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Über Liebe, Onlinedating und dem Patriarchat

Besonders in der Pandemie gestaltet es sich schwer jemanden kennenzulernen, also wich ich mal wieder auf Onlinedating aus. Und was soll ich sagen? Tatsächlich traf ich auf jemanden den ich wirklich toll fand! So wirklich, wirklich toll! Mein vermeintlicher Jackpot erwies sich leider aber nach kürzester Zeit als weitere *Niete.

*Zonkgeräusch bitte hier reindenken

Aber alles von Anfang an. Wer mich nun näher kennt, weiss ich bin keine Frau die Torschlusspanik hat. Ich möchte weder eine feste Beziehung, noch möchte ich Kinder oder sonst was in die Richtung, wie mancher Mann und die Gesellschaft mir gerne unterstellen. Ja, ich werde in weniger als 4 Jahren 40 Jahre alt und ich will das alles ganz und gar nicht. Ich möchte eine entspannte Zeit mit jemanden der mein Leben bereichert. Ohne Ansprüche, ohne Erwartungen an eine gemeinsame Zukunft. Ich möchte den Moment leben.

Ich habe also keinen Stress, aber ich habe Vorstellungen und Bedürfnisse, die ich klar kommuniziere. Auch bin ich keine, die rund um die Uhr, mit dem anderen Schreiben muss, um sich seines Interesses sicher zu sein. Ich erhebe keinen Exklusivitätsanspruch und erlaube auch niemanden diesen an mich zu stellen. Ich gehöre nur mir selbst und ich möchte niemanden Rechenschaft ablegen müssen. Deswegen möchte ich mich auch nicht binden, denn ich liebe meinen Freiraum und meine Freiheit. Und wenn du das einschränken willst, musst du gehen und dein Glück woanders probieren.

Abwarten und zusehen wie das Ego des anderen Überhandnimmt

Wir fanden schnell heraus, dass wir beide das gleiche wollten. «WOW!» Sagte eine Stimme in meinem Kopf, die Erfahrung aber mahnte: «Warte ab, am Anfang sind sie alle Feuer und Flamme für dieses «freie Liebe» Konzept, und dann kommen sie mit Besitzansprüchen um die Ecke. Das hast du doch nun schon X mal erlebt!» Die Vernunftsstimme sollte recht behalten, was die Schmetterlinge im Bauch augenblicklich aussterben liess.

Nach ein paar Tagen kam ihm nämlich wohl sein Ego in die Quere, denn plötzlich fragte er, ob ich denn noch mit wem andern «schmuse» denn er täte das nicht. Oh boy. Dachte wir hätten das geklärt. Da ich in den letzten Tagen auch sehr beschäftigt war, was er auch wusste, haben wir zwei Tage nicht geschrieben. Ob ich denn überhaupt interessiert sei, da ich nun so lange hab nichts von mir hören lassen. Sooooo lange! Zwei ganze Tage! In denen ich wirklich beschäftigt war, was er auch nur zu gut wusste.

WOW. Einfach wow

«Aber du musst mich doch auch verstehen, dass ich dich nun endlich sehen will! Ich weiss doch gar nicht wo wir stehen!» Wir verblieben so, dass ich mich melde, wenn ich Zeit habe. Ratet mal wer sich zwei Tage später wieder meldete. Ratet mal wer keine Antwort mehr bekam? Denn, wo stehen wir wohl, wenn du mich nervst, während du weisst ich habe viel um die Ohren und Komplexe bekommst, weil ich 2 Tage nicht schreibe? Wohl am Ende. Bye, boy!

 

Ansprüche über Ansprüche

Warum lasse ich auch nicht alles stehen und liegen, um ihn zu treffen? Warum setze ich ihn nicht an erster Stelle und schreibe ihm, wenn er es verlangt? Tja. Weil ich nicht verzweifelt bin und mich nicht aufgebe für jemanden anders. Diese Zeiten sind laaaaange vorbei. Leider erlebe ich das immer und immer wieder, dass manche Herren der Schöpfung aber oft genau das erwarten. Was soll dieser Besitzanspruch? Eine Person, die dich Daten möchte, auf die hat Mann keinen Exklusivitätsanspruch, noch vor dem Treffen. Auch wenn Mann mit wem zusammen ist, gehört die Person sich selber. Diese ständige Kontrolle über die Frau, (dieser Anspruch, noch vor dem Kennenlernen an erster Stelle zu stehen sowieso) die man ja angeblich so mag, stinkt doch zum Himmel! Auch in Beziehungen erlebte ich das oft, auch bei anderen Menschen, die das noch völlig normal empfunden haben. Klar ist es, «normal», wenn du deinen Partner /Partnerin fragen musst ob du am Wochenende mit mir vor die Türe darfst. WOW. Einfach nur WOW! Und nein, diese Person war keine Mutter, oder Vater, da könnte ich es ja noch verstehen.

