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Ein offener Brief an eine verlassene Mutter

Liebe Mutter, die du von deinem Kind verstossen wurdest. Du riefst letzte Woche bei mir an, nach dem du mich im „Beobachter“ gesehen hast in einem Beitrag ĂŒber verlassene Eltern. Ich erfuhr den vollen Namen deiner Tochter, ihre Geschichte, ihren Beruf, von ihrer Abtreibung, und von ihrem Verdacht der Kindesmisshandlung in eurer Familie. Denn du natĂŒrlich fĂŒr total absurd hĂ€ltst.

Auch sagtest du mir, dass du ĂŒberhaupt nicht verstehst, warum sie nicht mehr mit dir redet, dass aber die Nachbarn bei euch im Dorf reden. Du nanntest sie eine LĂŒgnerin und hast sie bei mir schlecht geredet. So weit so gut. Das eine ist nĂ€mlich, wenn ich selber beschliesse private Details aus meinem Leben an die Öffentlichkeit durchdringen zu lassen. Das andere ist, wenn du, mir als fremde Person sehr private und intime Details aus ihrem Leben aufs Auge drĂŒckst – ungefragt.

Was mir aber am meisten zu schaffen machte, ist diese eine Frage die du mir gestellt hast:

„Haben Sie mal ĂŒberlegt, wie schrecklich sich ihre Mutter fĂŒhlt?“ 

Das hat mich veranlasst heute, dir liebe Mutter vor Augen zu fĂŒhren, wie ich mich als Kind, als Tochter, die ihre Mutter verstoßen hat fĂŒhlt.

 

Erste Erinnerungen

Ich bin ungefĂ€hr 3 Jahre alt, meine Eltern haben sich mal wieder gestritten, meine Mutter ist zur TĂŒre raus. Mein Vater packt mich danach, stellt mich vor die WohnungstĂŒre mit den Worten: „Das ist alles deine Schuld!“ Da stand ich, weinend in der Dunkelheit des Treppenhauses, statt in meinem warmen Bett zu liegen, wie andere Kinder in meinem Alter. Einsam und verlassen – bittere TrĂ€nen und Angst statt Gute Nachtgeschichte, Liebe und Geborgenheit.

Ich habe noch mehr Erinnerungen an meine frĂŒhste Kindheit, aber das hier ist eine der ersten. Wie glaubst du, habe ich mich gefĂŒhlt, liebes Mami? Wie meinst du haben mich solche Erlebnisse als Mensch geprĂ€gt? Wie glaubst du ist ein Leben, ohne Urvertrauen mit auf dem Weg mitbekommen zu haben? Das hier, war nĂ€mlich nur die Spitze des Eisberges.

Ich erfuhr z.B dann spĂ€ter auch, dass mein Vater meiner Mutter in den Bauch gehauen hatte, als sie mit mir schwanger war, damit sie mich, das Kind verliert. Ist doch schon mal ein guter Start ins Leben, oder? Kein Wunder hatte ich nicht gebrĂŒllt nach dem ich da war, als hĂ€tte ich gewusst, was mich noch erwartet. Die Krankenschwester haute mir drei mal krĂ€ftig auf den Po bis ich einen Laut von mir gab…

Meine Mutter liess mich auch gern am Tisch sitzen, ĂŒber Stunden, wenn ich mich weigerte Speisen mit Zwiebeln zu essen. Ich sass da teilweise noch bis abends, schlief manchmal auch vor MĂŒdigkeit mit dem Kopf auf dem Tisch ein. Wie fĂŒhlt man sich da so als Kind, kannst du dich da reinversetzen, liebes Mami?

Schulzeit

Wir haben die ersten drei Jahre meiner Schulzeit in einem FlĂŒchtlingsheim gewohnt, zu fĂŒnft auf maximal 25 – 40 m2. Meine Schulleistungen waren erbĂ€rmlich, denn trotz meiner Neugierde und meiner Vorliebe fĂŒr BĂŒcher, konnte ich keine gute SchĂŒlerin sein. Wie denn auch? Zuhause gab es nur Gewalt und Streit. Wenn nicht zwischen meinen Eltern, dann gegen uns Kindern, denn Fehler machen waren nicht erlaubt. GefĂŒhle zeigen waren verpönt. Uns Kinder nahm niemand in den Arm, niemand lobte uns, ich wurde mit 8 Jahren schon oft alleine mit meinen BrĂŒdern gelassen, da mein Vater sich irgendwo rumtrieb und meine Mutter putzen ging.

