In unserer (Leistungs) Gesellschaft ist kein Platz fĂŒr menschliches 

Wenn ein Kind geboren wird, bekommt ein Vater in der Schweiz einen Tag frei, maximal zwei. Die vorher erwerbstĂ€tige Mutter muss nach 3 Monaten wieder auf ihren alten Posten, Teilzeit ist ausserdem in Kaderpositionen eher die Seltenheit. Wenn jemand Nahes aus der Familie stirbt, bekommt man, im besten Falle, drei Tage frei. Um alles in die Wege zu leiten, Beerdigung zu organisieren, ect. Ist ein Kind öfter krank, so bekommt man frĂŒher oder spĂ€ter rein Problem mit dem Vorgesetzten.

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Was ist, wenn wir nicht mehr sind?

Der Tod ist etwas, ĂŒber das wir uns am liebsten keine Gedanken machen, obwohl er fĂŒr jeden von uns sicher ist, eines Tages. Wenn man jung ist, schiebt man es vor sich hin, denn der Tod, das ist etwas, dass nur alte Menschen trifft. Meint man zumindest. Der Tod aber kennt kein Alter, er kommt, wenn er kommt und meistens ohne eine Vorwarnung. Viele haben sich bereits vielleicht Gedanken gemacht, ob sie eher begraben werden möchten, oder verbrannt, andere haben vielleicht schon das Testament aufgesetzt oder eine PatientenverfĂŒgung erstellt.

Was den freiwilligen Tod betrifft: Ich sehe in ihm weder eine SĂŒnde noch eine Feigheit. Aber ich halte den Gedanken, dass dieser Ausweg uns offen steht, fĂŒr eine gute Hilfe im Bestehen des Lebens und all seiner BedrĂ€ngnisse. 

Hermann Hesse

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Liebe Oma!

Wie ich erfahren durfte, von meinem Onkel, bist du am 26.April von uns gegangen. Weg, warst du aber durch Alzheimer schon lange. Ich hÀtte dich noch gern so viel gefragt, es wÀre noch so viel zu sagen gewesen. Aber wie immer, hÀttest du auch keine Antworten geliefert. Die Nachricht deines Todes liess mich kalt.

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Ab wann genau ist man erwachsen?

„Also deine neuen goldenen Sneakers sind ja toll, aber fĂŒr mich wĂ€re das nichts, dafĂŒr bin ich schon zu alt!“ Ich staunte nicht schlecht, als ich auf Facebook diesen Kommentar zu meinen neuen Schuhen bekam. Zu alt? FĂŒr Schuhe? Ich weiss nicht. Gibt es ein Alter fĂŒr goldene Schuhe? Oder fĂŒr Birkenstockschuhe? FĂŒr High Heels, evtl. ein bestimmtes Mindestalter der Fuss Gesundheit zuliebe, das lasse ich mir ja noch eingehen.

Kann man fĂŒr etwas zu alt sein?

„Werde doch endlich mal erwachsen!“ diesen Satz kenne nicht nur ich, sondern auch einige von euch. Doch was genau bedeutet erwachsen sein? Ist man mit ErfĂŒllung der VolljĂ€hrigkeit erwachsen? Oder hĂ€ngt das von anderen Faktoren ab? Und warum ist erwachsen sein immer noch so negativ behaftet? Gibt es denn was schöneres, endlich das tun zu können was man will? Freiheit bringt immer Verantwortung mit sich, doch ist das nicht ein kleiner Preis den man dafĂŒr zahlt? Man wollte doch immer seine eigenen Entscheidungen treffen, ohne Bevormundung, oder etwa nicht?

Ich weiss ja nicht wie es euch geht, aber ich habe mich mit achtzehn super erwachsen gefĂŒhlt. Erste eigene Wohnung, erste eigen getroffene Entscheidungen. Irgendwie erwachsener als jetzt mit Anfang dreissig. Denn immer öfter muss ich mir anhören, dass ich mich altersentsprechend benehmen sollte. Ja, aber wie denn? Was heisst hier altersentsprechend?

Erwachsen bedeutet fĂŒr mich: Auf eigenen Beinen stehen, beruflich und privat, Verantwortung fĂŒr mein Handeln zu ĂŒbernehmen und in einem gewissen Mass zur Selbstreflexion fĂ€hig zu sein. Mich selber kennen, mich annehmen und akzeptieren mit allem Drum und Dran. Dinge beim Namen nennen die mich stören. Konflikt- und KritikfĂ€hig sein. Das bin ich, mal mehr Mal weniger. Nobody is perfect, right?

Also, nach meiner Auslegung zu dem Thema, sind so ca. 80% der Menschen ĂŒber dreissig Jahren noch nicht erwachsen. Viele sind abhĂ€ngig vom Partner, Eltern oder ĂŒbernehmen keine Verantwortung fĂŒr ihre Taten (die anderen tragen immer die Schuld) oder ihnen fehlt gĂ€nzlich die Gabe der Reflektion. Manche stehen auch noch mit ihren Beinen bei Mutti in der Wohnung statt in ihren eigenen vier WĂ€nden. Ja WG zĂ€hlt auch als SelbststĂ€ndigkeit meine lieben. KritikfĂ€hig sind manche mit fĂŒnfzig noch nicht und KonfliktbewĂ€ltigungskompetenzen vermisse ich bei den meisten bis ins hohe Alter. Denn meist wird nach schuldigen gesucht, statt nach Lösungen.

