FĂŒr immer und ewig treu?! Mein persönlicher Kommentar

Keine Einladung zur Kontrolle

Dieser Beitrag soll nun keine Einladung sein jedem zu misstrauen und den Partner nie mehr allein vor die TĂŒr zu lassen. Er soll einladen zum Nachdenken, zum offenen Dialog ĂŒber die verschiedenste BedĂŒrfnisse die nicht in Partnerschaften erfĂŒllt werden, (können) aus Mangel an Kommunikation. Denn ein offenes GesprĂ€ch oder eine offene Beziehung ist genau das: Ein Austausch, beim Versuch einen Weg zu finden der fĂŒr beide passt, ohne den anderen belĂŒgen und hintergehen zu mĂŒssen. Nur so, finde ich, kann eine Beziehung wirklich von Dauer sein. In dem man sich als Ziel setzt glĂŒcklich miteinander zu sein und gemeinsam einen Weg findet, der fĂŒr beide stimmt.

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Verliebt, verlobt, verheiratet?

Verliebt sein, wir kennen alle das GefĂŒhl! Ich persönlich habe ein zwiespĂ€ltiges VerhĂ€ltnis zu dem heftigen Hormoncocktail. Denn einerseits geniesse ich die Schmetterlinge im Bauch sehr (Adrenalin) andererseits ist es auch mein Kryptonit.

Ich werde unzurechnungsfĂ€hig, kann mich schlecht konzentrieren (wurde mal fast von einer Tram angefahren deswegen)  und meine Gedanken kreisen manisch um die betroffene Person. Verliebt sein ist wie ein heftiger Sturm im Gehirn und es werden die gleichen Gehirnareale aktiviert, die auch bei einem richtig heftigen Drogenrausch aktiv sind. Nur, dass der Drogenrausch nicht ĂŒber Wochen, Monate oder gar Jahre anhĂ€lt. Der Mensch ist also wortwörtlich nicht er selbst. Man schmachtet, wie ein Zombie, nach frischem Gehirn. Aber…ich schreibe auch herrliche, kitschige Gedichte, wenn ich verliebt bin und höre schnulzige Lieder. Nun ja, ihr kennt das sicher.

Liebe macht eben nicht blind!

Man sagt Liebe machen blind. NÀÀÀÀÀÀ! Liebe lĂ€sst uns Dinge sehen, die nicht da sind oder nicht in dem Mass, wie wir uns das zusammen phantasieren. Wir idealisieren den von uns geliebten Menschen, bis zur Unkenntlichkeit und dann, wenn der ganze Sturm des Verliebtseins nachlĂ€sst sind wir enttĂ€uscht, dass der Mensch den wir so heiss und innig „vergöttert“ haben, nicht der zu sein scheint, fĂŒr den wir ihn hielten.

Verliebt, verlobt, verheiratet?

Gerade wir Frauen neigen dazu, wenn es mal zu ein paar Dates kommt und wir dem anderen schon nĂ€her gekommen sind, im Kopf schon die nĂ€chsten Szenarien auszumalen. Wenn er es denn ĂŒberhaupt in die Dating Area geschafft hat. Denn fĂŒr viele ist der Beruf, das gesellschaftliche Ansehen inklusive dem Vermögen noch ein wichtiger Faktor. Hast du als Mann nichts davon zu bieten, bist du schon draussen und landest, wenn du GlĂŒck hast in der „Friendszone“, fĂŒr immer.

Also, wenn es dann zum Dating kommt, man sich nĂ€her gekommen ist, flĂŒchten manche Frauen schon mit ihren Gedanken und Hoffnungen in die Zukunft, statt die Gegenwart zu geniessen. Nicht selten, haut das die MĂ€nner in die Flucht. Weil sie die BedĂŒrftigkeit spĂŒren und wohl auch, weil die Erwartungshaltung manche Zeitgenossinnen sehr hoch ist, von Anfang an, statt den Zauber des Anfangs zu geniessen und entspannt zu sehen wohin das fĂŒhrt. Und muss verliebt sein immer wohin fĂŒhren? Ist dieses unglaubliche GefĂŒhl, voller Rauheit, UnbĂ€ndigkeit mit ihrer unvorhersehbarkeit nicht schon Geschenk genug?

