Schleich dich!

Es war auf jeden Fall sehr amĂŒsant, wie sie genau das bestĂ€tigte was ich vorher angeprangert hatte. Manche merken aber auch gar nichts. Und oft können sie nichts dafĂŒr. Ja, ja ich wollte nie wieder ĂŒber andere Menschen lachen, aber seit der Pandemie fĂ€llt mir das zunehmend schwer.  Ich glaube Humor ist das Einzige was in solch einer Zeit hilft nicht den Verstand zu verlieren, wenn man sich umsieht wie manche völlig am *abdrehen sind.

ADHS Diagnose

 
Ich bin mittlerweile an einem Punkt in meinem Leben, da kann ich echt nicht mehr wĂŒtend sein, aber das liegt zum Teil auch an der ADHS-Medikation. Jup. Ich bekam meine Diagnose vor 7 Wochen, nachdem ich mich jahrelang gedrĂŒckt habe, davor. Mir gehts gut damit, es ist nichts, worunter ich „leide“ noch bin ich plötzlich geistig eine andere. Doch ein wenig. Konzentrierter, ausgeglichener und hab endlich einen Plan im Kopf fĂŒr meine Vorhaben, statt mich wochenlang im Kreis zu drehen, oder Jahre. Ja, nu und wie das halt so ist, haben viele Menschen wieder viel Meinung. 
 

Ungebetene RatschlĂ€ge 

 
Ich habe das vor 7 Wochen mit meiner Facebookcommunity geteilt, ein paar Menschen sprangen auch gleich zu Hilfe, was ich sehr nett fand. Nicht das sie mir was Neues dazu erzĂ€hlen könnten, denn ich habe jahrelang in das Thema eingelesen, aber es ist doch spanend, ihre persönlichen Erfahrungen zu hören. Voller Optimismus trat ich auch ein paar ADHS Gruppen bei und ich wĂŒnschte, ich hĂ€tte es nicht getan. Aber dazu spĂ€ter. Denn zuerst hat mir mir ein Mann Mitte 50 ungefragt seine Meinung zu ADHS kundgetan, so als Betroffener um die ich nie gebeten habe.
 
Das sich die Symptome unterscheiden können – geschenkt. Ich musste ihn dann sperren, weil er ein Riesen Fass aufgemacht hatte, weil ich ihm gesagt habe, wĂ€hrend ich in der Arbeit war, dass ich mich in 30 Minuten melde, wenn ich Feierabend habe. Nun ja, ich kam erst 1.5 Stunden spĂ€ter raus und durfte mir deswegen eine Standpauke anhören „Ich hatte es doch versprochen!“ Dude, ich hab gesagt ich melde mich nach der Arbeit. Was ich getan habe. Gibt Jobs, da klappst du nicht um 16 Uhr den Laptop zu, aber joa, das Gehirn von manchen alten MĂ€nnern funktioniert manchmal seltsam. Und Gaslighting funktioniert bei mir nicht mehr.  Schon lange nicht mehr. Nice try.
 

Corona auspendeln

 
Die nĂ€chste die was zu melden hatte bezĂŒglich der Diagnose war eine ehemalige Mitbewohnerin, die mir erzĂ€hlte, dass sie jeden Tag auspendelt, ob sie Corona hat oder nicht.
 
Joa, von so einer Person ohne medizinischen Background möchte ich sicher RatschlÀge erhalten zu einem Thema, von dem sie 0 Ahnung hat. Wir hatten erst seit Kurzem wieder Kontakt nach einer langjÀhrigen Pause und so schnell das kam, brach ich den Kontakt wieder ab. Denn was da kam mit dem Pendel war nur die Spitze des Eisberges.
Viel Meinung bei maximaler Ahnungslosigkeit
Ich hab selten so viel wirres Zeug in so kurzer Zeit gehört. No offense, aber meine Zeit ist mir einfach zu schade um irgendwen zu ertragen der scheinbar absolut in einer anderen Welt lebt.  Und sich dazu absolut ĂŒbergriffig verhĂ€lt wĂ€hrend sie sich in ihren falschen Annahmen ĂŒberschlĂ€gt. I mean, really? Pendeln? Sie wurde nicht mĂŒde zu betonen, dass ich nun mein komplettes Leben umstellen mĂŒsste mit der Diagnose. Hmm, ich bin nicht mehr die Person von vor 7 Jahren, danke und nun schleich dich!
 
