«Geht es noch lange?» «Wie lange noch?» «Siiiiiinnnd wir schon daaaaa?» Das sind nicht einfach Fragen die Kinder stellen, wÀhrend man mit ihnen unterwegs ist, nein. Das sind Fragen, die auch gerade sehr aktuell sind. Experten sprechen davon, dass diese Pandemie bis zu zwei Jahre andauern kann. Zwei. Ganze. Jahre!

«Das Robert Koch-Institut stuft die RisikoeinschĂ€tzung fĂŒr Menschen als „hoch“ ein, nach EinschĂ€tzung seiner Experten könnte die Pandemie bis zu zwei Jahre dauern. Virologen gehen davon aus, dass binnen zwei Monaten elf Millionen Deutsche infiziert sein könnten.»

Quelle: Zeit

Manchmal denke ich mir, dass alles nur ein schlechter Traum ist, aus dem ich bald erwache, doch das dachte ich bei Trump auch. Also ja, was tun? Schritt fĂŒr Schritt gewöhnen wir uns an die neue RealitĂ€t. Wie gestern bereits geschrieben, hatte ich ein schlechtes Gewissen, bei dem Gedanken daran einen Spaziergang alleine zu machen. Ich denke, jetzt wo das Wetter noch grauenhaft ist stört es mich wenig. Doch der FrĂŒhling steht vor der TĂŒre, der Sommer ist zum greifen nah.

 

Zwei Jahre

An den Gedanken muss ich mich erstmal gewöhnen. Mir ist bewusst, dass andere Menschen wirklich schlimmere Probleme diesbezĂŒglich haben und mein Denken um evtl. zwei Sommer, die nicht nach meinem Gusto laufen werden sehr egoistisch ist, aber ich schreibe hier nur ĂŒber mich, meine Empfindungen, nicht im Namen aller. NatĂŒrlich habe ich auch Hoffnung, dass es schneller vorbei ist, doch stelle ich mich lieber mental auf ein Worst-Case-Szenario ein, um mich positiv ĂŒberraschen zu lassen, wenn das Gegenteil eintritt.

Protipp: Keine LektĂŒre zur letzten Pandemie lesen, wenn ihr ruhig schlafen wollt.

Ob wir uns auch an geschlossene Grenzen gewöhnen mĂŒssen? Daran, dass wir am Wochenende zuhause bleiben mĂŒssen, statt unsere Freunde zu treffen? Kein Kino, kein Restaurantbesuch- unser soziales Leben wird sich online abspielen. FĂŒr einige Ă€ndert sich also kaum was, die Introvertierten werden kaum MĂŒhe haben zuhause zu bleiben.

Und auch ich bin dem ganzen nicht abgeneigt, denn extrovertiert bin ich nur im Sommer – aber 2 Jahre? Auf der anderen Seite hĂ€tte ich genĂŒgend Zeit die BĂŒcher, die ich angefangen habe zu schreiben. All die Projekte in meinem Kopf auf Papier zu bringen. Nicht nur, dass wir unser Freizeitverhalten umstellen mĂŒssen, auch unsere Arbeit wird in nĂ€chster Zeit eine andere sein. Selbst wir in der Kita stellen nun so einiges um, um den Kontakt zu den Kindern, die zuhause sind, nicht zu verlieren. Alle PlĂ€ne der letzten Wochen fĂŒr die kommenden Wochen, vielleicht Monate mĂŒssen ĂŒber Bord geworfen werden. Neue Strategien entwickelt werden.

Oh, the irony here

Und ist es nicht Ironie des Schicksals, dass ich in einer Diktatur geboren wurde, mit geschlossenen Grenzen und leeren Regalen und das gleiche im Jahr 2020 im reichsten Land der Erde erlebe? Ja, was letztes Jahr noch geklungen hÀtte wie ein schlechter Witz, ist nun RealitÀt. Und doch möchte ich das Beste daraus machen, denn wir alle wissen wie sehr Zeit sich zieht, wenn wir auf etwas warten. Ob es nun 2 Minuten sind, oder zwei ganze lange Jahre, im schlimmsten Fall.

