Über das GlĂŒck keine Mutter zu sein

«Alle Jahre wieder » Kommt der Muttertag um die Ecke geschossen, VĂ€ter rennen in Panik zum Blumenstrausskauf, Kinder krakeln fĂŒr ihre Mamis herzige Karten und auch sonst ist alles prima, an diesem besonderen Tag. Morgen ist aber auch, ein Tag wieder jeder andere, an dem ich mich mal wieder freue, keine Mutter zu sein. Ja, es gab schon einiges in diese Richtung hier auf dem Blog, aber ich werde nicht mĂŒde darĂŒber zu schreiben, so wie Eltern nicht mĂŒde werden uns kinderlosen zu erzĂ€hlen, dass Kinder das beste sind, was einem im Leben passieren kann. Wer dessen ĂŒberdrĂŒssig ist, muss ja nicht weiterlesen.

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Lockdown – Corona als Chance

Am 11 Mai sollen die Schulen nun langsam wieder ihre Tore öffnen, viele Eltern atmen nun erleichtert auf. Denn so einfach Kind, Beruf, Familie, Haushalt und das eigene restliche (gerade gegen 0 existente) privat Leben auf die Reihe zu bekommen erwies sich als fast unlösbare Aufgabe. Doch haben die Eltern auch was daraus gelernt? Hat die Politik daraus gelernt und wie wird sie handeln?

 

Wie es vorher lief

Ich erinnere mich an Lehrerinnen, die von Eltern zur Schnecke gemacht wurden, weil ihre Kinder schlechte Noten nachhause brachten. Die schuldigen waren natĂŒrlich die Lehrerinnen. Ich erlebe auch oft als Erzieherin, dass die Eltern uns die Schuld geben, wenn das Kind nicht die von den Eltern gewĂŒnschte „Leistung“ erbringt.

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Lockdown – Von mutigen Kinderbetreuerinnen

Ich bin extrem mĂŒde in den letzten Tagen. Es kostet viel Kraft den Kindern die heile Welt erhalten zu wollen. Es kostet sehr viel Kraft mitanzusehen, wie man uns wieder vergisst.

«Ihr seid so mutig, wie ihr den Laden am Laufen haltet. Andere gehen ja vor lauter Angst nicht mehr in die Arbeit, toll wie ihr das macht, danke!»

Was sicher gut gemeint war, war doch eher ein Schuss in den Ofen. Denn mutig, mutig sind wir gar nicht, weil wir in die Arbeit mĂŒssen. Denn wir sind nun offiziell «systemrelevant» und dĂŒrfen die Krippen gar nicht schliessen, wĂ€hrend Kindergarten und Schule schon lange ihre Tore geschlossen haben und klare Anweisungen vom Bund erhalten haben. Bei uns hingegen werden Empfehlungen ausgesprochen und die Gemeinden sind zustĂ€ndig. Vereinzelt haben stĂ€dtische Horte offen, um eine Notbetreuung zu garantieren. WĂ€hrend bei uns auch nicht relevante Berufsgruppen ihre Kinder noch in die Krippe bringen dĂŒrfen, da Herr Golta es nicht fĂŒr nötig hĂ€lt da ein Verbot auszusprechen.

«Funktionieren zum Wohle aller» Aha.

«Es ist wichtig, dass die Kitas jetzt noch funktionieren, zum Wohle aller.» sagte er gegenĂŒber dem Tagesanzeiger, dabei vergisst Herr Golta, dass Kitas so wie sie waren und nun sind nur bedingt «funktioniert» haben, zum Wohle aller! Vergessen sind schlechte Löhne, unmögliche Anforderungen an das Betreuungspersonal von allen Seiten und der unzureichende PersonalschlĂŒssel, von regelmĂ€ssigen unangekĂŒndigten Kontrollen – zum Wohle aller- ganz zu schweigen! Und nun halten wir den Kopf hin, unsere Gesundheit und die unseres Umfeldes, jonglieren flexibel mit Anforderungen und Organisation, zum Wohle aller, wĂ€hrend wir Angst um unsere ArbeitsplĂ€tze haben und unsere Existenzen, zum Wohle aller – nur nicht zu unserem eigenen. Wie immer: Danke fĂŒr nix.

Wir mĂŒssen offenlassen, denn ohne uns bricht das System (welch eine Überraschung, eine absolut brandneue Erkenntnis! Ironie off.) offensichtlich zusammen. Wir könnten in die Kurzarbeit, könnten die Öffnungszeiten verĂ€ndern, aber ohne, dass sich irgendwer benachteiligt fĂŒhlt wird es nicht gehen.

