Der fremde Vater

Du mochtest Bruce Lee Filme, Western, Filme mit Bud Spencer und Terrence Hill, oder mit Louis de Funes. Du hattest oft Bonnie Tyler und David Bowie, gehört, hast viel getrunken und viel geraucht.  Du hattest gern Schnitzel mit Pommes, Bohnen und Pilze.

Im Wald warst du gern, auch oft mit mir, Pilze sammeln. Im Freibad warst du auch oft, bist gern Fahrrad gefahren und hast viel geschlafen. Du hast sogar mal im Hochbett meines Bruders geschlafen, als es damals ganz neu war. Wie ein grosses Kind hast du ausgesehen und in diesem Augenblick begriff ich, dass du  innerlich ein kleiner Junge warst. Gefangen in dem Körper eines erwachsenen Mannes. Ich war ungefähr 12 Jahre alt.

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Wenn eine Mutter streikt

Magst du dich vorstellen bitte?

Ich bin Claire, 43 Jahre alt, Bloggerin, Care-Aktivistin, sowie Mama von 2 Jungs (3 und 10 Jahre alt).

Anmerkung: Claire führt den Blog: https://www.mamastreikt.wordpress.com

Du bloggst ja erst seit einem,  halben Jahr, was hat dich dazu bewegt?

Das war eine Mischung aus Ärger über die Umstände, in denen ich als alleinerziehende Mutter meine Kinder großziehen muss, gepaart mit dem Gefühl durch das bloggen selbst wirksam sein zu sein und den Umständen so nicht mehr 100%tig ausgeliefert zu sein.

Wie hast du dich gefühlt, nach dem die Kinder bei der Pflegefamilie waren? Wie kam es überhaupt dazu?

Ich habe mich als absolute Versagerin gefühlt, als meine Kinder in der Pflegefamilie waren. Auf der anderen Seite war es eine große Erleichterung einfach mal wieder durchschlafen zu können, was mit meinem 8 Monate alten Sohn vorher gar nicht mehr möglich war. Das war eine große Belastung, weil ja kein Partner da war, der einem mal eine Nacht abnimmt.

Ich bin in diese Überforderung hineingeraten, weil ich mit 39 Jahren nochmals ungeplant ein Kind bekommen habe, nachdem ich schon 5 Jahre mit meinem Großen (damals 6) alleinerziehend war. Im Prinzip musste ich von Anfang an davon ausgehen, dass der Vater vom Kleinen nicht mit uns zusammenleben wird. Da ich kein stabiles familiäres Netz hatte, war es natürlich eigentlich Wahnsinn, diesen Weg zu gehen. Aber ich hätte auch keine andere Entscheidung treffen können.

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Was gebt ihr euren Kindern mit?

Der Urlaub in Bayern, oder besser gesagt in Franken war teils sehr schön, teils auch sehr verstörend. Diese Stadt die ich einst Heimat nannte, war mir so fremd geworden, dass es teilweise unerträglich war. Und da merkt man es doch, wie die Zeit vergangen ist und wie man mit Menschen mit denen man aufgewachsen ist plötzlich nichts mehr gemeinsam hat. Oder wollte man das damals einfach nur nicht sehen? Bestes Beispiel: Wenn Freunde dann Eltern sind, das „Spiesserleben“ führen dass wir früher so verurteilt haben, ist das für mich in Ordnung so. So lange die Menschen glücklich sind und mich nicht mit ihren Vorstellungen belästigen, wie denn so ein Leben auszusehen hat, können sie leben wie sie wollen, meinetwegen nackt in den Tiefen des Amazonas in einem Baumhaus.

Anders sieht es da teilweise aus, wenn man die Lage aus der anderen Perspektive betrachtet.

Da wurde mir also entgegen gehauen: „Viel Spass in deiner kranken Welt!“ Na nu, was war passiert? Da wollte ich mich mit einem alten Freund treffen, eigentlich schon seit Jahren und wurde immer wieder versetzt, bis ich ihm mitteilte, dass es so keinen Sinn hat und mich seine Unzuverlässigkeit und die ständigen Ausreden seit Jahren extrem nerven und dass ich auf jeglichen weiteren Kontakt verzichte. Ja, der sass, das ist mir schon bewusst, aber Menschen kommen, Menschen gehen.

Und überhaupt, was heisst hier „kranke Welt“?

Wir leben im Jahr 2016 in dem jeder das Recht hat zu leben wie er möchte. Ich bin 32 Jahre alt, Single, habe keine Kinder, lebe in einer WG, liebe Glitzer, Einhörner, Opern und Theater, gute Literatur, Bücher, Quanten und Astrophysik, Festivals und stellt euch vor, ich bin glücklich. So zufrieden wie die letzten Monate war ich schon lange nicht mehr, also noch glücklicher als sonst auch schon. Da stellt sich nun die berechtigte Frage: Gibt es einen Weg sein Leben richtig zu leben? Ich denke nicht. Sollten wir andere verurteilen, weil sie nicht so leben wie wir es gerne hätten? Ich glaube noch weniger.

Was geben solche Eltern denn ihren Kindern mit?

Als ich diese Frage so ähnlich stellte, war mir natürlich der Hass gewiss. Aber warum? Ich finde diese Frage ist gerade in der heutigen Zeit berechtigt. Zu viel Hass der uns gerade in diesen Tagen entgegen schlägt, Hass der auch zu Hause geschürt wird. Denn niemand wird als Rassist geboren oder mit einer festen Meinung. Die Eltern sind Vorbilder und die Kinder übernehmen automatisch die Meinung und das Verhalten der Erwachsenen. Ich habe mich also aus dem Fenster gelehnt und in die Welt gerufen, dass ich wirklich für gewisse Kinder hoffe, dass ihre Eltern nicht so unterbelichtet sind wie sie scheinen.

Ja, das hoffe ich wirklich!

Denn die armen Kinder können am wenigsten was dafür, dass ihre Eltern so sind, wie sie nun mal sind. Man muss sich einfach nur überlegen wohin das führen wird wenn zu Hause gegen andere Menschen gehetzt, gelästert wird, andere verurteilt werden, aus welchen Gründen auch immer. Aber man selbst, ja, man selbst möchte so akzeptiert werden wie man ist und wehe einer traut sich zu kritisieren oder gewisse Verhaltensweisen in Frage zu stellen…

Warum kann man dann nicht die anderen genauso in Ruhe ihr Leben leben lassen? Warum muss man da mit dem Finger drauf halten, nur weil es einem nicht in die kleine Welt passt? Jeder lebt in seiner eigenen Realität und das ist Fakt und wäre es nicht eine schöne Vorstellung, wenn jeder mit dem anderen in Frieden Co-existieren könnte? Unerhört schön wäre das und auf Nachfrage; Nein, mir ist die Bergluft nicht zu Kopf gestiegen! Ich habe nur gelernt, dass ich am glücklichsten bin, wenn ich so sein kann wie ich bin und deswegen lasse ich auch andere so wie sie sind ohne zu verurteilen.

Das bringe ich auch den Kindern bei die ich betreue und wenn wir auf der Welt etwas ändern möchten, wäre es schön, wenn es mehr Menschen und Eltern geben würde, die toleranter sind. Die weniger verurteilen, die sich ihrer Vorbildfunktion bewusst(er) werden. Denn sie prägen die Kinder mit ihrem Verhalten und (unbedachten) Äusserungen für ihr späteres Leben. Wie sagte Barbara so schön: „Was du willst das man dir tut, das füge auch dem anderen zu!“ oder so ähnlich. Aber ihr versteht sicher auf was ich hinaus möchte.

 

Schönes Wochenende

 

Paula