Jein?!

 

Soll ich’s wirklich machen, oder lass` ich’s lieber sein?

Allen ├╝ber 30 werden diese Zeilen nur allzu bekannt vorkommen!

Ich entdeckte das Lied 1998, zwei Jahre nachdem es 1996 ver├Âffentlicht wurde. Und als w├Ąre es erst gestern gewesen, sehe ich mich in dem Partykeller meiner damaligen besten Freundin. Ich war 15 Jahre alt und hatte eigentlich einen Freund. 

Allerdings gab es da jemanden der mir sehr gut gefiel, dummerweise war er, der Cousin von meinem Ex-Freund, und ein guter Bekannter meines aktuellen Freundes gewesen. 

Lange Rede kurzer Sinn: Der Song lief, tiefe Blicke flogen durch den Raum, es lag wortw├Ârtlich etwas in der Luft. Und dass mein Freund fr├╝her gehen musste kam mir nur gelegen. So ging ich mit dem Jungen meiner Begierde von der Party, da wir beide in die gleiche Richtung heimmussten. Und ich weiss wie das nun klingt, aber ich verspreche euch hoch und heilig, dass es sich genau so zugetragen hat. 

Es fing an zu regnen, wir stellten uns unter und fingen an rumzuknutschen. Glaub das ging eine Stunde lang so und es war so ein sch├Ânes, intensives Erlebnis, dass ich mich sogar heute, 20 Jahre sp├Ąter an dieses Gef├╝hl erinnere. Ehrlich wahr, ich habe es nie bereut mich f├╝r das Entschieden zu haben. 

Ich hatte mich sogar sehr schnell entschieden. 

Bitte keine Diskussion wie scheisse fremdgehen ist, ich habe eine sehr lockere Beziehung zu Monogamie. Das weiss nun jeder, der mich kennenlernt.  

Etwas, das mir dieses Jahr irgendwie abhandengekommen ist, dieser Wille mich zu entscheiden. Dabei hatte ich nie Angst vor Entscheidungen. Manche waren sogar richtig, richtig dumm. Trotzdem nie etwas bereut. Doch wie es scheint bin ich dieses Jahr bequem geworden. Ja, das ist es. Bequemlichkeit l├Ąhmte mich. 

Die liebe Unentschlossenheit 

F├╝hre ich diesen Blog weiter, oder nicht? F├╝hre ich den Podcast weiter, oder nicht? Bleibe ich in der Kita, die mir nicht zusagt, oder nicht? Fange ich endlich das Studium an, oder nicht? Bleibe ich weiterhin ohne Social Media (Facebook, Instagram, WhatsApp, Snapchat, YouTube) oder breche ich ein unter dem Druck meiner Umwelt ein? Fliege ich nach Amerika, oder nicht? F├╝hre ich Freundschaften aus der Vergangenheit weiter, obwohl sie mir nicht zusagen, oder nicht? 

Das und viele weitere Fragen haben mich in diesem Jahr gel├Ąhmt. Ja, ernsthaft. Denn wer sich nicht entscheidet, der schiebt etwas auf die lange Bank, schiebt Verantwortung von sich weg und verharrt in einer Starre. Dabei bin ich ein grosser Fan von Entscheidungen treffen. (Gibt es das Wort „Fan“ auch in weiblicher Form?)  Ich glaube jedoch, wenn man zu viele Entscheidungen auf einmal treffen muss, dass es dann trotz der ganzen Liebe f├╝r vorw├Ąrts machen einfach nicht vorw├Ąrtskommt. Und gerade, weil ich gewartet habe und gar keine Entscheidung getroffen habe, haben sich diese x Fragen gesammelt, die Entscheidungen wurden immer mehr, was immer mehr zum Stillstand f├╝hrte. Aber keineswegs zur Zufriedenheit. Ganz im Gegenteil.

Wer sich vor Entscheidungen dr├╝ckt wird unzufrieden. Und unzufrieden sein, das mag ich ├╝berhaupt nicht. Ein Teufelskreis entstand. Ich hatte morgens schon das Gef├╝hl alles und jeden zu hassen. Dabei hasste ich mich. F├╝r meine Unf├Ąhigkeit. Und ja, auch ein wenig meine Mitmenschen, f├╝r dich ich tagt├Ąglich mitdenken und mitplanen musste, aber das ist eine ganz andere Geschichte, die nun zum Gl├╝ck bald vorbei ist.  

Und auch jetzt versp├╝re ich eine gewisse Abscheu euch nur ├╝berhaupt von meinen ganzen Beklemmungen zu berichten. Ich hatte es ja schon fr├╝her angedeutet, dass die Phase, mich im Internet „nackt zu machen“ was mein Innerstes anbetrifft oder mein Privatleben, ja irgendwie vorbei ist. Andererseits habe ich so viele tolle Menschen kennengelernt ├╝ber diesen Blog und an so vielen tollen Projekten mitarbeiten d├╝rfen, und so viel positives Feedback erhalten, dass mir das Herz blutet, wenn ich daran denke, diesen Blog nicht mehr weiterzuf├╝hren.

Allerdings st├Ârt mich dieses ganze „Influencer“ Ding sehr, ob das mit den Blogs ist, oder auf Instagram. Ich m├Âchte nicht in dieser Kiste mit allen landen, da ich mich nie als Influencerin gesehen habe. Ich habe in allererster Linie f├╝r mich geschrieben, wenn es anderen gefallen hat war das toll, wenn nicht, hat sich meine Welt auch weitergedreht. 

