20:50 Uhr

Vorgestern Abend, um 20:50 Uhr, verstarb Alexander Marius Deme, geboren am 10.09.1958, in Alba Julia – mein Vater. Er verlor den Kampf gegen Krebs. Er ist nun erlöst, von der Bürde seiner schweren, lieblosen Kindheit, die ihn zu einem Tyrannen werden liess. Erlöst vom Schmerz & dem Leid, dass er sich und anderen zufügte.

Ich erfuhr von seinem Krebsleiden vor knapp einem Monat. Lange habe ich überlegt ihn zu besuchen, mich informiert, auch über seine andere Krankheit. Bei ihm wurde Schizophrenie vor Jahren  diagnostiziert. Doch ich verwarf den Gedanken ganz schnell, als ich von meinem Bruder erfuhr, was für sein egoistischer, selbstbezogener Mensch er war. Oder war das die Krankheit? Wer war dieser Menschen, mein Erzeuger eigentlich?  Ich werde es wohl nie erfahren. Und das ist auch gut so.

Ich bereue es nicht, das ich nicht mehr hingegangen bin. Denn nur weil ich verziehen habe, bedeutete es nicht, dass er ein anderer Mensch wurde. Gestern Nacht flossen trotzdem Krokodilstränen, Stundenlang. Denn er war innerlich noch ein Kind, das nie Liebe erfahren hatte. Nie gelernt hat, was Liebe bedeutet. Das machte aus ihm den Menschen, der er war. Sicher, er hätte die Chance gehabt es anders zu machen, aber nicht jeder ist stark genug sich aus den Mustern der Kindheit zu lösen. Sich von Schuld und Scham zu befreien. Oder an sich zu arbeiten.

20:01 Uhr

Kennt ihr das, wenn ihr in Tagträumen versinkt und irgendwo hin starrt? So ging es mir damals, in der vierten Klasse, kurz vor dem Schullandheim. 20:01 zeigte damals die Uhr auf dem Videorecorder. Meine Mutter war nicht da, sie war mit meinen Brüdern nach Rumänien vor ihm geflüchtet. Wir waren also alleine. Denn Marius, wie ihn alle nannten, war Gewalttätig. Gegen sie, gegen mich und meine Brüder. Als ich zurück kam, wohnte er woanders, er zog in dieser Zeit einfach um, das erfuhr ich und meine Lehrerin, von einem Nachbarn, als wir ahnungslos vor der alten Wohnung standen.

Zwei Nächte später machten wir uns auf den Weg zu meiner Mutter, mit dem Zug über Budapest, nach Rumänien. Als wäre es gestern gewesen, erinnere ich mich an diese Zugfahrt.  Er küsste mich innig auf den Mund und sagte mir, wie erleichtert er wäre, das wir nun zu meiner Mutter fuhren, ich schlief mit dem Kopf auf seinem Schoss im Zugabteil ein, er legte zärtlich seine Hände auf mich. Wie ein schützender Mantel. Ich fühlte mich sicher und beschützt, von diesem unzulänglichen, emotional abwesendem Mann.

Als wir ankamen in Deva,  musste an der Türe klingeln bei meiner Oma, die mittlerweile auch verstorben ist. Denn dort versteckte sich meine Mutter vor ihm,  und ich musste an der Türe klingeln, weil er sich nicht traute. Das zeigt mir auch seine infantile, unreife Seite. Das alles begriff ich erst Jahre später.  Wie er wirklich war. Opfer und Täter zugleich. Eine Nacht später nahm er meine Mutter mit ins Hotel, wo er sie grün und blau schlug, weil sie weggelaufen war, mit “seinen” Jungs, die er heiss und innig vergötterte.

Auf der Suche nach sich und seinem Platz

Das war er auch, auf der Suche. Ein Mensch der sich suchte. Er der sich sehnte, wie jeder andere Mensch, nach Liebe, nach Anerkennung und Zuneigung. Aber nie gelernt hat es zu geben.  Auf der Suche nach dem Zuhause, das er niemals hatte. Auf der Suche nach Schutz, Zugehörigkeit und Anerkennung, die er nie in seiner Kindheit und auch später nicht genoss. Du warst jemand, Vater, einer der vor sich selber weg lief. Um sich und der Welt zu entkommen. Einer Welt, in der du dich nie zugehörig fühltest.

