Ja, darf man das?

Was w├Ąre, wenn:

Die besten Freunde l├╝gen w├╝rden wie gedruckt?
Man sich nicht auf sie verlassen k├Ânnte?
Man immer Schuld ist an jeder Misere tr├Ągt, nur nicht sie selber?
Man jeden Tag zu h├Âren bekommen w├╝rde, wie unerw├╝nscht man ist?
Man keine Unterst├╝tzung von ihnen erfahren w├╝rde, sondern nur Kritik?

Und ich meine nicht die Art und Weise von Kritik, die einen vorw├Ąrtsbringt.

W├╝rde man sich solchen Menschen aussetzen, freiwillig?

W├╝rde man Wert legen auf solch eine ┬źFreundschaft┬╗? ┬áIch glaube wir alle k├Ânnen diese Frage mit einem klaren: ┬źNein!┬╗ beantworten.

Wenn Eltern den Kontakt zu ihren Kindern abbrechen

Ist das immer so eine Sache. Meist muss schon etwas ┬źschlimmes┬╗ passiert sein, dass Eltern diesen letzten verzweifelten Schritt gehen. Aber dieser Schritt, wird meist gesellschaftlich akzeptiert und verstanden. Die verstossenen Kinder werden dann gern ┬źSchwarze Schafe┬╗ genannt und damit ist das Thema meist vom Tisch.

Gerade zu dieser Zeit, so kurz vor Weihnachten, werde ich oft mit der Frage konfrontiert: ┬źUnd, gehtÔÇÖs zur Familie ├╝ber Weihnachten?┬╗ ┬źJa, zu meiner Wahlfamilie!┬╗ antworte ich dann oft. Dies l├Âst nat├╝rlich eine Flut an Fragen und besonderem Unverst├Ąndnis aus. Denn ich geh├Âre zu den Menschen, die ihren Eltern ┬źgek├╝ndigt┬╗ haben. ┬źJa, darf man das denn?┬╗ h├Âre ich einige von euch schon fragen.

Wenn Kinder den Kontakt abbrechen

Werden sie als undankbar bezeichnet und vieles mehr. Man zeigt kein Verst├Ąndnis, bezichtigt uns des Egoismus und auch sehr oft als herzlos. Und wehe Sie sind Tochter, dann erst recht! Gerade ich, in meinem Beruf (ich arbeite mit Kindern und Erwachsenen) ernte ich meist kr├Ąftiges, absch├Ątziges Kopfsch├╝tteln. Wie oft musste ich mir anh├Âren: ┬źKomm, ruf sie an, es sind deine Eltern, sei nicht so sturÔÇŽEines Tages werden sie nicht mehr da sein und dann wirst du es bereuen…Blablabla┬╗ und all der gleichen. ┬áNein, werde ich sicher nicht, ganz ehrlich!

Menschen sind gegen Gewalt an Kindern

Jeglicher Missbrauch ist ihnen zuwider und jeden der ein Kind qu├Ąlt, auf welche Art und Weise auch immer, w├╝rden sie am liebsten auf Lebenszeit einsperren oder gar schlimmeres, da sind wir uns auch alle einig, hmm? Einem wehrlosen, schutzbed├╝rftigen Kind, dass auf seine Eltern angewiesen ist, keine Liebe oder Geborgenheit und Sicherheit zu geben, es nur bis auf das n├Âtigste zu versorgen und es nur beachten wenn es etwas zum Kritisieren gibt, um es dann k├Ârperlich zu z├╝chtigen, es bricht den meisten schon das Herz wenn sie nur davon lesen, stimmt`s?

Menschen sind auch gegen jegliche bevormundung wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht haben, wie die Vollj├Ąhrigkeit, nicht wahr?

Viele von euch nehmen solche Eltern in Schutz

Denn wenn Kinder, Eltern jeglichen Kontakt verweigern, ist meist wirklich etwas dahinter. In meinem Fall, all das von oben beschriebene. Also warum dr├╝ckt man mir und vielen anderen, die sich aus Scham nicht trauen dar├╝ber zu sprechen den Stempel der Undankbarkeit gegen├╝ber den Eltern auf? F├╝r was sollten wir in unserem Fall Dankbar sein?

Warum sch├╝ttelt man den Kopf, und zieht die Augenbrauen hoch, wenn wir uns nur sch├╝tzen wollen, nun, da wir selber Erwachsene sind und eine Wahl haben? Denn als Kind hat man keine Wahl, man ist angewiesen auf die Eltern.

