Ein offener Brief an eine verlassene Mutter

Liebe Mutter, die du von deinem Kind verstossen wurdest. Du riefst letzte Woche bei mir an, nach dem du mich im “Beobachter” gesehen hast in einem Beitrag über verlassene Eltern. Ich erfuhr den vollen Namen deiner Tochter, ihre Geschichte, ihren Beruf, von ihrer Abtreibung, und von ihrem Verdacht der Kindesmisshandlung in eurer Familie. Denn du natürlich für total absurd hältst.

Auch sagtest du mir, dass du überhaupt nicht verstehst, warum sie nicht mehr mit dir redet, dass aber die Nachbarn bei euch im Dorf reden. Du nanntest sie eine Lügnerin und hast sie bei mir schlecht geredet. So weit so gut. Das eine ist nämlich, wenn ich selber beschliesse private Details aus meinem Leben an die Öffentlichkeit durchdringen zu lassen. Das andere ist, wenn du, mir als fremde Person sehr private und intime Details aus ihrem Leben aufs Auge drückst – ungefragt.

Was mir aber am meisten zu schaffen machte, ist diese eine Frage die du mir gestellt hast:

“Haben Sie mal überlegt, wie schrecklich sich ihre Mutter fühlt?” 

Das hat mich veranlasst heute, dir liebe Mutter vor Augen zu führen, wie ich mich als Kind, als Tochter, die ihre Mutter verstoßen hat fühlt.

 

Erste Erinnerungen

Ich bin ungefähr 3 Jahre alt, meine Eltern haben sich mal wieder gestritten, meine Mutter ist zur Türe raus. Mein Vater packt mich danach, stellt mich vor die Wohnungstüre mit den Worten: “Das ist alles deine Schuld!” Da stand ich, weinend in der Dunkelheit des Treppenhauses, statt in meinem warmen Bett zu liegen, wie andere Kinder in meinem Alter. Einsam und verlassen – bittere Tränen und Angst statt Gute Nachtgeschichte, Liebe und Geborgenheit.

Ich habe noch mehr Erinnerungen an meine frühste Kindheit, aber das hier ist eine der ersten. Wie glaubst du, habe ich mich gefühlt, liebes Mami? Wie meinst du haben mich solche Erlebnisse als Mensch geprägt? Wie glaubst du ist ein Leben, ohne Urvertrauen mit auf dem Weg mitbekommen zu haben? Das hier, war nämlich nur die Spitze des Eisberges.

Ich erfuhr z.B dann später auch, dass mein Vater meiner Mutter in den Bauch gehauen hatte, als sie mit mir schwanger war, damit sie mich, das Kind verliert. Ist doch schon mal ein guter Start ins Leben, oder? Kein Wunder hatte ich nicht gebrüllt nach dem ich da war, als hätte ich gewusst, was mich noch erwartet. Die Krankenschwester haute mir drei mal kräftig auf den Po bis ich einen Laut von mir gab…

Meine Mutter liess mich auch gern am Tisch sitzen, über Stunden, wenn ich mich weigerte Speisen mit Zwiebeln zu essen. Ich sass da teilweise noch bis abends, schlief manchmal auch vor Müdigkeit mit dem Kopf auf dem Tisch ein. Wie fühlt man sich da so als Kind, kannst du dich da reinversetzen, liebes Mami?

Schulzeit

Wir haben die ersten drei Jahre meiner Schulzeit in einem Flüchtlingsheim gewohnt, zu fünft auf maximal 25 – 40 m2. Meine Schulleistungen waren erbärmlich, denn trotz meiner Neugierde und meiner Vorliebe für Bücher, konnte ich keine gute Schülerin sein. Wie denn auch? Zuhause gab es nur Gewalt und Streit. Wenn nicht zwischen meinen Eltern, dann gegen uns Kindern, denn Fehler machen waren nicht erlaubt. Gefühle zeigen waren verpönt. Uns Kinder nahm niemand in den Arm, niemand lobte uns, ich wurde mit 8 Jahren schon oft alleine mit meinen Brüdern gelassen, da mein Vater sich irgendwo rumtrieb und meine Mutter putzen ging.