Druck? Vereinnahmung? Nein, danke. 

Ich möchte niemanden der denkt, er kann eine Frau für sich komplett vereinnahmen, oder unter emotionalen Druck setzen, wenn Frau nicht pariert, wie es ihm passt. Ich möchte nicht genervt werden, ich möchte, dass meine Grenzen respektiert werden und die Tatsache, dass dir als Mann nichts zusteht was ich nicht bereit bin zu geben. Ich möchte niemanden Rechenschaft geben, ich möchte mich nicht einschränken lassen, um in die Welt von jemanden zu passen, damit ich sagen kann«Ich habe nun auch jemanden». Ich liebe mich selbst genug, um mir all das was ich nicht möchte, trotz gestörtem Hormonhaushalt (verliebt sein) nicht bieten zu lassen.

Doch das ist das Narrativ: Eine Frau, die mit Mitte dreissig noch nicht vergeben ist, muss doch darauf spitz sein endlich unter die Haube zu kommen. Sie muss doch daran interessiert sein alles stehen und liegen zu lassen für ihn, der nun Interesse an ihr bekundet. Und wenn sie nein sagt, dann muss Mann es einfach nur noch härter probieren. Fuck, nein. Sowas von fucking NEIN!

Wie ich persönlich zu zwischenmenschlichen Beziehungen stehe und zur Liebe, wie sie die meisten sehen, wissen wir ja bereits. Ich finde Monogamie verlogen, ich halte nichts von Mann – Frau Beziehungen, die auf x Erwartungen und Ansprüchen basiert und aus dem Grundgefühl heraus jemanden zu brauchen entsteht. Ich bin keine die eine Familie gründen möchte. Auch bin ich keine, nicht mehr, die nach der Nase des Menschen tanzt die ich gernhabe. Denn an allererster Stelle stehe ich! Ich mit meinen Bedürfnissen, meiner Freiheit. Ich möchte weder wen haben der bedürftig ist, oder eine Seelsorgerin braucht, noch jemanden der Bemuttert werden muss oder jemanden der nach zwei Tagen ohne Kontakt schon an sich zweifelt.

Partnerschaft auf Augenhöhe

Denn in Beziehungen und Ehen ziehen Frauen immer den Kürzeren, wenn sie keinen Partner haben, der ihnen auf Augenhöhe begegnet und das tun leider die wenigsten. Also ja, auf sowas habe ich keine Lust, weil in meinen Augen das ganze Konstrukt «Liebe» einfach verlogen ist. Und ich gebe der Kirche die Schuld, diesem «…auf immer und ewig und bis das der Tod uns scheidet» hat so viel Schaden bei den Menschen angerichtet, es ist für so viel Unglück verantwortlich.

Wir können x Verwandte und Kinder lieben, aber wir sollten unsere romantische Liebe nur auf einen Menschen beschränken? Seit wann ist romantische Liebe ein Stück Kuchen, das weniger wird, wenn wir es mit 2 oder 3 Menschen teilen? Eben. Es ist nur das Ego, der Besitzanspruch und die eigene Angst, die manchem zu schaffen macht und ja, das gesellschaftliche Narrativ was uns seit x Jahrhunderten vermittelt wird. Plus die Unfähigkeit sich allein auszuhalten – so eine Lücke möchte ich bei niemanden schliessen müssen. Denn im Endeffekt entscheidet sich der Partner dann nicht wirklich für mich, so wie ich bin, ohne mich verändern zu wollen, (Stichwort: Bedingungslose Liebe), sondern idealisiert mich, wie er mich braucht, damit er nicht alleine ist. Bedingungslose Liebe habe ich nämlich in (monogamen) Beziehungen noch nie erlebt. Eher das komplette Gegenteil.

Macht über Frauen, auch in offenen Beziehungen 

Und klar, es geht um Macht, Macht über Frauen. Unvergessen meine letzte offene Beziehung, die mein damaliger Partner irgendwann so kommentierte, als ich alleine in Berlin war: «Musst du es so übertreiben, mit der Freiheit in unserer Beziehung?» Nein, klar nicht mein Schatz, sicher sitze ich zuhause, während du dich draussen amüsierst, mein Schatz!

