Ja, darf man das?

Was wäre wenn:

Die besten Freunde lügen würden wie gedruckt?
Man sich nicht auf sie verlassen könnte?
Man immer Schuld ist an jeder Misere trägt, nur nicht sie selber?
Man jeden Tag zu hören bekommen würde, wie unerwünscht man ist?
Man keine Unterstützung von ihnen erfahren würde, sondern nur Kritik?

Und ich meine nicht die Art und Weise von Kritik, die einen vorwärts bringt.

Würde man sich solchen Menschen aussetzen, freiwillig?

Würde man Wert legen auf solch eine „Freundschaft“?  Ich glaube wir alle können diese Frage mit einem klaren: “Nein!” beantworten.

Wenn Eltern den Kontakt zu ihren Kindern abbrechen

Ist das immer so eine Sache. Meist muss schon etwas „schlimmes“ passiert sein, dass Eltern diesen letzten verzweifelten Schritt gehen. Aber dieser Schritt, wird meist Gesellschaftlich akzeptiert und verstanden. Die verstossenen Kinder werden dann gern  „Schwarze Schafe“ genannt und damit ist das Thema meist vom Tisch.

Gerade zu dieser Zeit, so kurz vor Weihnachten, werde ich oft mit der Frage konfrontiert: „Und, geht’s zur Familie über Weihnachten?“ „Ja, zu meiner Wahlfamilie!“ antworte ich dann oft. Dies löst natürlich eine Flut an Fragen und besonderem Unverständnis aus. Denn ich gehöre zu den Menschen, die ihren Eltern „gekündigt“ haben. „Ja, darf man das denn?“ höre ich einige von euch schon fragen.

Wenn Kinder den Kontakt abbrechen

Werden sie als Undankbar bezeichnet und vieles mehr. Man zeigt kein Verständnis, bezichtigt uns des Egoismus und auch sehr oft als Herzlos. Und wehe sie sind Tochter, dann erst recht! Gerade ich, in meinem Beruf (ich arbeite mit Kindern und Erwachsenen für alle, die es noch nicht wissen sollten) ernte ich meist kräftiges, abschätziges Kopfschütteln. Wie oft musste ich mir anhören: „Komm, ruf sie an, es sind deine Eltern, sei nicht so stur…Eines Tages werden sie nicht mehr da sein und dann wirst du es bereuen…bla bla bla“ und all der gleichen.  Nein, werde ich sicher nicht, ganz ehrlich!

Menschen sind gegen Gewalt an Kindern

Jeglicher Missbrauch ist ihnen zuwider und jeden der ein Kind quält,auf welche Art und Weise auch immer, würden sie am liebsten auf Lebenszeit einsperren oder gar schlimmeres, da sind wir uns auch alle einig, hmm? Einem wehrlosen, schutzbedürftigen Kind, dass auf seine Eltern angewiesen ist, keine Liebe oder Geborgenheit und Sicherheit zu geben, es nur bis auf das nötigste zu versorgen und es nur beachten wenn es etwas zum Kritisieren gibt…um es dann körperlich zu züchtigen, es bricht den meisten schon das Herz wenn sie nur davon lesen, stimmt`s?

Menschen sind auch gegen jegliche Bevormundung wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht haben, wie die Volljährigkeit, nicht wahr?

Viele von euch nehmen solche Eltern in Schutz

Denn wenn Kinder, Eltern jeglichen Kontakt verweigern, ist meist wirklich etwas dahinter. In meinem Fall, all das von oben beschriebene. Also warum drückt man mir und vielen anderen, die sich aus Scham nicht trauen darüber zu sprechen den Stempel der Undankbarkeit gegenüber den Eltern auf? Für was sollten wir in unserem Fall Dankbar sein?

Warum schüttelt man den Kopf, und zieht die Augenbrauen hoch, wenn wir uns nur schützen wollen, nun, da wir selber Erwachsene sind und eine Wahl haben? Denn als Kind hat man keine Wahl, man ist angewiesen auf die Eltern.

Und man kommt auch nicht so einfach aus der Familie raus, im schlimmsten Fall, muss erst etwas passieren, dass die Behörden hellhörig werden. Oder es braucht einen Mutigen der das meldet. Doch die meisten sind nicht mutig und sehen weg, auch wenn das Unglück vor ihren Augen passiert. Wie viele Kinder sind schon in Wohnungen verendet und angeblich hat niemand etwas mitbekommen? Wie viele Kinder werden in der Öffentlichkeit geohrfeigt und niemand schreitet ein?