Der Tyrann

Doch dann sehe ich Bilder aus der Vergangenheit. Bilder die mich nicht loslassen, Bilder eines Tyrannen. Wie er meine Mutter schlägt, wie er auch auf mich losgeht, weil er mir seine Macht beweisen wollte. Wie er meinen mittleren Bruder zwischen Wand und Tisch einklemmt oder ihn gegen die Wand wirft. Er war damals vielleicht mal 4 oder 5 Jahre alt.

Ich sehe dich, Vater wie du uns bedrohst, meine Mutter anschreist, wie sie dich anschreit. Ich erinnere mich wie du uns mit wenig Lebensmitteln in der Wohnung eingeschlossen hast. Oder alle Bilder unserer Kindheit zerissen hast, als würdest du uns auslöschen wollen und die gemeinsame Vergangenheit.

Es ist so tragisch, so traurig, es macht mich irgendwo auch noch wütend. Doch du, Mutter und du, ihr wart zwei kaputte Menschen die aufeinander trafen, und sich gegenseitig und ihre eigenen Kinder kaputt machten. Ich weiss, von deinem Schlag gegen ihren Bauch als sie Schwanger war, damit sie mich, das Kind in ihrem Bauch verliert, doch ich war stärker als deine Faust. Ich war stärker als deine Hand, als sie gegen meine kindliche Backe schlug, weil ich nicht schlafen wollte. Ich war und bin stärker, als ihr zwei zusammen.

Es ist anders, als ich dachte

Ich habe mich immer gefragt wie es wohl sein würde, wenn er nicht mehr ist. Wir haben uns ja schliesslich 17 Jahre nicht mehr gesehen. Ich dachte, es würde mich weniger belasten, wegen dieser räumlichen und zeitlichen Distanz. Doch das war ein Trugschluss. Es ist so total anders, als ich es mir vorgestellt habe. Ich habe viel geweint, letzte Nacht. Viele Bilder aus der Vergangenheit kamen zurück. Bilder von glücklichen Tagen, als er mir schwimmen beibrachte, oder Fahrradfahren, Bilder von uns im Wald, beim Pilze sammeln.  Erinnerungen an den einzigen Urlaub den wir miteinander verbrachten, am Schwarzen Meer, bevor meine Geschwister auf der Welt waren. Oder unsere gemeinsamen Pokerabende.

Ich habe geweint, sehr. Geweint um das Kind in dir, das innere Kind, das einsam und verlassen starb. Ich habe Mitleid mit dir und fokussiere ich auf die schönen Erlebnisse, denn die gab es eben auch, neben all dem Drama.  Du warst einfach nicht stark genug, das was man dir angetan hat als Kind hinter dir zu lassen. Und ich musste mich schützen um nicht mit dir unterzugehen.

Mein mittlerer Bruder und ich haben heute ein Bestattungunternehmen beauftragt seine Leiche einzuäschern. Ich werde sie dann persönlich von Deutschland in die Schweiz überführen in ein paar Wochen. Er bekommt nun das Zuhause, das er nie hatte.

 

Der Podcast zum Blog ist da!

Das ist zwar nun nichts neues, aber ich dachte mir, ich sollte euch einfach mal bescheid geben. Der Podcast zum Blog ist da! Mittlerweile ist die sechste Folge draussen, ich hatte einen Gast da und erkläre mal etwas ausführlicher, warum ich mein Leben und meine Erfahrungen im Internet ausbreite.

 

Der Podcast ist zu hören bei Spotify, iTunes, Google Play Music, SoundCloud  unter “Paula Deme” oder “Was man so nicht sagen darf” oder direkt hier bei mir auf dem Blog. Ausserdem auf allen gängigen Podcast Kanälen.

 

Themen waren bisher “Dreier” und allgemein Sexualität, zu Gast war Wot Sefak von www.wotsefak.com, einer meiner Lieblingsblogger, “Frauen gegen Frauen” Sisterhood statt Zickenkrieg…und, ach schaut doch einfach selbst.

 

Rezessionen und Meinungen sind immer Willkommen!

 

So sieht das ganze bei iTunes aus

 

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag!

 

❤ Paula 

“Normal is an illusion. What is normal for the spider is chaos for the fly.” ― Charles Addams

Wann habt ihr etwas zum ersten Mal getan? Ich erst vor zwei Tagen. Da habe ich das erste Mal in meinem ersten, eigenen Ohrensessel platz genommen und ein Buch gelesen.

Ein eBook über Sex. Vorher sass ich das erste Mal in der Universität Zürich  und hab mir einen Vortrag über den Mythos der Monogamie angehört. Auch zum ersten Mal. Sonst gehe ich nur auf öffentliche Vorträge und Symposien zu Astrophysik in die Uni, aber das mal war es anders. Das Publikum war sehr viel jünger und das Thema war prickelnder.