ADHS Gruppe 
 
Mein Highlight war aber eine ADHS Gruppe in der Eltern nicht mĂŒde wurden ihre Kinder als faul zu bezeichnen. Das ADHS die exekutiv Funktionen einschrĂ€nkt, geschenkt. Hui war man da sauer, als ich sie mal drauf hingewiesen habe, zunĂ€chst sehr freundlich und diplomatisch, dass man sich nicht wundern darf, wenn ADHS in vielen Augen keine Störung im Gehirn ist und nicht als Krankheit akzeptiert wird. Wenn schon die Eltern von Betroffenen, ihre Kinder als faul bezeichnen im Netz. Dazu noch hĂŒbsche offene Profile, mit Bildern von den besagten Kindern und dem Wohnort.
 
Ich staune immer wieder, was es nicht alles gibt. Auch diskutierte ich eifrig mit MĂŒttern die am liebsten mit der Brechstange gekommen wĂ€ren um ihre Kinder zu Disziplin zu erziehen, weil „im Leben nimmt keiner RĂŒcksicht auf dich!“ Ja, genau so ist es Uschi, deswegen musst du auf dein Kind RĂŒcksicht nehmen, thats your fucking Job! Nicht deinem Kind noch mehr Druck machen fĂŒr etwas wofĂŒr es absolut nichts kann. Es war keine Überraschung das die, die sich hart gegen die wissenschaftliche Faktenlage ausgesprochen hatten Coronaleugner waren. Social Media und seine offenen Profile ersparen einem so manche mĂŒssige Diskussion. Auch hier wieder #mĂŒtend Mit Coronaleugner und Rassisten wird nicht diskutiert, fertig.

Datenschutz

 
Wie ich so bin, hab ich meinem Ärger darĂŒber Luft gemacht auf meiner Pinnwand, weil AufklĂ€rung und so. Und jetzt kommt es: Die Adminperson kam dann, weil der Post offen war und meinte ich hĂ€tte gegen den Datenschutz verstossen. Das Ganze tat sie kund auf meiner Pinnwand, statt sich via PN zu melden. Datenschutz. In einer Gruppe wo alle sehen um welches Kind es sich handelt und wo es wohnt. WTF! Ich, die keine Namen genannt habe, nicht mal den Namen der Gruppe. Ihr Profil hingegen offen und sie klar deklariert als Admin der Gruppe XY, ersichtlich fĂŒr alle.
Also hat sie meine Leute und alle die mitgelesen haben direkt zur besagten Gruppe gefĂŒhrt die sie schĂŒtzen wollte. Dort wo man auf gar keinen Fall hinsollte, wenn man sich ernsthaft und wissenschaftlich ĂŒber ADHS austauschen möchte. Aber hey, immer hin schreibt sie sich Datenschutz gross auf die Fahne.
 
Irgendwie verstand sie das aber nicht und fing an meine Followerin die sich mit in die Diskussion einklinkte zu beleidigen und das ganze zwei Tage lang.  Da ich mich bereits entfernt hatte von der Schwurblertruppe sah ich den Sinn ihres Auftrittes nicht, und das sie mir anfangs erzĂ€hlte ich sei nun drei Tage gesperrt. Auf den Vorwurf, warum man das so zuliesse als Admin einer ADHS-Gruppe, dass sich Eltern dort so verhalten und ihre Kinder so vorfĂŒhren dĂŒrfen ging sie zu keinem Augenblick ein. Auch hatte sie anscheinend 0 Plan was sich da fĂŒr Leute rumtreiben, oder was ĂŒberhaupt dort abging. Aber sie drohte mit rechtlichen Schritten -okaaaay. Noch eine die eine Klage gegen mich verliert, why not? Vielleicht sollte ich mir fĂŒr jeden gewonnen Prozess eine Pokalsammlung zulegen?! 
 
 
 
 
 
Hab eine tolle Zeit & stay away from Schwurbel 
 
 
 
 
* Ich wollte eigentlich verblöden schreiben, aber ich bemĂŒhe mich weiterhin ein netter Mensch zu sein. Klappt so semi gut, wie du siehst.
PS. Tut aber gut wieder hier aktiv zu sein und bisschen rum zu fluchen. 

 

Kontaktabbruch zu narzistischen Eltern – Wohin mit den SchuldgefĂŒhlen?

«Wir mĂŒssen reden!» bei diesem Satz schillern bei mir alle Alarmglocken. Ich öffne in meinem Kopf 100.000 Fenster, gehe x Situationen in den letzten Tagen und Wochen durch. Was habe ich falsch gemacht? Wo habe ich mich falsch ausgedrĂŒckt? Wo habe ich nicht emphatisch genug reagiert? Habe ich den falschen Ton getroffen, weil ich gestresst war?

