Wenn man im Korsett von Freiheit spricht…

Hey ich bin Sara von sgkunst  und aktuell 21 Jahre alt. Seit etwas mehr als einem Jahr lebe ich jetzt in Mainz und studiere Kommunikationsdesign in Wiesbaden. Nebenberuflich bin ich freie Künstlerin. Achja und ganz wichtig: Ich bin ein Gothic, Grufti, Schwarzkittel, Dunkelmensch… nennt es, wie ihr mögt. Und das sieht dann gelegentlich so aus:

Für mich bedeutet Freiheit glücklich zu sein. Punkt.

Ich muss nicht alles hinwerfen, meiner Familie „Lebe wohl“ sagen, meine Wohnung kündigen und mich mit meinem Rucksack zu einem Eingeborenenstamm in Afrika aufmachen. Ich muss auch nicht aus 3000 Metern Höhe aus einem Flugzeug springen, um einmal diesen Kick der Freiheit zu haben. Mir reicht es auf deutschem Boden all das tun und lassen zu können, was MICH begeistert. Richtig gehört: MICH! Denn was dir gefällt muss nicht mir gefallen. Und umgekehrt darf es auch dir egal sein, was ich so anstelle.

„Warum bist du so…“

„Ja, wie bin ich denn?“ – „Naja ich weiß auch nicht.“ – „Ja sag schon. Ich weiß nicht, was du mir sagen möchtest.“ – „Ja, SO halt!“ Das war ein Gespräch, das ich tatsächlich genauso mit einer Strohblonden Öko-Veganerin mit riesiger Hornbrille (kein Stress, ich hab euch Verrückten natürlich lieb – ich kann ja auch nix dafür, dass sie so war) geführt habe. Wenn man es überhaupt Gespräch nennen kann.

Aber zu meiner Antwort:

Ich bin so, weil ich mich so wohl fühle. Auch in einem pinken Kleid und mit geflochtenen Zöpfen würde ich noch so sein, wie ich bin. Nur würde ich mich dann nicht mehr wohl fühlen. Ich verändere mich nicht, nur weil ich anders aussehe. Das ist eine Freiheit, die mir bewusst geworden ist.

 

Nix mit: „Früher war alles besser!“

Ich bin froh, dass Gothic fast Mainstream geworden ist. Die Modeindustrie bedient sich jedes Jahr an Elementen irgendwelcher alternativen Subkulturen und keiner realisiert es, außer die Alternativen selbst. Das hilft akzeptiert zu werden und es immer mehr Menschen zu ermöglichen einfach sie selbst zu sein. Ich werde nicht verfolgt, angewidert angeschaut oder aus einem Restaurant gebeten – wie es bis vor 10 Jahren noch häufiger vorgekommen ist. Diese Art von Freiheit ist Luxus.

Einfach machen

Freiheit beginnt aber vor allem Im Kopf. Es sind nicht immer die anderen, die für dein scheiß Leben verantwortlich sind. Gerade in Deutschland, wo doch fast alles möglich ist, muss man sich seine Freiheit auch einfach einmal nehmen. Das können die kleinen Dinge im Leben sein: Geht zum Beispiel alleine feiern, wenn sonst keiner Zeit oder Lust hat. Besucht einen Häkelkurs, auch wenn ihr ein Zweimeter Bodybuilder seid. Unterhaltet euch mit einem Mönch oder einer Prostituierten, wenn es euch interessiert. Wo ist da das Problem?

So wie mein Herz schlägt.

Mit meiner Kunst habe ich viel ausprobiert: verschiedene Stile, verschiedene Techniken, unterschiedlichste Materialien. Und das vor allen Dingen, weil ich auch dem letzten Kritiker gerecht werden wollte. Aber das hat mich nicht glücklich gemacht. Ich habe mich selbst in etwas gezwungen, das ich eigentlich nicht wollte.

Irgendwann habe ich festgestellt, dass ich immer wieder zu einer Sache zurückkehre, wenn es nicht darauf ankam, dass es jemandem gefällt: Schnelle Zeichnungen mit Skizzencharakter und schwarz- weiß-Gemälde. Da kann ich mich richtig entspannen. Mittlerweile habe ich mich darauf spezialisiert und wisst ihr was? Ich fühle mich erleichtert, befreit!

 

Ich bin Glücklich!

Ich bin ein Gothic – wenn auch die Soft-Version – und bin glücklich damit. Ich studiere Design – auch wenn andere sagen, das sei kein Beruf – und bin glücklich damit. Ich habe meinen Freund übers Internet kennen gelernt – obwohl ja alle im Internet Vergewaltiger sind – und bin (seit 3 Jahren) glücklich mit ihm. Ich mache meine Kunst – auch wenn es nicht allen zusagt – und bin glücklich damit. Ich lebe fast 500km entfernt von meinen Eltern – auch wenn sie mich gerne in ihrer Nähe hätten – und bin glücklich damit.

Das Wort zum Schluss

Meistens halten uns nur die negativen Stimmen aus Familie und Freundeskreis auf. Aber vertraut mir: Wenn ihr ihnen wichtig seid, dann werden sie sich an alles gewöhnen. Meine Eltern hatten auch Sorge um mich, als ich plötzlich zunehmend schwarze Kleidung trug. Mittlerweile fragen sie mich, ob alles ok sei, wenn ich in einem bunten Oberteil im Garten helfe.

Also macht was mit euren Wünschen und Träumen 😉

 

Liebe Grüsse,

Sara