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Was du nicht über mich weisst

GASTBEITRAG

 

„Und das Thema Kinder ist bei euch jetzt komplett von Tisch, oder?!“ Du musterst mich und mein Gesicht, als du mit einer Mischung aus Neugier und Resignation diese Frage formulierst. Sofort ist es still am Tisch, denn immerhin hast du ausgesprochen, was alle brennend interessiert- wann pflanzt sich dieser Teil der Familie endlich fort. Du selbst bist das Paradebeispiel, immerhin hast du das Verhältnis Kinder-Erwachsene in diesem Raum deutlich zu Gunsten der Kinder beeinflusst.

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Wenn das Liebe ist…

Er hat mich belogen, ich glaubte ihm dennoch weiterhin alles. Er stand nie zu mir, ich war immer an seiner Seite, wenn er mich brauchte. Er redete schlecht über mich bei seinen Freunden, ich schwärmte von ihm in den höchsten Tönen. Er war mal lieb zu mir, um mich dann wieder zu verletzen. Er war grausam ich dafür umso mehr bemüht, mir seine Liebe zu verdienen.

Hab mich verbogen, verleumdet, es ertragen. Ich sei zu dick,  ich sei nicht hübsch genug. Ich sei nicht gut genug. Er brach unsere Abmachungen, ich verzieh ihm und: Ich blieb, trotz allem, bis zum bitteren Ende. Weil ich mich nicht schützen konnte. Weil ich das für Liebe hielt.

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Das MUST HAVE des Jahres, für die trendbewusste Frau-Der Schwangerschaftsabbruch!

Ist Ihr Leben langweilig? Sehnen sie sich nach etwas Abenteuer?  Haben Sie den Alltag satt? Sie haben mal wieder Lust was richtig Verwegenes zu tun? Etwas, das Sie vorher noch nie getan haben? Ihnen sind Drogen aber zu riskant? Ich hätte dann genau das Passende für Sie, verehrte Damen.

Kommen Sie in unseren Club! Treffen Sie  gleichgesinnte Frauen, die auch nur das Eine wollen. Mit unserem neuen ABO „Gönn dir!“ Profitieren Sie von unserem attraktiven Bonussystem. Drei bezahlen, die vierte ist umsonst!

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„Nur zum Spass“ 

“Das MUST HAVE des Jahres, für die trendbewusste Frau-Der Schwangerschaftsabbruch!” weiterlesen

Wintertraurigkeit

Eigentlich wollte ich heute gar keinen Beitrag schreiben. Eigentlich. Denn im Moment geht alles drunter und drüber und ganz ehrlich? Ich bin gerade so ein bisschen am Anschlag. Emotional, körperlich. Der Winter nagt an mir, wie an vielen. Jeder Sonnenstrahl ist Nahrung für meine Seele. Die sich gerade nur verkriechen möchte, bis alles vorbei ist. Demnächst steht der Umzug an, mir graust schon vor dem Stress, der streng genommen keiner ist. Das Umzugsunternehmen ist bestellt, die Leute die mir den Umzug wieder machen sind super und ich vertraue ihnen.

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Für mehr Rechte und Anerkennung kämpfen, nicht nur am Frauentag!

Gestern war also Frauentag, was haben sich die Medien mal wieder drauf gestürzt, um heute wieder alles zu vergessen.  Frauen, die sich gestern noch für Gleichberechtigung und Frauenrechte eingesetzt  haben, hinter den heimischen Computern,  schauen in den kommenden Tagen wieder sowas wie den „Bachelor“ und „Germanys next Topmodell“, nach dem sie über die Nachbarin lästern und ihr Liebesleben. Oder ihren kurzen Rock. Oder der Tatsache, dass sie ihre  Kinder in eine Kinderkrippe gibt, um arbeiten zu gehen. Oder, warum sie denn überhaupt keine Kinder hat. Die Liste liesse sich hier beliebig weiterführen. Also ist heute wieder alles beim alten, sozusagen.

