┬źIhr seid so mutig, wie ihr den Laden am Laufen haltet. Andere gehen ja vor lauter Angst nicht mehr in die Arbeit, toll wie ihr das macht, danke!┬╗

Was sicher gut gemeint war, war doch eher ein Schuss in den Ofen. Denn mutig, mutig sind wir gar nicht, weil wir in die Arbeit m├╝ssen. Denn wir sind nun offiziell ┬źsystemrelevant┬╗ und d├╝rfen die Krippen gar nicht schliessen, w├Ąhrend Kindergarten und Schule schon lange ihre Tore geschlossen haben und klare Anweisungen vom Bund erhalten haben. Bei uns hingegen werden Empfehlungen ausgesprochen und die Gemeinden sind zust├Ąndig. Vereinzelt haben st├Ądtische Horte offen, um eine Notbetreuung zu garantieren. W├Ąhrend bei uns auch nicht relevante Berufsgruppen ihre Kinder noch in die Krippe bringen d├╝rfen, da Herr Golta es nicht f├╝r n├Âtig h├Ąlt da ein Verbot auszusprechen.

┬źFunktionieren zum Wohle aller┬╗ Aha.

┬źEs ist wichtig, dass die Kitas jetzt noch funktionieren, zum Wohle aller.┬╗ sagte er gegen├╝ber dem Tagesanzeiger, dabei vergisst Herr Golta, dass Kitas so wie sie waren und nun sind nur bedingt ┬źfunktioniert┬╗ haben, zum Wohle aller! Vergessen sind schlechte L├Âhne, unm├Âgliche Anforderungen an das Betreuungspersonal von allen Seiten und der unzureichende Personalschl├╝ssel, von regelm├Ąssigen unangek├╝ndigten Kontrollen – zum Wohle aller- ganz zu schweigen! Und nun halten wir den Kopf hin, unsere Gesundheit und die unseres Umfeldes, jonglieren flexibel mit Anforderungen und Organisation, zum Wohle aller, w├Ąhrend wir Angst um unsere Arbeitspl├Ątze haben und unsere Existenzen, zum Wohle aller – nur nicht zu unserem eigenen. Wie immer: Danke f├╝r nix.

Wir m├╝ssen offenlassen, denn ohne uns bricht das System (welch eine ├ťberraschung, eine absolut brandneue Erkenntnis! Ironie off.) offensichtlich zusammen. Wir k├Ânnten in die Kurzarbeit, k├Ânnten die ├ľffnungszeiten ver├Ąndern, aber ohne, dass sich irgendwer benachteiligt f├╝hlt wird es nicht gehen.

Massnahmen des Bundes kaum umsetzbar

Mit Mut hat das also wenig zu tun, wenn wir uns jeden Tag mit den ├Âffentlichen Verkehrsmitteln in die Arbeit begeben. ├ťber 2 Meter Abstand, k├Ânnen wir nur lachen, denn habt ihr schon mal probiert Kinder zu betreuen UND 2 Meter Abstand zu halten? Der Bund gibt was Kinderkrippen anbetrifft lediglich ┬źEmpfehlungen┬╗ an die Eltern. Was das bedeutet wissen wir alle. Und dann kommen noch die diversen Anspr├╝che einzelner Personen hinzu, die den Ernst der Lage allen Anscheins noch nicht ganz begriffen haben.

Kinderbetreuerinnen und Kinderbetreuer sind keine unbesiegbaren Wesen

Ich habe seit heute Kopf- und Gliederschmerzen, Halsweh. Ob das vom Stress kommt, von der Anspannung, oder ob ich krank werde weiss ich nicht. Ich male mir aber aus, wie das w├Ąre, w├╝rde ich mir den Virus eingefangen haben. Was das f├╝r alle bedeuten w├╝rde, von Kindern, Eltern, Mitarbeitern, mein und ihr Umfeld. Wie viele ich bereits angesteckt h├Ątte, bis es zum Ausbruch kommt. Wenn es ├╝berhaupt zum Ausbruch kommt. Mutig? Mutig sind die Leute, die glauben wir Kinderbetreuerinnen w├Ąren ausserirdische Wesen die immun sind gegen Viren & Co.

Aber was bleibt uns ├╝brig? Wie das ganze finanziert werden soll, falls wir schliessen m├╝ssen, weiss ich pers├Ânlich nicht. Ich weiss aber, dass viele nun ├ťberstunden abbauen, damit man irgendwie ├╝ber die Runden kommt und die finanziellen Einbussen nicht zu deftig werden. Denn Kitas schwimmen nicht im Geld, die R├╝cklagen werden nicht ├╝berall f├╝r ein paar Monate reichen. Ganz im Gegenteil. ┬áWas Kinderbetreuerinnen und Kinderbetreuer der Trotzphase anonym erz├Ąhlen ist haarstr├Ąubend und hier nachzulesen auf Facebook oder auf Instagram.

Ich bin extrem m├╝de in den letzten Tagen. Es kostet viel Kraft den Kindern die heile Welt erhalten zu wollen. Es kostet sehr viel Kraft mitanzusehen, wie man uns wieder vergisst, wenn man f├╝r Menschen aus dem Gesundheitswesen, Lebensmittelbereich usw. Respekt und Dankbarkeit klatscht. Denn ohne uns, k├Ânnten die wenigsten ihrem ┬źsystemrelevanten┬╗ Beruf nachgehen und anderen helfen. Unsere Arbeit ist n├Ąmlich unsichtbar, wir produzieren nichts, wir generieren keinen Umsatz.

 

┬źWir betreuen nur Kinder.┬╗

 

Ihr braucht nicht f├╝r mich klatschen, denn von dem klatschen bezahle ich meine x Arztrechnungen nicht, weil ich st├Ąndig beim Arzt sitze, wie letztes Jahr. Weil Eltern ihre kranken Kinder in die Kita brachten und uns Geschichten erz├Ąhlten wie ┬źDas ist nichts ansteckendes!┬╗ ┬źEs hatte heute morgen kein Fieber!┬╗ ┬źDer andauernde Durchfall kommt von der Lebensmittelunvertr├Ąglichkeit!┬╗

Die Frauen und M├Ąnner in diesem Beruf k├Ânnten ganze Enzyklop├Ądien f├╝llen, mit solchen Geschichten. Von klatschen kann weder ich noch sonst wer seine Miete zahlen, oder seine Lebensmittel. Mir w├Ąre lieber, ihr alle unterst├╝tzt uns bei unseren Forderungen von besseren Arbeitsbedingungen und besserer Bezahlung. Mehr Anerkennung und Wertsch├Ątzung. Finanzierungen von Kitas, und Unterst├╝tzung von Eltern, nicht nur durch bezahlen von Subventionen, besonders in dieser Situation.

Denn f├╝r die Wirtschaft hat man schnell mal ein paar Milliarden Franken locker gemacht. Die Eltern zahlen gerade f├╝r Pl├Ątze, die sie nicht nutzen, warum wird da nicht finanziell unter die Arme gegriffen? Wo bleibt da die Hilfe? Finanzielle Hilfe wurde zwar vom Bund versprochen f├╝r die Kitas, doch so wie ich es verstanden habe sind es Kredite, die vergeben werden. Doch wer nimmt nun einen Kredit auf, wenn er nicht weiss wie es weitergeht, wie lange das noch alles geht und Angst haben muss, dass die ersten Eltern ihre Vertr├Ąge k├╝ndigen, um sich nach privaten L├Âsungen umzusehen?

 

Erkrankungen: 8836 Personen
Verstorben:
86 Personen

Quelle: BAG