Dabei ist der Satz «Wir mĂŒssen reden!» harmlos. Er besagt nur, dass Kommunikationsbedarf besteht, um etwas zu besprechen. Meist sind das banale Dinge, manchmal aber auch ernstes Zeug, aber noch nie hat mir jemand den Kopf abgeschlagen, auch wenn dieser Satz bei mir das GefĂŒhl auslöst. Ohne Kommunikation wĂ€ren unsere zwischenmenschlichen Beziehungen schwierig.

„Kontaktabbruch zu narzistischen Eltern – Wohin mit den SchuldgefĂŒhlen?“ weiterlesen

Lockdown – Corona als Chance

Am 11 Mai sollen die Schulen nun langsam wieder ihre Tore öffnen, viele Eltern atmen nun erleichtert auf. Denn so einfach Kind, Beruf, Familie, Haushalt und das eigene restliche (gerade gegen 0 existente) privat Leben auf die Reihe zu bekommen erwies sich als fast unlösbare Aufgabe. Doch haben die Eltern auch was daraus gelernt? Hat die Politik daraus gelernt und wie wird sie handeln?

 

Wie es vorher lief

Ich erinnere mich an Lehrerinnen, die von Eltern zur Schnecke gemacht wurden, weil ihre Kinder schlechte Noten nachhause brachten. Die schuldigen waren natĂŒrlich die Lehrerinnen. Ich erlebe auch oft als Erzieherin, dass die Eltern uns die Schuld geben, wenn das Kind nicht die von den Eltern gewĂŒnschte „Leistung“ erbringt.

„Lockdown – Corona als Chance“ weiterlesen

Kontaktabbruch zu den eigenen Eltern – Warum rede ich darĂŒber?

Einige von euch werden sich sicher mal gewundert haben, warum ich die letzten zwei Wochen beim WDR und beim SRF mit dem Thema zu Gast war. Vielleicht fragt man sich, warum ich mit dem Kontaktabbruch zu den eigenen Eltern, so in die Öffentlichkeit stĂŒrme und was ich damit bezwecken möchte. Als erstes: Nein, ich bekam dafĂŒr kein Geld. Zweitens: Ich möchte auch kein Mitleid, oder als Opfer gesehen werden. Oder sonst irgendeine spezielle Behandlung. Ich bin immer noch der Mensch der ich war, bevor ich mein Schweigen brach und möchte auch so behandelt werden.

„Kontaktabbruch zu den eigenen Eltern – Warum rede ich darĂŒber?“ weiterlesen

Kontaktabbruch zu den eigenen Eltern – Let`s break the silence!

Ich habe letztes Jahr einen Beitrag geschrieben ĂŒber den Kontaktabbruch zu den eigenen Eltern. Dieser fand so viele RĂŒckmeldungen, auch heute noch, dass ich mich entschloss erneut darĂŒber zu schreiben. Es ist wieder Weihnachten und ich bin alleine in Polen. Es ist bezaubernd hier, zusĂ€tzlich konnte ich noch einen Abstecher nach Riga machen an Heiligabend. Einfach traumhaft und unverhofft (kommt gerade oft!) Nun ja, viele haben mich dann gefragt, ob es nicht doof sei so ohne Familie. Nein, ganz und gar nicht, ich bin sehr glĂŒcklich, ausgeglichen…nun ja, all das wozu manche eben andere Leute brauchen.

Sie kennen meine Familie nicht, sonst hĂ€tten sie sich die Frage erspart. Mein Vater ist (?) schwerer Alkoholiker, meine Mutter eine „Ewigunzufriedene“ der nichts nur annĂ€hernd gut genug ist. Doch ich habe eine Entscheidung getroffen mit dem Kontaktabbruch zu beiden. Eine Entscheidung fĂŒr mein Leben, fĂŒr ein glĂŒckliches Leben. Ohne das Drama der Vergangenheit. Ohne mich in der Opferhaltung zu suhlen. Ich habe das ĂŒberstanden was mir zugefĂŒgt wurde, ich habe verziehen. Heute bin ich glĂŒcklicher als ich es jemals war. Und habe nie SchuldgefĂŒhle, warum auch? Weil ich mich selber achte und respektiere. Und ich niemanden dulde in meiner NĂ€he der das nicht tut. Dieser zweite Artikel soll anderen helfen fĂŒr sich einen Weg zu finden, soll Mut machen und mit dem Vorurteil aufrĂ€umen, dass es da draussen Kinder gibt die eines morgens aufwachen und aus dem nichts beschliessen den Kontakt zu ihren Eltern abzubrechen.

