GASTBEITRAG: Mein geheimes Leben als Frau in den sozialen Netzwerken

Seit ich mich auf die alten Tage ins interaktive Internet gewagt habe, – web 2.0 sagte man dazu mal bin ich als Alice Wunder unterwegs. FĂŒr meine Generation natĂŒrlich selbstverstĂ€ndlich anonym beziehungsweise pseudonym. 

Dabei hatte ich mir nichts weiter gedacht. Zumindest keine Gender-Verwirrung. Alice im Wunderland steht fĂŒr psychedelische Drogen, in der Szene ein Synonym fĂŒr LSD, ich verbinde eher Pilze damit, Lewis Caroll hatte noch kein LSD. FĂŒr meinen Blog habe ich einen bĂ€rtigen Silent Bob als Konterfei, soweit so eindeutig. In anderen sozialen Medien aber verwendete ich ein Avatarbild mit Jean Moreau und der göttlichen Brigitte Bardot, aus welchen eigentlich klar und eindeutig das mĂ€nnliche Begehren spricht. 

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FĂŒr immer und ewig treu?! Mein persönlicher Kommentar

Keine Einladung zur Kontrolle

Dieser Beitrag soll nun keine Einladung sein jedem zu misstrauen und den Partner nie mehr allein vor die TĂŒr zu lassen. Er soll einladen zum Nachdenken, zum offenen Dialog ĂŒber die verschiedenste BedĂŒrfnisse die nicht in Partnerschaften erfĂŒllt werden, (können) aus Mangel an Kommunikation. Denn ein offenes GesprĂ€ch oder eine offene Beziehung ist genau das: Ein Austausch, beim Versuch einen Weg zu finden der fĂŒr beide passt, ohne den anderen belĂŒgen und hintergehen zu mĂŒssen. Nur so, finde ich, kann eine Beziehung wirklich von Dauer sein. In dem man sich als Ziel setzt glĂŒcklich miteinander zu sein und gemeinsam einen Weg findet, der fĂŒr beide stimmt.

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FĂŒr immer und ewig treu?! Selten so gut gelacht!

Wenn die meisten Menschen „offene Beziehung“ hören, rĂŒmpfen sie die Nasen. „Das ist doch keine richtige Beziehung!“ „Die lieben sich doch gar nicht richtig!“ „Also ich könnte das nicht!“ oder „Die verarschen sich doch gegenseitig!“  „So ein Mist!“ „Da geht`s doch eh nur um Sex!“
Fast jeder der in einer monogamen Beziehung lebt, fĂŒhlt sich eingeladen zu werten, abzuwerten oder zu verurteilen.  Ich möchte mal aus meiner Sicht schreiben, wie ich monogame Beziehungen sehe und was ich diesbezĂŒglich erlebt habe.

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Von Illusionen, Erziehung & der RealitÀt

„Alles ist möglich!“ „Du kannst alles schaffen!“ „Die Welt steht dir offen!“ „Und prĂŒfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht was besseres findet!“ „Du bist was besonderes und Verdienst nur das beste!“

Wer kennt sie nicht, diese Aussagen, die uns einreden sollen:

Die Welt hat nur auf uns gewartet, denn wir sind besonders „besonders“  und es gibt nichts, das nicht geht!

FĂŒr jeden Pups gibt es Lobgesang und Lorbeeren und mindestens eine heilige Messe in den Elterlichen Hallen. Sie reden ihren Kinder Hochbegabung ein, die einige auch mitbringen, aber die in der Schule mit allen Mitteln unterbunden wird, und fördern den Abbau der kindlichen Neugierde mit einem Überangebot an FrĂŒhförderung, die Gesellschaft tut den Rest. Aber ja, man will ja nur das beste fĂŒr den kleinen Königsspross. Und er soll es ja mal besser haben. Das man genau das Gegenteil damit erreicht, scheint der Mehrheit immer noch nicht bewusst zu sein. Viel hilft viel!

Heutzutage ist alles möglich!

Doch du musst nichts tun, was du nicht wirklich möchtest. So zumindest die Illusion und mancher Erziehungsleisatz. Viele Kinder werden spĂ€testens in der PubertĂ€t bitter enttĂ€uscht. (Man wundert sich dann ĂŒber ihr aggressives Verhalten) Die Welt hat nicht auf sie gewartet. Die Prinzessin wird nicht gerettet von einem Prinzen, sie muss selber ihren Hintern hoch bekommen. Und der Prinz, ja der Prinz entpuppt sich als Narr. Man muss sich anstrengen, pĂŒnktlich sein, Leistung liefern. Aber wie? Niemand kommt, ausser man gehört zur königlichen Familie und ist Thronfolger, und setzt einem eine goldene Krone auf!

