#Wirsindmehr – Sage nein!

“Wenn sie jetzt ganz unverhohlen
Wieder Nazi-Lieder johlen,
Über Juden Witze machen,
Über Menschenrechte lachen,
Wenn sie dann in lauten Tönen
Saufend ihrer Dummheit frönen,
Denn am Deutschen hinterm Tresen
Muss nun mal die Welt genesen,
Dann steh auf und misch dich ein:
Sage nein!”

Konstantin Wecker

Nun sind die Solikonzerte und #Wirsindmehr ein paar Tage her, wie ist es für mich weiter gegangen? Oder für andere? Denn Kritiker gab es genug, vorher, währenddessen und besonders im Nachhinein. Hienz und Kunz fühlte sich eingeladen diese Aktion zu be-und verurteilen. Wie immer, vom heimischen, bequemen Sofa, versteht sich.

“Mit so einem Konzert ist doch das Naziproblem nicht aus der Welt geschafft!” “Die Künstler waren ja nur weisse Männer, mir fehlte die Diversität!” “Die meisten kommen nur, wegen den kostenlosen Konzerten auf die Strasse, gegen Nazis. Morgen ist das doch alles schon wieder vorbei!” “Campino gegen Rechts? Der will doch nur die Toten Hosen wieder ins Gespräch bringen!” “Andere promoten so ihre neuen Platten!” “Feine Sahne Filet ist doch Verfassungsfeindlich!” “Die Bands sind mir alle viel zu Links, das kann ich nicht ernst nehmen, da kann ich mich nicht mit solidarisieren!” 

#Wirsindmehr in Chemnitz / Die toten Hosen Bild by Sanni

Und irgendwo mögen sie ja alle etwas im Recht sein, irgendwo, so für sich. Doch frage ich mich bei diesen Tastaturrambos: Was tun sie, gegen Rechtsradikale, Nazis, Pegida, AfD, Identitären usw? Warum haben die Kritiker nicht selber etwas auf die Beine gestellt, statt nur das Event in Chemnitz zu kritisieren? Wo ist der Einsatz von jedem einzelnen, der sich kritisch geäussert hat zu den Bands, der Aktion und der Gegendemonstration an sich?

Eigenverantwortung

Ein grosses Wort. Eigenverantwortung übernehmen die meisten nicht, denn es ist ja auch viel einfacher andere zu kritisieren und verantwortlich zu machen für die eigene Misere oder für Misstände.

“Die Ausländer sind schuld, dass ich wenig verdiene.” “Die Regierung hat schuld, dass es mir so schlecht hat geht!”  Oder gerade auch aktuell: “Wo sind die ganzen Solikonzerte für den Hambacher Wald? 

Wo bist du für den Hambacher Wald? Gegen die Nazis? Gegen die Missstände, die dir gegen den Strich gehen? Denn im Netz sieht man viele aufgebrachte Menschen, nicht nur verwirrte AfD Anhänger, auch die bürgerliche Mitte. Wo seid ihr? Was macht ihr? Ausser im Netz grosse Reden schwingen? Glaubt ihr immer noch, das eure einzelnen Stimme nicht gehört werden? Das glauben Millionen anderer Menschen auch. Doch die Masse macht es, Freunde. Wenn jeder nur zuhause vor sich hin motzt, wird sich auch nichts ändern.

#Wirsindmehr in Chemnitz Bild by Sanni
Fangt im kleinen an

Was tust du, wenn du rassistische, homophobe und Frauenfeindliche Äußerungen hörst? Lachst du sie beschämt weg? Ignorierst du sie? Hast du Verständnis dafür? Oder erhebst du deine Stimme und sagst nein dazu? Gehe in dich und reflektiere deine Einstellung und deine Gründe.

Ich bin ja da äusserst radikal und trenne mich auch von langjährigen Freunden, bei rassistischen Aussagen.  Wie kürzlich als mir ein langjähriger Bekannter erklärte “Rassismus ist schon ok, wenn er denn logisch begründet ist!” Wann ist denn Rassismus je logisch gewesen?

Oder ein anderer, wirklich guter Freund, der in Spanien lebt, weltweit Musik macht und dann Postionen von der AfD gutheißt und die freiwilligen Helferinnen “ungefickte” nannte, die sich durch ihr Engagement einen Mann versprachen oder zumindest Sex. Nein. Einfach nein!

Ich habe im Flüchtlingsheim die ersten Jahre in Deutschland verbracht, kenne die Anfeindungen und das Mobbing, ja auch die Gewalt gegen Flüchtlinge bzw. Ausländer. Auch mich nannte man Asylantin, bespuckte mich, oder wie in der ersten Klasse; man steckte mich mit dem Kopf in den Sandkasten. Also ja, ich kann das alles so nicht tolerieren. Nicht mal als blöden Witz.