Eines Abends Ohrfeigte mich mein Vater so lange, bis ich seinen netten Handabdruck auf meinem Gesicht hatte – Tagelang. Niemand unternahm was, obwohl es ersichtlich war, dass ich nicht nur einfach hingefallen war, wie ich es den Betreuerinnen und Lehrern versuchte klar zu machen. Und das alles nur, weil ich sagte ich sei nicht mĂŒde. Man versuchte so meinen Willen zu brechen. Was aber nicht gelang. Er liess erst von mir los, nach dem meine Mutter dazwischen ging, was eine Weile dauerte. Man schlug mich auch, wenn ich nicht die gewĂŒnschte Schulleistung erbrachte und bestrafte mich in dem man nicht mit mir redete.

Plötzlich alleine mit dem Alkoholkranken Vater

Als ich 9 war, packte meine Mutter meine BrĂŒder und liess mich mit dem Vater alleine. Er schlug mich in der Zeit nicht, aber ein richtiger Vater war er auch nicht, durch den Alkoholkonsum. Wir gingen oft ins Freibad, radelten, aber eben..er war immer blau. Er zog sogar von der Pension in der wir damals wohnten einfach um als ich im Schullandheim war. Als ich zurĂŒck kam, musste die Lehrerin mich zur neuen Adresse fahren die wir von den alten Nachbarn erfuhren. Wie traumatisch das war, kannst du nur erahnen, stimmts? Ein Vater, der die Tochter einfach so zurĂŒck lĂ€sst, wie ein altes, ausrangiertes Möbelteil. Ein paar Wochen spĂ€ter setzte er uns in den Zug und wir fuhren durch die Nacht zu meiner Mutter, die zu ihrer Mutter nach RumĂ€nien geflohen war mit meinen Geschwistern.  Dort blieb ich dann auch ein Jahr bei meinen Pateneltern.

SchlÀge, Kontrolle, MachtkÀmpfe standen an der Tagesordnung

Ich wurde kontrolliert in meiner PubertĂ€t, wie ein Schwerverbrecher. TagebĂŒcher wurden gelesen und anschliessend alles entsorgt. Meine ersten versuche zu schreiben, 3 TagebĂŒcher mit meinen intimsten Gedanken. Mein Selbstmordversuch mit Tabletten unter den Teppich gekehrt, als wĂ€re nichts geschehen. Es war der erste von einigen Versuchen. Ich wurde sogar morgens von meiner Mutter gezwungen gewisse Kleidung anzulegen. Mit 14 Jahren. Kannst du dir vorstellen wie das ist, am morgen, gleich nach dem aufstehen SchlĂ€ge zu bekommen, weil du nicht das anziehen möchtest, was deine Mutter fĂŒr dich rausgelegt hat, liebstes Mami? Nur, weil sie dir zeigen will, wer der Boss im Haus ist, und das du nichts zu melden hast? Um dann wieder SchlĂ€ge zu bekommen, weil deine schulischen Leistungen im Keller sind. Aber nicht daran gedacht wird, warum es so ist? Wie soll man auch lernen, wenn man jeden Tag Gewalt erlebt? Wenn die Mutter mich als Schutzschild gegen den Vater missbrauchte? Kannst du dir ein wenig vorstellen wie schlimm das ist, wenn jeder jeden schlĂ€gt in der Familie? Wie sehr das die Seele eines Kindes kaputt macht? Oder wollen wir uns doch lieber darĂŒber unterhalten, wie schrecklich es meiner Mutter gehen muss, weil ich nichts mehr mit ihr zu tun haben möchte?

