Das gehört sich nicht für eine Frau!

James Bond liebt Wodka Martini. Nie und nimmer wäre man bei seinem hohen Alkoholkonsum auf die Idee gekommen ihn einen Alkoholiker zu nennen. Jessica Jones ist ein Marvel Charakter auf Netflix. Privat Detektivin mit Superkräften und einem „Alkoholproblem“. Zumindest wird’s so auf diversen Webseiten kommuniziert, wenn man ihren Charakter beschreibt. Beide haben so ungefähr gleich oft das Glas in der Hand, der eine gilt aber als fancy Herr von Welt. Sie hingegen ist eine Alkoholikerin.

Ich bin viele

Meine verschiedensten Persönlichkeitsanteile haben Namen. Nicht, weil ich schizophren bin, sondern weil ich Dingen gern Namen gebe. Zum Spass, einfach so. Vielleicht arbeite ich auch schon zu lange mit Kindern, wer weiss das schon so genau. Selbst meine Pickel, die ich selten habe, bekommen lustige Namen, der letzte, der sich hartnäckig über drei Tage hielt, hiess Herbert. Eine grosse Narbe vom rasieren am Knie hatte den wohlklingenden Namen Sarah. Bisschen Diva, weil echt gross und an einer unmöglichen Stelle.

Wenn ich wütend bin, heisst der Teil von mir „Klaus Kinski“  und wenn Klaus tobt, wissen wir alle, es ist Zeit den Kopf einzuziehen und am besten schnell an Land gewinnen. Nicht, dass das oft vorkommen würde, eher das Gegenteil ist der Fall. Aber so ungefähr jeder weiss, mit was er zu rechnen hat, wenn ich Klaus ankündige. Und meist reicht das auch vollkommen aus.

Wenn ich ausgehe oder auch teilweise privat, bin ich eher so Hank Moody aus Californication…wobei ich kein Kind irgendwo habe oder eine ehemaligen Liebe der ich hinterher trauere. Wer die Serie und mich kennt, kann sich ja ungefähr ausmalen, was ich damit meine.

Mein Klugscheisser Ich

Lasst mich mal überlegen, wen gibt es noch? Ah, mein Klugscheisser Ich. Er heisst Sheldon Cooper, wohl auch, weil mir viele menschliche Interaktionen fremd bleiben und ich sie genauso argwöhnisch betrachte.

Abends knipst mir dann „Pickle Rick“ aus „Rick & Morty“ das Licht aus.

Wie das gemeint ist? Nun ja, mir hat mal jemand gesagt, ich schlafe so schnell ein, es wäre ungefähr so, als würde ein Arbeiter in meinem Kopf sitzen, der alle Lichter ausmacht, weil er Feierabend hat.

Knips! Paula schläft. Einfach so. Von jetzt auf gleich. Abgeschaltet- in nicht mal 3 Sekunden. 

Pickle Rick

Von einer Sekunde auf die andere bin ich dann weg. Und mir ist das durchaus bewusst, bin ich auch schon bei einer Umarmung eingeschlafen vor lauter Erschöpfung.

Nun ja, und da Rick ein verrückter Professor ist der durch die Galaxie reist, wie ich nachts in fremde Welten reise, in meinen Träumen, dachte ich es sei nur passend, dass er diesen Namen bekommt. Und wohl auch, weil wir beide einen schrägen aber liebenswürdigen Charakter haben.

Allgemein betrachtet habe ich so kleine Neurosen die Monk LOCKER Konkurrenz machen. Ich kenne mich eben. Und ich bin ehrlich mit euch und mit mir selbst.

Nobodys Perfekt. Klar, gibt es dann noch die fürsorgliche “Mary Poppins” und die „Martha Stewart“ aber die Hauptrollen meiner schrägen Persönlichkeitsanteile sind einfach männlich.

Warum eigentlich?

Mir selber fiel das erst kürzlich auf  und ich habe mir Gedanken gemacht, warum das so ist. Hasse ich etwa Frauen, weil ich so ein schlechtes Verhältnis zu meiner eigenen Mutter hatte? Nein. Ganz und gar nicht. Ich kann mich einfach mit kaum einer Frau identifizieren.

