Über offene Beziehungen

WARNUNG: Wenn du empfindlich bist, was dein Konstrukt von der monogamen Beziehung betrifft, und andere Lebensmodelle nicht akzeptierst, bitte ich dich nun höflichst den Blog zu verlassen. Jeder muss für sich entscheiden was für ihn richtig oder falsch ist. No need deine wertvolle Energie hier zu verschwenden um deinen eventuellen Frust und Unmut Luft zu machen. Danke. <3

Wenn die meisten Menschen “offene Beziehungen” hören, haben sie gleich irgendwelche Bilder im Kopf. Von täglich wechselnden Partnern und immer währenden Sexorgien, über “die verarschen sich doch gegenseitig” zu “das ist doch keine richtige Beziehung!”  Dem ist aber nicht so. Auch Menschen in offenen Beziehungen lieben sich. Nur eben auf einer anderen Basis als Menschen in monogamen Beziehungen.

Wie jede monogame Beziehung hat jedes Paar in einer offenen Beziehung natürlich seine eigenen Regeln auf die ich hier nicht vereinzelt eingehen kann, da es den Rahmen sprengen würde. Menschen, die sich in offene Beziehungen begeben, teilen zumindest alle die Ansicht, dass Sex und Liebe voneinander getrennt erlebt werden können und legen einen anderen Schwerpunkt in ihrer Beziehung als die körperliche Treue. Ich werde nun erläutern, wie eine offene Beziehungen “funktionieren” kann, anhand meiner eigenen Erfahrung.

Ich spreche also nur für mich selber, von meiner eigenen Erfahrung. Ich bitte das zu berücksichtigen.

Körperlich – keine Treue

Ein Hauptmerkmal ist sicher schon mal bei allen, dass man dem anderen körperlich nicht treu sein muss. Der Schwerpunkt liegt eher auf die Verlässlichkeit, das Vertrauen, dass der Partner hinter einem steht, ohne wenn und aber. Aber das bedeutet nicht, dass man jedem Rockzipfel und jedem Mann hinterher rennt oder täglich von Bett zu Bett hüpft. Man hat ja auch noch ein Leben, einen Beruf und die Partnerschaft. Es bedeutet lediglich, dass, wenn sich die Möglichkeit bietet, ob im getrennten Urlaub oder am Wochenende oder sonst wo, man nicht abgeneigt ist anderen körperlich näher zu kommen, ganz ohne schlechtes Gewissen. Auch bedeutet es, dass ich meinen Partner nicht verheimlichen muss, wenn ich jemanden anziehend finde und ich offen über alles reden kann ohne zu befürchten verlassen zu werden. Er ist sozusagen mein bester Freund, dem ich alles erzähle, aber auch mein Freund den ich liebe.

 

Was ist nun wichtig und von Belang, damit so eine Beziehung funktionieren kann?

Ehrlichkeit mit dem Partner, aber vor allem mit sich selbst

Man muss sich von Anfang an bewusst machen, was das bedeutet, den anderen nicht als sein Eigentum zu betrachten, frei von Besitzansprüchen, und ehrlich zu sich selber sein. Möchte ich das überhaupt? So wirklich, wirklich mit allem drum und dran? Kann ich das überhaupt? Wie stehe ich zu mir selber? Brauche ich Bestätigung von aussen um mich gut und wertvoll zu finden? Oder mache ich das nur meinem Partner zuliebe? Denn, wenn man sich verbiegen muss, um mit einem Menschen zusammen zu sein, ist es vielleicht nicht der richtige Partner und man sollte sich nach jemanden umsehen der die gleichen Vorstellungen von Beziehungen hat, wie man selbst. Offene Beziehungen sind auch nichts für Menschen, die einen Partner brauchen um sich vollständig zu fühlen oder die rund um die Uhr, vereint zu einer Symbiose, mit dem geliebten Menschen ihre Zeit verbringen möchten. Man sollte eine eigenständige Persönlichkeit sein die, die Verantwortung für ihr Leben selbst in die Hand nimmt und nicht darauf wartet, dass der andere einen glücklich macht.

 

Viel Selbstvertrauen und Selbstliebe

Eine offene Beziehung kann aber nur unter diesen Umständen funktionieren – wenn beide Partner reif genug sind, um alle Probleme, Wünsche und Bedürfnisse offen ansprechen zu können. Es erfordert ein gesundes Selbstbewusst sein und Selbstliebe. Denn Eifersucht gibt es zwar schon, so ist es ja nicht. Doch man muss sich bewusst machen, was Eifersucht ist und woher sie kommt. Die eigene Unsicherheit spielt da sicher eine sehr grosse Rolle. Man sollte Eifersucht immer als Einladung sehen an seinem Selbstbild zu arbeiten. Und sich bewusst machen, dass es die vermeintliche “Sicherheit” im Sinne von “Für immer und ewig bis ans Lebensende” auch in monogamen Beziehungen und Ehen nicht gibt. Nicht nur der Partner könnte sich verlieben, sondern, auch man selbst. But – no risk, no fun, hmm?

Absprachen – von Anfang an – über alles!