Man sieht weg, es ist ja nicht das eigene Kind, nicht das eigene Problem, warum sich also mit sowas unnötig belasten?

Aber wenn man dann als erwachsene Frau / Mann sagt: „Ich habe den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen!“ Da fühlen sich plötzlich alle eingeladen ihren abschätzigen Senf dazu zugeben, vor allem zu verurteilen, sich einzumischen, obwohl sie niemand darum gebeten hat. Denn nicht jeder mag dann ausführlich erzählen warum wieso und weshalb es so weit kam.

Viele sagen auch aus den besagten Gründen einfach, dass ihre Eltern verstorben sind. Denn glaubt mir, diese Entscheidung trifft man nicht von heute auf morgen. Es ist ein langjähriger Prozess in der Hoffnung, dass eines Tages, die Eltern ihre Fehler erkennen, das Kind als solches erkennen, mit seinen Bedürfnissen, Wünschen, Ängsten.

Mit dem vergangenen abschliessen

Dass sie eines Tages anfangen Liebe zu zeigen, anstatt ihren Frust an ihren Kindern auszulassen. Doch je mehr Zeit vergeht, desto mehr stirbt die Hoffnung und man stellt fest, dass man sich das nicht antun braucht. Warum auch? Warum sollte sich jemand freiwillig niedermachen lassen wollen? Also trennt man sich und hat seine Ruhe. Die meisten brauchen eine Therapie um sich von der Traumata der Kindheit zu erholen, an ihrem Selbstbewusstsein zu arbeiten und um mit der Vergangenheit abzuschliessen.

Es war ein langer Weg auch für mich, all das was passiert ist hinter mir zu lassen. Doch ich wollte es immer anders machen, als meine Eltern. Und Menschen, die mich verurteilen, mich als schlechte Tochter hinstellen, die kann ich mittlerweile nur noch belächeln. Denn wenn sie meine Eltern so bemitleiden, kann ich ihnen gern die Adresse geben, damit sie ihnen einen Besuch abstatten können.

Wenn man sie dann konfrontiert mit der bitteren Wahrheit und dem Grund des Kontaktabbruchs, werden sie meist still und schauen bedrückt zu Boden. Es ist halt immer einfacher zu urteilen, statt zu hinterfragen.

Warum ich euch das heute erzähle?

Weil ich den vielen Menschen denen es genauso geht Mut machen möchte. Ihr seid keine schlechten Menschen, nur weil ihr euch schützt! Denn jeder hat das Recht glücklich zu sein. Ich möchte auch kein Mitleid, ich möchte einfach nur, weniger verurteilende Worte, weniger Vorurteile, mehr Hinterfragen. Denn glaubt mir, viele von uns hätten gern ein liebevolles Elternhaus und eine tolle Kindheit gehabt und vor allem: Einen guten Draht, auch als Erwachsene zu den eigenen Eltern!

 

Schönes Wochenende und einen besinnlichen 3.ten Advent!

Paula

 

 

 

 

34 Antworten auf „Ja, darf man das?“

  1. Vielen Dank für deinen Artikel, der tut gerade in der Weihnachtzeit sehr gut. Oft höre ich: “Jetzt tu doch nicht so schwierig, ruf deine Mutter doch an, du kannst sie schliesslich nicht ändern”, und Unverständnis darüber, dass ich es nicht tue. Es tut immer wieder gut, zu erfahren, dass andere “Kinder” das ähnlich machen und ähnlich empfinden wie ich.

  2. Sehr schöner Beitrag. Ich habe auch grade den größsten Streit mit meiner Mutter (ich Einzelkind, sie allein Erziehend und Selbstständig – ergo wenig Zeit für das Kind als es danach gefragt hat). Es ging auch um was völlig Banales auf das ich sie hingewiesen habe, danach erntete ich nur noch Vorwürfe was für ein egoistischer Mensch ich bin, so undankbar etc. p.p.
    Ich hoffe zwar auch das es sich irgendwann mal wieder erinrenkt, doch habe ich keine Lust ständig diejenige zu sein die klein bei gibt und über die Fehler Anderer hinwegzusehen, während ich auch nur den kleinsten Fehler von Selbigen bis ans Ende aller Tage unter die Nase gerieben bekomme.