Und man kommt auch nicht so einfach aus der Familie raus, im schlimmsten Fall, muss erst etwas passieren, dass die Beh├Ârden hellh├Ârig werden. Oder es braucht einen mutigen der das meldet. Doch die meisten sind nicht mutig und sehen weg, auch wenn das Ungl├╝ck vor ihren Augen passiert. Wie viele Kinder sind schon in Wohnungen verendet und angeblich hat niemand etwas mitbekommen? Wie viele Kinder werden in der ├ľffentlichkeit geohrfeigt und niemand schreitet ein?

Man sieht weg, es ist ja nicht das eigene Kind, nicht das eigene Problem, warum sich also mit sowas unn├Âtig belasten?

Aber wenn man dann als erwachsene Frau / Mann sagt: ┬źIch habe den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen!┬╗ Da f├╝hlen sich pl├Âtzlich alle eingeladen ihren absch├Ątzigen Senf dazu zugeben, vor allem zu verurteilen, sich einzumischen, obwohl sie niemand darum gebeten hat. Denn nicht jeder mag dann ausf├╝hrlich erz├Ąhlen warum wieso und weshalb es so weit kam.

Viele sagen auch aus den besagten Gr├╝nden einfach, dass ihre Eltern verstorben sind. Denn glaubt mir, diese Entscheidung trifft man nicht von heute auf morgen. Es ist ein langj├Ąhriger Prozess in der Hoffnung, dass eines Tages, die Eltern ihre Fehler erkennen, das Kind als solches erkennen, mit seinen Bed├╝rfnissen, W├╝nschen, ├ängsten.

Mit dem vergangenen abschliessen

Dass sie eines Tages anfangen Liebe zu zeigen, anstatt ihren Frust an ihren Kindern auszulassen. Doch je mehr Zeit vergeht, desto mehr stirbt die Hoffnung und man stellt fest, dass man sich das nicht antun braucht. Warum auch? Warum sollte sich jemand freiwillig niedermachen lassen wollen? Also trennt man sich und hat seine Ruhe. Die meisten brauchen eine Therapie, um sich von dem Traumata der Kindheit zu erholen, an ihrem Selbstbewusstsein zu arbeiten und um mit der Vergangenheit abzuschliessen.

Es war ein langer Weg auch f├╝r mich, all das was passiert ist hinter mir zu lassen. Doch ich wollte es immer anders machen, als meine Eltern. Und Menschen, die mich verurteilen, mich als schlechte Tochter hinstellen, die kann ich mittlerweile nur noch bel├Ącheln. Denn wenn sie meine Eltern so bemitleiden, kann ich ihnen gern die Adresse geben, damit sie ihnen einen Besuch abstatten k├Ânnen.

Wenn man sie dann konfrontiert mit der bitteren Wahrheit und dem Grund des Kontaktabbruchs, werden sie meist still und schauen bedr├╝ckt zu Boden. Es ist halt immer einfacher zu urteilen, statt zu hinterfragen.

Warum ich euch das heute erz├Ąhle?

Weil ich den vielen Menschen, denen es genauso geht Mut machen m├Âchte. Ihr seid keine schlechten Menschen, nur weil ihr euch sch├╝tzt! Denn jeder hat das Recht gl├╝cklich zu sein. Ich m├Âchte auch kein Mitleid, ich m├Âchte einfach nur, weniger verurteilende Worte, weniger Vorurteile, mehr Hinterfragen. Denn glaubt mir, viele von uns h├Ątten gern ein liebevolles Elternhaus und eine tolle Kindheit gehabt und vor allem: Einen guten Draht, auch als Erwachsene zu den eigenen Eltern!

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36 Kommentare

  1. Vielen Dank f├╝r deinen Artikel, der tut gerade in der Weihnachtzeit sehr gut. Oft h├Âre ich: „Jetzt tu doch nicht so schwierig, ruf deine Mutter doch an, du kannst sie schliesslich nicht ├Ąndern“, und Unverst├Ąndnis dar├╝ber, dass ich es nicht tue. Es tut immer wieder gut, zu erfahren, dass andere „Kinder“ das ├Ąhnlich machen und ├Ąhnlich empfinden wie ich.