#Wirsindmehr

Ich glaube fest daran, dass die meisten von uns in Ihrem Herzen wissen was richtig und was falsch ist. Sich für das Gute einsetzen, ihre Stimmen erheben, nein sagen. Denn die Mehrheit ist gegen all das was sich gerade zeigt: Rassismus, Hetze, Fremdenfeindlichkeit, menschenverachtende Parolen und vieles mehr. Viele wissen nur nicht so recht wo sie anfangen sollen, dabei gibt es vielfältige Möglichkeiten und Angebote. Einfach nur mal Dr Google befragen, sich in Gemeinschaftszentren umhören oder im eigenen Umfeld.

Ich für mich persönlich, ich möchte mich in ein paar Jahren nicht fragen müssen: Warum habe ich nichts getan? Warum habe ich geschwiegen? Denn heutzutage kann niemand mehr sagen er habe von nichts gewusst.

#Wirsindmehr
Solidaritätskonzert in Zürich
Frage dich:

Wie möchte ich mich engagieren? Warum fehlt mir der Mut für das richtige einzustehen? Für was stehe ich überhaupt? Wie viel Zeit kann und möchte ich investieren? Möchte ich selber etwas auf die Beine stellen oder mich irgendwie anschliessen?  Oder möchte ich so tun, als würde nichts passieren und alles ignorieren?

Meine Konsequenzen aus dem ganzen waren auch, meinen freiwilligen Dienst im Durchgangsheim vor 2 Jahren, mein unermüdliches Engagement online gegen Trolle und Hetze, nun bin ich einer Partei beigetreten um mich mit Gleichgesinnten noch enger zu vernetzen und ich werde ein Kollektiv unterstützen, dass sich für Frauenrechte stark macht.

Ob als Penner oder Sänger,
Bänker oder Müßiggänger,
Ob als Priester oder Lehrer,
Hausfrau oder Straßenkehrer,
Ob du sechs bist oder hundert,
Sei nicht nur erschreckt, verwundert,
Tobe, zürne, misch dich ein:
Sage nein!

Konstantin Wecker

 

Schönes Weekend,

 

 

Paula

 

Ps: Grossen Dank an Sanni, für die tollen Bilder aus Chemnitz!

Vom Sommer auf der Achterbahn

Der Sommer neigt sich dem Ende und für den Blog endet die lange Sommerpause. Es ist viel passiert seit dem Letzten mal und ich würde gern “sanft” einsteigen, denn die aktuellen Themen in der Welt sind brisant genug und werden in nächster Zeit hier noch genug zur Sprache kommen. Also habe ich mir überlegt euch auf einen kleinen Rückblick mitzunehmen, mit Musik, die mich diesen Sommer begleitet hat, Poesie die ich geschrieben habe und den Gedanken, zu dem kompletten Umbruch in meinem Leben, den das Jahr allgemein mit sich brachte und diesen Sommer vollzog. Es fühlte sich an, wie eine wilde Achterbahnfahrt, dieser Sommer. Um Trauer und Abschied, Neubeginn, Hoffnung und Aufbruch  soll es in diesem Artikel gehen.

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GASTBEITRAG: Mein geheimes Leben als Frau in den sozialen Netzwerken

Seit ich mich auf die alten Tage ins interaktive Internet gewagt habe, – web 2.0 sagte man dazu mal bin ich als Alice Wunder unterwegs. Für meine Generation natürlich selbstverständlich anonym beziehungsweise pseudonym. 

Dabei hatte ich mir nichts weiter gedacht. Zumindest keine Gender-Verwirrung. Alice im Wunderland steht für psychedelische Drogen, in der Szene ein Synonym für LSD, ich verbinde eher Pilze damit, Lewis Caroll hatte noch kein LSD. Für meinen Blog habe ich einen bärtigen Silent Bob als Konterfei, soweit so eindeutig. In anderen sozialen Medien aber verwendete ich ein Avatarbild mit Jean Moreau und der göttlichen Brigitte Bardot, aus welchen eigentlich klar und eindeutig das männliche Begehren spricht. 

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In unserer (Leistungs) Gesellschaft ist kein Platz für menschliches 

Wenn ein Kind geboren wird, bekommt ein Vater in der Schweiz einen Tag frei, maximal zwei. Die vorher erwerbstätige Mutter muss nach 3 Monaten wieder auf ihren alten Posten, Teilzeit ist ausserdem in Kaderpositionen eher die Seltenheit. Wenn jemand Nahes aus der Familie stirbt, bekommt man, im besten Falle, drei Tage frei. Um alles in die Wege zu leiten, Beerdigung zu organisieren, ect. Ist ein Kind öfter krank, so bekommt man früher oder später rein Problem mit dem Vorgesetzten.