Die Planlosigkeit und Orientierungsloigkeit die man dann so an den Tag legt wird natĂŒrlich von der Ă€lteren Generation mit Adleraugen haarscharf beobachtet und verurteilt. Und es liegt nicht fern, dass alle in den gleichen Topf geschmissen werden. Doch ich frage mich: Wer erzieht denn die nĂ€chste Generation? Ist es nicht ein versagen der Generation vor uns, wenn manche von uns weder Disziplin noch Anstrengung kennengelernt haben oder die Gabe der Reflexion? Sind wir nicht etwa das Produkt unserer Erziehung? PrĂ€gen uns nicht die Eltern und das Umfeld?

Ist das schon alles?

Und dann nach ewigem AbwĂ€gen entscheiden wir uns fĂŒr, sagen wir mal eine Berufliche Laufbahn, ein Studium. Und obwohl es das ist, was wir wollten, nagt er Selbstzweifel an uns . Ist das schon alles? Geht da nicht noch mehr? Höher, schneller, weiter! Doch wie weit kommt man, wenn einem immer der Zweifel plagt, ob das genau nun DAS Richtige fĂŒr einen ist? Ob man nicht bessere, tollere Möglichkeiten verpasst? Wird man jemals zufrieden sein mit seiner Wahl?

Nicht nur im Job / Studium zieht sich das durch mancher Leben, auch in Partnerschaften. „Generation BeziehungsunfĂ€hig“ werden wir auch betitelt. Was ich davon halte, konntet ihr ja bereits letzte Woche hier erfahren. Teilweise mag es ja stimmen und wer kann es uns verĂŒbeln? Wir mĂŒssen immer flexibel sein, x Praktika machen, manchmal auch in verschiedenen LĂ€ndern ĂŒber mehrere Jahre. Partnerschaft? Wie? Als Fernbeziehung? Meist zu kompliziert und zum scheitern verurteilt. Ausserdem: Die meisten unserer Eltern sind geschieden, neu verheiratet, verbittert oder erneut geschieden worden. Uns wurde kaum beigebracht, dass es auch mal schlechte Zeiten geben kann, die man miteinander durchsteht. Nein. Eher das Gegenteil.

Die Wegwerfgesellschaft zieht sich durch alle Bereiche des Lebens. Und klar, sicher blieben viele frĂŒher auch aus AbhĂ€ngigkeitsgrĂŒnden zusammen. Aber ich glaube sehr, dass viele Partnerschaften daran zerbrechen, weil man nicht KonfliktfĂ€hig ist und sich wenig reflektiert, frei nach dem Motto: „Ach nö, viel zu anstrengend und Anstrengung ist scheisse! Und der andere hat eh immer Schuld. Ich hab doch nichts gemacht!“

Überhaupt: Auch wenn man einen Partner hat, mahnt die leise Stimme im Hinterkopf; „Naaaa, wer weiss, ob die / der XY vielleicht doch nicht die bessere Wahl wĂ€re?“ „Als Single wĂ€re ich viel glĂŒcklicher!“ „Der / die kann mich einfach nicht glĂŒcklich machen..weil…“

Ja, manche von uns  haben Angst, Angst vor NĂ€he, vor Bindung, vor zuviel ExklusivitĂ€t. Es könnte ja das nĂ€chste, aufregendere Abenteuer ums Eck warten. Schliesslich hat man uns in der Kindheit eingetrichtert etwas ganz besonderes zu sein und zwar so besonders, dass wir unrealistische Erwartungen an unser gegenĂŒber stellen. Es steht uns zu, verdammt nochmal…oder?  Andere wiederum haben genau das was sie wollen und nennen es „Idealpartnerschaft“ und glauben immer noch das wĂ€re zu toppen. Schliesslich ist das Motto: Höher, schneller, weiter!

Um zum Schluss verbittert festzustellen: Man hat die Nachtigall aus der Hand gegeben fĂŒr die Taube auf dem Dach!

Wer wir sind und wohin wir wollen

Um in der HĂŒlle und FĂŒlle des Überangebots nicht zu ertrinken, mĂŒsste man sich erforschen. Herausfinden wer man ist, was man will. Und zwar kritisch. Das Motto: „Du kannst alles schaffen!“gilt eben nicht fĂŒr alle Bereiche des Lebens. Und ja, jeder Mensch ist was besonderes, das steht nicht zur Debatte. Jeder ist einzigartig und das ist auch gut so, nur sollte man nicht narzisstisch ans Werk gehen mit dem Glauben, die Welt hĂ€tte nur auf einen gewartet. Die Welt wartet auf niemanden…