 

Nichts war gut genug & ich war an allem Schuld

Meiner Mutter war nichts gut genug. Ich war selbststĂ€ndig. Trotz ihrer Arbeitslosigkeit, schaffte sie es nicht einmal, ein paar Stunden bei mir im Laden vorbei zu sehen. Sie versuchte mir das sogar auszureden. Ich war 21 Jahre alt. Andere in meinem Alter hatten anders im Kopf. Ich war Teilhaberin eines Ladens. Nicht gut genug. Ich wanderte aus in die Schweiz, verdiene hier das vierfache als in Deutschland. Habe mir ein tolles Leben aufgebaut. Sie hat mich einmal besucht. Mein Leben hier –  nicht gut genug. Ich spreche vier Sprachen, versuche mich an der fĂŒnften. Nicht gut genug. Egal was ich tat oder tue, es war nie genug. Ich habe mich immer wie eine Versagerin gefĂŒhlt. Mein Selbstbild ist heute noch nicht wirklich  jederzeit stabil.

Auch habe ich Probleme anderen zu vertrauen. VerÀnderungen lösen aber immer hin keine Angst- oder Panikattacken mehr aus. Anderen Menschen zu zeigen wer ich wirklich bin und wie ich bin, authentisch sein, das gelingt mir erst seit ein paar Jahren. Nach dem ich in Therapie ging und die Dunkelheit so hinter mir lassen konnte. Das bedeutet aber nicht, dass mich das ganze nicht manchmal einholt.

 

Ja, auch ich leide, manchmal sehr

Zu einem Bruder habe ich noch hier und da Kontakt. Ansonsten bin ich alleine. Zum rest der direkten Blutsverwandtschaft besteht kein Kontakt mehr, weil ich dort die schlechte Tochter bin. Eine Cousine und deren Eltern gibt es noch. Wie meinst du fĂŒhlt man sich so – ohne Familie, liebes Mami? Ungewollt und Ungeliebt? Verdammt und beschuldigt von der Gesellschaft und auch ein wenig von dir – eine schlechte Tochter zu sein?

Wie meinst du geht es mir an Weihnachten, Muttertag oder anderen Feiertagen, wo alle meine Freunde zu ihren Familien gehen? Wie meinst du ergeht es mir, ohne sicheren RĂŒckzugsort? Ich bin in mir selber all das, was andere Menschen in der Familie haben.Geborgenheit, Schutz, Trost und Liebe. Klar, es gibt auch enge Freundschaften, doch nichts ersetzt das Band zwischen Kind und Mutter. Oder dem Kind und dem sicheren Ort, den die Familie bieten sollte. Niemand gibt einem das Urvertrauen, fĂŒr das die Eltern zustĂ€ndig sind auf den Weg mit. Das Kind ist als solches nĂ€mlich Hilflos seinen Eltern ausgeliefert und auf ihre Liebe, FĂŒrsorge und Pflege angewiesen.

Ich habe all das was ich heute bin selber erkĂ€mpft. Es war hart, es war schwer. Doch hier bin ich. Und ganz ehrlich: Es ist mir egal wie sich meine Mutter fĂŒhlt. Ich war ein unerwĂŒnschtes Kind, man hat nicht geliebt, man wurde nie mĂŒde mir das zu sagen oder spĂŒren zu lassen. Warum sollte es mich heute interessieren wie es ihr geht?

Oder wĂŒrdest du auch ein Opfer von Missbrauch fragen, ob es sich mal Gedanken macht, wie es dem TĂ€ter geht?

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21 Kommentare

  1. Ich weiss gar nicht was ich sagen soll :(. Das ist alles so schrecklich, dass mir die Worte fehlen.
    Du hast sehr viel erreicht in deinem Leben- jetzt wo du stehst- trotz all dem, was du erleben musstest- du bist sehr stark.
    FĂŒhl dich gedrĂŒckt!

    1. Paula Deme says:

      <3 Danke!

  2. Hallo Paula,

    mir geht auch immer die Hutschnur hoch, wenn ich höre: Die arme Mutter!
    Kein Kind bricht ohne Grund den Konatk zu der Mutter ab.