Eines Abends Ohrfeigte mich mein Vater so lange, bis ich seinen netten Handabdruck auf meinem Gesicht hatte – Tagelang. Niemand unternahm was, obwohl es ersichtlich war, dass ich nicht nur einfach hingefallen war, wie ich es den Betreuerinnen und Lehrern versuchte klar zu machen. Und das alles nur, weil ich sagte ich sei nicht müde. Man versuchte so meinen Willen zu brechen. Was aber nicht gelang. Er liess erst von mir los, nach dem meine Mutter dazwischen ging, was eine Weile dauerte. Man schlug mich auch, wenn ich nicht die gewünschte Schulleistung erbrachte und bestrafte mich in dem man nicht mit mir redete.

Plötzlich alleine mit dem Alkoholkranken Vater

Als ich 9 war, packte meine Mutter meine Brüder und liess mich mit dem Vater alleine. Er schlug mich in der Zeit nicht, aber ein richtiger Vater war er auch nicht, durch den Alkoholkonsum. Wir gingen oft ins Freibad, radelten, aber eben..er war immer blau. Er zog sogar von der Pension in der wir damals wohnten einfach um als ich im Schullandheim war. Als ich zurück kam, musste die Lehrerin mich zur neuen Adresse fahren die wir von den alten Nachbarn erfuhren. Wie traumatisch das war, kannst du nur erahnen, stimmts? Ein Vater, der die Tochter einfach so zurück lässt, wie ein altes, ausrangiertes Möbelteil. Ein paar Wochen später setzte er uns in den Zug und wir fuhren durch die Nacht zu meiner Mutter, die zu ihrer Mutter nach Rumänien geflohen war mit meinen Geschwistern.  Dort blieb ich dann auch ein Jahr bei meinen Pateneltern.

Schläge, Kontrolle, Machtkämpfe standen an der Tagesordnung

Ich wurde kontrolliert in meiner Pubertät, wie ein Schwerverbrecher. Tagebücher wurden gelesen und anschliessend alles entsorgt. Meine ersten versuche zu schreiben, 3 Tagebücher mit meinen intimsten Gedanken. Mein Selbstmordversuch mit Tabletten unter den Teppich gekehrt, als wäre nichts geschehen. Es war der erste von einigen Versuchen. Ich wurde sogar morgens von meiner Mutter gezwungen gewisse Kleidung anzulegen. Mit 14 Jahren. Kannst du dir vorstellen wie das ist, am morgen, gleich nach dem aufstehen Schläge zu bekommen, weil du nicht das anziehen möchtest, was deine Mutter für dich rausgelegt hat, liebstes Mami? Nur, weil sie dir zeigen will, wer der Boss im Haus ist, und das du nichts zu melden hast? Um dann wieder Schläge zu bekommen, weil deine schulischen Leistungen im Keller sind. Aber nicht daran gedacht wird, warum es so ist? Wie soll man auch lernen, wenn man jeden Tag Gewalt erlebt? Wenn die Mutter mich als Schutzschild gegen den Vater missbrauchte? Kannst du dir ein wenig vorstellen wie schlimm das ist, wenn jeder jeden schlägt in der Familie? Wie sehr das die Seele eines Kindes kaputt macht? Oder wollen wir uns doch lieber darüber unterhalten, wie schrecklich es meiner Mutter gehen muss, weil ich nichts mehr mit ihr zu tun haben möchte?