MĂ€nner sind kein bisschen besser

Aber auch MÀnner neigen zu so einem Verhalten. Ich hatte auch mal eine Bekanntschaft, die nach 3. Dates bereits Kind, Heirat und weiteres diskutieren wollte. Obwohl er meine Einstellung kannte zu alle dem. Ich muss nicht erwÀhnen, dass wir uns danach nicht mehr sahen. 9 oder 10 Monate spÀter wurde er aber Vater. Es war also ziemlich egal, welche Frau sich auf ihn einliess, er wollte einfach Vater werden, um jeden Preis.

Klar, sag niemals nie, aber du musst schon ein sehr eigenstĂ€ndiger, selbstbewusster, freiheitsliebender und starker Mensch mit Charakter sein, damit ich mir mal eine „Zukunft“ mit dir vorstellen kann. Und diese Art von Mensch scheint irgendwie Mangelware zu sein. Alle wollen den andern besitzen, ihn einengen, Versprechen und TreueschwĂŒre, auf „immer und ewig“ hören, Versprechen und SchwĂŒre, die niemand wirklich einlösen kann.

Kein „GlĂŒck“ mit MĂ€nnern

An meinem Geburtstag, zu spĂ€terer Stunde sagte ein guter Bekannter zu mir: „Ja, Annie, du hast halt nie GlĂŒck gehabt bei MĂ€nnern!“  (Info: Meine Freunde nennen mich Annie, von Andrea.) So, also, ich hatte nie GlĂŒck gehabt bei MĂ€nnern. Sehe ich anders. Denn ich definiere GlĂŒck nicht so wie die Gesellschaft es anscheinend erwartet. GlĂŒck beim anderen Geschlecht, wĂŒrde, laut gesellschaftlicher Definition, bedeuten: Eine lange Beziehung die in der Ehe mĂŒndet, mit Haus, Kind, Hund und Kegel.

Das alles war aber nie mein Ziel. Auch hat man mir mal gesagt: „So wie du bist, wird dich keiner heiraten und du wirst nie Kinder haben!“ Als wĂ€re ein selbst bestimmtes, unabhĂ€ngiges Leben eine Strafe. Lach! Ich war verlobt. Auch hielt man bereits zwei weitere mal um meine Hand an. Wie wir nun wissen, bin ich heute immer noch nicht verheiratet oder habe Kinder.

WEIL ICH DAS SO WILL!

Ja ja, ausserdem bin ich ja so gestraft mit meinem freien Leben ohne Kind und Ehe, ehrlich, das ganze Reisen und ausschlafen und tun was auch immer ich will, jederzeit, Sorgenfrei…Ich weiss gar nicht wohin mit mir so „unglĂŒcklich“ wie ich bin. Menschen assoziieren das Singledasein mit Langweile und Leere und Einsamkeit. Dabei sind so viele Menschen gerade in Ehen und Beziehungen einsam und gelangweilt. Nur, wer wĂŒrde das schon offen zugeben?

 

Ich war glĂŒcklich – zu der Zeit

Ich habe im Augenblick gelebt. Ich habe MĂ€nner geliebt, die jĂŒnger waren, Ă€lter, anders. MĂ€nner die im ersten Augenblick nichts mit mir gemeinsam hatten, die mich aber zu dem Augenblick sehr glĂŒcklich gemacht haben. Da waren, wenn ich sie gebraucht hatte, in einem gewissen Rahmen. Mit mir Schritt hielten eine Zeit lang. MĂ€nner die mir Ă€hnlich waren, oder es vorgaben zu sein.

Ich hatte, bis auf einmal (die Zeit in der ich verlobt war)  auch nie wirklich ZukunftsplĂ€ne wie zusammenziehen und all der gleichen. Das habe ich auch immer klar und deutlich kommuniziert. Ja, Frauen wissen sehr wohl was sie wollen. Ich weiss vor allem, was ich nicht will. Man hatte mir nicht immer geglaubt. Wie gross war dann die EnttĂ€uschung, als es nicht „weiter“ ging.

Frauen wollen doch immer BestĂ€ndigkeit, eine sichere Beziehung, etwas aufbauen, oder? Ich persönlich finde, es gibt keine Sicherheit, keine Garantie, auch wenn man zusammen eine Zukunft plant oder sich gemeinsam etwas aufbauen will. Man kann auch glĂŒcklich sein, ohne zusammen zu leben oder ein Kind in die Welt zu setzen. Doch muss ja jeder fĂŒr sich entscheiden was ihn glĂŒcklich macht. Mich macht es glĂŒcklich, jedes GefĂŒhl auszuleben, ob es dann eine Zukunft hat, oder was daraus wird, spielt eine untergeordnete Rolle. Das GefĂŒhl, diese Emotionen die es freisetzt, die Verbundenheit die man spĂŒrt, das ist mir Geschenk genug. Das ich gedenke, auch in Zukunft das GefĂŒhl voll auskosten, ohne mich bereits mit dem Geliebten in die Zukunft zu phantasieren um so die Gegenwart zu verpassen. Viele rieten mir auch, die Hoffnung nicht verlieren. Moment mal, die Hoffnung?