Als ich mal Besuch hatte vor ein paar Tagen musste ich mir anhören: „Dein Zimmer sieht aus, wie das Zimmer von einem pubertierendem MĂ€dchen.“ Man muss dazu sagen, in meinem Zimmer hĂ€ngen viele bunte Bilderrahmen mit unterschiedlichen Bildern. Ein paar selbst gemalte, ein paar Collagen, ich habe ausserdem ein Einhorn- und ein glitzerndes Zitronen KostĂŒm an meiner Kleiderstange hĂ€ngen. Die Möbel, die BettwĂ€sche und die WĂ€nde sind weiss, doch der Rest ist einfach bunt mit System. Der grosse Spiegel mit Sternen Leds dekoriert. Macht mich also all die Farbe zu einem Pubertierenden MĂ€dchen? Habe ich als ĂŒber dreißigjĂ€hrige mein Recht auf Farbe und KreativitĂ€t in meinem Leben verspielt? FĂ€ngt ab dreissig Jahren die Zeit der gedeckten Farben an? Und wieso zum Teufel hat mir das noch keiner gesagt?

Was bedeutet also erwachsen sein?

Eigenheim, Hund, Mann? Eine steile Karriere? Ein Bausparvertrag? Braucht man gar ein Kind um zu zeigen, dass man erwachsen ist und Verantwortung ĂŒbernehmen kann? Oder ein Auto? Einen dicken Gehaltscheck? Den grĂŒnen Daumen? 80% Fremdwörter im Vokabular?

Warum interessiert es uns auch, was andere von uns denken?

„Also Blumen im Haar finde ich Klasse, an Dir oder meiner Tochter, ich wĂŒrde mich das nicht trauen!“ Ähhmmm, warum? Weil irgendwer Dich fĂŒr komisch halten könnte? Weil Du Dich von der Masse abheben könntest? Weil Du herausstechen könntest aus dem ganzen Grau? Weil es Dich wirklich juckt was andere von Dir denken? Wer sind die anderen, dass sie sich ein Urteil ĂŒber Dich bilden können?

Vor ein paar Jahren an der Street Parade, Sonntagmorgens: „Sag mal Paula, findest Du nicht langsam Du bist zu alt fĂŒr all das? Möchtest Du nicht langsam an eine Beziehung denken? Du wirst ja auch nicht jĂŒnger!“ So so, die Partyzeit scheint auch vorbei zu sein, wenn man also auf die dreissig zugeht, wenn es nach einigen von euch geht. WĂŒrdet ihr euch das auch trauen, Komet Bernhard oder GĂŒnther Krabbenhöft an den Kopf zu werfen? Und ist man ab dreissig Jahren schwerer vermittelbar nur weil der Busen und der Po nicht mehr so straff ist wie einst? Will jede Frau unbedingt auf Teufel komm raus einen Partner? Und muss ich als Frau diesen AnsprĂŒchen der Gesellschaft entsprechen um als Erwachsene zu gelten?

Ihr liebt Blumen? Tragt sie im Haar, als Print, wo auch immer. Ihr liebt Party und seid ĂŒber dreissig? Ihr liebt Farben? Geniesst es, das Leben ist kurz. Geniesst euch und eure Vorlieben, egal wie alt ihr seid. Nirgendswo steht geschrieben, was zu welchem Alter gehört. Oder was sich nicht gehört. Wir leben nicht mehr das Leben wie sie unsere Vorfahren gelebt haben. MĂŒssen wir auch nicht. Niemand hat das Recht ĂŒber euch zu urteilen, nur weil ihr nicht in ihr Weltbild passt. Es sind wir Menschen die diese Grenzen erschaffen in unserem Köpfen, wie Dinge zu sein haben. Es gibt kein Richtig und kein Falsch, jeder sollte so leben und sich ausdrĂŒcken dĂŒrfen wie es ihm beliebt ohne Angst vor Verurteilung.

Dieser Beitrag erscheint auch auf Ron Orp ZĂŒrich, Huffington Post Deutschland und City Channel 1.

Eine Ode an das Älter werden

Das in der Fotocollage bin ich
die in der Mitte, ganz aussen links mit dem Herzchenhaarband. Das ist die aktuelle Paula
die anderen Bilder sind alle zwischen 2003 und 2015 entstanden, Wahnsinn oder, wie die Zeit vergeht? Ich hatte diese Woche Geburtstag, um genau zu sein wurde ich 32 Jahre alt. Dabei fĂŒhle ich mich mehr wie 23
zumindest manchmal. Viele Frauen trauen sich nicht an die 30 ran und zelebrieren munter die 29 ein paar Jahre hintereinander.

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