 

Nackte Statuen in Zürich

Als ich mich kürzlich gegen die nackten Frauen Statuen aussprach, unterstellte man mir, nichts von Kunst zu verstehen. 3 Tage lang, über 2 verschiedene Accounts. Immer derselbe Mann, ein älterer Herr  über 50 Jahren, der mir auch persönlich bekannt ist. Nun ja, Kunst ist für mich, auch Platz zu machen für die schlauen Frauen der letzten Jahrhunderte. Schliesslich können Frauen viel mehr als acht gut auszusehen. Sie zu huldigen, mit Statuen, die angezogen sind, wie ihre männlichen Kollegen, die man nie so nackt in der Öffentlichkeit, in der dichte vorfinden würde. Und gerade Zürich hat so einige starke Frauen, die eine Statue verdient hätten. Denn was sagt das öffentliche Bild gerade aus?

Frauen sind als Objekte, schön zu betrachten, Männer als Menschen, die „jemand“ waren. Nope. „Harmlose Kunst“ nannte es der ältere Mann. Ja, harmlos schon, aber mit einer Message, die sich gewaschen hat. Tut mir leid. Mir fehlt die Wertschätzung von Frauen. Auch im öffentlichen Raum.

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Es gibt Neuigkeiten & Das eBook zum Blog ist da!

Für treue Leser bestimmt nicht so interessant, doch für die, die den Blog noch nicht kennen, umso mehr. Ich habe ein paar delikate Beiträge aus dem Blog genommen und sie als Ebook bei iTunes veröffentlicht. Insgesamt ist es eher ein kleines Werk von 29 Seiten. Auf dem iPhone usw sind es allerdings 130.

Warum? Ja, warum denn nicht? So kommen auch Menschen mit dem Blog in Berührung, die ihn noch nicht kannten über einen anderen Kanal. Ein Gedichteband soll folgen.

Das eBook könnt ihr hier runterladen

Neu kommt auch dazu, dass ich so im schnitt alle 2 Wochen, oder wenn der Beitrag 400 Zuschauer hatte ein live Video auf Facebook machen möchte, freitagabends.

Zum Profil geht es hier lang. Ihr könnt mich abonnieren!

Wer kein Facebook hat, wird das Video auch hier auf der Startseite zu sehen bekommen. Feedback immer herzlich willkommen.  Wenn es die Zeit erlaubt, werde ich auch nach und nach meinen Blog vertonen, für die Lesefaulen und ander Menschen, die aufgrund diverser Gründe nicht lesen wollen oder können. Ihr seht schon, es wird sich einiges tun. Und auch wenn wir es schwer glauben können: Heute ist meteorologischer Frühlingsanfang!

 

Das war es erstmal von mir. Gute Zeit und bis bald!

 

Paula

Leben am Existenzminimum

Die meisten Menschen, reagieren überrascht, wenn man ihnen erzählt, dass in der Schweiz nicht alle im Wohlstand baden. Ich habe zu dem Thema “Leben am Existenzminimum”  für meine Rubrik “Paula fragt nach”  drei  Frauen befragt.

Hallo Jasmin, magst du dich bitte kurz vorstellen?

Mein Name ist Jasmin, ich bin 54 Jahre alt und lebe in einer Kleinstadt im Thurgau. Gerade lebe ich vom Sozialamt und bin in der IV Abklärung, wegen meiner Krankheit. Ich habe COPD Stufe 3.5 von möglichen 4. Meine Wohnung teile ich mir mit einem Hund und einer Katze.

Wieviel Geld hast du zur Verfügung?

756 CHF, davon muss ich Strom, Billag, Haftpflicht Versicherung und all das bezahlen.  200 CHF noch für die Wohnung, da das Sozialamt nur noch 650 CHF der Miete dran zahlt, aber die Wohnung 850 CHF kostet. Eine günstigere Wohnung zu finden ist aber unmöglich, das sagte auch schon meine Beraterin auf dem Amt.  Am Schluss bleiben 300 – 500 Franken. Ich bin seit 2017 ausgesteuert.

Wie kamst du in die Situation?

Ich habe 50 Jahre im Bündnerland gelebt, bin dort aufgewachsen, bin dort in die Schule, habe eine Lehre als Verkäuferin absolviert, hab aber nachher im Hotelfach geschafft, und zuletzt hatte ich einen absoluten Traumjob bei einer evangelischen Gemeinde. Dann habe ich mich von meinem langjährigen Partner getrennt, er ist ein Narzisst. Er war sehr wechselhaft, mal hat er mich vergöttert, mal hat er mich gehasst. Bis zu Morddrohungen, er drohte sogar den Hund zu erschiessen.