Ich bin nicht alleine

Ich habe seit letztem Jahr viele Zusendungen erhalten, was den letzten Artikel betrifft. „Wir“ sind leider viele. Die meisten fragten ob ich einen Rat habe, ihnen irgendwie den Schritt erleichtern könnte und wie meine Erfahrungen waren. Viele, auch heute wieder, waren erleichtert zu lesen, dass sie nicht alleine sind mit diesem „Problem“ ĂŒber was man so selten spricht. Ich werde heute versuchen zu erklĂ€ren was es mir so „einfach“ gemacht hat diesen endgĂŒltigen Schritt zu gehen.

Auch angeregt wurde dieser Artikel von einem anderen Artikel ĂŒber eine Mutter, die sich einfach nicht erklĂ€ren kann wie ihr Kind einfach so mal den Kontakt abgebrochen hatte. Einfach so von heute auf morgen…schon alleine, wenn ich das lese könnte ich vor Wut durch die Decke gehen. Die Dame hat nun sogar einen Verein gegrĂŒndet und ein Buch darĂŒber geschrieben. (Es grĂŒsst herzlich: Die Opferhaltung!) Denn „einfach so“ passiert das nie. Man probiert Jahrelang gesehen zu werden, ernstgenommen zu werden, verstanden zu werden, faule Kompromisse werden geschlossen, nur um es den Eltern „recht zu machen:“ Einigen ist aber nichts rechtens genug. Statt sich mit anderen Eltern zusammen zu tun denen es genau so ging, sollten sie lieber alle gemeinsam in eine Gruppentherapie – „Richtig reflektieren und Wahrnehmungstraining“ oder „Meine Fehler in der Erziehung und ihre Konsequenzen.“

Keine Geduld, keine Kraft und keine Nerven mehr!

FĂŒr mich war es ausschlaggebend, dass ich einfach keine Geduld und keine Kraft mehr hatte mich mit meiner Mutter im Kreise zu drehen. Zu meinem Vater kappte der Kontakt schon als ich 17 / 18 Jahre alt war, da er sich fĂŒr den Alkohol entschied und ich das respektierte. Aber ich konnte mir das nicht mehr lĂ€nger mit ansehen und mich runter ziehen lassen. Aber zurĂŒck zu meiner Mutter. Wir gingen 2. Schritte vor…20. zurĂŒck, so ging das nach meinem Auszug ungefĂ€hr 13. Jahre. Bis ich vor 3. Jahren mich endgĂŒltig verabschiedete. Selbst meine Therapeutin riet mir dazu. Denn es zog mich jedes mal mehr und mehr runter. Und ich war es leid mich nach jedem Besuch bei ihr Tagelang zu Hause einzusperren oder angeschlagen durchs Leben zu laufen. Wozu?

Irgendwann sah ich keinen Grund mehr den Kontakt aufrecht zu erhalten

Warum auch? Es gab keinen logischen Grund. Nur weil sie meine Mutter war? Nun ja, jemand der sein Kind körperlich und seelisch misshandelt…fĂŒr mich war das keine „Mutter“ im klassischen Sinn. FĂŒr mich war sie eine Art Monster, deren Stimmungsschwankungen so unberechenbar waren wie das Wetter im April. Ich hatte jahrelang noch AlptrĂ€ume von den „Szenen“ die sie mir machte, wie sie mir ein Radio hinterher warf im Affekt, weil ich 2.Minuten zu spĂ€t war, oder mich anschrie vor all meinen Freunden, mitten in der Stadt. Glaub die Krönung war, als sie dachte ich wĂŒrde ihr denn Mann ausspannen wollen, weil wir uns gut verstanden. Weil wir eine Gemeinsamkeit hatten – das Schreiben. HĂ€tte sie ihre Tochter gekannt, wĂŒrde sie wissen, dass ihre Tochter  nicht so auf Ă€ltere MĂ€nner abfĂ€hrt, so ganz und gar nicht. Ausserdem war dieser Mann mir mehr Vater, als mein leiblicher Vater.  Die Geschichten liessen sich hier zu einem Buch, dicker als die „Herr der Ringe“ Trilogie fortfĂŒhren. Ich zog dann endlich aus mit 17 Jahren. (Nach 2. Jahren erfolglosen Vermittlungsversuchen vom Jugendamt mit einer SozialpĂ€dagogin die jede Woche zu uns nach Hause kam, nach unzĂ€hligen Besuchen der Polizei bei uns zu Hause, denn die musste nach den AusbrĂŒchen meiner Mutter öfter antanzen als ihr lieb war. Ich lief auch ein paar mal von zu Hause weg, wenn es wieder ganz schlimm wurde.)