 

Nichts war gut genug & ich war an allem Schuld

Meiner Mutter war nichts gut genug. Ich war selbstständig. Trotz ihrer Arbeitslosigkeit, schaffte sie es nicht einmal, ein paar Stunden bei mir im Laden vorbei zu sehen. Sie versuchte mir das sogar auszureden. Ich war 21 Jahre alt. Andere in meinem Alter hatten anders im Kopf. Ich war Teilhaberin eines Ladens. Nicht gut genug. Ich wanderte aus in die Schweiz, verdiene hier das vierfache als in Deutschland. Habe mir ein tolles Leben aufgebaut. Sie hat mich einmal besucht. Mein Leben hier –  nicht gut genug. Ich spreche vier Sprachen, versuche mich an der fünften. Nicht gut genug. Egal was ich tat oder tue, es war nie genug. Ich habe mich immer wie eine Versagerin gefühlt. Mein Selbstbild ist heute noch nicht wirklich  jederzeit stabil.

Auch habe ich Probleme anderen zu vertrauen. Veränderungen lösen aber immer hin keine Angst- oder Panikattacken mehr aus. Anderen Menschen zu zeigen wer ich wirklich bin und wie ich bin, authentisch sein, das gelingt mir erst seit ein paar Jahren. Nach dem ich in Therapie ging und die Dunkelheit so hinter mir lassen konnte. Das bedeutet aber nicht, dass mich das ganze nicht manchmal einholt.

 

Ja, auch ich leide, manchmal sehr

Zu einem Bruder habe ich noch hier und da Kontakt. Ansonsten bin ich alleine. Zum rest der direkten Blutsverwandtschaft besteht kein Kontakt mehr, weil ich dort die schlechte Tochter bin. Eine Cousine und deren Eltern gibt es noch. Wie meinst du fühlt man sich so – ohne Familie, liebes Mami? Ungewollt und Ungeliebt? Verdammt und beschuldigt von der Gesellschaft und auch ein wenig von dir – eine schlechte Tochter zu sein?

Wie meinst du geht es mir an Weihnachten, Muttertag oder anderen Feiertagen, wo alle meine Freunde zu ihren Familien gehen? Wie meinst du ergeht es mir, ohne sicheren Rückzugsort? Ich bin in mir selber all das, was andere Menschen in der Familie haben.Geborgenheit, Schutz, Trost und Liebe. Klar, es gibt auch enge Freundschaften, doch nichts ersetzt das Band zwischen Kind und Mutter. Oder dem Kind und dem sicheren Ort, den die Familie bieten sollte. Niemand gibt einem das Urvertrauen, für das die Eltern zuständig sind auf den Weg mit. Das Kind ist als solches nämlich Hilflos seinen Eltern ausgeliefert und auf ihre Liebe, Fürsorge und Pflege angewiesen.

Ich habe all das was ich heute bin selber erkämpft. Es war hart, es war schwer. Doch hier bin ich. Und ganz ehrlich: Es ist mir egal wie sich meine Mutter fühlt. Ich war ein unerwünschtes Kind, man hat nicht geliebt, man wurde nie müde mir das zu sagen oder spüren zu lassen. Warum sollte es mich heute interessieren wie es ihr geht?

Oder würdest du auch ein Opfer von Missbrauch fragen, ob es sich mal Gedanken macht, wie es dem Täter geht?

15 Antworten auf „Ein offener Brief an eine verlassene Mutter“

  1. Ich weiss gar nicht was ich sagen soll :(. Das ist alles so schrecklich, dass mir die Worte fehlen.
    Du hast sehr viel erreicht in deinem Leben- jetzt wo du stehst- trotz all dem, was du erleben musstest- du bist sehr stark.
    Fühl dich gedrückt!

    1. Hallo Lilly

      Na ja betroffene Mütter halten automatisch zu den Müttern, wenn sie die Geschichte dahinter nicht kennen oder nicht wahr haben möchten. Auch als ich der Dame erklärte was alles vorgefallen ist, entschuldigte sie ihr Verhalten. Ja nu, aber das soll uns nicht weiter kümmern 😉

      Danke, das wünsche ich dir auch!