  3. Hey!
    In wirklich sehr guter und starker Beitrag!
    Ich kann Dich absolut nachvollziehen! Obwohl ich solche Erfahrungen, wie Du sie gemacht hast, nicht machen musste. Ich finde es auch, dass es anderen Menschen nicht zusteht, v.a. wenn sie kaum etwas über die persönlichen Gründe wissen, so verächtlich zu reagieren. Jeder, der den Kontakt zu seinen Eltern “abgebrochen” hat wird dafür seine Gründe haben!

    viele Grüße

    Vera

  4. Ganz toller Beitrag, vielen Dank dafür. Diese Art von Kritik kenne ich selbst leider zu gut aus unterschiedlichen Perspektiven. Zu meiner Mutter habe ich ein sehr enges Verhältnis, das ist vielen auch nicht geheuer. Kommentare wie *was brauchst du eine eigene Wohnung* oder mitleidige Blicke, wenn man täglich telefoniert sind ebenso nervig. Zu meinem Vater habe ich seit fast 20 Jahren keinen Kontakt, und das ist gut so.
    Schöne Weihnachten mit Menschen, die euch lieben wie ihr seid und die euch etwas bedeuten!

  5. Hallo Paula, danke für diesen Artikel. Ich habe auch vor vielen Jahren schon den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen, aus den unterschiedlichsten Gründen. Und es tut gut zu lesen, das man nicht alleine ist, und dass die Entscheidung nicht falsch war.

  6. Danke für die ehrlichen Worte! Ich weiß genau, was Du meinst. Ich habe zeitweise den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen. Das war sehr wichtig für mich. Irgendwann war ich wieder bereit für mehr Kontakt, allerdings leben wir sehr distanziert voneinander. Und das ist auch gut so. Manche Menschen kann man nicht ändern und deshalb sollte man sie lieber nicht zu nah an sich ranlassen. Sofern man sich schützen kann und kein Kind mehr ist, sollte man das tun. Liebe Grüße von einer “undankbaren Tochter” aka “Schwarzes Schaf” 😉

  7. Paula, danke für deine mutigen Worte!

    Ich selbst stehe noch in Kontakt mit meinen Eltern, ich liebe sie, sehe sie aber nicht oft. Und das ist auch gut so! Auch wenn ich nie etwas vergleichbar Schlimmes wie du durchmachen musste, tut es mir persönlich gut, sie nur selten zu sehen. Selbst nach langer Therapie fällt es mir noch immer schwer, nicht mehr an meine Kindheit und Jugend zu denken, in der ich einfach nicht ernst und immer nur belächelt würde. Ich war immer die Tochter, der nichts zugetraut wurde. Und selbst jetzt, erwachsen, verheiratet, auf eigenen Beinen stehend, ist da immer noch oft das Gefühl, nicht gut genug zu sein.
    Ich kann deinen Schritt sehr gut nachvollziehen und es regt mich auf, wenn Menschen, die nicht annähernd nachempfinden können, einen verurteilen bzw. meinen, dass man nur über seinen Schatten der springen soll, denn dann wird das ja alles wieder. Ich esse nichts, was giftig ist, also wieso soll ich mich mit Menschen umgeben, die mich auch nur vergiften?!

  8. Ich denke auch, dass jeder Mensch sich nach Liebe, Wärme und Anerkennung sehnt und sich nur dann, wenn es gar nicht mehr geht, für den Schritt entscheidet, den Kontakt zu seinen Eltern abzubrechen. Deshalb ist es einfach nur herzlos, den Menschen, denen das Schicksal keine andere Wahl lässt, das Gefühl zu geben, sie seien nicht “richtig”.