WÀhrend ich und andere in den Genuss aller möglichen Entertainment Möglichkeiten zuhause kommen, sterben an den Grenzen zu Europa Menschen.

«Es ist untergegangen, wie auch nicht, in all den Nachrichten dieser Tage: Sehr viel weist darauf hin, dass griechische Polizisten in den letzten Wochen mehrere Menschen an der Grenze zur TĂŒrkei getötet haben. Es ist nur eine Facette einer flĂ€chendeckenden Entrechtung von FlĂŒchtlingen in Griechenland in diesen Wochen.

Und die EU? Sie mĂŒsste ihr eigenes Recht durchzusetzen, das die FlĂŒchtlinge schĂŒtzen soll. Doch ein Verfahren gegen Griechenland wird es nicht geben. Man sei sich „der schwierigen Situation“ auf den Inseln bewusst und versuche sie zu bessern, hieß es dazu nur am Donnerstag aus BrĂŒssel. Denn wir haben jetzt eigene Sorgen.»

Quelle: TAZ

 

Schutzlos dem ganzen ausgeliefert, nicht nur im Ausland

Selbst in der schönen Schweiz wird in den Asylzentren wohl wenig «Social Distancing» möglich sein, oder in FrauenhĂ€usern. Weiter sind Menschen in Gefahr, fĂŒr die das Zuhause kein sicherer Zufluchtsort ist, ich kenne das nur all zu gut.

Die Stadt hat immerhin die Notschlafstellen auf 24 Stunden Betrieb umgestellt, doch wie wird die Gesundheit der Menschen vor Ort geschĂŒtzt, die Menschen, die dort leben und arbeiten mĂŒssen? Auch die Kitas haben solange offen, bis wir andere Weisungen bekommen. Wird es bald Tests geben, fĂŒr uns Menschen, die an der Front stehen? Denn das wird oft vergessen: Was bringt der beste Schutz, und die QuarantĂ€ne der anderen, wenn wir TrĂ€ger sind, die tĂ€glich im Kontakt zu anderen stehen?

Zeit

Ob ich in Kurzarbeit gehe oder nicht, ist mir gleich, wenn ich mich anstecke, dann ist das so. Ich bin gesund und habe eine Chance zu genesen. Ich werde mein Bestes tun um die Menschen um mich herum zu unterstĂŒtzen. Ich mache mir einfach Sorgen, wenn das wirklich so lange anhalten wird, wie es fĂŒr uns alle weitergeht, wie die Ressourcen in den KrankenhĂ€usern aufgeteilt werden, was aus den ganzen Existenzen wird, wie man das alles finanziert bekommt.

Nur die Zeit wird es zeigen. Zeit die fĂŒr uns und auch gegen uns arbeitet. Bis ein Impfstoff gefunden wird können im schlimmsten Fall Jahre vergehen, die WHO spricht von 18 Monaten, im besten Falle. Doch dann muss das ja alles noch getestet werden. Es ist eine belastende Situation fĂŒr alle, doch vor allem fĂŒr die Menschen, die kein warmes zuhause haben und all die Vorteile eines Systems haben wie wir in Europa. Ich fĂŒhle mich machtlos, gerade lĂ€uft im Radio Always Look on the Bright Side of Life“

Das erinnert mich an ein Zitat von Fred Rogers:

“When I was a boy and I would see scary things in the news, my mother would say to me, „Look for the helpers. You will always find people who are helping.”

Nur bin ich in diesem Fall dieser Mensch, der hilft, was gibt mir Hoffnung?

 

Positiv getestete ErkrankungsfÀlle: 8060 Personen

Verstorben: 66 Personen

 

Quelle: BAG