      Sonnige Grüsse,

      Paula

  2. Hallo Paula,

    danke für deinen Mut im Beobachter Teil der Reportage zu sein.
    Es tut gut zu wissen dass man nicht alleine ist. Ich habe den Kontakt vor vierzehn Jahren abgebrochen. Mit zwölf wollte ich schon weglaufen, konnte die Demütigungen zuhause nicht mehr ertragen. Mit 37 kam es dann endgültig zum Bruch. Man sieht sich noch an Beerdigungen, das wars.
    Für mich ist ein Weg zurück nicht mehr realistisch, auch nicht sinnvoll. Der Fokus gilt dem Leben dass vor mir liegt, meinem Leben. Es war ein langer Weg bis ich das begriffen habe, aber jetzt weiss ich dass ich richtig gehandelt habe. Ich fühle mich frei, obwohl ich hin und wieder an meine Familie denke. Sie waren ein Teil meines Lebens, das habe ich akzeptiert. Ich hege auch keinen Groll mehr gegen sie, habe ihnen innerlich verziehen. Aber sie haben in meinem Leben keinen Platz mehr.
    Mir geht es nun gut, und das wünsche ich dir und allen “gleichgeschädigten” ebenfalls.

    Lg Michael

    1. Hallo Michael!

      Das freut mich zu hören, dass es dir damit nun besser geht. Hier ist es genauso, kein Groll, kein Hass, aber Platz ist für diese Menschen nicht mehr in meinem Leben. Weil es auch keinen Sinn mehr macht.

      Dir auch, weiterhin alles gute =)

      LG

  3. Ich danke dir, dass du das geteilt hast und damit auch anderen klarmachst, wie wichtig es ist, sich von Menschen fernzuhalten, die einem schaden. Dein Leben gehört dir, und du musst dich vor niemandem dafür rechtfertigen.

  4. Liebe Paula,
    vielen Dank für diesen Brief. Ich habe jetzt erst die Reportage über Dich bei Frau TV gesehen und bin so hier gelandet.
    Ich bin mit 18 ausgezogen, und habe den Kontakt mit fast 20 (vor über 30 Jahren) abgebrochenhabe und es nie bereut.
    Darüber reden tue ich nie, weil ich immer nur die Erfahrung gemacht habe als undankbare bösartige Tochter wahrgenommen zu werden. Das ich gute Gründe für meine Entscheidung hatte und habe interessiert keinen, denn so etwas bösartiges tut man nicht.
    Ich hatte bis dahin nur meine Mutter als Familie.
    Wenn ich behaupten würde das das nach 30 Jahren leichter wird, wäre das gelogen.
    Außerdem habe ich mich lange dafür geschämt, so hart zu meiner Mutter zu sein.
    Mir hat das Buch „vergiftete Kindheit“ sehr geholfen.
    Danke das ich dank Dir nicht mehr das Gefühl habe die Einzige „böse“ Tochter zu sein.
    Wenn ich sehe das die „armen“ verlassenen Eltern gar nicht verstehen „können“ warum, denke ich mir, das sie nicht verstehen wollen.
    So ist es zumindestens bei mir, denn meiner Mutter habe ich gefühlt hundertmal erklärt warum.
    Um zu verstehen, müsste sie realisieren was sie mir alles angetan hat, das geht aber nicht, denn dann könnte sie nicht mehr in den Spiegel schauen.
    Ich vermute bei den anderen ahnungslosen Eltern ist es genauso.
    Das schlimmste daran ist, das sie auch nach 30 Jahren nicht aufgegeben hat.
    Sie spioniert mich aus (leider kenne ich ihre Quellen nicht), und stalkt und beschimpft mich.
    Das ist ein fruchtbares Gefühl, wenn Jemand alles über einen ausspioniert, und man nicht weiß woher.
    Das letzte Mal als sie mich wieder wild beschimpft und terrorisiert hat, habe ich ihr gedroht sie wegen Stalking an zu zeigen.
    Jetzt stalkt sie meinen Mann.
    Ich werde wohl erst meine Ruhe vor ihr haben wenn sie tot ist.
    LG Anja