    Ich wĂŒnsche Dir alles Gute fĂŒr Deinen Weg!
    Liebe GrĂŒĂŸe
    Lilly

    1. Paula Deme says:

      Hallo Lilly

      Na ja betroffene MĂŒtter halten automatisch zu den MĂŒttern, wenn sie die Geschichte dahinter nicht kennen oder nicht wahr haben möchten. Auch als ich der Dame erklĂ€rte was alles vorgefallen ist, entschuldigte sie ihr Verhalten. Ja nu, aber das soll uns nicht weiter kĂŒmmern 😉

      Danke, das wĂŒnsche ich dir auch!

      Sonnige GrĂŒsse,

      Paula

  3. Michael says:

    Hallo Paula,

    danke fĂŒr deinen Mut im Beobachter Teil der Reportage zu sein.
    Es tut gut zu wissen dass man nicht alleine ist. Ich habe den Kontakt vor vierzehn Jahren abgebrochen. Mit zwölf wollte ich schon weglaufen, konnte die DemĂŒtigungen zuhause nicht mehr ertragen. Mit 37 kam es dann endgĂŒltig zum Bruch. Man sieht sich noch an Beerdigungen, das wars.
    FĂŒr mich ist ein Weg zurĂŒck nicht mehr realistisch, auch nicht sinnvoll. Der Fokus gilt dem Leben dass vor mir liegt, meinem Leben. Es war ein langer Weg bis ich das begriffen habe, aber jetzt weiss ich dass ich richtig gehandelt habe. Ich fĂŒhle mich frei, obwohl ich hin und wieder an meine Familie denke. Sie waren ein Teil meines Lebens, das habe ich akzeptiert. Ich hege auch keinen Groll mehr gegen sie, habe ihnen innerlich verziehen. Aber sie haben in meinem Leben keinen Platz mehr.
    Mir geht es nun gut, und das wĂŒnsche ich dir und allen „gleichgeschĂ€digten“ ebenfalls.

    Lg Michael

    1. Paula Deme says:

      Hallo Michael!

      Das freut mich zu hören, dass es dir damit nun besser geht. Hier ist es genauso, kein Groll, kein Hass, aber Platz ist fĂŒr diese Menschen nicht mehr in meinem Leben. Weil es auch keinen Sinn mehr macht.

      Dir auch, weiterhin alles gute =)

      LG

  4. says:

    Ich danke dir, dass du das geteilt hast und damit auch anderen klarmachst, wie wichtig es ist, sich von Menschen fernzuhalten, die einem schaden. Dein Leben gehört dir, und du musst dich vor niemandem dafĂŒr rechtfertigen.

  5. Anja says:

    Liebe Paula,
    vielen Dank fĂŒr diesen Brief. Ich habe jetzt erst die Reportage ĂŒber Dich bei Frau TV gesehen und bin so hier gelandet.
    Ich bin mit 18 ausgezogen, und habe den Kontakt mit fast 20 (vor ĂŒber 30 Jahren) abgebrochenhabe und es nie bereut.
    DarĂŒber reden tue ich nie, weil ich immer nur die Erfahrung gemacht habe als undankbare bösartige Tochter wahrgenommen zu werden. Das ich gute GrĂŒnde fĂŒr meine Entscheidung hatte und habe interessiert keinen, denn so etwas bösartiges tut man nicht.
    Ich hatte bis dahin nur meine Mutter als Familie.
    Wenn ich behaupten wĂŒrde das das nach 30 Jahren leichter wird, wĂ€re das gelogen.
    Außerdem habe ich mich lange dafĂŒr geschĂ€mt, so hart zu meiner Mutter zu sein.
    Mir hat das Buch „vergiftete Kindheit“ sehr geholfen.
    Danke das ich dank Dir nicht mehr das GefĂŒhl habe die Einzige „böse“ Tochter zu sein.
    Wenn ich sehe das die „armen“ verlassenen Eltern gar nicht verstehen „können“ warum, denke ich mir, das sie nicht verstehen wollen.
    So ist es zumindestens bei mir, denn meiner Mutter habe ich gefĂŒhlt hundertmal erklĂ€rt warum.
    Um zu verstehen, mĂŒsste sie realisieren was sie mir alles angetan hat, das geht aber nicht, denn dann könnte sie nicht mehr in den Spiegel schauen.
    Ich vermute bei den anderen ahnungslosen Eltern ist es genauso.
    Das schlimmste daran ist, das sie auch nach 30 Jahren nicht aufgegeben hat.
    Sie spioniert mich aus (leider kenne ich ihre Quellen nicht), und stalkt und beschimpft mich.
    Das ist ein fruchtbares GefĂŒhl, wenn Jemand alles ĂŒber einen ausspioniert, und man nicht weiß woher.
    Das letzte Mal als sie mich wieder wild beschimpft und terrorisiert hat, habe ich ihr gedroht sie wegen Stalking an zu zeigen.
    Jetzt stalkt sie meinen Mann.
    Ich werde wohl erst meine Ruhe vor ihr haben wenn sie tot ist.
    LG Anja