Und ich probierte es weiter mit ihr. Trotz allem. Immer und immer und immer und immer wieder. Nur gebracht hat es nichts. Es war Zeitverschwendung. Ich hĂ€tte mir den Kopf lieber gegen die Wand schlagen sollen…hĂ€tte genau so viel Sinn gemacht. NĂ€mlich keinen. Null. Nada.

Knapp zwei Wochen wie gelÀhmt im Bett

Glaub seinen Höhepunkt erreicht das ganze Leiden der ganzen Jahre in den Sommerferien, als ich sie an ihrem Geburtstag besuchte, und nur 2. Tage spĂ€ter zurĂŒck kam um dann 1.5. Wochen in meinem abgedunkelten Zimmer im Bett zu liegen. Sie machte mich fertig wegen 2. Eiern die in einen Teig rein sollten. Sie las vor, ich fĂŒhrte aus, wir wollten mal backen. Wie normale Leute. Ich fragte noch: „Sollen die Eier getrennt werden oder kommen die ganz rein?“ „Ganz rein!“ Gesagt getan…nur um mir dann ein paar Sekunden spĂ€ter anzuhören: „Die sollten doch getrennt werden, nie kannst du was richtig machen!“ Ich versuchte die Situation zu entschĂ€rfen, es sei doch nur ein Teig, wir machen einen neuen, alles easy. Aber es ging nicht, sie kam voll in Fahrt, VorwĂŒrfe und Mist der letzten Jahrzehnte flogen mir nur so förmlich um die Ohren. Geschichten die ich lĂ€ngst vergessen hatte wurden ausgepackt, ich sei ja immer schon zu nichts zu gebrauchen gewesen und ĂŒberhaupt. Wie ein kochender Dampfkochtopf der kurz vor dem explodieren steht, stand sie vor mir und schrie mich an. Ich schrie irgendwann zurĂŒck, packte meine Sachen unglĂ€ubig, dass sie wegen 2. Eiern so eskaliert, und ging. Das war so typisch. Sie flippte aus…ich versuchte sie zu beruhigen, was nie gelang, dann flippte ich irgendwann aus und fuhr wieder heim. So ging das Jahr ein, Jahr aus. Knapp 13 Jahre lang. Bis vor 3. Jahren.

Ich war halt einfach ein schlimmes Kind – so entschuldigt man den Missbrauch

Danach besuchte ich sie nur noch einmal, schlief aber in einem Hotel, was sie sehr erschĂŒtterte. Ich meine wirklich? Nach all den letzten Jahren wunderte man sich wirklich? Hallo „Opferhaltung!“ Klar war mir der Titel „Schlechteste Tochter des Jahres“ wieder sicher. Dass es GrĂŒnde wie diesen und andere gab dafĂŒr, wollte man nicht sehen: Sie kam das letze mal auch einfach so ins Bad geplatzt als ich dort lĂ€nger verweilte, beim abschminken. „Was machst du da so lange?“ fauchte sie mich an. Ich stand vor dem Spiegel und schminkte mich ab, dabei hörte ich Musik aus meinem iPhone, wie so oft…Wie dumm ich drein geschaut habe, konnte ich im Spiegel sehen…“Ich feiere hier eine wilde Drogenorgie Mutter, mit vielen MĂ€nnern. Willst du nicht mitmachen? fragte ich sie schnippisch und verliess das Badezimmer. Ich sprach kein Wort mit ihr an dem Abend. Was sollte das denn bitte? DafĂŒr schwieg sie mich am nĂ€chsten Tag an, ich fuhr wieder ab.

Ab und an versuchte ich mit ihr die Vergangenheit zu bewĂ€ltigen. Das war das was ich immer hörte: „Du warst ein schlimmes Kind, warte ab bis du Mal Kinder hast, ich wĂŒnsche dir, dass deine Kinder werden so wie du!“ Klar, wie immer sind die anderen Schuld, vor allem ich. War ich doch auch das einzige Kind weltweit, dass sich selber auf die Welt gebracht hat. Meine Eltern wurden nĂ€mlich nie mĂŒde mir zu sagen, dass es ihnen ohne mich besser ergangen wĂ€re im Leben. Ich hatte eh immer Schuld an allem. Und ich war ein schlimmes Kind. Noch Fragen?