 

Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.

Vaclav Havel

 

Und ist nicht der Sinn des Lebens glĂŒcklich zu sein?

 

Wer weiss hier nicht was er will?

Einer der grossen Vorurteile zwischen Mann und Frau ist doch seit eh und je dieser:

Frauen wissen nicht was sie wollen!

Können sich nicht entscheiden, usw. Das mag so fĂŒr einige gelten, doch heute möchte ich euch erlĂ€utern, warum ich eher der Meinung bin: MĂ€nner haben teilweise genau so wenig einen Plan was sie wirklich wollen. Das wird nur dezent unter den Teppich gekehrt


Wo fange ich da am besten nur an?

„Sie sollte auch mal den ersten Schritt machen!“

Gesagt getan, doch viele sind dann so eingeschĂŒchtert, dass man sie glatt mit einem scheuen Reh im Wald verwechseln könnte. Und ausserdem geht ja  der Jagdinstinkt des starken Geschlechts so flöten. Tja, doof, also lieber doch nicht, die Sache mit dem ersten Schritt und der Initiative.

„Frauen sollten Selbstbewusst, selbststĂ€ndig und offen sein.“

Aber bitte nicht zu Selbstbewusst, das schĂŒchtert auch wieder ein. Der Mann möchte doch lieber der Frau beeindrucken und wo kĂ€men wir denn da hin, wenn sie so selbststĂ€ndig ist, dass sie den Mann und seine starke Schulter nicht notwendigerweise braucht. Und nicht zu offen sein, das kommt auch nicht so gut an. Sie sollte schon ein wenig weibliche ZurĂŒckhaltung ĂŒben (das hat mir einer letztens wirklich gesagt!)  Sie soll zwar wissen was sie will, aber es bitte fĂŒr sich behalten, da es auch wieder sehr einschĂŒchternd wirkt. Die meisten MĂ€nner wissen ja selber nicht so recht was sie wollen.

„Im Bett soll sie eine Rakete sein, offen, experimentierfreudig aber am besten noch nicht so viel Erfahrung haben, man möchte ja meist keine Frau die bereits mit mehreren MĂ€nnern vor ihm Geschlechtsverkehr hatte.“

Da bekommen MĂ€nner auch wieder ganz schnell Komplexe und wenn eine Frau ihre SexualitĂ€t offen auslebt, denn schliesslich geniesst sie nicht die Narrenfreiheit eines Mannes. Was sollen denn da die Kollegen von einem denken? Ganz schnell hat sie dann, gerade in der Provinz den Namen einer „Schlampe“ weg, wĂ€hrend der Mann als Held gefeiert wird. Der Mann vertrĂ€gt es selten, wenn die Frau ihm genau sagen kann was sie möchte. Oder was man im Bett anders machen könnte. Meist wird das als persönlichen Angriff gewertet und fĂŒhrt dazu, dass der kleiner Prinz erst mal beleidigt ist und nicht zum Spielen raus kommen möchte und er Tagelang einen auf beleidigte Leberwurst macht.

Gerade die MĂ€nner, meist voller Komplexe, die nicht bereit sind ĂŒber Sex offen zu kommunizieren und „auf die Frau eingehen“ irgendwie nicht ganz verstehen können/wollen, springen dann von einem Bett zum nĂ€chsten, machen dort total einen auf Egonummer, sind in fĂŒnf Minuten fertig und schieben ihr komplettes Versagen es auf den Alkoholkonsum oder weiteres, der meistens dabei eine Rolle spielt. Reife Leistung meine Herren. Nicht! Ihr wollte echte MĂ€nner sein? Nope! Echte MĂ€nner strengen sich an, arbeiten an sich und brauchen nicht von jedem Rockzipfel bestĂ€ttigung. Du kannst nicht jeden Tag brillieren, aber du kannst es versuchen!