  6. Schlimm so etwas zu lesen. Ich habe ein super VerhĂ€ltnis zu meiner Familie, vor allem zu meinen Eltern. Und ich finde es wirklich traurig, wenn andere dieses GlĂŒck nicht hatten. Ich kenne allerdings auch einen Fall, wo der Sohn den Kontakt abgebrochen hat und es keinen ersichtlichen Grund gab. Die Mutter hat viel fĂŒr den Sohn getan, auch zu ihm gestanden als er seine Ausbildung nicht geschafft hat (war leider aufgrund Faulheit oder Desinteresse). Soweit ich es mitbekommen habe, hat sie ihn nie ĂŒbermĂ€ĂŸig betĂŒddelt im Sinne von bevormundet. Trotzdem hat er sich irgendwann zurĂŒckgezogen. Vielleicht mag er den neuen Partner einfach nicht, aber dann könnte man trotzdem ja hin und wieder anrufen und sich alleine treffen. Sie tut mir leid, weil er ihr auch nie gesagt hat, was los ist und sie somit keine Chance hatte, etwas zu verĂ€ndern. Ich habe ihn ja auch noch kennengelernt, er war nett, aber etwas seltsam.
    Trotzdem wĂŒnsche ich niemandem, dass er/sie eine so schlimme Vergangenheit hat, dass der Kontakt zu den Eltern (oder Kindern) abgebrochen werden muss, damit man endlich glĂŒcklich werden kann. Ich finde es gut und vor allem bewundernswert, wenn jemand wie du die Kraft hat, sich von allem negativen aus seinem Leben zu lösen und einen neuen Weg einzuschlagen. Ich wĂŒnsche dir ganz viel Kraft fĂŒr deine Zukunft!

    1. Paula Deme says:

      Danke, Tanja!

      Leider bekommen aussenstehende nie einen ganzen, grossen (Ein) Blick hinter die Kulissen von gewissen Konstellationen. Gerade in Familien.

      Es könnte alles sein. Ich denke nicht, schon alleine aus psychologischer Sicht nicht, dass sich ein Kind ohne triftigen Grund von seiner Mutter löst. Da muss etwas vorgefallen sein.

      Schon nur alleine, dass er diesen Schritt geht, zeigt dass das Band zwischen ihm und seiner Mutter nie so eng geknĂŒpft war.

      Schade, aber manchmal muss es sein.

      Alles Gute und danke fĂŒr deinen Kommentar.

      1. Petra says:

        Hallo
        Das ist so nicht richtig. Bei mir und meiner tochter war das Band sehr eng. Wir waren ein Kopp und ein Arxxxx…
        Wir haben alles zusammen gemacht. AusflĂŒge, Urlaube… eigendlich alles. Dann kahm die Trennung von meinem Mann, der mir drohte das Kind weg zu nehmen. Das er alles die, damit sie nicht zu mir will.
        Das hat er prima hin bekommen.
        Und dann wird das Kind so vom anderen Eltetnteil manipuliert das es schliesslich von der Mutter nichts mehr wissen will. MUTTER IST AN ALLEM SCHULD.
        Jetzt ist ihre Mutter fĂŒr sie gestorben.

        4 lange Jahre leide ich schon. Geblieben sind mir Briefe und Nachrichten von meiner Tochter.
        Eine Mutter Kind Liebe die mal so eng war und nun nur noch Hass da ist.

