Fuck it! Tue es!

Singend und tanzend durch den Donnerstagmorgen 

Ich kam heute morgen nachhause und bel├Ąstigte erstmal die gesamte Nachbarschaft mit meinem schiefen Gesang. (Nein, ich habe nichts getrunken) Selbst der Nachbar vom Haus gegen├╝ber schielte schon neugierig in mein Zimmer. Was er durch sein Fenster auf der gegen├╝berliegenden Strassenseite sah, war eine tanzende und singende Frau. Seltener Anblick an einem Morgen, um 08:00 thats for sure. Erst vor paar Tagen wechselte ich auch jahrelanger Treue von iTunes zu Spotify und, das Ergebnis ist eine sehr sehr gl├╝ckliche Paula. Ich w├╝nschte heute, ich h├Ątte diesen Schritt schon viel l├Ąnger gewagt.

Schreibtisch vs. Regal 

Seit zwei Jahren ├Ąrgerte mich der Schreibtisch in meinem Zimmer. Ich konnte noch so sehr versuchen Ordnung auf ihm zu halten, nach zwei Tagen sah es aus, als w├Ąre eine Bombe darauf explodiert. „Aber du brauchst doch einen Schreibtisch, wo du darauf arbeiten kannst…“ hiess es immer. Tja. Brauche ich nicht. Ich sass an diesem Schreibtisch hochgerechnet 4-5 Stunden-in zwei Jahren. Wenn ich schon einen Tisch brauche, dann ist es der in der K├╝che, auf dem l├Ąsst es sich auch sehr gut arbeiten UND ich bin nur ein paar Meter weit weg vom Essen. Wenn das mal kein Riesen Vorteil ist?! Ausserdem liebe ich es im Bett zu fr├╝hst├╝cken und dort gleich sitzenzubleiben zum Schreiben. Das Klapptischlein f├╝r das Bett ist einfach grandios!

Well, nun habe ich ein Regal und kein Schreibtisch mehr, und ich k├Ânnte nicht gl├╝cklicher dar├╝ber sein! Why the hell habe ich so lange gewartet?

Nackedei

Auch mit den Social Media Profilen ist das so eine Sache. Ich war ja keine die ihren K├Ârper in die Kamera hielt. Ich war ja bis ein paar Monaten 2 Jahre ├╝berhaupt nicht mehr online. Warum eigentlich? Was gab es da gross zu verstecken? Ehrlich gesagt wollte ich nie die Masturbationsvorlage f├╝r irgendwen sein, doch wir wissen alle, dass Frau daf├╝r nicht mal wirklich nackt sein muss. Die Creepansammlung seitdem h├Ąlt sich moderat in Grenzen – ich f├╝hle mich irgendwie befreit. Denn ich m├Âchte online nicht nur K├Ârper von perfekten Models sehen, sondern, wenn ├╝berhaupt, von ganz normalen Frauen. Ob man seinen K├Ârper ├Âffentlich zur Schau stellen muss? Well, why not? Jede, so, wie es ihr gef├Ąllt. Am Ende des Tages ist es nur ein K├Ârper, es spielt keine Rolle ob man das Gesicht sieht, den Hals, die Beine oder den Bauch. Wenn ihr andere Gedanken bei nackten Frauenk├Ârpern habt: H├Ârt auf den weiblichen K├Ârper zu sexualisieren- so einfach ist das. W├Ąhrend M├Ąnner ohne Probleme oben ohne sein k├Ânnen, d├╝rfen Frauen ihre Nippel im Netz nicht zur Schau stellen – weil Nippel ist ja nicht gleich Nippel, nee?!

Bye Stress, Hallo Leben! 

Auch den Job als Gruppenleiterin, der mich zum Ende hin nur noch gefordert hat, aber kaum etwas zur├╝ckgab, habe ich an den Nagel geh├Ąngt. Das h├Ątte ich schon viel fr├╝her tun sollen, als ich merkte ich gebe 150% in alle Richtungen und die Wertsch├Ątzung bel├Ąuft sich auf ein Minimum, also alles wie immer in der Kinderkrippe. Daf├╝r suchte man verkrampft immer das Haar in der Suppe und erkannte logische Zusammenh├Ąnge nicht. Byyye Kita! Du siehst mich nie nie nie wieder.