  2. Sehr sch├Âner Beitrag. Ich habe auch grade den gr├Â├čsten Streit mit meiner Mutter (ich Einzelkind, sie allein Erziehend und Selbstst├Ąndig – ergo wenig Zeit f├╝r das Kind als es danach gefragt hat). Es ging auch um was v├Âllig Banales auf das ich sie hingewiesen habe, danach erntete ich nur noch Vorw├╝rfe was f├╝r ein egoistischer Mensch ich bin, so undankbar etc. p.p.
    Ich hoffe zwar auch das es sich irgendwann mal wieder erinrenkt, doch habe ich keine Lust st├Ąndig diejenige zu sein die klein bei gibt und ├╝ber die Fehler Anderer hinwegzusehen, w├Ąhrend ich auch nur den kleinsten Fehler von Selbigen bis ans Ende aller Tage unter die Nase gerieben bekomme.

  3. Hey!
    In wirklich sehr guter und starker Beitrag!
    Ich kann Dich absolut nachvollziehen! Obwohl ich solche Erfahrungen, wie Du sie gemacht hast, nicht machen musste. Ich finde es auch, dass es anderen Menschen nicht zusteht, v.a. wenn sie kaum etwas ├╝ber die pers├Ânlichen Gr├╝nde wissen, so ver├Ąchtlich zu reagieren. Jeder, der den Kontakt zu seinen Eltern „abgebrochen“ hat wird daf├╝r seine Gr├╝nde haben!

    viele Gr├╝├če

    Vera

  4. Ganz toller Beitrag, vielen Dank daf├╝r. Diese Art von Kritik kenne ich selbst leider zu gut aus unterschiedlichen Perspektiven. Zu meiner Mutter habe ich ein sehr enges Verh├Ąltnis, das ist vielen auch nicht geheuer. Kommentare wie *was brauchst du eine eigene Wohnung* oder mitleidige Blicke, wenn man t├Ąglich telefoniert sind ebenso nervig. Zu meinem Vater habe ich seit fast 20 Jahren keinen Kontakt, und das ist gut so.
    Sch├Âne Weihnachten mit Menschen, die euch lieben wie ihr seid und die euch etwas bedeuten!

    • Liebe Daniela, danke f├╝r die lieben Worte. Ich finde das sch├Ân, was du da beschreibst. Ich habe zum Gl├╝ck sehr gute Freunde, seit der Kindheit, mit denen ich Weihnachten verbringe. <3 Ihnen und ihrer lieben Mama, ein besinnliches Fest!

  5. Hallo Paula, danke f├╝r diesen Artikel. Ich habe auch vor vielen Jahren schon den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen, aus den unterschiedlichsten Gr├╝nden. Und es tut gut zu lesen, das man nicht alleine ist, und dass die Entscheidung nicht falsch war.

  6. Danke f├╝r die ehrlichen Worte! Ich wei├č genau, was Du meinst. Ich habe zeitweise den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen. Das war sehr wichtig f├╝r mich. Irgendwann war ich wieder bereit f├╝r mehr Kontakt, allerdings leben wir sehr distanziert voneinander. Und das ist auch gut so. Manche Menschen kann man nicht ├Ąndern und deshalb sollte man sie lieber nicht zu nah an sich ranlassen. Sofern man sich sch├╝tzen kann und kein Kind mehr ist, sollte man das tun. Liebe Gr├╝├če von einer „undankbaren Tochter“ aka „Schwarzes Schaf“ ­čśë

  7. Paula, danke f├╝r deine mutigen Worte!

    Ich selbst stehe noch in Kontakt mit meinen Eltern, ich liebe sie, sehe sie aber nicht oft. Und das ist auch gut so! Auch wenn ich nie etwas vergleichbar Schlimmes wie du durchmachen musste, tut es mir pers├Ânlich gut, sie nur selten zu sehen. Selbst nach langer Therapie f├Ąllt es mir noch immer schwer, nicht mehr an meine Kindheit und Jugend zu denken, in der ich einfach nicht ernst und immer nur bel├Ąchelt w├╝rde. Ich war immer die Tochter, der nichts zugetraut wurde. Und selbst jetzt, erwachsen, verheiratet, auf eigenen Beinen stehend, ist da immer noch oft das Gef├╝hl, nicht gut genug zu sein.
    Ich kann deinen Schritt sehr gut nachvollziehen und es regt mich auf, wenn Menschen, die nicht ann├Ąhernd nachempfinden k├Ânnen, einen verurteilen bzw. meinen, dass man nur ├╝ber seinen Schatten der springen soll, denn dann wird das ja alles wieder. Ich esse nichts, was giftig ist, also wieso soll ich mich mit Menschen umgeben, die mich auch nur vergiften?!