Denn der Gedanke an freier Liebe und offene Beziehung klingt für fast alle Männer erstmal toll, doch wenn sie dann merken wie schwer es ist, im Gegensatz zur Frau, sexuelle Erfahrungen ausserhalb der offenen Beziehung zu machen, schwindet die Lust an der offenen Beziehung und entwickelt sich zu Frust. Eine Vereinbarung war nämlich, dass wir den Personen, mit denen wir etwas anfangen von der offenen Beziehung erzählen, der Fairness halber, nicht, dass sie sich falsche Hoffnungen machen. Männer liessen sich eher darauf ein wie Frauen, zumindest meine Erfahrung. Und wenn er doch mal «zum Zug» kam, dann auch nur, weil er den Frauen meine Existenz verschwieg und somit die offene Beziehung.

Viele stolpern auch über ihr eigenes Ego

Probleme bekommen manche in offenen Beziehungen auch mit dem eigenen Ego, Männer und Frauen, weil jeder und jede sich dann eingeladen fühlt die «Echtheit» der offenen Beziehung anzuzweifeln a la «Wenn ihr euch lieben würdet, würdet ihr nicht mit anderen schlafen!» Ja, was will ich noch dazu sagen? Sie sprechen meist aus ihrer Realität heraus, aus ihrem Weltbild. Für sie wäre das so. Für Menschen wie mich sind Liebe und Sex zwei verschiedene Welten. Wenn beides gemeinsam sich ergibt toll, wenn nicht, auch toll. In einer Beziehung kann man sich lieben, sich unterstützen, füreinander Dasein und sexuelle Kontakte nicht nur auf eine Person beschränken!

Perfekt zum Thema gerade, stiess ich auf den Artikel von Rona, der es sowas von auf den Punkt bringt. Hier ein kleiner Auszug:

„Auf der Suche nach der großen Liebe landen Menschen in destruktiven Beziehungen, lassen sich ihren Verstand einlullen, führen im Namen der göttlichen Liebe Kriege, halten über Jahre längst tote Verbindungen aufrecht, opfern sich auf, verausgaben sich, verraten sich. Natürlich werden auch sehr positive und kreative Leistungen im Namen der Liebe erbracht. Aber es liegt in der Natur des Menschen, kreativ und schöpferisch zu sein, mitfühlend zu sein, sich um andere zu kümmern und zu kooperieren.“

 

Quelle und ganzer Artikel hier

 

Merci nochmals Rona, für diesen tollen, differenzierten Artikel!

Und ja, sie hat Recht. Unvergessen der riesige Shitstorm auf Facebook als ich über offene Beziehungen schrieb, oder als ich die Mythen um die Liebe und die ewig glücklichen Ehen von unseren Grosseltern in chicer roter Farbe entzauberte. Wie wütend besonders die Frauen waren, es war schierer Wahnsinn. Ja, wer möchte schon seine Illusion zerstört sehen?

Doch so, wie das Rona beschreibt, hatte ich es noch nicht betrachtet, zumindest nicht in dieser tiefe. Denn ja, Sex ist toll, offene Frauen sind toll. Aber nur solange Männer das Gefühl haben sie hätten Kontrolle darüber. Alle die sich dieser Kontrolle entziehen werden degradiert, auch von Frauen. Wer kennt nicht den Ausdruck «Schlampe» für eine Frau, die ihre Sexualität offen auslebt? Am Land hast du als Frau den Ruf weg, wenn du in einem halben Jahr mit 2 Typen schläfst. Für euch getestet. Als Mann bist du der tolle Hecht. Ich bin so müde, so unglaublich müde von alle dem.

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8 Kommentare

  1. Sowas von auf den Punkt, Paula! Manchmal hat man das Gefühl ganz stark „glücklich“ sein zu müssen weil man ja jetzt endlich so einen netten Typen hat, da kann man ja schließlich auch auf seine eigenen Freiheiten verzichten. Und auf eigene Zeit und Grenzen sowieso!
    Wie ich das hasse wenn Menschen erwarten dass ich ihnen in einem Zeitfenster XY zurückschreiben muss weil sie sonst gleich den ganzen Anfang der Beziehung infrage stellen.