  9. Danke fuer den Beitrag und das Brechen eines Tabus. Ich kann den Inhalt des Artikels in jeder Hinsicht nachvollziehen. Nach Jahrzehnten von Missbrauch in Form von Verleumdung, Luegen, Ignorieren, Weggeben an Grossmutter und Wiederholen, Liebe, Geld und Aufmerksamkeit ausschliesslich an das andere Kind geben, Beschimpfungen, finanziellem Ausnutzen +++++, die Negativitaeten sind so zahllos wie unsaeglich, bin ich (endlich) den Schritt gegangen, den Kontakt mit meinen Eltern abzubrechen.
    Schon in dieser Phase fuehlte ich mich viel besser. Als sie dann nach weiteren drei Jahren starben, weinte ich keine Traene, habe den Bruch nur insofern bereut, als das ich ihn schon viel frueher haette vollziehen sollen.
    Leider blieben mir die in dem Artikel beschriebenen “wohlgemeinten” Ratschlaege von Verwandten, das seien doch schliesslich meine Eltern, blabla, nicht erspart. Dazu kann ich nur sagen: “Ihr habt mein Leiden nicht erfahren––ihr wart nicht dabei. Nach aussen haben sie die perfekte Familie gespielt, die im Innenverhaeltnis eine hoellische Farce war. Wo wart ihr Besserwisser, als ich mich durch jahrelange Therapie aus einer chronischen Krankheit mit uebermenschlicher Kraft herausentwickelt habe? Also erspart mir Eure Ratschlaege. Ich habe Euch nicht darum gebeten.”
    Seitdem meine Eltern verstorben sind, habe ich das Gefuehl, mein Leben faengt jetzt erst an.
    Wenn sich jemand in einem System nicht um aktive Besserung bemueht, aendert sich nichts. Meine Eltern haben sich um nichts bemueht, ausser darum, ihre Negativitaeten auf mich zu projizieren.

  10. Wie gerne würde ich diese Verbindung kappen, aber leider haben sie die Fäden meiner Erziehung mit schlechtem Gewissen und Pflichtbewusstsein so eng verwoben, dass ich dazu nicht imstande bin. Meine Mutter gäbe keine Ruhe und würde meinen Rückzug niemals akzeptieren. Mein Bruder hat den Absprung geschafft, trotz allem, aber es wird regelmäßig an sein Gewissen appelliert, meine Mutter gibt keine Ruhe, steht bei ihm vor der Tür, ruft an, schreibt Briefe, spielt die Unschuldige und weiß natürlich überhaupt nicht warum er das getan hat. Mich würde das vermutlich genauso schwer belasten wie die jetzige Situation, ein einziger Spießrutenlauf, ein pausenloses Gemeckere und Schlechtgerede meines Lebens, meiner Person, meiner Entscheidungen, meiner Familie… Dass sie mein Selbstwertgefühl völlig außer Kraft gesetzt hat, spielt sie gnadenlos zu ihren Gunsten aus und rammt immer wieder genau in die wunden Stellen hinein. Da ich den Absprung dennoch nicht schaffe, bleibt mir nur abzuwarten und zu hoffen, dass mir noch ein eigenes Leben bleibt, wenn ihres mal zu Ende ist…

    1. Liebe Claudia

      Es bricht mir das Herz das zu hören. Natürlich ist es für mich einfacher, da ich im Ausland lebe. Auch meine Mutter hat sich hier und da gemeldet und stand bei mir vor der Türe als ich noch in Deutschland war, doch stand sie meist vor verschlossener Türe. Nummer geändert, ihre überall gesperrt, Facebook genau das gleiche, Emails auch. Alle ihre Versuche laufen ins Leere, da sie meine Zeit und meine Nerven verschwendet. Es dreht sich eh nur im Kreise, auch wenn ich es immer wieder probiere. Und das tat ich 13 Jahre lang, nach meinem Auszug. 2 Schritte vor, 20 zurück.

      Vielleicht ist deine Schmerzgrenze noch nicht erreicht, auch ich wurde zu Pflichtbewusstsein erzogen und zu einem schlechten Gewissen, wenn ich nicht so sperrte wie sie es wollte. Mir half eine Therapie und die dort erlernte Selbstliebe. Denn das Leben ist zu kurz um unglücklich zu sein.

      Ich wünsche Dir viel Kraft. Fühl Dich umarmt!

  11. Sehr guter Beitrag! Menschen, die nicht gut für einen sind, sollte man meiden. Dann geht es einem einfach besser. Bei den eigenen Eltern ist das leider nicht so leicht … Trotzdem muss es manchmal dieser Schritt sein, um selbst glücklich zu werden. Und eigentlich sollte das ja auch der Wunsch von Eltern sein, dass die Kinder glücklich sind. Aber ich habe oft das Gefühl, dass Eltern ihre Kinder für ihr eigenes Glück verantwortlich machen. Und das versuchen sie dann durch Druck, Liebesentzug und/oder ein eingeredetes schlechtes Gewissen zu erzwingen. Nach meinen Erfahrungen und vielen Gesprächen mit Freunden ist so etwas leider nur allzu häufig der Fall. Sehr traurig … Und zwar für alle Seiten.