„Eine Frau sollte keine Klette sein und am besten keine feste Beziehung wollen! Sie sollten sich nicht gleich verlieben, nur weil man ein paar Mal miteinander aus oder im Bett war.“

Will man dann als Frau wirklich keine feste Beziehung, wird man von einigen verstĂ€ndnislos angesehen, auch SĂ€tze wie diese muss man sich dann öfter anhören: „Du wirst doch auch nicht jĂŒnger! Jede Frau will doch mal eine Familie
Du findest keinen besseren als mich! Das ist alles Fassade…“ und so weiter und so fort
Auch das allseits beliebte: „Frauen verlieben sich eh immer!“ gilt nicht fĂŒr alle Frauen. Wie enttĂ€uscht waren einige MĂ€nner in der Vergangenheit, als dieses nicht eintraf. Sorry Jungs!

Findet man dann doch einen gemeinsamen Nenner und es kommt zu einer Beziehung, bekommen einige kalte FĂŒsse. „Wie, du willst nach vier Jahren Beziehung zusammenziehen? Das geht mir nun zu schnell…“ Ist auch einer der Klassiker der manche Frauen zur Weissglut treibt.

„Die Frau sollte beruflich auf eigenen Beinen stehen und ihr eigenes Geld verdienen!“

Aber bitte nicht mehr als der Partner, denn dann wird sein SelbstwertgefĂŒhl gestört und er sieht sich nicht mehr als ErnĂ€hrer. Auch erfolgreicher im Job als er darf sie bitte nicht sein.  Ich kenne so einige MĂ€nner die ernsthaft beschĂ€mt sind, wenn sie von einer Frau zum Dinner, Drinks und Co. Eingeladen werden.

„Sie sollte direkt sagen was sie denkt, meint, man ist schliesslich kein Hellseher!

Sagen Frauen dann klar und direkt was sie meinen und denken, ĂŒberfordert das auch wieder. Ich musste mir letztes Jahr mal anhören: „Meine Freunde kommen langsam auch mit deiner Art klar!“ Ja, mit welcher Art? Nicht hinten rum zu lĂ€stern, so wie in manchen Kreisen und bei pubertierenden Jugendlichen ĂŒblich ist? Oder hat er die Art gemeint, die er und seine Leute nicht kannten: Ehrlich sein?  Oder allgemein meine direkte Art die Dinge beim Namen zu nennen auch wenn es nicht so populĂ€r ist?  Nun ja, das mit der offenen, direkten Kommunikation kommt eben dann doch nicht so gut an.

„So ein Dreier mit zwei Frauen oder ein Besuch im Swinger Club wĂ€re ja schon mal geil!“

Finden sie dann endlich mal eine Frau die zu dem bereit wĂ€re, fĂŒhlen sie sich am Abend kurz vor dem Besuch im Swinger Club plötzlich „nicht so wohl“ oder fasseln irgendwas von „Ich glaube unsere „Beziehung“ ist noch nicht so weit!“ „Dude, du bist noch nicht so weit! Und nun versuchst du dich raus zu reden wie ein Feigling der vorher den Mund zu voll genommen hat!“ Denkt da jede Dame die mal in dieser Situation steckte mit leicht genervtem Augenrollen. Auch bei Dreiern ziehen die meisten buchstĂ€blich den Schwanz ein, denn im wirklichen Leben lĂ€uft es meist nicht so wie sie sich das vorher ausgemalt haben. Der grosse Macker fĂŒr den sie sich hielten verschwand plötzlich mit eintretten der Situation.

„Intelligent sollte sie sein!“

Aber nicht zu intelligent, niemand mag Klugscheisser. Und mit was soll er uns Frauen imponieren, wenn wir gebildet und nicht naiv sind?  Ausserdem sollte sie sich auf einem Gebiet behaupten können, von dem er auch wenigstens ein wenig Ahnung hat. Dennn sonst bekommt der arme Kerl doch wieder Komplexe und lĂ€uft euch davon.

Ladys: Wenn ihr einen Mann schnell los werden wollt, erzĂ€hlt ihm, dass ihr euch sehr fĂŒr Quantenphysik begeistert, glaubt mir.  😉

„Sie sollte ihr eigenes Leben haben und sich nicht ĂŒber die Partnerschaft definieren!“

Viele Frauen sind sehr selbststĂ€ndig, haben ihren Freundeskreis und mĂŒssen nicht jeden Tag mit ihrem Partner verbringen. Viele Frauen werden dann aber auch von ihren Freunden regelrecht gestalkt (SMS, Anrufe, WahtsApp), wenn sie mal ohne diese raus gehen. Und ja, viele Frauen sind deswegen sehr genervt.