  8. Ich denke auch, dass jeder Mensch sich nach Liebe, W├Ąrme und Anerkennung sehnt und sich nur dann, wenn es gar nicht mehr geht, f├╝r den Schritt entscheidet, den Kontakt zu seinen Eltern abzubrechen. Deshalb ist es einfach nur herzlos, den Menschen, denen das Schicksal keine andere Wahl l├Ąsst, das Gef├╝hl zu geben, sie seien nicht „richtig“.

  9. Danke. ­čÖé

  10. Anja (Name ist Iris, bitte mit Ruecksicht auf meine Kinder "Anja" verwenden, danke!)

    Danke fuer den Beitrag und das Brechen eines Tabus. Ich kann den Inhalt des Artikels in jeder Hinsicht nachvollziehen. Nach Jahrzehnten von Missbrauch in Form von Verleumdung, Luegen, Ignorieren, Weggeben an Grossmutter und Wiederholen, Liebe, Geld und Aufmerksamkeit ausschliesslich an das andere Kind geben, Beschimpfungen, finanziellem Ausnutzen +++++, die Negativitaeten sind so zahllos wie unsaeglich, bin ich (endlich) den Schritt gegangen, den Kontakt mit meinen Eltern abzubrechen.
    Schon in dieser Phase fuehlte ich mich viel besser. Als sie dann nach weiteren drei Jahren starben, weinte ich keine Traene, habe den Bruch nur insofern bereut, als das ich ihn schon viel frueher haette vollziehen sollen.
    Leider blieben mir die in dem Artikel beschriebenen „wohlgemeinten“ Ratschlaege von Verwandten, das seien doch schliesslich meine Eltern, blabla, nicht erspart. Dazu kann ich nur sagen: „Ihr habt mein Leiden nicht erfahrenÔÇôÔÇôihr wart nicht dabei. Nach aussen haben sie die perfekte Familie gespielt, die im Innenverhaeltnis eine hoellische Farce war. Wo wart ihr Besserwisser, als ich mich durch jahrelange Therapie aus einer chronischen Krankheit mit uebermenschlicher Kraft herausentwickelt habe? Also erspart mir Eure Ratschlaege. Ich habe Euch nicht darum gebeten.“
    Seitdem meine Eltern verstorben sind, habe ich das Gefuehl, mein Leben faengt jetzt erst an.
    Wenn sich jemand in einem System nicht um aktive Besserung bemueht, aendert sich nichts. Meine Eltern haben sich um nichts bemueht, ausser darum, ihre Negativitaeten auf mich zu projizieren.

  11. Wie gerne w├╝rde ich diese Verbindung kappen, aber leider haben sie die F├Ąden meiner Erziehung mit schlechtem Gewissen und Pflichtbewusstsein so eng verwoben, dass ich dazu nicht imstande bin. Meine Mutter g├Ąbe keine Ruhe und w├╝rde meinen R├╝ckzug niemals akzeptieren. Mein Bruder hat den Absprung geschafft, trotz allem, aber es wird regelm├Ą├čig an sein Gewissen appelliert, meine Mutter gibt keine Ruhe, steht bei ihm vor der T├╝r, ruft an, schreibt Briefe, spielt die Unschuldige und wei├č nat├╝rlich ├╝berhaupt nicht warum er das getan hat. Mich w├╝rde das vermutlich genauso schwer belasten wie die jetzige Situation, ein einziger Spie├črutenlauf, ein pausenloses Gemeckere und Schlechtgerede meines Lebens, meiner Person, meiner Entscheidungen, meiner Familie… Dass sie mein Selbstwertgef├╝hl v├Âllig au├čer Kraft gesetzt hat, spielt sie gnadenlos zu ihren Gunsten aus und rammt immer wieder genau in die wunden Stellen hinein. Da ich den Absprung dennoch nicht schaffe, bleibt mir nur abzuwarten und zu hoffen, dass mir noch ein eigenes Leben bleibt, wenn ihres mal zu Ende ist…

