Frauen und Wut

Dunkle Wolken mit Blitzen

«Der wütende Ton irritierte mich»

Erst kürzlich verriet mir eine Followerin, dass sie meine Wut früher nicht verstehen konnte, und, dass sie der Ton auf meinem Blog befremdete. Und ganz ehrlich? Ich kann es ihr nicht verübeln, uns Frauen wird schliesslich beigebracht immer nett, lieb und zurückhaltend zu sein, demütig. Bitte ja keinen Ärger machen und so zum Mittelpunkt des Geschehens zu werden. Harmonie über alles, Kumbaya und so. I get it.

Wut? Wut gehört sich nicht für eine Frau, auch haben wir meist nicht gelernt wie mit diesem Gefühl umgehen. Denn «sei ein braves Mädchen» haben wir öfter gehört, als «ich verstehe das du wütend bist, deine Wut darf sein». So platzt es dann eines Tages aus uns heraus – Frauen werden dann gerne als hysterisch bezeichnet. Unwillig zu verstehen, dass auch mit der grössten Kraftanstrengung, der Ball nicht ewig unter Wasser gedrückt werden kann. Unterdrückte Gefühle, allen voran Wut bahnt sich einen Weg der dann super hässlich für beide Parteien wird.

Jahre später verstand sie meine Wut

Aber zurück zur Followerin: Nun, ein paar Jahre später, da sie nun auch von der Thematik betroffen war, die meine Wut damals entzürnte – nun kann sie es nach eigenen Aussagen verstehen. So läuft es oft im Leben, wir verstehen erst etwas, wenn wir selber betroffen sind. Und warum? Weil wir unsere Lebenswelt oft für die einzige Realität halten, salopp gesagt: Wir schliessen oft von uns auf andere. Das macht das gegenseitige Verstehen schwierig bis unmöglich. Ich habe Wut auch lange unterdrückt, bis es nicht mehr ging und ich meinen inneren Kinski von der Leine lies und auch den Blog als Ventil nutzte. Mittlerweile gehe ich offen mit meiner Wut um, auch im «realen», analogen Leben. Das bringt mir nicht immer Sympathiepunkte, doch ich lege Wert darauf authentisch zu sein, nicht von allen gemocht zu werden.

Wut hat viele Gesichter

Und Wut muss ja nicht immer Agressivität und Lautwerden bedeuten. Wut kann bedeuten, dass ich dir klar ins Gesicht sage was ich von dir denke, oder es dir schreibe und dann Funkstille ist, weil ich begriffen habe, dass das Leben zu kurz ist und meine Energie zu wertvoll, um sie auf solche Menschen zu verschwenden. Streit, Diskussionen und Schuldzuweisungen sind was für Schulmädchen auf dem Pausenhof. Du überschreitest meine Grenze? Je nachdem wer du bist reden wir darüber, oder du darfst aus meinem Leben gehen, weil ich mich selber respektiere und mir das nicht gefallen lasse.

Wut ist unweiblich

Weil gerade das die Menschen ärgert. Wenn sie auch im wahren Leben aus dem Leben der anderen entfernt werden. No Drama – nur klare Worte und bye. Machst du das als Frau mit einem Mann, bist du nicht weiblich. Wut gehört sich nicht.  Dann reagierst du über und sollst dich nicht so anstellen. Schliesslich gilt es noch als normal, dass Frauen ihre Grenzen nicht wahren können, und ein Nein führte schon für manche Frau in den Tod.

Diskreditiert, weil ich mich klar abgrenze

Einige diskreditieren mich auch soweit, dass sie mir meine Eignung für meine Berufe als Kleinkinderzieherin und Coach absprechen wollen, weil ich nicht immer lieb und nett zu allen bin und auf alle Menschen so super emphatisch reagiere, wie sie es gerne hätten. Oder wie sie glauben das es ihnen nach ihrem unverschämten Verhalten mir gegenüber zusteht. Ich bin weder Jesus noch Mutter Theresa. Ich gehe keine Verpflichtung ein, auch die linke Backe hinzuhalten, wenn man mich ohrfeigt, nur weil ich mit Kindern oder als Coach in Zukunft arbeite. Ich bin eher jemand der dir dann den Spiegel vorhält, und sich dann verabschiedet. Es hat schliesslich Jahrzehnte gedauert bis ich gelernt habe mich zu schützen und mich zu respektieren.

Und was wäre ich für eine Kleinkinderzieherin und Coach, wenn ich Frauen und Kindern nicht vorleben würde, dass alle Gefühle sein dürfen? Wenn ich ihnen nicht vorleben würde, dass es gesunde Wege gibt mit allen Gefühlen umzugehen? Aber allen voran: Das sie sich schützen dürfen vor Menschen, sich abgrenzen dürfen, wütend sein dürfen, wenn ihre Grenzen überschritten werden?

 

 

Wie stehst du zu Wut? Und wie findet sie Ausdruck in deinem Leben?

3 Gedanken zu „Frauen und Wut“

  1. Ein sehr interessanter Beitrag! 🙂

    Und er erinnert mich an mein Verhalten, wenn ich wütend bin. Manchmal gefällt es mir sogar, weil ich in meiner Wut plötzlich sehr, sehr klar denke und richtig gute Argumente für mein Gegenüber finde, um die problematische Situation direkt auf den Punkt zu bringen.

    Wir sind ja nicht grundlos wütend und jeder hat das Recht, diese auch wieder raus zu lassen. 🙂

  2. Ich bin ein Riesenfan von Wut und lebe sie auch aus.

    Mein Sohn und ich sind beide sehr leidenschaftliche Persönlichkeiten und da fliegen regelmäßig die Fetzen. Gleiches Recht für alle – wir brüllen uns gegenseitig an und im Wut-Modus fallen auch Schimpfwörter. 🙂
    Das ist bei uns zuhause im geschützten Rahmen erlaubt.

    Jedenfalls finde ich es richtig befreiend, meine Wut rauszulassen. Und mir ist es wichtig, dass mein Sohn mich so erlebt. Ich präge schließlich sein Frauenbild und er soll ruhig wissen, dass ich kein braves Muttchen, sondern eine wilde Frau bin, die nicht zu allem Ja und Amen sagt.

    Wut ist so ein tolles Gefühl, sie kann ein Katalysator für kreative Prozesse sein. Hab schon die tollsten Artikel aus Wut geschrieben 🙂

    Der Weg hin zum Ausleben der Wut war nicht einfach, weil mir als Kind eingetrichtert wurde, ein liebes und braves Mädchen zu sein. Dieses Urbild von der lieben und sanften Frau hält sich immer noch in den Köpfen.

    Gut, dass du es thematisierst!

    Conni
    von mutter-sprach.de

    1. Wut gehört dazu, so seh ich das auch. Und je früher wir lernen damit umzugehen, desto weniger Probleme wird sie im späteren Leben verursachen. Toxic Masculinity is a thing.

      Danke dir fürs teilen eurer Geschichte.

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