Irgendwann hat mein Sohn und seine Frau dann gesagt, dass es besser wäre für mich, wenn ich dort wegziehe, da mein ehemaliger Partner mir das Leben zur Hölle machte, selbst ein Annäherungsverbot brachte nichts. Ihm war alles egal. Die Polizei half, so gut es ging, aber gegen so einen kann man nichts machen. Ich hatte mich gewehrt, mit allem, was ich hatte, nur der Job hielt mich noch dort, ich habe keine Verwandten mehr.

Schliesslich brach er bei mir ein, ich wohnte im Erdgeschoss, da stand dann fest für mich, ich muss da weg. Mit über 50 bin ich dann umgezogen, Jobmässig ging da gar nichts mehr in der neuen Stadt. Es kam dann raus, dass ich krank bin- unheilbar. Von alle dem Stress mit dem ehemaligen Partner hatte ich auch eine Posttraumatische Belastungsstörung davon getragen.

Hättest du ein Anliegen, oder einen Vorschlag an die Politiker wie man Leuten wie dir helfen kann?

Was ein ganz grosser Punkt ist, was ich 2017 in Sozialhilfe reingerutscht bin, sagte man mir, 850 CHF für die Wohnung lägen drin. Von einem Monat auf den andern hiess es sie zahlen nur 650 CHF! Für das Geld bekommt man doch heutzutage doch nicht mal ein WG Zimmer. In meinem Alter vertrage ich auch keine Menschen mehr und wohin soll ich mit meinen Tieren (Hund & Katze)? Ich verstehe das einfach nicht. Ich probiere jeden Monat was zur Seite zu legen, sei es nur ein 5 Liber. Aber das mit der Miete geht mir einfach nicht in den Kopf. Meine Beraterin ist super, aber sie sagt auch, dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist eine günstigere Wohnung zu finden. Sie sagte mir auch, das käme von oben, aus Bern,  die Weisung, da kann man leider nichts machen.

Was fehlt dir besonders?

Das soziale Leben. Ich hatte ein paar lose Bekanntschaften, wir gingen immer zusammen mit den Hunden raus. Irgendwann lag das nicht mehr drin, da sie anschliessend immer was trinken gegangen sind. Ich habe ihnen aber nie gesagt, warum ich nicht mehr mit bin, wohl auch als Scham. Weiss du, ich wohne hier in in der Nähe der Badi. Im Sommer hört man die Kinder, ich kann sie sogar von hier sehen. Ich war früher gern in der Badi, heute kann ich mir nicht mal mehr den Eintritt leisten. Das macht mich schon sehr traurig.

 

Hallo Iris, magst du dich bitte kurz vorstellen

Ich bin 54 Jahre alt, lebe alleine mit meinem Hund. Ich habe 17 Jahre lang 100% IV Rente bezogen.  Dann hat man mir nach der Zeit gesagt- von heute auf morgen- ich sei  zu 100% gesund. Nachher hat man mir komplett die IV Rente weggenommen.

Warum hattest du die IV Rente bezogen?

Ich musste den Rücken operieren lassen, dann habe ich noch ein künstliches Kniegelenk bekommen und war nicht mehr Arbeitsfähig.

Was hast du vorher beruflich gemacht?

Ich war im Service, ich habe in der Tankstelle gearbeitet, im Technomarkt AG. Ich hatte Freude an meinen Berufen, aber eben der Rücken. Und kein Arzt hat mich ins MRI getan, sonst hätte man das vorher evtl schon bemerkt. Und jetzt nach 17 Jahren hiess es es sei wieder alles gut, nur eben, wer stellt mich schon nach 17 Jahren IV ein, in dem Alter und in dem Zustand?

So bin ich auf dem Sozialamt gelandet. Und eben der Arbeitgeber wird sich ja auch noch fragen, wie lange ich überhaupt noch arbeiten kann. Gesundheit wird mit dem Alter nicht besser, eher im Gegenteil. Man hatte ja auch das Gefühl ich könnte arbeiten, weil ich ja auch Hunde gezüchtet habe, aber eben.

Wie lange hast du das gemacht?

Sehr lange, von Anfang an. Ich wollte meinen Eltern etwas beweisen, dass ich wer bin, dass ich was kann. Ich wollte eine Lehre machen, Als Coiffeuse aber das ging nicht vom Rücken aus, dann war ich sehr an Elektronik interessiert, aber meine Eltern liessen mich nicht. Mit den Hunden konnte ich ihnen was beweisen. Beruf ist ja auch ein Stück Identität und ich wollte wer sein.