        1. Paula Deme says:

          Liebe Petra

          Das tut mir leid zu hören. Aber wenn das Band sehr eng ist, wird sich das Kind auch nicht abwenden, oder zumindest, wenn der Druck des Vaters weg ist, sich wieder zu dir begeben. Klingt als wĂ€re sie noch sehr jung und leicht manipulierbar. Immer schlimm, wenn Kinder als Druckmittel herhalten mĂŒssen oder als Mittel um den ehemaligen Partner zu quĂ€len. Hast du denn kein Umgangsrecht, immerhin ist es ja auch deine Tochter?

  7. Tanja says:

    Genial dass du darĂŒber sprichst!

    Auch ich hatte keine schöne Kindheit und den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen. Wie du zuerst mit 16 zu meinem „Vater“ und dann mit 21 zu meiner „Mutter“. Auch wenn sie nur Erzeuger fĂŒr mich waren und keine Eltern, leider. Hat viel Kraft gebraucht aber ich bereue es nicht! Eine normale Kindheit hĂ€tte ich mir gewĂŒnscht.

    Ich versuche nicht mehr zu erklĂ€ren warum und weshalb, die meisten können nicht verstehen und nachvollziehen was man durchmacht als Kind. Und wie schwer es ist eine solche Entscheidung zu treffen! Man bricht mit den ĂŒblichen Konzessionen, aber nie grundlos.

    Ich bin heute was ich bin auch durch meine Erfahrungen! Und bin oft stolz auf mich was ich alleine geschafft habe!

    Toll deinen Blog zu lesen und das Tabu-Thema zu brechen! Weiter so!

    Lieber Gruess
    Tanja

    1. Paula Deme says:

      Danke Tanja fĂŒr deine lieben Worte! <3

      Liebe GrĂŒsse,

      Paula

  8. D. says:

    Liebe Paula, liebe Schwester im Geiste und auch an alle anderen Verfasser, die Àhnliches durchmachten (ihr seid alle Geschwister im weitersten Sinne)!

    Ich hoffe, Du hast trotzdem einen schönen Urlaub gehabt.
    Wie damals, als ich Dir das erste Mal schrieb (nach der Erstausstrahlung) der Reportage bei Frau TV gesehen und fĂŒhle mit.
    Meine Mutter lebt jetzt irgendwo ihr MĂ€rchen, das sie immer wollte. Einen reichen Mann an ihrer Seite, genug Geld um ihre Geschwister zu bespaßen und ev. noch drei jĂŒngere Liebhaber, die sie auch noch unterhĂ€lt und von denen ihr Mann gar nichts weiß.

