Freundschaften Gastbeitrag Gesellschaft

Frauenfreundschaften

GASTBEITRAG

Es beginnt schon mit einem Wort, das fĂŒr mich fast wie Hohn klingt. Frauenfreundschaften! Ist das in unserer heutigen Zeit ĂŒberhaupt noch möglich?

Die Frauen, die ich in den letzten zwanzig Jahren kennengelernt habe, wurden zuerst von mir in den Himmel erhoben und schlussendlich fand ich mich nach jeder Frauenfreundschaft am Boden zerstört wieder. Warum nimmt eine Frauenfreundschaft fĂŒr einen gewissen Zeitraum so viel Platz ein und hinterlĂ€sst dann ein grosses Loch der EnttĂ€uschung? Warum können Frauen keinen offenen Umgang miteinander pflegen, einander die Wahrheit sagen und offen miteinander konkurrieren?

Bei MĂ€nnern geht das! Wenn ich ehrlich sein darf, dann kommt in mir eine gewisse Eifersucht auf, wenn ich an meinen Mann und seine MĂ€nnerfreundschaften denke. Die laufen nĂ€mlich eindeutig besser als meine Frauenfreundschaften. Bei Meinungsverschiedenheiten wird diskutiert, KonkurrenzkĂ€mpfe werden offen ausgetragen und es herrscht eine Leichtigkeit, die in einer Freundschaft immer wĂŒnschenswert ist. Sportliche AktivitĂ€ten machen Spass, egal wer was besser kann und Pokerabende gehen bis in die frĂŒhen Morgenstunden. Letzte Woche hat mein Mann fĂŒr seine Pokerfreunde gekocht. Ich war beeindruckt, wie viel Aufwand er betrieben hat. Und seine Kumpels konnten sich echt glĂŒcklich schĂ€tzen! Dazu kommt, dass er zum fĂŒnften Mal hintereinander die Pokerrunde gewonnen hat und keiner seiner Kumpels nimmt ihm das ĂŒbel. Sie treffen sich weiter einmal im Monat und geniessen die Zeit zusammen.

Ganz ehrlich – ich glaube nicht, dass das unter Frauen auf Dauer möglich ist. Das gekochte Essen wird zwar nach aussen dankend verzehrt, aber hinter dem RĂŒcken der Gastgeberin wird dann abgelĂ€stert und zwar in jedem Fall. Wenn es gut schmeckt dann kommt «Ach, sie kriegt einfach alles hin! War ja auch nicht anders zu erwarten!» oder wenn es nicht schmeckt dann kommt «Das schmeckt ja fĂŒrchterlich! Wie kann sie uns nur so einen Frass vorsetzen?» Geht etwas daneben, dann heisst es: «Sie war wahrscheinlich nicht organisiert genug und jetzt hat sie den Salat!» Es ist eigentlich völlig Wurscht, was Frauen machen. Eins ist aber immer sonnenklar. Frauen lĂ€stern ĂŒber andere Frauen!

Ich hatte vor zwei Jahren einen Aha Moment, als ich mit zwei Frauen sehr eng befreundet war. Beide haben mich wĂ€hrend meiner Ausbildung und SelbststĂ€ndigkeit super unterstĂŒtzt und dafĂŒr bin ich ihnen heute noch sehr dankbar. Eine der beiden fing plötzlich an, ĂŒber die andere zu schimpfen. Besser gesagt ĂŒber ihre Töchter. Ich fand das ziemlich befremdlich und habe gar nichts dazu gesagt. Ein paar Stunden spĂ€ter wurde ich Zeuge, wie genau diese Freundin von der anderen Freundin beschenkt wurde. Was hatte sie vor ein paar Stunden ĂŒber sie und ihre Töchter gesagt? Und jetzt wird sie ausgerechnet von dieser Frau beschenkt? Ich habe mich da rausgehalten und vielleicht war das ein Fehler. Heute sind die beiden nĂ€mlich ziemlich dicke miteinander und ich bin aussen vor. Herzlichen Dank auch!

Ich bin mĂŒde, enttĂ€uscht und traurig darĂŒber. Den naiven Gedanken, dass Frauen untereinander ehrlich und offen sein können habe ich noch nicht ganz aufgegeben. Vielleicht habe ich nur noch nicht die richtigen Frauen getroffen.

 

 

FĂŒr dich vielleicht ebenfalls interessant...

2 Kommentare

  1. Du hast die falschen Frauen getroffen. Meine Frauenfreundschaften gibt es schon seit 10 bis zu 40 Jahren. Wir kĂŒmmern uns umeinander, sagen wenn nötig ein paar Wahrheiten und sind fĂŒreinander da. Keine meiner Freundinnen ist eine LĂ€sterschwester. Wenn ich Frauen kennenlerne, lasse ich keine Freundschaft daraus werden, wenn sie mir zu oberflĂ€chlich vorkommen. Solche janusköpfigen Menschen, wie du sie hier beschrieben hast, braucht keiner.
    Ich wĂŒnsche dir, dass du gute Freundinnen findest.
    LG
    Ina

  2. says:

    Also ich denke schon, dass es diese Art von Freundschaften gibt. Aber diese zu finden, ist um einiges schwerer als es fĂŒr die MĂ€nner ist. Woran das liegt? Eine gute Frage. Vielleicht mit unserer Erziehung. Die vielen Dinge die unbewusst anerzogen werden. Es jetzt genau zu definieren fĂ€llt mir selbst schwer, aber ich glaub‘ das sehr viel daran liegt.

    Ich drĂŒck‘ dir die Daumen, vielleicht doch mal solche Frauen kennenzulernen. Man weiß ja nie.

Mich interessiert deine Sichtweise zum Thema!

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darĂŒber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.