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Der fremde Vater

Du mochtest Bruce Lee Filme, Western, Filme mit Bud Spencer und Terrence Hill, oder mit Louis de Funes. Du hattest oft Bonnie Tyler und David Bowie, gehört, hast viel getrunken und viel geraucht.  Du hattest gern Schnitzel mit Pommes, Bohnen und Pilze.

Im Wald warst du gern, auch oft mit mir, Pilze sammeln. Im Freibad warst du auch oft, bist gern Fahrrad gefahren und hast viel geschlafen. Du hast sogar mal im Hochbett meines Bruders geschlafen, als es damals ganz neu war. Wie ein grosses Kind hast du ausgesehen und in diesem Augenblick begriff ich, dass du  innerlich ein kleiner Junge warst. Gefangen in dem Körper eines erwachsenen Mannes. Ich war ungefähr 12 Jahre alt.

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How to survive a Festival – Guide & Gewinnspiel

Dieser Beitrag ist etwas Offtopic, aber wer mich kennt, der weiss: Ich liebe Festivals! Und da ich mich langsam zum Profi gemausert habe, was feiern auf Festivals angeht, werde ich heute mein Wissen mit euch teilen. Damit euer Festivalerlebnis ein schönes Erlebnis, statt einer doofen Pleite wird.

Zelt, Schlafsack, aufblasbare Matratze, guter Rucksack

Also, was braucht es für ein gelungenes Festival? Wenn ihr übernachten werdet braucht ihr also erstmal ein Zelt. Und nicht irgendein Zelt, sondern am besten ein wasserfestes. Wirklich.

Nichts ist unangenehmer, als nasse oder feuchte Sachen im Zelt. Oder gar in einem nassen Schlafsack schlafen zu müssen. Hört euch notfalls um in eurem Umfeld, evtl. könnt ihr euch eins ausleihen.

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20:50 Uhr

Vorgestern Abend, um 20:50 Uhr, verstarb Alexander Marius Deme, geboren am 10.09.1958, in Alba Julia – mein Vater. Er verlor den Kampf gegen Krebs. Er ist nun erlöst, von der Bürde seiner schweren, lieblosen Kindheit, die ihn zu einem Tyrannen werden liess. Erlöst vom Schmerz & dem Leid, dass er sich und anderen zufügte.

Ich erfuhr von seinem Krebsleiden vor knapp einem Monat. Lange habe ich überlegt ihn zu besuchen, mich informiert, auch über seine andere Krankheit. Bei ihm wurde Schizophrenie vor Jahren  diagnostiziert. Doch ich verwarf den Gedanken ganz schnell, als ich von meinem Bruder erfuhr, was für sein egoistischer, selbstbezogener Mensch er war. Oder war das die Krankheit? Wer war dieser Menschen, mein Erzeuger eigentlich?  Ich werde es wohl nie erfahren. Und das ist auch gut so.

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Der Podcast zum Blog ist da!

Das ist zwar nun nichts neues, aber ich dachte mir, ich sollte euch einfach mal bescheid geben. Der Podcast zum Blog ist da! Mittlerweile ist die sechste Folge draussen, ich hatte einen Gast da und erkläre mal etwas ausführlicher, warum ich mein Leben und meine Erfahrungen im Internet ausbreite.

 

Der Podcast ist zu hören bei Spotify, iTunes, Google Play Music, SoundCloud  unter “Paula Deme” oder “Was man so nicht sagen darf” oder direkt hier bei mir auf dem Blog. Ausserdem auf allen gängigen Podcast Kanälen.

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“Normal is an illusion. What is normal for the spider is chaos for the fly.” ― Charles Addams

Wann habt ihr etwas zum ersten Mal getan? Ich erst vor zwei Tagen. Da habe ich das erste Mal in meinem ersten, eigenen Ohrensessel platz genommen und ein Buch gelesen.

Ein eBook über Sex. Vorher sass ich das erste Mal in der Universität Zürich  und hab mir einen Vortrag über den Mythos der Monogamie angehört. Auch zum ersten Mal. Sonst gehe ich nur auf öffentliche Vorträge und Symposien zu Astrophysik in die Uni, aber das mal war es anders. Das Publikum war sehr viel jünger und das Thema war prickelnder.

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Was du nicht über mich weisst

GASTBEITRAG

 

„Und das Thema Kinder ist bei euch jetzt komplett von Tisch, oder?!“ Du musterst mich und mein Gesicht, als du mit einer Mischung aus Neugier und Resignation diese Frage formulierst. Sofort ist es still am Tisch, denn immerhin hast du ausgesprochen, was alle brennend interessiert- wann pflanzt sich dieser Teil der Familie endlich fort. Du selbst bist das Paradebeispiel, immerhin hast du das Verhältnis Kinder-Erwachsene in diesem Raum deutlich zu Gunsten der Kinder beeinflusst.

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