Und es gibt keine weiblichen Figuren mit diesen Attributen – immer noch nicht. (Falls ich sie nicht kenne und es sie doch gibt, lasst es mich BITTE wissen)

Na fein, DR WHO wird nun eine Frau sein, was ich sehr sehr sehr begrüsse. Aber sonst?

Wer repräsentiert all die Frauen, die anders sind als Mutter, Beauty & Fashion Addict oder Lifestyle Influencer auf Instagram? Die starken Frauen, die fluchen, trinken, rauchen, schimpfen, sich nehmen was sie wollen ohne um Erlaubnis zu fragen. Frauen die für die Wissenschaft brennen und neugierig die Welt sind und das Universum erkunden? Klar, die Damen von Big Bang Theory waren teilweise so. Aber auch die wickelte man dann in diese grässliche Gesellschaftlichen Zwänge mit Kind und Heirat. Keine Eskapaden, keine wilden Fluchtiraden, selbst Penny wurde zum Schluss zu einer „anständigen“ Frau die heiratet und einen ordentlichen Job hat.

 

Frauen die keine Kinder wollen, die lieber um die Häuser ziehen und sonntags Glitzer verschmiert grinsend irgendwo im nirgendwo aufwachen? Fehlanzeige. Und wenn, dann sind sie zickig, unsozial und wenig glamourös. (Bis auf die Dame aus “Apartment 23”. Ich liebe sie – aber auch sie, Tendenzen von unsozialer Bitch- wenig beliebt oder gefeiert von der Allgemeinheit.)

Oder gehört sich das heutzutage immer noch nicht? “So” zu leben? So ausserhalb der Rolle als nette, fürsorgliche Frau die unbedingt Kinder, Haus und Familie möchte? Als Bridget Jones der heimeligen Sofas die nur auf den Traumprinzen wartet und ansonsten frustriert Eis und Schokolade in sich hineinfrisst. Sie ist also immer noch akzeptierter, als eine emanzipierte Frau die einfach macht auf was sie Lust hat?

Selbst meine Chefin habe ich gefragt, ob sie Frauen mit ähnlichen wirklich schrägen Attributen  kennt, doch sie musste verneinen. Es sei eben nicht typisch weiblich und nicht gern gesehen, wenn sich Frauen „so“ verhalten. Das sind alles männliche Attribute und wenig attraktiv. 2017 wollen wir haben? Spannend, bei dem Bild von 1950, dass manche noch so vor sich hintragen.

So, dann halten wir mal fest

Es gibt immer noch keine Frauen im TV oder in der Öffentlichkeit, die für ihre Wutausbrüche bekannt sind. Ok, Noemi Campbell würde mir nun so spontan einfallen. Aber sonst? Es gibt selten Frauen die für ihre Egozentrik gefeiert werden von der Gesellschaft. Marina Abramović würde mir noch einfallen. Aber auch sie hat man extrem verurteilt und sie herabgewürdigt, weil sie drei mal abgetrieben hat. Unvorstellbar hingegen, dass man jemanden wie Albert Einstein einen schlechten Vater nennen würde. Obwohl sein erstes Kind “verloren” ging. Oder einen Hermann Hesse, der wenig bis kaum etwas mit seinen Kindern zu tun hatte. Oder einen Erich Kästner, der auch kein super super Verhältnis zu seinem ausserehelichen Sohn Thomas hatte.

Also…werden Frauen immer noch nach ihren Mutterschaftsqualitäten beurteilt und Männer nach anderen Fähigkeiten, oder? 

Denn Frauen machen sowas nicht. Fluchen, auf den Tisch hauen. Oder einfach eben was sie wollen. Und wenn doch, dann sind sie hysterisch und haben sicher ihre Periode. Es gibt auch keine egozentrischen weiblichen Professoren, denn Frauen die was auf dem Kasten haben, gelten schnell als Besserwisserisch und welcher Mann lässt sich schon gern von einer Frau die Welt erklären?