„Sie sollte mich umsorgen und pflegen wenn ich krank bin!“

Sterbende, oh sry, kranke MĂ€nner sind wie sterbende SchwĂ€ne, und das fĂ€ngt schon bei einer harmlosen ErkĂ€ltung an. Und wenn man sich dann um sie kĂŒmmert, dann darf das eine gewisse Grenze nicht ĂŒberschreiten, sonst erinnert man ihn an seine Mutter und das ist nicht sexy. No, no no! Aber kochen, ja kochen soll sie am liebsten wie seine geliebte Nonna!

„Sexy, sie muss einfach sexy sein!“

„Aber nur fĂŒr mich zuhause, in den eigenen vier WĂ€nden…“ wird sich so mancher denken. Denn viele ertragen es nicht, wenn auch andere MĂ€nner seine sexy Begleiterin begutachten oder sie mit Komplimenten ĂŒberschĂŒtten, wenn er sich weg dreht.

 

Und es könnte ewig so weiter gehen


Das soll nicht heissen, dass alle MĂ€nner so sind.  Ich wollte euch nur mal vor Augen fĂŒhren, dass es auch sehr, sehr viele MĂ€nner gibt, die nicht wissen was sie wollen. Oder wenn sie es dann haben, wollen sie es dann doch nicht haben…

Also seid vorsichtig mit euren WĂŒnschen, sie könnten in ErfĂŒllung gehen!

 

Schönes Wochenende,

 

Paula

 

Ab wann genau ist man erwachsen?

„Also deine neuen goldenen Sneakers sind ja toll, aber fĂŒr mich wĂ€re das nichts, dafĂŒr bin ich schon zu alt!“ Ich staunte nicht schlecht, als ich auf Facebook diesen Kommentar zu meinen neuen Schuhen bekam. Zu alt? FĂŒr Schuhe? Ich weiss nicht. Gibt es ein Alter fĂŒr goldene Schuhe? Oder fĂŒr Birkenstockschuhe? FĂŒr High Heels, evtl. ein bestimmtes Mindestalter der Fuss Gesundheit zuliebe, das lasse ich mir ja noch eingehen.

Kann man fĂŒr etwas zu alt sein?

„Werde doch endlich mal erwachsen!“ diesen Satz kenne nicht nur ich, sondern auch einige von euch. Doch was genau bedeutet erwachsen sein? Ist man mit ErfĂŒllung der VolljĂ€hrigkeit erwachsen? Oder hĂ€ngt das von anderen Faktoren ab? Und warum ist erwachsen sein immer noch so negativ behaftet? Gibt es denn was schöneres, endlich das tun zu können was man will? Freiheit bringt immer Verantwortung mit sich, doch ist das nicht ein kleiner Preis den man dafĂŒr zahlt? Man wollte doch immer seine eigenen Entscheidungen treffen, ohne Bevormundung, oder etwa nicht?

Ich weiss ja nicht wie es euch geht, aber ich habe mich mit achtzehn super erwachsen gefĂŒhlt. Erste eigene Wohnung, erste eigen getroffene Entscheidungen. Irgendwie erwachsener als jetzt mit Anfang dreissig. Denn immer öfter muss ich mir anhören, dass ich mich altersentsprechend benehmen sollte. Ja, aber wie denn? Was heisst hier altersentsprechend?

Erwachsen bedeutet fĂŒr mich: Auf eigenen Beinen stehen, beruflich und privat, Verantwortung fĂŒr mein Handeln zu ĂŒbernehmen und in einem gewissen Mass zur Selbstreflexion fĂ€hig zu sein. Mich selber kennen, mich annehmen und akzeptieren mit allem Drum und Dran. Dinge beim Namen nennen die mich stören. Konflikt- und KritikfĂ€hig sein. Das bin ich, mal mehr Mal weniger. Nobody is perfect, right?

Also, nach meiner Auslegung zu dem Thema, sind so ca. 80% der Menschen ĂŒber dreissig Jahren noch nicht erwachsen. Viele sind abhĂ€ngig vom Partner, Eltern oder ĂŒbernehmen keine Verantwortung fĂŒr ihre Taten (die anderen tragen immer die Schuld) oder ihnen fehlt gĂ€nzlich die Gabe der Reflektion. Manche stehen auch noch mit ihren Beinen bei Mutti in der Wohnung statt in ihren eigenen vier WĂ€nden. Ja WG zĂ€hlt auch als SelbststĂ€ndigkeit meine lieben. KritikfĂ€hig sind manche mit fĂŒnfzig noch nicht und KonfliktbewĂ€ltigungskompetenzen vermisse ich bei den meisten bis ins hohe Alter. Denn meist wird nach schuldigen gesucht, statt nach Lösungen.

