In unserer (Leistungs) Gesellschaft ist kein Platz für menschliches 

Wenn ein Kind geboren wird, bekommt ein Vater in der Schweiz einen Tag frei, maximal zwei. Die vorher erwerbstätige Mutter muss nach 3 Monaten wieder auf ihren alten Posten, Teilzeit ist ausserdem in Kaderpositionen eher die Seltenheit. Wenn jemand Nahes aus der Familie stirbt, bekommt man, im besten Falle, drei Tage frei. Um alles in die Wege zu leiten, Beerdigung zu organisieren, ect. Ist ein Kind öfter krank, so bekommt man früher oder später rein Problem mit dem Vorgesetzten.

Ist man selber öfter krank, wird man teilweise mit Ratschlägen konfrontiert, was für Pillen man nehmen könnte um die Symptome zu bekämpfen, wo man an der Ernährung schrauben sollte, mehr Sport treiben und allgemein viel mehr Wasser trinken. Arbeitet man mit Kindern und ist krank,  tun manche so, als wäre Jesus in der Kirche vom Kreuz gefallen. Ungläubig reissen da manche Arbeitgeber die Augen auf, wenn man erwähnt, man fühle sich krank, am Telefon hört man bei manchen gar eine deutliche Schnappatmung. Manche Bitten einen trotzdem in die Arbeit, man kann sich doch schliesslich zusammen reissen. Habt ihr schon mal Fieber wegbekommen, oder eine Angina, weil ihr euch zusammengerissen habt? Ich auch nicht. Vielen wären magische Tabletten lieb, die einen ganz fix, von jetzt auf gleich genesen lasen. Egal was man hat, Hauptsache man ist wieder ganz schnell Einsatzbereit.

In unserer (Leistungs) Gesellschaft ist kein Platz für menschliches

Was ich mit alle diesen Beispielen sagen möchte, ist einfach: Heutzutage muss man funktionieren. Es hat kaum Platz für menschliches. Krankheit, Geburt, Trauer, all das was wir alle, früher oder später erleben. Wir müssen funktionieren. Und gerade dieses „funktionieren müssen“ führt dann in die Krankheit. Weil wir kleinere Sachen nicht richtig auskurieren, Krankheiten verschleppen oder sogar ausbrennen, wenn wir so lange schlucken und Situationen ertragen, bis sie uns fast brechen. Ein Teufelskreis. Denn keiner unserer Arbeitgeber wird uns danken, weil wir uns für ihn unsere Gesundheit ruiniert haben. Wir alle sind ersetzbar! Das mag hart klingen, aber es ist einfach so. Gerade im beruflichen Kontext. Wir sind ersetzbar. Manche müssen das öfter hören oder lesen, deswegen kann man es nicht oft genug sagen:

DU. BIST. ERSETZBAR.

Egal wie gut deine Arbeit ist, wie hervorragend du deinen Job machst. Eines Tages, wenn du ihn nicht mehr machen kannst oder machen willst, (oder man jemanden günstigeren, oder besser qualifizierten findet) tritt jemand anderes in deine Fusstapfen und ersetzt dich. Aber das wird natürlich nicht so laut propagiert, wie die ganzen Methoden zur Selbst – Zeit- und Arbeitsoptimierung. Stattdessen werden wir darauf getrimmt unsere Zeit effizienter zu nutzen, produktiver zu sein, das meiste aus allem rauszuholen. Mehr Produktivität an den Tag zu legen nach dem Motto: Höher, Schneller, Weiter. Von Burnout mit 30 Jahren sprechen hingegen die wenigsten. Und die, die darüber sprechen, auf die schaut man hinunter, als hätten die im Leben versagt.  Gar von Burnout bei Kindern ist sogar schon die Rede. Kinder, die ausbrennen, wegen des Schuldrucks und auch wegen dem Optimierungswahn ihrer Eltern.

Die Angst vor dem „Nein“ sagen

Viele Menschen haben Angst Nein zu sagen. Gerade im beruflichen Kontext haben die Menschen Angst davor Nein zu sagen. Man macht sich damit unbeliebt bei Mitarbeitern oder beim Chef selber, gilt schnell als faul und weniger engagiert. Ich durfte mir manchmal anhören, ich sei respektlos, wenn ich meine Grenzen aufzeigte.