    Ich dagegen, als Opfer habe kein “happy end“. Ich wĂŒrde am Liebsten laut schreien und ihren Mann mit der Wahrheit konfrontieren, wie es war, mit einer Psychopatin zusammenzuleben, die mich auf Schritt und Schritt kontrolliert, mich wie Dich genötigt, im Teenageralter Ihre Klammotten aufzutragen oder wirklich geschmackslose Mode aufzutragen, nur damit sie schöner als ihre heranwachsene Tochter aussieht und sie sich daran laben kann, wenn diese dann auch dadurch in der Schule gemobbt und verprĂŒgelt wird.
    Ältere Menschen legten mir dann nah, ihr fĂŒr alles dankbar zu sein, aber wofĂŒr denn?
    Sie stellt sich immer noch als sehr intellektuell da, dabei kann sie noch nicht einmal die „Zehn-Finger-Tipp-Methode“, spricht nur ihre Muttersprache und gebrochen Deutsch (ihre zweite Muttersprache). Ihre Orthographie gleicht wie ihr Leben einem Chaos.
    Zweimal (fast dreimal) bin ich wegen ihrer MĂ€nnergeschichten im Kindesalter mit in eine Schuldenkrise geraten und werde auch zukĂŒnftige Schulden nicht abtragen!!!
    Mein Vater war ihr absolut hörig, trotz neuer Partnerinnen und der der einvernehmlichen Scheidung. Er verschwand immer dann, wenn ich mit ihm darĂŒber reden wollte. Dann begegnete ich meinem besten Freund, der zu meinem zweiten Vater und er begriff sehr schnell, wo der Hammer hing.
    Mutter, die nie verstand, was eine Freundschaft ausmacht und selbst nie eine gute Freundin sein konnte (alles war nur Heuchelei), neidete mir diese Freundschaft und fing an, sich vulgĂ€r und abschĂ€tzend ĂŒber meinen besten Freund zu Ă€ussern, was aber nur dazu fĂŒhrte, dass unsere Freundschaft nur stĂ€rker wuchs.
    Dabei waren und sind wir nur Freunde und haben keine körperliche Beziehung, bestenfalls eine tiefe geistliche Liebe (Agape), die trotz aller Unterschiede in unserem Umfeld keine Probleme spielt.
    Meine Mutter dagegen ging schon mit 14 Jahren auf die „Pirsch“. GenĂŒgte ein Mann ihren hohen Erwartungen nicht, wurde er fĂŒr den nĂ€chstbesten kurzerhand verlassen. Und auch wĂ€hrend der Ehe mit meinem Vater, war sie die erste, die fremd ging und das sogar, bevor ich geboren wurde.
    Ich lerne immernoch vieles, bin auch multilingual, kulturell sehr interessiert und keinesfalls die Hure, NikotinabhÀngige oder Alkoholkranke, als die sich mich immer bezeichnet.
    Ich hatte aufgrund dieser und anderer schlechter Erfahrungen in meiner Kindheit bislang keinen Partner und muss mein “happy end“ noch finden.
    Bislang habe ich nur ein vorĂŒbergehendes: Ich habe ein besseres VerhĂ€ltnis zu meinem Vater, der nunmehr auch versteht, was fĂŒr eine Frau er damals (in zweiter Ehe) geheiratet hat, meinen besten Freund und dessen Familie, die wirklich ein starker Clan ist (trotz harter SchicksalsschlĂ€ge) , von Babies bis zu ihm. Jede Generation ist klasse, hĂ€lt zusammen und habe mich mit ihre Mitte genommen!!!

  9. Serafina says:

    Liebe Paula,

    ich kann dich sehr gut verstehen und weiß, wie viel Kraft das kostet. Und doch ist es einfacher ohne seine Eltern zu leben als mit ihnen. So traurig das ist.
    Ich selbst (42) habe mich vor 17 Jahren von meinen Eltern getrennt – alles das, was du schreibst, kommt mir so bekannt vor und kann ich so gut nachfĂŒhlen. Ich wĂŒnsche dir weiterhin viel Kraft und Menschen, die dich so annehmen, wie du bist und dich lieben 🙂

    1. Paula Deme says:

      Danke, dir auch. Tut mir leid, dass du auch so eine schlimme Erfahrung machen musstest.

  10. Sibylle HĂ€ring says:

    Vielen Dank fĂŒr Deinen offenen Brief, Deine Worte sind nachhaltig; Sibylle HĂ€ring!

    1. Paula Deme says:

      Gern geschehen!

      Liebe GrĂŒsse,

      Paula

  11. Marlis says:

    Hallo, Paula,
    hier meldet sich eine Mutter.
    Als „verlassene“ Mutter bin ich bestĂŒrzt ĂŒber die Schilderung Ihres Lebens und Ihrer Situation, als Sie Kind waren. Ich kann Ihren Schmerz von damals und Ihre Sehnsucht von heute gut verstehen und vielleicht auch als Fremde einigermaßen gut fĂŒhlen.