  5. Schlimm so etwas zu lesen. Ich habe ein super Verhältnis zu meiner Familie, vor allem zu meinen Eltern. Und ich finde es wirklich traurig, wenn andere dieses Glück nicht hatten. Ich kenne allerdings auch einen Fall, wo der Sohn den Kontakt abgebrochen hat und es keinen ersichtlichen Grund gab. Die Mutter hat viel für den Sohn getan, auch zu ihm gestanden als er seine Ausbildung nicht geschafft hat (war leider aufgrund Faulheit oder Desinteresse). Soweit ich es mitbekommen habe, hat sie ihn nie übermäßig betüddelt im Sinne von bevormundet. Trotzdem hat er sich irgendwann zurückgezogen. Vielleicht mag er den neuen Partner einfach nicht, aber dann könnte man trotzdem ja hin und wieder anrufen und sich alleine treffen. Sie tut mir leid, weil er ihr auch nie gesagt hat, was los ist und sie somit keine Chance hatte, etwas zu verändern. Ich habe ihn ja auch noch kennengelernt, er war nett, aber etwas seltsam.
    Trotzdem wünsche ich niemandem, dass er/sie eine so schlimme Vergangenheit hat, dass der Kontakt zu den Eltern (oder Kindern) abgebrochen werden muss, damit man endlich glücklich werden kann. Ich finde es gut und vor allem bewundernswert, wenn jemand wie du die Kraft hat, sich von allem negativen aus seinem Leben zu lösen und einen neuen Weg einzuschlagen. Ich wünsche dir ganz viel Kraft für deine Zukunft!

    1. Danke, Tanja!

      Leider bekommen aussenstehende nie einen ganzen, grossen (Ein) Blick hinter die Kulissen von gewissen Konstellationen. Gerade in Familien.

      Es könnte alles sein. Ich denke nicht, schon alleine aus psychologischer Sicht nicht, dass sich ein Kind ohne triftigen Grund von seiner Mutter löst. Da muss etwas vorgefallen sein.

      Schon nur alleine, dass er diesen Schritt geht, zeigt dass das Band zwischen ihm und seiner Mutter nie so eng geknüpft war.

      Schade, aber manchmal muss es sein.

      Alles Gute und danke für deinen Kommentar.

  6. Genial dass du darüber sprichst!

    Auch ich hatte keine schöne Kindheit und den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen. Wie du zuerst mit 16 zu meinem “Vater” und dann mit 21 zu meiner “Mutter”. Auch wenn sie nur Erzeuger für mich waren und keine Eltern, leider. Hat viel Kraft gebraucht aber ich bereue es nicht! Eine normale Kindheit hätte ich mir gewünscht.

    Ich versuche nicht mehr zu erklären warum und weshalb, die meisten können nicht verstehen und nachvollziehen was man durchmacht als Kind. Und wie schwer es ist eine solche Entscheidung zu treffen! Man bricht mit den üblichen Konzessionen, aber nie grundlos.

    Ich bin heute was ich bin auch durch meine Erfahrungen! Und bin oft stolz auf mich was ich alleine geschafft habe!

    Toll deinen Blog zu lesen und das Tabu-Thema zu brechen! Weiter so!

    Lieber Gruess
    Tanja

  7. Liebe Paula, liebe Schwester im Geiste und auch an alle anderen Verfasser, die ähnliches durchmachten (ihr seid alle Geschwister im weitersten Sinne)!

    Ich hoffe, Du hast trotzdem einen schönen Urlaub gehabt.
    Wie damals, als ich Dir das erste Mal schrieb (nach der Erstausstrahlung) der Reportage bei Frau TV gesehen und fühle mit.
    Meine Mutter lebt jetzt irgendwo ihr Märchen, das sie immer wollte. Einen reichen Mann an ihrer Seite, genug Geld um ihre Geschwister zu bespaßen und ev. noch drei jüngere Liebhaber, die sie auch noch unterhält und von denen ihr Mann gar nichts weiß.