    • Paula Deme

      Liebe Claudia

      Es bricht mir das Herz das zu h├Âren. Nat├╝rlich ist es f├╝r mich einfacher, da ich im Ausland lebe. Auch meine Mutter hat sich hier und da gemeldet und stand bei mir vor der T├╝re als ich noch in Deutschland war, doch stand sie meist vor verschlossener T├╝re. Nummer ge├Ąndert, ihre ├╝berall gesperrt, Facebook genau das gleiche, Emails auch. Alle ihre Versuche laufen ins Leere, da sie meine Zeit und meine Nerven verschwendet. Es dreht sich eh nur im Kreise, auch wenn ich es immer wieder probiere. Und das tat ich 13 Jahre lang, nach meinem Auszug. 2 Schritte vor, 20 zur├╝ck.

      Vielleicht ist deine Schmerzgrenze noch nicht erreicht, auch ich wurde zu Pflichtbewusstsein erzogen und zu einem schlechten Gewissen, wenn ich nicht so sperrte wie sie es wollte. Mir half eine Therapie und die dort erlernte Selbstliebe. Denn das Leben ist zu kurz um ungl├╝cklich zu sein.

      Ich w├╝nsche Dir viel Kraft. F├╝hl Dich umarmt!

  12. Sehr guter Beitrag! Menschen, die nicht gut f├╝r einen sind, sollte man meiden. Dann geht es einem einfach besser. Bei den eigenen Eltern ist das leider nicht so leicht … Trotzdem muss es manchmal dieser Schritt sein, um selbst gl├╝cklich zu werden. Und eigentlich sollte das ja auch der Wunsch von Eltern sein, dass die Kinder gl├╝cklich sind. Aber ich habe oft das Gef├╝hl, dass Eltern ihre Kinder f├╝r ihr eigenes Gl├╝ck verantwortlich machen. Und das versuchen sie dann durch Druck, Liebesentzug und/oder ein eingeredetes schlechtes Gewissen zu erzwingen. Nach meinen Erfahrungen und vielen Gespr├Ąchen mit Freunden ist so etwas leider nur allzu h├Ąufig der Fall. Sehr traurig … Und zwar f├╝r alle Seiten.

    • Paula Deme

      Danke liebe Sarah, ja das ist wahr. Darum ging es heute auch in der Mail die mir eine Frau schickte. Um Schuldgef├╝hle einreden und das Kind f├╝r das eigenen Gl├╝ck verantwortlich machen. Geht gar nicht, doch wie Du bereits anmerkst, leider ├Âfter der Fall als wir denken…

  13. Vielen Dank f├╝r diesen Beitrag,
    ich bin mittlerweile fast 52 Jahre alt. Mutter schon seit meiner fr├╝hen Kindheit Alkoholikerin (auch im sogenannten Nachtmilieu t├Ątig) Alle waren besser als ich. Ihre angestellten M├Ądels, mein Cousin, einfach jeder! Geld war nie ein Thema, das hatte ich, aber das war auch Alles.
    Bis vor 3-4 Monaten habe ich Alles getan, um von ihr „Beachtung“ zu bekommen, versucht ihr zu helfen. Zwecklos! Es war au├čerdem nie genug! Ich undankbare Tochter. Hatte ja schlie├člich Alles!
    Dann gibt es irgendwann diese „eine“ Tat, dieser „eine“ Satz, wonach du dir sagst, bis hier hin und keinen Schritt mehr weiter!
    Im November wurde sie 76. der erste Geburtstag, an dem ich mich nicht gemeldet habe und es geht mir gut dabei. Ich hoffe, ich halte es durch!

    • Paula Deme

      Gern geschehen. Das tut mir leid zu h├Âren. Du hast ein Recht auf ein gl├╝ckliches Leben. Manchmal tut es gut los zu lassen und sich mit den Tatsachen abzufinden statt auf etwas zu warten, dass nie eintreten wird. Weiss sie denn wie es um Dich steht? Um deine Gef├╝hle all die Zeit?