    Ganz im ernst – ich denke meistens steckt da wirklich ein unerfülltes Kindheitsbedürfnis dahinter. Ist ja auch in Ordnung – keine hat schließlich die perfekte Erziehung genossen. Aber diese Menschen sind für sich verantwortlich – und nicht das andere ihnen Bedürfnisse erfüllen. Wenn es jemanden triggert weil sich eine neue Bekanntschaft für ein paar Tage nicht meldet ist das eigentlich eine gute Information um bei sich selbst zu gucken: Oh warum beschäftigt mich das?

    Aber nein. Leichter es auf die andere Seite zu schieben. Dieser Besitzanspruch an Menschen ist widerlich. Hat auch nicht unbedingt was mit Geschlechtern zu tun. Ich kenne das von beiden Seiten.

    Und ich muss mal eine Lanze für meinen Mann brechen der mir völlig meine (sexuelen) Freiheiten und Allein-Zeiten lässt. Aber auch das war nicht von Anfang an so. Und ja es gibt sie, die liebenden, monogamen Beziehungen. Ich kenne persönlich nur eine und in der wird extrem viel offen geredet und Bedürfnisse geklärt. Friede, Freude, Eierkuchen gibt´s sowieso in keiner Beziehungsform.

    Alles Liebe
    Jessica

    1. Paula Deme says:

      Lieben Dank, Jessica!

      Ja, ganz stark happy und dankbar, dass sich jemand erbarmt, du sagst es. Ja, das hinterfragen der eigenen Gedanken und Handlungen bedarf einer gewissen Reife. Und ich denke die war in meinem Fall nicht gegeben. Und das ist in vielen anderen Fällen auch nicht gegeben.

      Ja, das gibt es sicherlich bei Frauen auch, aber ich überlass es den Menschen, die davon betroffen sind darüber zu schreiben.

      Danke dir für deine Offenheit!

      Komm gut durch die Woche,

      Paula

  2. Ich lebe seit über 30 Jahren in einer monogamen Beziehung. Wir haben uns aber beide vorher ordentlich „die Hörner abgestoßen“. (Blöder Ausdruck, ich weiß. Mir ist gerade nix besseres eingefallen.)
    Was ich an unserer Beziehung so schätze ist, dass wir uns 99 Prozent aufeinander verlassen können. Ich mag diese emotionale Sicherheit, in der wir leben. Und mein Mann anscheinend auch.
    Aber jeder Mensch ist anders. Jedes Paar auch. Solange sich beide einig sind, wie sie die Beziehung gestalten, ist alles OK.
    LG
    Sabiene

  3. Paula, Du hast es wie immer auf den Punkt gebracht. Nur – es gibt auch Frauen die total ausrasten wenn Mann nicht sofort antwortet.

    1. Paula Deme says:

      Über diese Frauen darfst du dann schreiben 😉

  4. says:

    Hallo Paula,
    in einigen Punkten stimme ich dir zu.
    Allerdings finde ich den Artikel sehr männerfeindlich und man liest deutlich heraus, dass du mit Männern schlechte Erfahrungen hattest und ihnen gegenüber negativ eingestellt bist.
    Das finde ich schade.
    Auch werden Frauen in dem Artikel als Opfer des Patriarchats dargestellt.
    Es gibt auf der anderen Seite genug Männer, die unter der Fuchtel ihrer Frau stehen.

    Ich mag viele deiner Gedankengänge, doch bei dem Mann-Frau-Thema ist mir das zu einseitig.

    Abgesehen davon bin ich der Meinung, dass bei der Partnerwahl beide gleich viel Verantwortung tragen. Wenn man also Idioten in sein Leben lässt, dann trägt man auch die Verantwortung dafür. 🙂

    1. Paula Deme says:

      Hallo Conni

      Ich berichte über meine Erfahrungen, nicht mehr nicht weniger. Würden sich die Herrn der Schöpfung besser benehmen, könnte ich anders berichten.
      Ich werde nichts beschönigen, weil es nicht das ist was ich erlebe. Für die Einseitigkeit kann ich nichts, ich habe nun mal keine Erfahrung wie es ist unter der Fuchtel einer Frau zu stehen. Da musst du wohl den Blog eines Mannes lesen.

      Ich lasse keine Idioten mehr in mein Leben. Darum gehts ja in dem Beitrag.

      Danke für dein Feedback.

    2. Paula Deme says:

      Männerfeindlich – spannend wie du das siehst, wenn eine Frau über ihre schlechten Erfahrungen mit Männern schreibt.

Mich interessiert deine Sichtweise zum Thema!

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