Hurra, endlich waren sie da, meine heiss herbeigesehnten Ferien! Schon am morgen machte ich Witze mit meinem Mitbewohner ĂŒber meine Reise. „Wer weiss ob ich heute noch in Warschau lande mit meinem Talent!“ Und ja, ich sollte recht behalten. Wie es dazu kam und wie es mir Heiligabend erging, davon soll heute mein Beitrag handeln.

Zeitumstellung? Zeitumstellung!

14:10 Uhr sollte mein Flug nach Riga gehen und von da weiter um 18:35 Uhr nach Warschau. Direktflug war zu teuer, da ich mich recht spĂ€t entschloss was ich Weihnachten ĂŒberhaupt machen möchte. Auf jeden Fall wollte ich ein paar unstressige Tage verbringen, ohne Termine, ohne Verpflichtungen, einfach nur in den Tag hinein leben, trĂ€umen, staunen, schreiben.

Ich kam pĂŒnktlich am Flughafen ZĂŒrich an, gab mein GepĂ€ck auf und fluchte innerlich ĂŒber die gestressten Menschen, die wie Ameisen durcheinander liefen. Mein Flug hatte zu dem Zeitpunkt schon 30 Minuten VerspĂ€tung. Und es wurde einfach nicht besser. Ja, nu, scherzte ich auf Facebook..wenn es ganz schlimm wird, werde ich eben in Riga stranden.

Auf dem Plan stand eigentlich ein Spaghetti Plausch an bei einer bekannten aus Warschau, ja nu. Gegen 15 Uhr hob ich dann endlich ab, Landung war um 17:20 Uhr. „Ahhh, voll easy“, noch eine Stunde bis der andere Flieger geht
ich dachte dabei aber wenig an die Zeitverschiebung. GemĂŒtlich ging ich zum Schalter, und erklĂ€rte der Dame von meiner VerspĂ€tung und, dass es nicht möglich war online einzuchecken von ZĂŒrich aus. Diese schrie mich an, dass ich nun SOFORT zum Gate mĂŒsse, man sei bereits am Boarden. Da dĂ€mmerte es mir! Fuck! Es ist hier bereits 18:30 Uhr!

„Paula rennt am Flughafen von einem Gate zum anderen“

Wird langsam aber sicher zur Tradition. Als ich dort völlig aus der Puste ankam, schaute man mich verstört an. Wie ich wollte noch mit? „ Es ist ausgebucht!“ Joa, shit happens, man dachte, ich schaffe es nicht mehr und hat den Platz an jemand anderen vergeben. Ich fing an zu lachen, die Frau verstand nicht so recht. „Wissen Sie, Riga hat so schön ausgesehen aus der Luft, fĂŒr einen kurzen Augenblick hab ich mir gewĂŒnscht mich hier noch etwas umsehen zu können bevor es nach Warschau geht! Mein Weihnachtswunsch ging also gerade in ErfĂŒllung!“ Sie guckte mich verstĂ€ndnislos an, schliesslich will doch niemand an Heiligabend alleine sein, oder?

Mit dem Taxi ins Hotel

Ich ging also zurĂŒck zu der unfreundlichen Dame am Airline Schalter von vorhin und begrĂŒsste sie erneut. „So, dann fangen wir nochmal von vorne an. Der Flieger ist ausgebucht und ich muss auf den nĂ€chsten bitte!“ Sie schaute mich verdutzt an, griff erbost zum Hörer und raunzte ein paar Wörter rein die ich natĂŒrlich nicht verstand. Sie nickte mit dem Kopf ein paar mal hin und her wie ein Wackel Dackel..schliesslich legte sie auf. „Bordkarte!“ Ich erklĂ€rte ihr erneut, dass ich nicht einchecken konnte online fĂŒr den Flug und somit keine Bordkarte hatte.

„Die vorherige Bordkarte dann!“ Ich holte tief Luft und sagte ihr dann im freundlichsten Ton, was mir langsam echt schwer fiel: „Hören Sie gute Frau. Es ist nicht meine Schuld, dass wir hier nun stehen. Sie brauchen also nicht so unfreundlich zu sein!“ und hielt ihr die andere Bordkarte hin. Sie haute mit ihren FingernĂ€geln in die Tastatur und man merkte wie ihre GesichtszĂŒge immer weicher wurden je lĂ€nger die Sache dauerte. Von der gestressten, unfreundlichen Person blieb am Ende nichts mehr ĂŒbrig.

