14.07.1997

1997

20 Jahre ist das nun her, ich war 13 Jahre alt. Es sollte das Jahr werden, an dem sich mein Leben grundlegend veränderte. Wie bei vielen Jugendlichen, sagen die einen. Ja, das mag sein. Für mich änderte sich aber alles und mehr. Nicht nur, dass meine Eltern sich scheiden liessen, was wirklich an der Zeit war. Ich verlor auch meinen Glauben. Denn ich verlor einen Freund. Alex. Es sollte einer von vielen werden, wie die nachfolgenden Jahre zeigten.

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Alle reden über Trauer 2017

Ich habe lange überlegt wie ich diesen Text anfangen soll, doch ich finde einfach nicht die richtigen Worte. Als Silke aufgerufen hat sich an der Aktion “Alle reden über Trauer” zu beteiligen konnte ich keinen Moment zögern, denn eigentlich wollte ich diesen Text schon lange schreiben, wusste aber nie wie anfangen. Und so entstand er nun endlich, er ist meinen Pateneltern gewidmet. Über 70. Menschen beteiligen an dieser Aktion. Alle Beiträge gibt es HIER

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Warum wir um verstorbene Musiker trauern

Es ist irgendwie immer das gleiche mit mir, wenn Menschen sterben. Ich kann es nicht glauben. Meinen ersten Verlust erlebte ich mit 12 Jahren, einen von mir sehr geliebten Menschen. Ich wollte es nicht wahrhaben. „Das ist ein Witz, oder?“ fragte ich damals schon total ungläubig. Bis heute sind es noch ein paar mehr geworden, um ganz ehrlich zu sein, ich müsste lange überlegen wie viele Verwandte, Bekannte und geliebte Menschen nun aus dieser Welt gingen in den letzten zwanzig Jahren.

Der letzte war ein Schulkamerad und alter Freund, er wählte den Freitod. Ich erfuhr an dem Jungesellinnenabschied meiner besten Freundin in Deutschland, recht beiläufig davon. Und wie bei jedem Mal, kam dieser Gedanke „Das muss ein schlechter Scherz sein!“  während Krokodilgrosse Tränen unkontrolliert in meine Augen schossen. Blöderweise, bin ich auch so empfindlich wenn mir persönlich unbekannte, aber von mir geliebte Musiker sterben, doch warum ist das so? Dieser Frage werde ich heute nachgehen.

2016…was für eine beschissenes Jahr! Nach David Bowie, nun auch Prince. Und es bricht mir erneut das Herz. Dieser kleine Mann, der immer sein Ding durchzog, unglaubliches Talent besass, und sich jedes Mal wieder von neuem erfand.  Er begleitete mich mein gesamtes Leben, mal mehr Mal weniger. Nächtelang habe ich geweint zu seinen Liedern, Texte verfasst und sie wieder verworfen. Ihn bewunderte für seinen Mut, abseits des Mainstreams, er selber zu sein.  Und dieser kleine Mann, er hatte so unglaublich viel Talent und immensen Sexappeal, der seinesgleichen vergeblich sucht.

Ich hatte vor ein paar Jahren die unglaubliche Ehre, einen seiner Gitarristen, auf Ibiza zu meinem Bekanntenkreis zählen zu dürfen. Wie ihr euch bestimmt vorstellen könnt, hat man sich über das ein oder andere ausgetauscht, schliesslich war ich fast ein Jahr auf der Insel. Ich werde nie das Glänzen in seinen Augen vergessen, wenn er ein paar Anekdoten über Prince zu später Stunde zum besten gab. Dieser kleine Mann war eine Legende und ein wundervoller Mensch.

1995, ich war elf Jahre alt, und war ein fürchterlich dünnes, bleiches Mädchen. Ich wurde gemobbt, beschimpft, aufgrund meiner Figur, meinen Hasenzähnen und bekam auch sonst all die Grausamkeiten der anderen Kinder zu spüren.

Sein Lied „The most beautiful Girl in the World“ gab mir Hoffnung, liess mich nicht verzweifeln. Ja es klingt kitschig, war es auch. Bisschen wie in einem schlechten Teenie Film, aber manchmal ist das Leben eben komisch.

„When Doves cry“  oder „Purple Rain“ begleitet mich durch etliche Phasen des Liebeskummers, auch „Nothing compares to you“ von Sinnead O`Connor und viele andere bekannte Lieder entsprangen seiner Feder und liessen mich hemmungslos heulen oder feiern. Und nicht nur mich.

Viele rufen nun: „Jeden Tag sterben Menschen, es juckt keine Sau, kaum stirbt ein Promi, trauern alle. Ihr seid Heuchler!“

Nein, sind wir nicht. Denn diese Menschen, bewegten uns in unserem innersten. Inspirierten uns, begleiteten uns durch diverse Phasen des Lebens. Man hat eine Verbindung, Erinnerungen die man mit diesem Künstler, Menschen verbindet. Es gibt Pärchen, die ein gemeinsames Lied haben, das Lied, was sie mit einem besonderen Ereignis, wie dem Kennenlernen verbinden, oder einem anderen besonderen Moment in ihrer Beziehung. Auch ich hatte solche Lieder und egal wann ich sie wieder höre, sofort ist da diese Verbindung, dieses Gefühl, die Erinnerung wieder so präsent, als wäre nichts geschehen, als wären all die Monate und Jahre nicht vergangen.

Ich habe auch probiert, diese Lieder anderweitig mit neuen Erinnerung zu füllen, in dem ich sie zu Tode hörte, wie man so schön sagt. Sie abspielte Tag und Nacht, doch vergeblich, es ist, als wären diese Emotionen die ich einst dabei empfand, unweigerlich mit diesen Liedern auf immer verbunden.

Wir trauern also, weil wir in irgendeiner Lebensphase uns diesem Künstler verbunden gefühlt haben, oder weil sie uns halfen durch schwierige Zeiten mit ihren Liedern, ihrem Talent. Uns inspirierten, uns Trost spendeten, oder uns Mut machten der Mensch zu sein der wir sein wollen.

Gute Reise Prince, du wirst uns fehlen!