Absprachen und Regeln sind das A und O. Was ist ok, was geht zu weit? Wo sind meine Grenzen? Wo die Grenzen des anderen? Man sollte das schon am Anfang der Beziehung klären, damit es keine unnötigen Missverständnisse gibt. Denn ohne Absprachen, kann man es gleich bei dem Etikett “Affäre” belassen. Meine Punkte in der letzten offenen Beziehung waren:

  1. Wir schlafen mit niemanden aus dem Freundeskreis (Arbeitsplatz inklusive). Es macht alles nur unnötig kompliziert.
  2. Ich wollte die anderen Damen nicht kennenlernen, noch wollte ich meinem Freund meine Liebhaber vorstellen.
  3. Wir sagen der Drittperson, dass wir uns in einer offenen Beziehung befinden. Fairplay ist alles.
  4. Unser beidiger zu Hause ist Tabu für aussenstehende. Ja, klingt hart, aber irgendwo muss ich mich abgrenzen als Paar.
  5. Wir reden offen und ehrlich über alles. Auch über unsere “Abenteuer”. Keine Heimlichtuerei. Keine Lügen.
  6. Wenn wir zusammen weg gehen, sind wir gemeinsam weg. Keiner reisst mit jemand anderen aus oder hat was mit einer Dritten Person im Beisein des anderen.
  7. Verhütung! Kondome! Niemand möchte Tripper oder noch schlimmer: Aids. Nein, man sieht das den Menschen nicht an, ob sie “was haben”!

Dass der Partner immer Priorität hat, sollte Selbstverständlich sein.

 

Manche Männer stellen sich das easy peasy vor

Eine offene Beziehung ist viel Arbeit. Sehr viel Arbeit und sicher nicht für jeden etwas. Viele Männer (bei Frauen weiss ich das nicht, da keine Erfahrung) stellen sich das auch vor -wie das Paradies. Bis ihre Partnerin sich das gleiche Recht raus nimmt. Dann ist das Ego mitunter verletzt und dann fangen die Spielchen an, mit denen sie probieren “die Oberhand” in der Beziehung zu gewinnen. Das so eine “Beziehung” geprägt von Machtkämpfen zum scheitern verurteilt ist, brauche ich nicht erwähnen. Denn beide sollten Gleichberechtigt sein. Die Regeln gelten für alle gleichermassen, jederzeit, oder müssen neu verhandelt werden, wenn einer unzufrieden ist. Wer nach seinen eigenen aufgestellten Regeln, hinter dem Rücken des Partners spielt, ist nicht nur unfair, sondern einfach ein Charakterschwacher Mensch.

Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick gewähren in die Welt der offenen Beziehungen und ein paar Vorurteile aus der Welt schaffen. Jeder Mensch ist anders, jeder hat andere Bedürfnisse und Vorstellungen von seinem Leben. Ehrlichkeit sollte aber in jeglicher zwischenmenschlicher Beziehung als oberstes Gebot stehen. Denn mit wem anderes, sollten wir ehrlich sein, als mit uns selbst und dem Menschen den wir lieben?

 

 

 

Liebe ist die Fähigkeit und Bereitschaft,
den Menschen, an denen uns gelegen ist,
die Freiheit zu lassen, zu sein, was sie sein wollen,
gleichgültig, ob wir uns damit identifizieren können oder nicht.

George Bernhard Shaw

2 Antworten auf „Über offene Beziehungen“

  1. Sehr interessanter Beitrag, aber so viele Regeln und Absprachen! Das lässt vermuten, dass das mit der offenen Beziehung irgendwie doch nicht so funktioniert und dass es schon viele Vorgeschichten dazu gibt?

    “Offen” ist sicher Auslegungssache. Ist doch schön, wenn man auch auf auf andere interessant wirkt und es dem eigenen Partner erzählen kann, damit er ein bisschen neidisch wird und sicher klingt es spannend, wenn man auch intime Begegnungen mit anderen Partnern haben kann – theoretisch.

    Praktisch kann ich es mir einfach nicht vorstellen, weil es oft nur von einem Partner gelebt wird und der andere redet es passend, um sich nicht einzugestehen, dass er ewig betrogen wird. Oft ziehen die Frauen da leider den Kürzeren und lassen sich ausnutzen.

    Wenn es klappt, dann auf jeden Fall HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH dazu! Ich selbst bin der Meinung, dass es zu Hause doch am schönsten ist!

    Grüße

    1. Hallo!

      Na ja, in jeder funktionierenden Gesellschaft gibt es Regeln an die man sich halten muss, dass es klappt, warum sollte eine offene Beziehung so ganz ohne laufen?

      Deine monogame Beziehung läuft doch sicher auch nicht Anarchiemässig ab, oder?

      Leben und leben lassen ist das Motto. Ganz ohne Vermutungen und Interpretationen aus dem eigenen Weltbild heraus.

      Das hat nichts mit neidisch machen zu tun, solche Aussagen ärgern mich sehr, bei allem Respekt. Warum ist es so unvorstellbar, dass Menschen mit ihrer Lust anders umgehen als Du selbst, ohne dass es was mit neidisch machen zu tun hat? Finde solche Machtspielchen, gerade unter monogamen Paaren manchmal echt anstrengend, auch wenn man nur Zuschauer ist.

      Warum kann man es nicht einfach akzeptieren, ohne seine Version der Dinge hier hineinzuinterpretieren?

      Ich persönlich bin eine Frau…und ich kann Dir sagen, für mich wäre eine monogame Beziehung nichts. Ich bin auch nicht alleine mit meiner Denkweise. Nur die wenigsten Frauen trauen sich das auszusprechen, aus Angst verurteilt zu werden für ihre Libido und der Art und Weise wie sie damit umgehen.

      Alles Gute

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