Massnahmen des Bundes kaum umsetzbar

Mit Mut hat das also wenig zu tun, wenn wir uns jeden Tag mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Arbeit begeben. Über 2 Meter Abstand, können wir nur lachen, denn habt ihr schon mal probiert Kinder zu betreuen UND 2 Meter Abstand zu halten? Der Bund gibt was Kinderkrippen anbetrifft lediglich «Empfehlungen» an die Eltern. Was das bedeutet wissen wir alle. Und dann kommen noch die diversen AnsprĂŒche einzelner Personen hinzu, die den Ernst der Lage allen Anscheins noch nicht ganz begriffen haben.

Kinderbetreuerinnen und Kinderbetreuer sind keine unbesiegbaren Wesen

Ich habe seit heute Kopf- und Gliederschmerzen, Halsweh. Ob das vom Stress kommt, von der Anspannung, oder ob ich krank werde weiss ich nicht. Ich male mir aber aus, wie das wĂ€re, wĂŒrde ich mir den Virus eingefangen haben. Was das fĂŒr alle bedeuten wĂŒrde, von Kindern, Eltern, Mitarbeitern, mein und ihr Umfeld. Wie viele ich bereits angesteckt hĂ€tte, bis es zum Ausbruch kommt. Wenn es ĂŒberhaupt zum Ausbruch kommt. Mutig? Mutig sind die Leute, die glauben wir Kinderbetreuerinnen wĂ€ren ausserirdische Wesen die immun sind gegen Viren & Co.

Aber was bleibt uns ĂŒbrig? Wie das ganze finanziert werden soll, falls wir schliessen mĂŒssen, weiss ich persönlich nicht. Ich weiss aber, dass viele nun Überstunden abbauen, damit man irgendwie ĂŒber die Runden kommt und die finanziellen Einbussen nicht zu deftig werden. Denn Kitas schwimmen nicht im Geld, die RĂŒcklagen werden nicht ĂŒberall fĂŒr ein paar Monate reichen. Ganz im Gegenteil.  Was Kinderbetreuerinnen und Kinderbetreuer der Trotzphase anonym erzĂ€hlen ist haarstrĂ€ubend und hier nachzulesen auf Facebook oder auf Instagram.

Ich bin extrem mĂŒde in den letzten Tagen. Es kostet viel Kraft den Kindern die heile Welt erhalten zu wollen. Es kostet sehr viel Kraft mitanzusehen, wie man uns wieder vergisst, wenn man fĂŒr Menschen aus dem Gesundheitswesen, Lebensmittelbereich usw. Respekt und Dankbarkeit klatscht. Denn ohne uns, könnten die wenigsten ihrem «systemrelevanten» Beruf nachgehen und anderen helfen. Unsere Arbeit ist nĂ€mlich unsichtbar, wir produzieren nichts, wir generieren keinen Umsatz.

 

«Wir betreuen nur Kinder.»

 

Ihr braucht nicht fĂŒr mich klatschen, denn von dem klatschen bezahle ich meine x Arztrechnungen nicht, weil ich stĂ€ndig beim Arzt sitze, wie letztes Jahr. Weil Eltern ihre kranken Kinder in die Kita brachten und uns Geschichten erzĂ€hlten wie «Das ist nichts ansteckendes!» «Es hatte heute morgen kein Fieber!» «Der andauernde Durchfall kommt von der LebensmittelunvertrĂ€glichkeit!»

Die Frauen und MĂ€nner in diesem Beruf könnten ganze EnzyklopĂ€dien fĂŒllen, mit solchen Geschichten. Von klatschen kann weder ich noch sonst wer seine Miete zahlen, oder seine Lebensmittel. Mir wĂ€re lieber, ihr alle unterstĂŒtzt uns bei unseren Forderungen von besseren Arbeitsbedingungen und besserer Bezahlung. Mehr Anerkennung und WertschĂ€tzung. Finanzierungen von Kitas, und UnterstĂŒtzung von Eltern, nicht nur durch bezahlen von Subventionen, besonders in dieser Situation.

Denn fĂŒr die Wirtschaft hat man schnell mal ein paar Milliarden Franken locker gemacht. Die Eltern zahlen gerade fĂŒr PlĂ€tze, die sie nicht nutzen, warum wird da nicht finanziell unter die Arme gegriffen? Wo bleibt da die Hilfe? Finanzielle Hilfe wurde zwar vom Bund versprochen fĂŒr die Kitas, doch so wie ich es verstanden habe sind es Kredite, die vergeben werden. Doch wer nimmt nun einen Kredit auf, wenn er nicht weiss wie es weitergeht, wie lange das noch alles geht und Angst haben muss, dass die ersten Eltern ihre VertrĂ€ge kĂŒndigen, um sich nach privaten Lösungen umzusehen?

 

Erkrankungen: 8836 Personen
Verstorben:
86 Personen

Quelle: BAG