    Seit 12 Jahren vermisse ich meine beiden erwachsenen Söhne und deren Familien sehr. Sie haben den Kontakt zu mir abgebrochen; erst seit 2 Monaten weiß ich, warum. Sie geben mir die Schuld am wirtschaftlichen Niedergang Ihres Vaters, der mich vor 12 Jahren wegen einer jungen Frau verlassen hat. Seit dieser Zeit sind meine Söhne mir gegenĂŒber verstummt- sie haben den Kontakt zum Vater und dessen Familienseite aber nie abgebrochen. Im Gegenteil- dieser Kontakt ist wahrhaft von Freude und Fröhlichkeit, von innigem Zusammenhalt geprĂ€gt. Das ist gut so fĂŒr meine Söhne.
    Also habe ich die ganzen Jahre ĂŒber geforscht, was der Grund sein könnte fĂŒr den Abbruch zu mir. Ich habe mich immer und immer gefragt, was ICH falsch gemacht habe. Mein grĂ¶ĂŸter Wunsch war, und das habe ich meinen Söhnen in Mails und Briefen immer wieder mitgeteilt, einmal mit ihnen sprechen zu können. Einmal einfach nur gegenseitig zuhören, um sich verstehen zu können. Ich wollte aufklĂ€ren, dass sie seit 12 Jahren völlig falsche Informationen erhalten. Diese Chance haben mir meine Söhne und ihre Partnerinnen aber nicht gewĂ€hrt. Aber nur so kann es Aussöhnung oder Loslassen fĂŒr beide Seiten geben.
    Aus meinem Erleben kann ich also den Töchtern und Söhnen, die Mutter oder Vater- wohl aus gutem Grund- verlassen haben, einen Rat geben: Suchen Sie den Kontakt zu Ihren Eltern, versuchen Sie, das Handeln Ihrer Eltern zu verstehen!-nicht zu beschönigen, zu tolerieren oder gar zu akzeptieren, sondern zu verstehen und als deren Lebensgeschichte zu begreifen. Ihre Eltern haben auch eine Kindheit gehabt, die wohl in der Mehrzahl der Ihren nicht unÀhnlich ist.
    Ganz besonders möchte ich Ihnen die Thematik der Kriegsenkel ans Herz legen, also der Generation Ihrer Eltern, denn deren Eltern waren die Generation der Krigeskinder. Vieles könnten Sie dann erklÀren, evtl. auch, warum Ihre Eltern die Menschen geworden sind, die Sie heute kennen, bzw. nicht mehr kennen wollen.
    Aber das Band zwischen Eltern und Kindern ist immer da- ob im GlĂŒck oder im Leid, ob gewollt oder nicht.

    Ihnen, liebe Paula, wĂŒnsche ich alles Gute und die Zuversicht auf ein glĂŒckliches Leben – auch ohne die seelische Aussöhnung mit Ihrer Mutter.

    1. Paula Deme says:

      Liebe Marlis

      Das was ihnen zugestossen ist, tut mir leid. Ich habe meine Familie verstanden, ich weiss was in der Kindheit meiner beider Eltern abging, ich habe verziehen, losgelassen. Nichtsdestotrotz gibt es fĂŒr mich niemals einen Weg zurĂŒck. Mein Vater ist mittlerweile verstorben, seine Asche ist bei mir zuhause, eben, weil ich keinen Groll habe, nicht mehr. Sondern Mitleid. VerstĂ€ndnis.

      Aber eine Aussöhnung ist mit meiner Mutter, einer Narzisstin die glaubt sie habe alles richtig gemacht und wir Kinder seien die Bösen, ist nicht möglich. Wird es auch nie. Ich habe mich damit abgefunden, dass ich sie das nĂ€chste mal sehe, wenn ich ihre Asche in Deutschland zu mir in die Schweiz ĂŒberfĂŒhre und das ist fĂŒr mich auch in Ordnung so. Den Kontakt habe ich 13 Jahre gesucht und wir haben uns im Kreis gedreht. Ich weigere mich noch mehr Zeit in etwas zu investieren, dass mich runter zieht. Das mein Leben beeintrĂ€chtigt und zu einem Alptraum macht. Seit dem ich mich gelöst habe geht es mir besser, viel besser, ich habe mich als Persönlichkeit weiterentwickelt, mir Hilfe geholt, es bewĂ€ltigt.

      Der Tod meines Vaters vor ein paar Monaten war ein kleiner, kurzer RĂŒckschlag der mich nochmal gezwungen hat mich damit auseinanderzusetzen. Einen Weg zurĂŒck deswegen mit meiner Mutter gibt es nicht. Selbst in der Trauer hat sie mich und meinen Bruder am Telefon angebrĂŒllt, Stundenlangen Telefonterror gemacht. Nur weil wir von ihr die Scheidungspapiere brauchten um den Vater einĂ€schern zu können. Ich bin ausgesöhnt, ich verstehe ihr Verhalten, aber sie hat keinen Platz mehr in meinem Leben. Niemals mehr.

      Danke, das wĂŒnsche ich Ihnen auch!

      Alles Gute

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