Frauen im TV oder allgemein, die Alkohol trinken oder oft im Ausgang sind, müssen ja ein Alkoholproblem haben. Wie sagte mir vor einiger Zeit ein bekannter? “Frauen die älter sind und noch im Ausgang unterwegs sind haben sicher ein Alkoholproblem.”

Ja, klar. Frauen die älter sind gehören schliesslich zuhause eingesperrt bei Mann, Kind, Küche und dem allgemein allseits beliebten Hausfrauenleben.

Erinnert mich an die Zeit in Rumänien vor knapp 17 Jahren, als ich dort ein paar Wochen zu Besuch war. Da sagte mir auch die Nachbarin, dass brave Mädchen sich nicht jeden Tag in der Stadt rumtreiben, so wie ich es tat, sondern zuhause sitzen. Um dort was genau zu tun im Urlaub? Wände anstarren?

Ich würde mir mehr Frauen wünschen, die sich einen Sch…scheren um das was andere denken und einfach nur sie selber sind. Frauen die endlich aufhören allen gefallen zu wollen! Und eine Gesellschaft, die sich von typischen Rollenbildern und Doppelmoral verabschiedet. Aber subito!

 

 

 

 

Und ratet mal wo das ganze beginnt? Kleiner Tipp: Bei der Erziehung.

 

 

 

 

Nächstes mal gibt es dann den versprochenen Folgebeitrag zum Thema „Digitaler Nachlass“

4 Antworten auf „Das gehört sich nicht für eine Frau!“

  1. GENAU! Danke dass du das so klipp und klar auf den Punkt bringst. Wie armselig sind doch unsere Möglichkeiten ( die offiziellen, gesellschaftlich anerkannten…). Auch ich identifiziere mich in Filmen und Büchern fast immer mit den männlichen Figuren, als Kind war ich der Prinz… Das Verrückte ist, wir können Vieles bewirken mit der Erziehung und doch kommen die Kinder heim mit fremden Rollen- und Wertvorstellungen.

    1. Bitte. Ja, wobei die Bilder die sie von zuhause haben, schwer zu erschüttern sind durch eine Meinung von aussen. Das schlimme ist, das sehe ich seit 1999, seit dem ich mit Kindern arbeite, dass viele ihre Kinder immer noch nach den alten Rollenmuster erziehen. “boys will be boys” und so Sachen 😉

  2. Hi,
    gab kein Gästebuch und ich bin nicht bei facebook oder dem restlichen Social Media Kram.
    Dies ist mein erster öffentlicher Kommentar, daher die Anonymität.

    Habe Sie eben im Nachtcafé SWR gesehen und musste Ihnen spontan schreiben, wie sehr mich Ihre Geschichte und Ihre Ausstrahlung ‘begeistert’ hat. Die Offenheit und Ehrlichkeit mit der Sie über Ihre Familie gesprochen haben, hat mich berührt.
    Mein Freund hat spontan vermutet ich würde Ihnen schreiben was ich hiermit tue.
    Ich bin leider ziemlich vorbildsfrei aufgewachsen und habe nur eine (!), recht spießige Persönlichkeit (ohne Kinderzimmer und Aufmerksamkeit einfach keine Beschäftigung selbst entwickelt) aber – ohne sie auch nur ein wenig zu kennen- empfinde ich großen Respekt vor dem ändern/durchbrechen Ihrer Vergangenheit.
    Danke , dass sie “präsent” sind und einem die Chance geben, sie ein wenig zu bewundern 😉

    1. Hallo Herr Wittkemper!

      Danke für die Ehre. Ihr erster öffentlicher Kommentar auf meinem Blog. Stimmt, ein Gästebuch wäre noch eine Idee, danke auch hier für den Input. Tut mir leid, dass Sie auch furchtbare Erfahrungen gemacht haben. Ihre Worte schmeicheln mir! Merci.

      Ich hoffe Sie haben auch einen konstruktiven Weg da raus gefunden und wünsche Ihnen und ihren Freund ein besinnliches Weihnachtsfest.

      Liebe Grüsse aus Zürich,

      Paula

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