner mit der Narzisstischen/Borderline Persönlichkeitsstörung müssen hilflos mit ansehen wie ihre Kinder leiden und die Behörden und Gerichte sind ebenfalls mit solchen Fällen überfordert. Wir könnten deshalb die Hilfe von den erwachsenen Kindern von psyschischem und emotionalen Missbrauch gut brauchen, die uns in unserer Juno-Projektgruppe unterstützen den Kindern zu helfen. Die Gruppe ist auf FB und heisst Juno-Switzerland. Liebe Grüsse Sarah

  8. Liebe Paula, ich kenne deinen Blog schon lange und war ganz erstaunt, dass du kürzlich im Podcast bei Robin zu Gast warst. Hut ab für deine Offenheit und danke, dass du mit diesem Thema so offen umgehst.

    Ich selber habe viel zu lange gewartet, bis ich mich endlich von meinen Eltern loslösen konnte. Ein langer, grosser Schritt, der mir aber endlich Freiheit und inneren Frieden brachte.

    Ich wünsche dir weiterhin alles Gute!

    1. Liebe Jana!

      Danke für deine lieben Worte und die Treue =) Ich freue mich für dich, dass du es aber doch geschafft hat und bin traurig, dass du diesen Schritt machen musstest.

      Ich wünsche dir auch weiterhin alles Gute <3

  9. Liebe Paula,

    auch wenn dein Artikel schon fast 1 Jahr her ist. Er spricht mir aus der Seele. Nach vielen Jahren Selbstverleugnung, damit meine Oma ihren Seelenfrieden hat, und der Rest der Familie sich nicht “streitet”, habe ich nun den entgültigen Entschluss gefasst und den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen. Viele Parallelen kann ich in deinem Text entdecken und es tut unendlich gut, zu wissen, dass man eben nicht allein ist. Bei Freunden wird man zunächst immer etwas schief angeguckt, wenn man ein wenig der Problematik durchblicken lässt. So als sei man selbst eben unnormal. Dabei kann mich nicht allein etwas für die Gesamtsituation und noch viel weniger kann man etwas für die Geschehnisse, als man sowieso viel zu klein war, etwas mitzubestimmen. Die seelischen Narben werden bleiben und so liegt es jetzt an mir, einen Weg zu finden, zu verzeihen und dennoch nie wieder diese verletzenden, herabwürdigenden Verhaltensweisen an mich heran zu lassen.

    Ich danke dir von Herzen und hoffe, dir geht es gut!

    Liebste Grüße aus Sachsen in Deutschland.

    1. Liebe Emilia

      Danke, es geht mir prächtig. Freue mich sehr über die Vorweihnachtszeit 😉 Hoffe dir auch. Ja, man muss sich schützen. Das verstehen viele nicht. Wenn man aber 10 Jahre alt wäre und das so aussprechen würde, wie wir jetzt, ai. Was wäre da los! Mit Heugabeln würde man die Eltern aus dem Dorf jagen. Aber als erwachsener Mensch, scheint man diesen Schutz von aussen, das Verständnis, warum man da nicht mehr hin will oder Kontakt hält, anscheinend verspielt.

      Tut mir leid, dass du auch solche Erfahrungen machen musstest, aber es freut mich, dass du den Absprung geschafft hast.

      Ich wünsche dir auch alles gute weiterhin und eine schöne Vorweihnachtszeit!

      Liebe Grüsse nach Sachsen (bin in ein paar Wochen selber dort 😀 )

      Paula

  10. Es ist gut zu wissen, dass es Menschen gibt, denen es ähnlich ergangen ist. Der kontaktabbruch zu meiner Mutter liegt mehr als zwei Jahre zurück und ich durchlebte danach die Hölle. Anschuldigungen durch andere Menschen musste ich mir anhören, die sie gegen mich aufgehetzt hatte. Ich sei undankbar und überhaupt. Sie machte mich schon als Kind emotional abhängig von sich und ich war ihr Statussymbol um sich vor anderen bestens darzustellen. Sie gönnte mir nur die Dinge die ihr selbst Vorteile im ansehen bei anderen brachte. Ein mal war ich das tollste Kind der Welt dann wieder das anstrengende miststück. Niemand sollte soviel Macht über dich haben, dass du anfängst ein Problem mit dir selbst zu haben. Das ist es nicht wert. Auch wenn es mich unfassbar fertig machte weiß ich dass das die beste Entscheidung war.