Zwei ehemalige Kolleginnen aus anderen Kitas sind mit Burnout seit Monaten zuhause, soweit wollte ich es nicht kommen lassen. Zu oft haben sich Situationen ereignet in den letzten Monaten, in denen ich so verstreut war, als h├Ątte ich ein paar Tage schlaflos auf einem Festival verbracht, mich kaum noch konzentrieren konnte, meine Periode eine Woche zu sp├Ąt kam und mich Schlafst├Ârungen plagten. Schon mal mit 2.5 Stunden – 5 Stunden Schlaf ├╝ber Wochen eine Kindergruppe von 12 Kindern gef├╝hrt? Und dazu noch penetrante Kopfschmerzen gehabt, aufgrund von PMS? Not worth it. Jeder ist ersetzbar, ├╝berall. Auch ein Job. Vier Wochen Ferien haben es gerichtet, auch jetzt arbeite ich Teilzeit – weil ich nicht mehr 100% arbeiten muss.

Nun bin ich wieder als Nanny unterwegs, (Krisensicherer Job, bessere Bezahlung, less Stress, besonders in der Pandemie, wenn alle vor der n├Ąchsten Quarant├Ąne und eventuellen Schulschliessungen bibbern) meine Coachingausbildung ist in vollem Gange und ich bin so gl├╝cklich und entspannt, wie seit langem nicht mehr. Denn auch an mir ging die Pandemie nicht spurlos vorbei. Die massiven Einschr├Ąnkungen, das nicht abschalten k├Ânnen, haben mich schon etwas mitgenommen, der fehlende zwischenmenschliche Kontakt privat, stattdessen Stress und st├Ąndig unzufriedene, n├Ârgelnde Eltern in der Arbeit. Danke f├╝r nichts. Ich bin es leid zu h├Âren, dass man sich als Erzieherin durchbeissen muss, dar├╝ber hinwegsehen muss, dem├╝tig und dankbar sein muss und immer mit einem L├Ącheln (und selbstverst├Ąndlich voller Empathie) sich jeden M├╝ll von allen Seiten geben muss w├Ąhrend man mit Arbeit zugedeckt wird, dass selbst ein 16 Stunden Tag daf├╝r nicht ausreichen w├╝rde.

Meine wertvollen Ressourcen und ich, wir gehen nun andere Wege.

Fuck it, tue es einfach! 

Was haben diese Situationen miteinander? Ich sagte mir: Fuck it, tue es! denn ich hatte schon viel zu lange gewartet. Aus Bequemlichkeit, aus Gewohnheit, bisschen Angst, Hoffnung, dass es besser wird war auch dabei und der eigene Perfektionsanspruch. Nur eben, das l├Ąhmt immens und dann tut frau gar nichts wirklich, ausser passiv abwarten und immer ungl├╝cklicher werden.

So wie mir geht es vielen Menschen. Menschen, die in ungl├╝cklichen Beziehungen bleiben, aus emotionaler Abh├Ąngigkeit, oder weil sie Angst haben vor dem was kommt. Menschen, die unter die R├Ąder kommen, weil sie nicht ├╝ber ihren Schatten springen k├Ânnen, um Eigenverantwortung zu ├╝bernehmen. Menschen, die ihre Gesundheit gegen die Wand fahren, wegen, dem bisschen Anerkennung, f├╝r ihre Arbeit und so weiter. Menschen, die sich erniedrigen lassen, weil sie glauben sie haben keine richtige Liebe verdient.

Wir haben nur ein Leben, wir haben nur eine Gesundheit. Auf was warten? Warum warten? Auf was genau? Fuck it, tue es jetzt! Leben heisst Ver├Ąnderung, jeden Tag! Habt genug Selbstrespekt und Selbstachtung, um euch von allem fernzuhalten, dass euch nicht guttut! Es warten noch so viele sch├Âne Momente auf uns alle, wie sollen wir diese erleben, oder Wahrnehmen, wenn wir an dem alten festhalten, dass uns nicht gut tut? Lass los, dann hast du die H├Ąnde frei f├╝r die Magie die noch kommt!

 

Diesen Beitrag widme ich meiner Freundin S. Du bist stark. Du schaffst das!

 

 

 

 

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2 Kommentare

  1. hallole aus dem ruhrgebiet.
    dieser text ist sehr gut geeignet f├╝r mich. vielen dank! auch ich bin bequem und feige. wechsle seit jahrzehnten nicht heraus aus der p├Ądagogik und mache immer weiter im trott. und das f├╝r super wenig geld, nettes feedback, belohnungen. nun werde ich gleich noch mal lesen und dann gehts los! ich kann es ├Ąndern. alles!

    • Paula Deme

      Liebe Sonja!

      Du kannst es! Viel Erfolg! Und lass mich wissen wohin dein Weg dich f├╝hrt! ÔŁĄ´ŞĆ

Mich interessiert deine Sichtweise zum Thema!

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