Gr├╝sse in die Runde! Ihr seid die besten! <3  

Was ist also in den letzen Monaten geschehen? 

Ausser, dass ich unentschlossen war. 

Ich war auf meinen Lieblingsfestivals und habe tolle, interessante und intensive Begegnungen gehabt. Ich habe viel, sehr viel gelesen. Gerade im Bereich Neuroplastizit├Ąt und Bewusstsein. War auf diversen Vortr├Ągen und habe unter anderem den wunderbaren Lutz J├Ąncke wieder geh├Ârt. Ein paar seiner B├╝cher schm├╝cken nun meine eBook Sammlung, da die Fachbegriffe sich so einfacher nachschlagen lassen. Ja, die eBooks, gegen ich mich so lange gewehrt habe ziehen nun auch bei mir ein. Gerade im medizinischen Bereich, aber auch in der IT kann man Fachw├Ârter schneller nachschlagen, wenn man am iPad oder iPhone liest.

Und ja, mein B├╝cherregal quillt langsam aber sicher ├╝ber, das war auch ein Punkt mich f├╝r die Platzsparende Version des Buches zu entscheiden. Positiv muss ich mich auch zu Constantin Gillies und seiner vierteiligen Romanserie „Extraleben“ ├Ąussern. Tolle B├╝cher, viel retro Technickschnickschnack, nicht nur f├╝r Nerds und IT Freaks die ich alle in einer Woche verschlungen habe. Des Weiteren einige weitere B├╝cher im Bereich Datensicherheit, Algorithmen, und Psychologie. Alfred Adler fasziniert mich gerade sehr. Er und Frankls Existensanylyse.  

Neues ausprobieren  

Mit einem meiner Lieblingsblogger ging es dieses Wochenende ins Tonstudio, zu einem alten Bekannten. Also, wir kannten uns nicht wirklich, wir arbeiteten nur f├╝r den gleichen Sender. Er hat seine Sendung immer noch dort, ich bin vor zwei Jahren vom Sender und vom TV weg. Wer neugierig ist auf seine Musik, hier lang. Wir haben also in seinem Tonstudio in Sankt Gallen das H├Ârbuch „Das Leben und Ben“ aufgenommen. 

Chris und ich habe nun das dritte Mal zusammen was gemacht.  Er war zu Gast bei mir im Podcast zum Thema „Dreier“ und ich habe einen Beitrag f├╝r sein Onlinemagazin „Subversum“ beigesteuert, dass ihr bei iBooks kostenlos runterladen k├Ânnt. Wer auf Hip Hop steht kann auch mal beim Chefrockerflybbsen reinh├Âren, der auch am Start war. 

Ein Traum wurde wahr 

Dieses Jahr durfte ich ein teil von Marina Abramovi─çs neuem Projekt „Musik anders h├Âren“ sein. Dazu bin ich im Fr├╝hjahr in Frankfurt / Main in der alten Oper gewesen. Sie ist f├╝r mich eine riesige Inspiration, diese Kompromisslosigkeit mit der sie sich und ihre Projekte vorantreibt haben mich schon immer sehr beeindruckt.

Hier ein kurzer Einblick in das Buch, mit meinen Zitaten. Das gesamte Interview k├Ânnt ihr dort nachlesen, es erstreckt sich ├╝ber ein paar Seiten, in deutsch und englisch. Mit mir kommen noch ein paar andere Menschen zu Wort, viele aus der Musikbranche oder aus dem k├╝nstlerischen Bereich. 

Und nun?

Der Podcast bekommt eine neue Richtung. In welche genau es geht, muss ich in den n├Ąchsten Wochen entscheiden. Lust hab ich ja schon wieder, gerade nach dem Weekend im Tonstudio. Nur braucht das mehr Struktur, mehr Inhalt und G├Ąste. Ich kann und mag mich nicht mehr allein vor dem Mic setzen.

Meinen Job in der Kita habe ich diese Woche nach einer Hiobsbotschaft ( ein Kind aus der Kita hat akute Leuk├Ąmie) in der Kita gek├╝ndigt. Mir ist klar geworden, dass das Leben zu kurz ist, um unzufrieden irgendwo auszuharren. Es gibt keine Garantie auf das Morgen.

Ich bin aus meiner L├Ąhmung erwacht. Entscheidungen treffen befreit ungemein. Ich f├╝hle mich wie Ph├Ânix, der aus der Asche steigt. Mal wieder. Ladys und Gentleman, ich bin zur├╝ck!

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4 Kommentare

  1. Sch├Ân von dir zu lesen ­čÖé
    Freut mich, dass du dich letzten Endes doch entschieden hast und einen „gewagten“ Weg gehst. Muss ja keiner verstehen k├Ânnen au├čer du und rechtfertigen sowieso.
    Ich zappel auch gerade beruflich hin und her. Verdammt tricky alles.

    Alles Liebe
    Jessica

    • Paula Deme

      Nun ja, der gewagte Weg w├Ąre auszusteigen und in der Welt umherzuziehen, w├Ąhrend man hier und da jobbt um sich das bisschen Leben finanzieren zu k├Ânnen. Das hier sind sichere Gefilde, in der komfortablen Zone.

      Komm, lass uns abhauen!

      Ganz liebe Gr├╝sse,

      Paula

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