    1. <3 Ich kann dich so gut verstehen. Fühl dich gedrückt. Es war die Richtige Entscheidung. Es ist schwierig das Kind einer Narzisstischen Mutter zu sein. Lass dir von niemanden was einreden. Es ist dein Leben Ani, du Entscheides was und wer dir gut tut. Die anderen wissen es nicht besser, es sollte dich nicht kümmern was sie über dich denken. Du kennst die Wahrheit.

      Alles Gute für dich weiterhin. Fühl dich gedrückt!

      Paula

  11. Hallo Paula,

    es war super spannend, deinen Erfahrungsbericht zu lesen. Ich kann sehr gut mit dir nachfühlen, da ich eine ähnliche Geschichte mit meiner Mutter hinter mir habe.

    “Du warst ein schlimmes Kind, warte ab bis du Mal Kinder hast, ich wünsche dir, dass deine Kinder werden so wie du!” – Wirklich erstaunlich, aber das waren fast haargenau die gleichen Worte meiner Mutter. Nur dass sie lieber das Wort “undankbar” statt “schlimm” benutzt hat.
    Blöderweise ist ihre Logik nicht aufgegangen. Durch die Geburt meines eigenen Kindes hat alles, was in unserer Beziehung geschehen ist, einen noch bittereren Beigeschmack bekommen. Letztlich war der konsequente Kontaktabbruch zu meiner Mutter (inkl. Blockieren von Telefonnummern) nur möglich, nachdem ich selbst Mutter geworden war.

    Ich habe kein schlechtes Gewissen mehr. Meine Verantwortung gilt meiner Tochter. Ich möchte nicht, dass sie die Verhaltensweisen, die meine Mutter an den Tag legt, je als Normalität empfindet. Meine Mutter zeigt keinerlei Einsicht, geschweige denn Fähigkeit zur Selbstreflexion. In ihren Augen war immer ich (oder jmd anderes) der Sündenbock. Das undankbare Kind, das seine Mutter nicht zu schätzen weiß. Ich glaube, das macht für sie die Funkstille zwischen uns erträglicher. Ich habe mir vermutlich sehr viel schwerer damit getan.

    Meine Mutter tut mir leid. Mit Hass und mangelnder Selbstliebe durch’s Leben zu schreiten, macht sicherlich nicht glücklich. Dennoch habe ich nicht die Kraft, mich dieser Beziehung länger auszusetzen und auf mein eigenes Glück ihr zuliebe zu verzichten.

    Ich wünsche dir alles Gute und schicke viele Grüße von Kontaktabbrecherin zu Kontaktabbrecherin 😉

  12. Hi,
    Es kann immer mal aus Gründen finanziell und materiell eng oder schwer werden, es können auch Fehler passieren, Niemand ist perfekt- dann sucht man jedoch nach einer konstruktiven Lösung, nach Linderung. Das ist es, was liebene Eltern tun. Sie kriegen ihren Hintern hoch und wachsen über sich hinaus.

    Ich wünsche Dir viel Mut, Liebe und Glück und Freude auf deinem weiteren Lebensweg. Und das es du einmal besser machst.

    Liebe Grüsse,
    (inzwischen) alleinstehende Single Mom, die auch keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter hat.

    PS. Ich mag die Filme von Tyler Perry total gerne. Vielleicht magst du sie ja auch.

  13. Der Anfang der Geschichte erinnert mich stark an die Geschichte von Michael Stahl aus Deutschland. Nur der Schluss nicht!

    Michael Stahl hat als Kind erlebt, das er bei der freudigen Frage nach seinem Geburtstagsgeschenk von seinem alkoholsüchtigen Vater angespuckt und danach gefragt wurde, “ob er noch mehr wolle?”.

    Wenn er dann aber seine Geschichte zu Ende erzählt (u.a. in TV Talks auf RTL, SWR, SAT1, ZDF, PRO7…) habe ich schon X-mal persönlich erlebt, wie die stärkste Kraft, die ein Menschenherz ergreifen kann, für feuchte Augen und mehr gesorgt hat.

    Ich verrate den Name dieser Kraft nicht, würde aber wärmstens empfehlen, irgend eines der zahllosen YouTube Videos von ihm anzuschauen. Z.B. dieses hier:

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