    1. Danke liebe Sarah, ja das ist wahr. Darum ging es heute auch in der Mail die mir eine Frau schickte. Um Schuldgefühle einreden und das Kind für das eigenen Glück verantwortlich machen. Geht gar nicht, doch wie Du bereits anmerkst, leider öfter der Fall als wir denken…

  12. Vielen Dank für diesen Beitrag,
    ich bin mittlerweile fast 52 Jahre alt. Mutter schon seit meiner frühen Kindheit Alkoholikerin (auch im sogenannten Nachtmilieu tätig) Alle waren besser als ich. Ihre angestellten Mädels, mein Cousin, einfach jeder! Geld war nie ein Thema, das hatte ich, aber das war auch Alles.
    Bis vor 3-4 Monaten habe ich Alles getan, um von ihr “Beachtung” zu bekommen, versucht ihr zu helfen. Zwecklos! Es war außerdem nie genug! Ich undankbare Tochter. Hatte ja schließlich Alles!
    Dann gibt es irgendwann diese “eine” Tat, dieser “eine” Satz, wonach du dir sagst, bis hier hin und keinen Schritt mehr weiter!
    Im November wurde sie 76. der erste Geburtstag, an dem ich mich nicht gemeldet habe und es geht mir gut dabei. Ich hoffe, ich halte es durch!

    1. Gern geschehen. Das tut mir leid zu hören. Du hast ein Recht auf ein glückliches Leben. Manchmal tut es gut los zu lassen und sich mit den Tatsachen abzufinden statt auf etwas zu warten, dass nie eintreten wird. Weiss sie denn wie es um Dich steht? Um deine Gefühle all die Zeit?

      1. Entgegen meiner “Sozialprognose” aus der Kindheit, ist aus mir tatsächlich ein gutes und soziales Mitglied der Gesellschaft geworden. (Geregeltes Leben, eigenes Geschäft mit vielen dankbaren Kundinnen und einen wundervollen Partner)Ich glaube, wenn ich täglich besoffen, einmal pro Woche verhauen und auch sonst eher am sozialen Abrund schwimmen würde, könnte sie meine Existenz besser ertragen. Außer sich, ihre Situation (an der der Alkohol natürlich keine Schuld trägt) sieht sie nichts. Ganz im Gegenteil. Jetzt ist es ja so, dass ich sie “ausrangiere” weil sie alt ist…

        Danke der Nachfrage, aber hier ist Hopfen und Malz verloren.

  13. Hallo Paula, vielen Dank für diesen Text. Und ja, das darf man nicht nur, man muss es, wenn man leidet. Ich habe vor 4 Jahren endlich den Absprung geschafft und fühle mich jeden einzelnen Tag erleichtert und endlich frei. Nochmals vielen Dank und alles Gute für das neue Jahr. Gruß Tina

  14. Ja, darf man das? Ich finde, man sollte sogar, wenn es sein muss. Ich habe zwei Anläufe gebraucht, bis ich das kapiert habe. Und natürlich kamen all die Sprüche, die du auch aufgezählt hast – aber hey, try walking in my shoes. Ich habe handfeste Gründe, warum ich den Kontakt abbrach, Gründe, die teilweise Anzeigen rechtfertigen würde. Auf ein gerichtliches Vorgehen habe ich verzichtet, auf meine Mutter in diesem Zuge auch. (Zu meiner Schwester besteht noch sporadisch Kontakt, der mich aber auch mehr belastet als er mir gut tut.) Heute geht es mir sehr gut damit 🙂 Und Weihnachten feiere ich ebenso wie du in der Wahlfamilie 😀 https://wildwomandancing.wordpress.com/2016/12/26/weihnachten-in-der-wahlfamilie-oder-wir-machen-uns-unsere-eigenen-traditionen/

  15. Hallo Paula,

    ich stieß heute via Twitter auf Dein Blog und danke Dir sehr für Deinen Mut und Deine Offenheit.

    Mir geht es ähnlich wie Dir. Ich habe seit knapp neun Jahren keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern, denn ich habe in meinem Elternhaus psychischen, körperlichen und auch sexuellen Missbrauch erlebt. In diesem Jahr zu meinem Geburtstag schlugen meine Eltern mir ein Treffen vor, und meine Mutter schrieb in die Karte “Niemand steigt in denselben Fluss.” Neun Jahre sind eine lange Zeit, aber immer noch spüre ich die Folgen meiner Kindheit und habe das Gefühl, mich schützen zu wollen und zu müssen.