      • Entgegen meiner „Sozialprognose“ aus der Kindheit, ist aus mir tats├Ąchlich ein gutes und soziales Mitglied der Gesellschaft geworden. (Geregeltes Leben, eigenes Gesch├Ąft mit vielen dankbaren Kundinnen und einen wundervollen Partner)Ich glaube, wenn ich t├Ąglich besoffen, einmal pro Woche verhauen und auch sonst eher am sozialen Abrund schwimmen w├╝rde, k├Ânnte sie meine Existenz besser ertragen. Au├čer sich, ihre Situation (an der der Alkohol nat├╝rlich keine Schuld tr├Ągt) sieht sie nichts. Ganz im Gegenteil. Jetzt ist es ja so, dass ich sie „ausrangiere“ weil sie alt ist…

        Danke der Nachfrage, aber hier ist Hopfen und Malz verloren.

        • Paula Deme

          Das freut mich zu h├Âren! Dann hast Du Dir doch eigentlich die Frage beantwortet, ob Du das durchh├Ąltst. ­čśë

  14. Hallo Paula, vielen Dank f├╝r diesen Text. Und ja, das darf man nicht nur, man muss es, wenn man leidet. Ich habe vor 4 Jahren endlich den Absprung geschafft und f├╝hle mich jeden einzelnen Tag erleichtert und endlich frei. Nochmals vielen Dank und alles Gute f├╝r das neue Jahr. Gru├č Tina

  15. Ja, darf man das? Ich finde, man sollte sogar, wenn es sein muss. Ich habe zwei Anl├Ąufe gebraucht, bis ich das kapiert habe. Und nat├╝rlich kamen all die Spr├╝che, die du auch aufgez├Ąhlt hast – aber hey, try walking in my shoes. Ich habe handfeste Gr├╝nde, warum ich den Kontakt abbrach, Gr├╝nde, die teilweise Anzeigen rechtfertigen w├╝rde. Auf ein gerichtliches Vorgehen habe ich verzichtet, auf meine Mutter in diesem Zuge auch. (Zu meiner Schwester besteht noch sporadisch Kontakt, der mich aber auch mehr belastet als er mir gut tut.) Heute geht es mir sehr gut damit ­čÖé Und Weihnachten feiere ich ebenso wie du in der Wahlfamilie ­čśÇ https://wildwomandancing.wordpress.com/2016/12/26/weihnachten-in-der-wahlfamilie-oder-wir-machen-uns-unsere-eigenen-traditionen/

  16. Hallo Paula,

    ich stie├č heute via Twitter auf Dein Blog und danke Dir sehr f├╝r Deinen Mut und Deine Offenheit.

    Mir geht es ├Ąhnlich wie Dir. Ich habe seit knapp neun Jahren keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern, denn ich habe in meinem Elternhaus psychischen, k├Ârperlichen und auch sexuellen Missbrauch erlebt. In diesem Jahr zu meinem Geburtstag schlugen meine Eltern mir ein Treffen vor, und meine Mutter schrieb in die Karte „Niemand steigt in denselben Fluss.“ Neun Jahre sind eine lange Zeit, aber immer noch sp├╝re ich die Folgen meiner Kindheit und habe das Gef├╝hl, mich sch├╝tzen zu wollen und zu m├╝ssen.

    Inzwischen stehe ich zu dem Kontaktabbruch, trotz der Klischees, man habe doch als Kind dankbar zu sein und werde es bereuen. Ich sage, dass ich ich keinen Kontakt habe und kein gutes Verh├Ąltnis, und dann fragen die meisten nicht weiter.

    Sie werden niemals die Eltern, die ich als Kind gebraucht h├Ątte, und sie w├╝rden auch nie die Freunde, mit denen ich gerne mein Leben teile. Das ist auch ein st├Ąndiger Trauerprozess, aber es befreit.

    Diese Freiheit w├╝nsche ich uns allen. Danke f├╝rs Schreiben..

    • Paula Deme

      Hallo Frau Sturmflut

      Das tut mir leid zu h├Âren. Mir blutet jedes mal das Herz, wenn ich sowas lesen muss. Wir sind leider so viele, damit h├Ątte ich nie gerechnet. Finde das immer anmassend, mit dem Dankbar sein, denn es ist f├╝r viele unvorstellbar, dass es eben zuhause nicht so harmonisch ist, wie es sein sollte :/

      Weiterhin alles Gute <3

      F├╝hl dich umarmt!