Als ich mal Besuch hatte vor ein paar Tagen musste ich mir anhören: „Dein Zimmer sieht aus, wie das Zimmer von einem pubertierendem MĂ€dchen.“ Man muss dazu sagen, in meinem Zimmer hĂ€ngen viele bunte Bilderrahmen mit unterschiedlichen Bildern. Ein paar selbst gemalte, ein paar Collagen, ich habe ausserdem ein Einhorn- und ein glitzerndes Zitronen KostĂŒm an meiner Kleiderstange hĂ€ngen. Die Möbel, die BettwĂ€sche und die WĂ€nde sind weiss, doch der Rest ist einfach bunt mit System. Der grosse Spiegel mit Sternen Leds dekoriert. Macht mich also all die Farbe zu einem Pubertierenden MĂ€dchen? Habe ich als ĂŒber dreißigjĂ€hrige mein Recht auf Farbe und KreativitĂ€t in meinem Leben verspielt? FĂ€ngt ab dreissig Jahren die Zeit der gedeckten Farben an? Und wieso zum Teufel hat mir das noch keiner gesagt?

Was bedeutet also erwachsen sein?

Eigenheim, Hund, Mann? Eine steile Karriere? Ein Bausparvertrag? Braucht man gar ein Kind um zu zeigen, dass man erwachsen ist und Verantwortung ĂŒbernehmen kann? Oder ein Auto? Einen dicken Gehaltscheck? Den grĂŒnen Daumen? 80% Fremdwörter im Vokabular?

Warum interessiert es uns auch, was andere von uns denken?

„Also Blumen im Haar finde ich Klasse, an Dir oder meiner Tochter, ich wĂŒrde mich das nicht trauen!“ Ähhmmm, warum? Weil irgendwer Dich fĂŒr komisch halten könnte? Weil Du Dich von der Masse abheben könntest? Weil Du herausstechen könntest aus dem ganzen Grau? Weil es Dich wirklich juckt was andere von Dir denken? Wer sind die anderen, dass sie sich ein Urteil ĂŒber Dich bilden können?

Vor ein paar Jahren an der Street Parade, Sonntagmorgens: „Sag mal Paula, findest Du nicht langsam Du bist zu alt fĂŒr all das? Möchtest Du nicht langsam an eine Beziehung denken? Du wirst ja auch nicht jĂŒnger!“ So so, die Partyzeit scheint auch vorbei zu sein, wenn man also auf die dreissig zugeht, wenn es nach einigen von euch geht. WĂŒrdet ihr euch das auch trauen, Komet Bernhard oder GĂŒnther Krabbenhöft an den Kopf zu werfen? Und ist man ab dreissig Jahren schwerer vermittelbar nur weil der Busen und der Po nicht mehr so straff ist wie einst? Will jede Frau unbedingt auf Teufel komm raus einen Partner? Und muss ich als Frau diesen AnsprĂŒchen der Gesellschaft entsprechen um als Erwachsene zu gelten?

Ihr liebt Blumen? Tragt sie im Haar, als Print, wo auch immer. Ihr liebt Party und seid ĂŒber dreissig? Ihr liebt Farben? Geniesst es, das Leben ist kurz. Geniesst euch und eure Vorlieben, egal wie alt ihr seid. Nirgendswo steht geschrieben, was zu welchem Alter gehört. Oder was sich nicht gehört. Wir leben nicht mehr das Leben wie sie unsere Vorfahren gelebt haben. MĂŒssen wir auch nicht. Niemand hat das Recht ĂŒber euch zu urteilen, nur weil ihr nicht in ihr Weltbild passt. Es sind wir Menschen die diese Grenzen erschaffen in unserem Köpfen, wie Dinge zu sein haben. Es gibt kein Richtig und kein Falsch, jeder sollte so leben und sich ausdrĂŒcken dĂŒrfen wie es ihm beliebt ohne Angst vor Verurteilung.

Dieser Beitrag erscheint auch auf Ron Orp ZĂŒrich, Huffington Post Deutschland und City Channel 1.