 

„Sie mĂŒssen sich selber die Mutter sein, die sie nie hatten. Sie mĂŒssen sich selber trösten, sich lieben, auf sich achten und respektieren!“

Das sagte meine Therapeutin damals zu mir. Und es half. Denn ich musste einfach einsehen: Wenn ich meinen Seelenfrieden wollte, musste ich den Kontakt kappen. Und ihr verzeihen. Nicht um ihretwillen. Sondern fĂŒr meinen Seelenfrieden. Ich wollte ihr absolut keine Macht mehr ĂŒber mich geben. Ich wollte  nur noch abschliessen und ein glĂŒckliches Leben haben.

Und ĂŒberhaupt: Nichts wird gut genug sein, nichts wird so sein wie ich es als Tochter gerne hĂ€tte, ich jagte einer Illusion hinterher. Auch, weil es die Gesellschaft von mir forderte. Und auch, weil ich meinen Freunden und Bekannten nie, wirklich nie erzĂ€hlte was man zu Hause mit mir machte oder gemacht hat. „Es geht niemanden was an, was in unserer Familie passiert!“ brannte sich tief ein in meine Seele. Ich brauchte ganz lange um mich davon zu lösen. Doch teilweise schĂ€me ich mich heute immer noch fĂŒr das was ich durchleben musste. Völlig zu unrecht.

Und ich stellte fest mit dem ersten Beitrag

Ich bin nicht alleine. Da draussen gibt es ganz viele erwachsene MĂ€nner und Frauen denen es genauso geht. Die auch die Hölle auf Erden durch lebt haben, an einem Ort der einem Sicherheit, Liebe und Geborgenheit geben sollte. Erwachsene die nicht den Mut finden ihren Eltern ihre Grenzen aufzuzeigen. Die sich nicht trauen der Gesellschaft und ihren AnsprĂŒchen einen dicken Mittelfinger zu zeigen. Die SchuldgefĂŒhle haben, die sich verantwortlich fĂŒhlen fĂŒr das GlĂŒck ihrer Eltern.

Ich habe eine klare Botschaft fĂŒr euch: Fangt an, euch als wertvolle Menschen zu sehen! Ihr seid liebenswert, besonders und vor allem: Ihr seid stark!
Ihr seid nicht verantwortlich fĂŒr das GlĂŒck eurer Eltern, ihr schuldet ihnen nichts. Ihr schuldet euch selber aber Respekt, Liebe und euren Seelenfrieden.
Ihr schuldet niemanden eine ErklĂ€rung fĂŒr eure Entscheidung. Lasst euch professionell begleiten, wenn ihr es nicht alleine schafft, es ist keine Schande sich Hilfe zu holen.
Es ist euer Leben. Ihr seid dafĂŒr verantwortlich! Und manchmal muss man sich schĂŒtzen um nicht daran zu Grunde zu gehen. Fangt an euch selber zu lieben und setzt euch niemanden aus, der euch fertig macht, euch nicht respektiert oder euch gequĂ€lt hat.
Man rÀt ja auch niemanden sich seinem Peiniger zu stellen, und ihn gern zu haben, nach dem man ihm entkommen ist, oder?

An die Gesellschaft

Hört auf die armen, so armen Eltern solcher Kinder zu bemitleiden und die Kinder zu verurteilen. Die Eltern wollen es nicht zugeben was sie falsch gemacht haben. Oder sehen nicht wo das Problem lag. Und da lag sicher ein Problem vor, niemand der eine liebevolle, „normale“  Kindheit hatte verhĂ€lt sich so. Nach knapp ĂŒber 15. Jahren mit Kindern und Erwachsenen im Beruf und auch privat habe ich noch kein Elternteil erlebt, dass zugegeben hat das Kind misshandelt zu haben. Sei es emotional oder körperlich. Aber sich dann als das Opfer hinstellen, wo das Kind „einfach so von heute auf morgen,“ den Kontakt verweigert. Ehrlich? Jeder der sich ein wenig mit Kindern und Bezugspersonen auseinander setzt weiss: Kinder wĂŒrden alles tun um von ihren Eltern geliebt zu werden. Kinder akzeptieren auch vieles von ihren Eltern um geliebt zu werden…FĂŒr die Kinder sind die Eltern das ein und alles, egal was die Eltern anstellen. Sich dann von diesen zu trennen, aus welchen GrĂŒnden auch immer erfordert extrem viel Mut, Zeit und Kraft. Niemand „kĂŒndigt“ einfach mal so ĂŒber Nacht seinen Eltern aus einer Laune heraus. Die Eltern die das behaupten wĂŒrde ich dringend zu einer Therapie raten, damit sie lernen sich und ihr Verhalten zu reflektieren.