  17. Liebe Paula,

    hab Dank f├╝r Deinen Blog hier ├╝ber dieses sehr wichtige Thema. Immer wieder finde ich enorme Mengen an Material ├╝ber verlassene Eltern. Jedoch kaum etwas ├╝ber die verlassen(d)en Kinder. Hier habe ich schon viel gelesen und auch ein bi├čchen bei Sturmfrau ­čśë
    Gedankenstreuner ist sehr aktiv zu dieser Thematik gewesen. Ich bin es auch.
    Doch immer wieder frage ich mich: Wie kann es ein solches Heer verlassener Eltern geben: Wo sind die ganzen Kinder dazu? Trauen sie sich nach wie vor nicht das Schweigen zu brechen…?!
    Verlassen(d)e Kinder haben keine Lobby.

    Ich habe mich vor anderthalb Jahren von meinen Eltern losgesagt. Nat├╝rlich wegen fast nichts… ­čśë
    Es geht mir noch lange nicht gut damit, aber ich bin auf dem Weg.

    Liebe Gr├╝├če von Himbeere und ihren Himbeersplittern

    • Paula Deme

      Liebe Himbeere

      Danke f├╝r die lieben Worte. Nach dem ich mich „geoutet“ habe, dass ich mich von meinen Eltern los gesagt habe, vor 2 Jahren, haben sich auch enge Freunde und Bekannte „geoutet“. Glaube, es ist immer noch sehr verp├Ânt, denn die Familie ist heilig. Deswegen trauen sich viele nicht raus aus ihrem Versteck. Und wohl auch aus Scham. Denn auch ich glaubte vor ein paar Jahren schuld an dem Missbrauch zu haben.

      Denn wie jedes mal, wenn ich dar├╝ber schreibe oder es ├Âffentlich wird, melden sich viele, denen es genau so ging. Und ich exponiere mich immer und immer wieder, damit es langsam, Schritt f├╝r Schritt in das Bewusstsein der Leute dringt.

      Nicht alle Eltern lieben ihre Kinder.
      Nicht alle Menschen sind daf├╝r gemacht Eltern zu werden.
      Kein Kind dieser Welt l├Âst sich von seinen Eltern aus dem Nichts.

      Und auch um den Betroffenen Mut zu machen.

      Es lohnt sich um das Leben zu k├Ąmpfen.
      Es lohnt sich auf sich Acht zu geben.

      UND: Man hat das Recht sich zu sch├╝tzen. Auch vor den eigenen Eltern.

      Immer und immer und immer wieder muss man es Sichtbar machen. Weil Schweigen zu nichts f├╝hrt.

      Es tut mir nat├╝rlich leid, dass auch du dich los sagen musstest von deinen Eltern, aber ich freue mich, dass du einen Weg f├╝r dich gefunden hast, der f├╝r dich stimmt. Denn das z├Ąhlt: DU.

      Ganz liebe Gr├╝sse aus den Bergen,

      Paula

  18. Danke f├╝r Deine lieben Worte, Paula.
    Ich taste mich Schritt f├╝r Schritt vorw├Ąrts. Es ist nach wie vor sehr schwierig.

    Ich w├╝nsche mir, dass sich noch mehr Kinder zu Wort melden.
    Und ich w├╝nsche mir, dass Eltern beginnen zu zuh├Âren…

    LG nochmals von Himbeere und den Himbeersplittern

  19. Jasmin

    Vielen Dank f├╝r deine tollen Worte ich kenne es zugutwenn andere sagen es w├Ąre falsch den Kontakt zu den eigenen Eltern abzubrechen. Ich h├Ątte ja nur eine Mutter usw. aber ich frage mich, ob ich ersetzbar bin. Denn sowie es eine Mutter gibt, gibt es auch nur mich einmal denke ich ;-). Naja es ist so traurig, dass einfach verurteilt wird als w├╝rden Eltern alles d├╝rfen oder zumindest vieles. Ich freue mich sehr ├╝ber deinen Beitrag und w├╝nsche weiterhin viel Kraft.

    • Paula Deme

      Liebes Jasmin

      Erstmal danke f├╝r diene lieben Worte und tut mir leid zu h├Âren, dass du auch betroffen bist.Niemand ist ersetzbar. Wenn man den Kontakt abbricht muss man sich auch nur vor sich selber Rechtfertigen. Ob es sich f├╝r einen selber gut anf├╝hlt. Eltern d├╝rfen auch nicht alles, aber das scheint die Gesellschaft oft zu vergessen.

      Danke. Dir auch viel Kraft <3

  20. Danke f├╝r`s verlinken =)

Mich interessiert deine Sichtweise zum Thema!

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