    Inzwischen stehe ich zu dem Kontaktabbruch, trotz der Klischees, man habe doch als Kind dankbar zu sein und werde es bereuen. Ich sage, dass ich ich keinen Kontakt habe und kein gutes Verhältnis, und dann fragen die meisten nicht weiter.

    Sie werden niemals die Eltern, die ich als Kind gebraucht hätte, und sie würden auch nie die Freunde, mit denen ich gerne mein Leben teile. Das ist auch ein ständiger Trauerprozess, aber es befreit.

    Diese Freiheit wünsche ich uns allen. Danke fürs Schreiben..

    1. Hallo Frau Sturmflut

      Das tut mir leid zu hören. Mir blutet jedes mal das Herz, wenn ich sowas lesen muss. Wir sind leider so viele, damit hätte ich nie gerechnet. Finde das immer anmassend, mit dem Dankbar sein, denn es ist für viele unvorstellbar, dass es eben zuhause nicht so harmonisch ist, wie es sein sollte :/

      Weiterhin alles Gute <3

      Fühl dich umarmt!

  16. Liebe Paula,

    hab Dank für Deinen Blog hier über dieses sehr wichtige Thema. Immer wieder finde ich enorme Mengen an Material über verlassene Eltern. Jedoch kaum etwas über die verlassen(d)en Kinder. Hier habe ich schon viel gelesen und auch ein bißchen bei Sturmfrau 😉
    Gedankenstreuner ist sehr aktiv zu dieser Thematik gewesen. Ich bin es auch.
    Doch immer wieder frage ich mich: Wie kann es ein solches Heer verlassener Eltern geben: Wo sind die ganzen Kinder dazu? Trauen sie sich nach wie vor nicht das Schweigen zu brechen…?!
    Verlassen(d)e Kinder haben keine Lobby.

    Ich habe mich vor anderthalb Jahren von meinen Eltern losgesagt. Natürlich wegen fast nichts… 😉
    Es geht mir noch lange nicht gut damit, aber ich bin auf dem Weg.

    Liebe Grüße von Himbeere und ihren Himbeersplittern

    1. Liebe Himbeere

      Danke für die lieben Worte. Nach dem ich mich “geoutet” habe, dass ich mich von meinen Eltern los gesagt habe, vor 2 Jahren, haben sich auch enge Freunde und Bekannte “geoutet”. Glaube, es ist immer noch sehr verpönt, denn die Familie ist heilig. Deswegen trauen sich viele nicht raus aus ihrem Versteck. Und wohl auch aus Scham. Denn auch ich glaubte vor ein paar Jahren schuld an dem Missbrauch zu haben.

      Denn wie jedes mal, wenn ich darüber schreibe oder es öffentlich wird, melden sich viele, denen es genau so ging. Und ich exponiere mich immer und immer wieder, damit es langsam, Schritt für Schritt in das Bewusstsein der Leute dringt.

      Nicht alle Eltern lieben ihre Kinder.
      Nicht alle Menschen sind dafür gemacht Eltern zu werden.
      Kein Kind dieser Welt löst sich von seinen Eltern aus dem Nichts.

      Und auch um den Betroffenen Mut zu machen.

      Es lohnt sich um das Leben zu kämpfen.
      Es lohnt sich auf sich Acht zu geben.

      UND: Man hat das Recht sich zu schützen. Auch vor den eigenen Eltern.

      Immer und immer und immer wieder muss man es Sichtbar machen. Weil Schweigen zu nichts führt.

      Es tut mir natürlich leid, dass auch du dich los sagen musstest von deinen Eltern, aber ich freue mich, dass du einen Weg für dich gefunden hast, der für dich stimmt. Denn das zählt: DU.

      Ganz liebe Grüsse aus den Bergen,

      Paula

  17. Danke für Deine lieben Worte, Paula.
    Ich taste mich Schritt für Schritt vorwärts. Es ist nach wie vor sehr schwierig.

    Ich wünsche mir, dass sich noch mehr Kinder zu Wort melden.
    Und ich wünsche mir, dass Eltern beginnen zu zuhören…

    LG nochmals von Himbeere und den Himbeersplittern

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