 

Zum Titelbild: Das ist das letzte Bild, dass meine Mutter von mir schoss. Ich hatte ihr einen Schneemann im Garten gebaut um sie aufzumuntern. Das Bild trĂŒgt, auch wenn ich lache,  denn sie machte zwar das Bild auf meinen Wunsch hin, schnauzte mich aber im selben Augenblick an wegen des Topfes, den ich ohne ihre Erlaubnis fĂŒr den Schneemann aus dem Schrank nahm.

Danach, packte ich meine Sachen erneut und fuhr zurĂŒck in die Schweiz. Zur Info…meine Mama wohnt 4. Stunden Zugfahrt von mir weiter weg…

Von Illusionen, Erziehung & der RealitÀt

„Alles ist möglich!“ „Du kannst alles schaffen!“ „Die Welt steht dir offen!“ „Und prĂŒfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht was besseres findet!“ „Du bist was besonderes und Verdienst nur das beste!“

Wer kennt sie nicht, diese Aussagen, die uns einreden sollen:

Die Welt hat nur auf uns gewartet, denn wir sind besonders „besonders“  und es gibt nichts, das nicht geht!

FĂŒr jeden Pups gibt es Lobgesang und Lorbeeren und mindestens eine heilige Messe in den Elterlichen Hallen. Sie reden ihren Kinder Hochbegabung ein, die einige auch mitbringen, aber die in der Schule mit allen Mitteln unterbunden wird, und fördern den Abbau der kindlichen Neugierde mit einem Überangebot an FrĂŒhförderung, die Gesellschaft tut den Rest. Aber ja, man will ja nur das beste fĂŒr den kleinen Königsspross. Und er soll es ja mal besser haben. Das man genau das Gegenteil damit erreicht, scheint der Mehrheit immer noch nicht bewusst zu sein. Viel hilft viel!

Heutzutage ist alles möglich!

Doch du musst nichts tun, was du nicht wirklich möchtest. So zumindest die Illusion und mancher Erziehungsleisatz. Viele Kinder werden spĂ€testens in der PubertĂ€t bitter enttĂ€uscht. (Man wundert sich dann ĂŒber ihr aggressives Verhalten) Die Welt hat nicht auf sie gewartet. Die Prinzessin wird nicht gerettet von einem Prinzen, sie muss selber ihren Hintern hoch bekommen. Und der Prinz, ja der Prinz entpuppt sich als Narr. Man muss sich anstrengen, pĂŒnktlich sein, Leistung liefern. Aber wie? Niemand kommt, ausser man gehört zur königlichen Familie und ist Thronfolger, und setzt einem eine goldene Krone auf!

Die Planlosigkeit und Orientierungsloigkeit die man dann so an den Tag legt wird natĂŒrlich von der Ă€lteren Generation mit Adleraugen haarscharf beobachtet und verurteilt. Und es liegt nicht fern, dass alle in den gleichen Topf geschmissen werden. Doch ich frage mich: Wer erzieht denn die nĂ€chste Generation? Ist es nicht ein versagen der Generation vor uns, wenn manche von uns weder Disziplin noch Anstrengung kennengelernt haben oder die Gabe der Reflexion? Sind wir nicht etwa das Produkt unserer Erziehung? PrĂ€gen uns nicht die Eltern und das Umfeld?

Ist das schon alles?

Und dann nach ewigem AbwĂ€gen entscheiden wir uns fĂŒr, sagen wir mal eine Berufliche Laufbahn, ein Studium. Und obwohl es das ist, was wir wollten, nagt er Selbstzweifel an uns . Ist das schon alles? Geht da nicht noch mehr? Höher, schneller, weiter! Doch wie weit kommt man, wenn einem immer der Zweifel plagt, ob das genau nun DAS Richtige fĂŒr einen ist? Ob man nicht bessere, tollere Möglichkeiten verpasst? Wird man jemals zufrieden sein mit seiner Wahl?