    Ich dagegen, als Opfer habe kein ”happy end”. Ich würde am Liebsten laut schreien und ihren Mann mit der Wahrheit konfrontieren, wie es war, mit einer Psychopatin zusammenzuleben, die mich auf Schritt und Schritt kontrolliert, mich wie Dich genötigt, im Teenageralter Ihre Klammotten aufzutragen oder wirklich geschmackslose Mode aufzutragen, nur damit sie schöner als ihre heranwachsene Tochter aussieht und sie sich daran laben kann, wenn diese dann auch dadurch in der Schule gemobbt und verprügelt wird.
    Ältere Menschen legten mir dann nah, ihr für alles dankbar zu sein, aber wofür denn?
    Sie stellt sich immer noch als sehr intellektuell da, dabei kann sie noch nicht einmal die “Zehn-Finger-Tipp-Methode”, spricht nur ihre Muttersprache und gebrochen Deutsch (ihre zweite Muttersprache). Ihre Orthographie gleicht wie ihr Leben einem Chaos.
    Zweimal (fast dreimal) bin ich wegen ihrer Männergeschichten im Kindesalter mit in eine Schuldenkrise geraten und werde auch zukünftige Schulden nicht abtragen!!!
    Mein Vater war ihr absolut hörig, trotz neuer Partnerinnen und der der einvernehmlichen Scheidung. Er verschwand immer dann, wenn ich mit ihm darüber reden wollte. Dann begegnete ich meinem besten Freund, der zu meinem zweiten Vater und er begriff sehr schnell, wo der Hammer hing.
    Mutter, die nie verstand, was eine Freundschaft ausmacht und selbst nie eine gute Freundin sein konnte (alles war nur Heuchelei), neidete mir diese Freundschaft und fing an, sich vulgär und abschätzend über meinen besten Freund zu äussern, was aber nur dazu führte, dass unsere Freundschaft nur stärker wuchs.
    Dabei waren und sind wir nur Freunde und haben keine körperliche Beziehung, bestenfalls eine tiefe geistliche Liebe (Agape), die trotz aller Unterschiede in unserem Umfeld keine Probleme spielt.
    Meine Mutter dagegen ging schon mit 14 Jahren auf die “Pirsch”. Genügte ein Mann ihren hohen Erwartungen nicht, wurde er für den nächstbesten kurzerhand verlassen. Und auch während der Ehe mit meinem Vater, war sie die erste, die fremd ging und das sogar, bevor ich geboren wurde.
    Ich lerne immernoch vieles, bin auch multilingual, kulturell sehr interessiert und keinesfalls die Hure, Nikotinabhängige oder Alkoholkranke, als die sich mich immer bezeichnet.
    Ich hatte aufgrund dieser und anderer schlechter Erfahrungen in meiner Kindheit bislang keinen Partner und muss mein ”happy end” noch finden.
    Bislang habe ich nur ein vorübergehendes: Ich habe ein besseres Verhältnis zu meinem Vater, der nunmehr auch versteht, was für eine Frau er damals (in zweiter Ehe) geheiratet hat, meinen besten Freund und dessen Familie, die wirklich ein starker Clan ist (trotz harter Schicksalsschläge) , von Babies bis zu ihm. Jede Generation ist klasse, hält zusammen und habe mich mit ihre Mitte genommen!!!

  8. Liebe Paula,

    ich kann dich sehr gut verstehen und weiß, wie viel Kraft das kostet. Und doch ist es einfacher ohne seine Eltern zu leben als mit ihnen. So traurig das ist.
    Ich selbst (42) habe mich vor 17 Jahren von meinen Eltern getrennt – alles das, was du schreibst, kommt mir so bekannt vor und kann ich so gut nachfühlen. Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft und Menschen, die dich so annehmen, wie du bist und dich lieben 🙂

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