Nichtsdestotrotz: Niemand verleiht dir oder mir einen Tapferkeitsorden, wenn wir unsere Grenzen überschreiten und uns kaputt arbeiten. Mancher Anspruch auf „Rund um die Uhr Erreichbarkeit“  setzt die Leute unter einen immensen Druck, wenn diese nicht klar und deutlich ihre Grenzen kommunizieren. Wenn man merkt, dass die Vorgesetzten solche Grenzen nicht respektieren, wird es Zeit für einen anderen Job, wenn dir etwas an deiner Gesundheit liegt. Klar, das ist so einfach daher gesagt, aber Jobs gibt es ein paar, auf die wir uns bewerben können, hier in der Schweiz. Unser Körper, unsere Gesundheit ist einmalig. Ist die ruiniert, können wir uns keinen anderen Körper, oder eine andere Psyche aussuchen.

Chillen ist auch produktiv 

Sich mal erlauben nichts zu tun. Könnt ihr das? Einfach mal so einen Tag verplempern, bisschen was essen, was lesen, Spazierengehen, einfach faul auf der Couch rumlungern oder einfach im Bett bleiben und Netflix schauen. Also ich bekomme da recht schnell ein schlechtes Gewissen. Weil man mir beigebracht hat, jeden Tag zu nutzen, mein Pflichtgefühl sitzt mir da meist im Nacken. Doch auch so ein fauler Tag ist sinnvoll, um aufzuladen. Um sich mal zu entspannen, abseits der Leistungsgesellschaft. Wenn ich es dann schaffe ein paar Stunden nichts zu tun, kann ich es auch langsam geniessen. Das artet dann schon mal zu einem kompletten Weekend im Bett aus, bei Netflix ein paar Büchern und Pizza. Für alle die nun schmunzeln, bei meiner „Paula dampft durch alle Gassen“ Mentalität – Ich kann das wirklich, dieses Nichtstun. 

Passt auf euch auf! Ich tue es auch <3

 

 

Paula

Über Schwangerschaftsabbruch in der Öffentlichkeit reden

Die Ärztin Kristina Hänel wurde gestern wegen „Werbung“ für Schwangerschaftsabbrüche verurteilt zu einer Strafe von 6000 Euro. Denn Paragraf 219a von 1933 besagt unter anderem:

(1) Wer öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) seines Vermögensvorteils wegen oder in grob anstößiger Weise

1. eigene oder fremde Dienste zur Vornahme oder Förderung eines Schwangerschaftsabbruchs oder

2. Mittel, Gegenstände oder Verfahren, die zum Abbruch der Schwangerschaft geeignet sind, unter Hinweis auf diese Eignung

anbietet, ankündigt, anpreist oder Erklärungen solchen Inhalts bekanntgibt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Quelle

Die Begründung des Gerichtes ist, nun ja, sagen wir mal etwas..ich weiss nicht. Ich finde einfach gerade nicht die passenden Worte dafür. Rückständig, ja, wobei das Wort noch zu positiv ist für die Argumentation der Richterin:

„Der Gesetzgeber wolle nicht, dass über den Schwangerschaftsabbruch in der Öffentlichkeit diskutiert wird, als sei es eine normale Sache.“

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Das gehört sich nicht für eine Frau!

James Bond liebt Wodka Martini. Nie und nimmer wäre man bei seinem hohen Alkoholkonsum auf die Idee gekommen ihn einen Alkoholiker zu nennen. Jessica Jones ist ein Marvel Charakter auf Netflix. Privat Detektivin mit Superkräften und einem „Alkoholproblem“. Zumindest wird’s so auf diversen Webseiten kommuniziert, wenn man ihren Charakter beschreibt. Beide haben so ungefähr gleich oft das Glas in der Hand, der eine gilt aber als fancy Herr von Welt. Sie hingegen ist eine Alkoholikerin.

Ich bin viele

Meine verschiedensten Persönlichkeitsanteile haben Namen. Nicht, weil ich schizophren bin, sondern weil ich Dingen gern Namen gebe. Zum Spass, einfach so. Vielleicht arbeite ich auch schon zu lange mit Kindern, wer weiss das schon so genau. Selbst meine Pickel, die ich selten habe, bekommen lustige Namen, der letzte, der sich hartnäckig über drei Tage hielt, hiess Herbert. Eine grosse Narbe vom rasieren am Knie hatte den wohlklingenden Namen Sarah. Bisschen Diva, weil echt gross und an einer unmöglichen Stelle.

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Ein offener Brief an eine verlassene Mutter

Liebe Mutter, die du von deinem Kind verstossen wurdest. Du riefst letzte Woche bei mir an, nach dem du mich im “Beobachter” gesehen hast in einem Beitrag über verlassene Eltern. Ich erfuhr den vollen Namen deiner Tochter, ihre Geschichte, ihren Beruf, von ihrer Abtreibung, und von ihrem Verdacht der Kindesmisshandlung in eurer Familie. Denn du natürlich für total absurd hältst.

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