Nicht nur im Job / Studium zieht sich das durch mancher Leben, auch in Partnerschaften. „Generation BeziehungsunfĂ€hig“ werden wir auch betitelt. Was ich davon halte, konntet ihr ja bereits letzte Woche hier erfahren. Teilweise mag es ja stimmen und wer kann es uns verĂŒbeln? Wir mĂŒssen immer flexibel sein, x Praktika machen, manchmal auch in verschiedenen LĂ€ndern ĂŒber mehrere Jahre. Partnerschaft? Wie? Als Fernbeziehung? Meist zu kompliziert und zum scheitern verurteilt. Ausserdem: Die meisten unserer Eltern sind geschieden, neu verheiratet, verbittert oder erneut geschieden worden. Uns wurde kaum beigebracht, dass es auch mal schlechte Zeiten geben kann, die man miteinander durchsteht. Nein. Eher das Gegenteil.

Die Wegwerfgesellschaft zieht sich durch alle Bereiche des Lebens. Und klar, sicher blieben viele frĂŒher auch aus AbhĂ€ngigkeitsgrĂŒnden zusammen. Aber ich glaube sehr, dass viele Partnerschaften daran zerbrechen, weil man nicht KonfliktfĂ€hig ist und sich wenig reflektiert, frei nach dem Motto: „Ach nö, viel zu anstrengend und Anstrengung ist scheisse! Und der andere hat eh immer Schuld. Ich hab doch nichts gemacht!“

Überhaupt: Auch wenn man einen Partner hat, mahnt die leise Stimme im Hinterkopf; „Naaaa, wer weiss, ob die / der XY vielleicht doch nicht die bessere Wahl wĂ€re?“ „Als Single wĂ€re ich viel glĂŒcklicher!“ „Der / die kann mich einfach nicht glĂŒcklich machen..weil…“

Ja, manche von uns  haben Angst, Angst vor NĂ€he, vor Bindung, vor zuviel ExklusivitĂ€t. Es könnte ja das nĂ€chste, aufregendere Abenteuer ums Eck warten. Schliesslich hat man uns in der Kindheit eingetrichtert etwas ganz besonderes zu sein und zwar so besonders, dass wir unrealistische Erwartungen an unser gegenĂŒber stellen. Es steht uns zu, verdammt nochmal…oder?  Andere wiederum haben genau das was sie wollen und nennen es „Idealpartnerschaft“ und glauben immer noch das wĂ€re zu toppen. Schliesslich ist das Motto: Höher, schneller, weiter!

Um zum Schluss verbittert festzustellen: Man hat die Nachtigall aus der Hand gegeben fĂŒr die Taube auf dem Dach!

Wer wir sind und wohin wir wollen

Um in der HĂŒlle und FĂŒlle des Überangebots nicht zu ertrinken, mĂŒsste man sich erforschen. Herausfinden wer man ist, was man will. Und zwar kritisch. Das Motto: „Du kannst alles schaffen!“gilt eben nicht fĂŒr alle Bereiche des Lebens. Und ja, jeder Mensch ist was besonderes, das steht nicht zur Debatte. Jeder ist einzigartig und das ist auch gut so, nur sollte man nicht narzisstisch ans Werk gehen mit dem Glauben, die Welt hĂ€tte nur auf einen gewartet. Die Welt wartet auf niemanden…

Knigge Kurse fĂŒr Kinder?

Vor ein paar Monaten las ich einen Bericht in der Zeitung, der mich echt sauer machte. Da forderten also Leser und Eltern wirklich das Fach „Benehmen“ in der Schule. Das Fach also, dass ausbĂŒgeln sollte in ein paar Schulstunden was Eltern systematisch verpasst haben. Im Ernst jetzt? Ich meine nicht, dass es nicht nötig wĂ€re, wenn ich mich so umsehe. Aber die Schule? Wieder eine Institution und nicht die Eltern? Ich bin immer noch entsetzt. 

Wie viele Kinder habe auch ich erlebt, die weder grĂŒssen, noch Bitte und Danke sagen konnten. Aber warum sollt es wieder jemand anders, als die Eltern richten? Warum werden nicht die Eltern angehalten ihren Kindern Benehmen bei zu bringen bzw. es vorzuleben? Was kostet es denn, wenn Eltern Bitte und Danke sagen, auch zu ihren Kindern? Was erfordert es am Tisch richtig zu sitzen, das Besteck richtig zu benutzen und den Kids beizubringen das man seine KörpergerĂ€usche kontrolliert oder sich entschuldigt? Nichts. 

„Knigge Kurse fĂŒr Kinder?“ weiterlesen