„Sie mĂŒssten heute Nacht hier in Riga bleiben, der nĂ€chste Flieger geht erst Morgenmittag.“ „Kein Problem, dann freue ich mich und sehe es als kleines Abenteuer an.“ Die Frau am Schalter guckte mich genauso verwirrt an wie ihre Kollegin ein paar Minuten vorher. Ich erklĂ€rte ihr kurz mein Vorhaben und wir beide lachten herzlich. Man machte mir alles parat und ich stieg ins Taxi mit dem breitesten WeihnachtslĂ€cheln dass ihr euch vorstellen könnt. Der Taxifahrer war mega freundlich, auch er stellte Fragen. Ob ich alleine hier sei usw. Ich erklĂ€rte ihm die Situation und fragte ihn gleich ĂŒber die Stadt aus. Er gratulierte mir fĂŒr meinen Optimismus und gab mir ein paar heisse Tipps.

Ich schenke ihm im Gegenzug zum Schluss die SprĂŒngli Pralinen in der schönen Box die ich eigentlich fĂŒr meine Bekannte gekauft hatte. Er brachte mich um Dank bis vor die TĂŒr des Hotels und verabschiedete mich mit einem Bussi. Freundliche Menschen dachte ich mir, wirklich sehr angenehm. Das Hotel war direkt in der Altstadt und war nur eine viertel Stunde von der Skyline Bar entfernt wo ich hin wollte. Die Dame im Hotel zeigte sich auch voller Mitleid, ich kam mir langsam etwas doof vor, denn ich hatte immer noch das breiteste grinsen im Gesicht. Das Foyer sah aus wie ein Wintergarten, (siehe Titelbild) sehr gemĂŒtlich, schön beleuchtet, es traf meinen Geschmack zu 100%. Ich liebe LED Lichter, gerade jetzt zur Weihnachtszeit wenn man ĂŒberall auf sie trifft.

Herrlich, diese Aussicht!

Nun ja, nach dem einchecken hab ich mich auf gemacht zur Skyline Bar, 26. Stock in einem Hotel. Es war super, glĂ€serner Aufzug…Die Aussicht war atemberaubend und in der Bar recht wenig los. Sie hatten feine, kleine Gerichte und sehr leckere Cocktails. Niemand stellte dumme Fragen, guckte doof, gar nichts. Das war mir sehr sympathisch. Nach dem leckeren Festmahl ging ich in die Altstadt wo ich mich dann auch 4. Stunden „rumgetrieben“ habe. Es war wunderschön beleuchtet, in jeder zweiten Bar war Live Musik die auf man auf die Strasse mittels Boxen hören konnte
auch noch um 23.30 Uhr.

Das wĂ€re sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz undenkbar. Viele Familien mit Kindern machten ihren Abendspaziergang durch die Parks, die auch toll beleuchtet waren, wie auch viele Gruppen von jungen und alten Menschen. Alle (bis auf die Kinder natĂŒrlich) schienen leicht bis mittelschwer beschwipst
es war wirklich ein herrlicher Anblick. Auch die Architektur war sehr beeindruckend..und kitschig 😀

So viel Leben, so viel Freude, ich hatte echt eine gute Zeit

Alleine reisen hat den Vorteil, dass man seinen Gedanken nachhĂ€ngen kann und jeden Weg gehen kann ohne den anderen zu verĂ€rgern. Man muss keine RĂŒcksicht nehmen auf die Befindlichkeiten von jemand anderen. Man kann einfach machen was man will. Und die Menschen sind viel offener und vor allem freundlicher. Ich habe ja so meine Theorie warum und die ist nicht so rosig. Die Menschen haben Mitleid. Sie können es sich einfach nicht vorstellen, dass man sich wirklich wohlfĂŒhlen kann wenn man so als „One Woman Show“ unterwegs ist. Und ganz unter uns, Riga war so bezaubernd, so schön beleuchtet, es war fĂŒr mich und meine Sinne, der schönste Heiligabend den ich jemals hatte.

Kein Stress, kein Drama

Keine mĂŒhsamen GesprĂ€che, keine Kinder die rum brĂŒllen, oder sonstige AnfĂ€lle bekommen, da total ĂŒbermĂŒdet und ĂŒberzuckert. Ja, sorry, nach 50. Std. die Woche mit Kindern und den zusĂ€tzlichen Projekten braucht man im Urlaub seine Ruhe. Gerade wenn man dann eher zu den HSP gehört, muss man seine Batterien aufladen. Und das tue ich, mit meinen AusflĂŒgen und meinem Urlaub fern von allem. Me, Myself and I. Nur das Einhorn darf mit auf Reisen. Der beschwert sich aber auch ĂŒber nichts und bleibt immer im Hotelzimmer oder im Apartment. Also fĂŒr mich hĂ€tte der heilige Abend nicht heiliger sein können <3