Meine Eltern sagte mir nämlich immer: „Du bist nichts, du kannst nichts!“ So hatte ich die Hunde, ging mit ihnen auf Ausstellungen und hatte Erfolg. Die Hunde wurde auch sehr alt, bis zu 15 Jahren, das ist viel für Schäferhunde. Aber auch das reichte ihnen nicht.

Wie viel hast du im Monat zum leben?

1900 CHF wird mir ausgezahlt, davon gehen Miete, Rechnungen, Medikamente für den Hund usw.ab. Das Medikament für den Hund hole ich aber in Deutschland. Zum Schluss bleiben ca 400 CHF für uns übrig. Und ich habe noch ein Auto, ich bin drauf angewiesen.

Wie überlebt man mit 400 CHF im Monat?

Man kann halt nirgendwo hin. Man ist vom sozialen Leben ausgeschlossen. Ich gehe in Deutschland mit einem Kollegen einkaufen. Wir fahren einmal im Monat raus, dann lasse ich mir auch die MwSt retour geben. In den grossen Discountern gibt es x verschiedene Suppen in der Büchse, die sind sensationell gut und vor allem günstig, das ist kein Vergleich zu der Schweiz. Ich muss eben sehr drauf achten, vieles ist schon heruntergesetzt. Man lernt damit umgehen mit dem was man hat.

Wenn du dir etwas wünschen könntest von der Politik oder den Menschen, wie könnte man Leute die am Existenzminimum leben helfen? Denn ich habe das Gefühl, wenn man krank wird oder alleinerziehend wird rutscht man automatisch in diese Situation.

Das ist definitiv so und das finde ich himmel traurig. Ich würde mir von der Politik wünschen, dass man weniger den Flüchtlingen gibt, die sowieso nicht dankbar sind. Die motzen an allem rum und wir Schweizer sind wenigstens Dankbar. Ich bin kein Fremdenhasserin, ich habe gute Kollegen aus diversen Ländern. Aber ich finde man muss mehr auf das eigene Volk schauen.

 

Hallo Sofia, magst du dich vorstellen bitte

Ich bin 33ig, alleinerziehend seit dem 3. Monat Schwangerschaft  mit dem kleinen. Meine Jungs sind 7&10 Jahre alt und sehen ihren Papa meist alle 14 Tage.

Was machst du beruflich?

Ich arbeite stundenweise als Küchenfee. Bin aber schon Jahre auf Jobsuche um etwas festes zu bekommen was mehr Stunden gibt und somit mehr Lohn. Ich möchte weg vom Sozialamt.

Findest du, man hat als Mutter genug Unterstützung?

Nein! alleinerziehende fallen durch alle Raster. In der Arbeitswelt soll man möglichst flexibel sein und das geht nicht mit der Kinderbetreuung… ausser man bezahlt viel und das wiederum geht nur wenn man genug verdient.

Unterstützung kommt also von niemanden wirklich?

Wenn keine Familie im Hintergrund ist nein.

Die ist bei euch nicht gegeben?

Mein Vater arbeitet, die “Schwiegermutter” wohnt zu weit weg. Nein Familienhilfe gibt es keine.

Wo müsst ihr überall einsparen?

Urlaub, Kleider, auto (keins vorhanden), Ausflüge (Kino, Badi, Glace essen gehen), Hobbys, Möbel, essen… eigentlich überall.

Wieviel CHF habt ihr zur Verfügung?

3100.- wovon 1380.- für die Miete weg geht.

Wie gehen deine Kinder damit um und wie fühlst du dich dabei?

Sie fühlen sich auch schlecht dabei, wissen aber das es uns immer noch besser geht als vielen anderen menschen auf der Welt.

Zahlt der Vater denn für die Kinder?

Ja regelmäßig… aber nicht von Anfang an freiwillig

Theoretisch müsste er mehr bezahlen da er inzwischen mehr verdient. Aber solange ich Sozialhilfe habe “nützt” es eh nichts finanziell gesehen

Was müsste sich deiner Meinung nach ändern für Alleinerziehende Mütter? Was würdest du dir wünschen?

Arbeitsplätze die mit Kinderbetreuungs Zeiten machbar sind. Mehr vernetzen untereinander und sich unterstützen. Oder Jobsharing wobei man sich die Kinderbetreuung teilen kann..

Möchtest du zum Schluss den Menschen noch was mitteilen?

Ich wünsche mir mehr Verständnis für alleinerziehende. Und mehr Empathie und Rücksichtnahme zwischen allen menschen. Einmal mehr versuchen sich ins gegenüber hineinversetzen schadet niemandem.