Vor ein paar Jahren an einem Festival war ich so ĂŒberwĂ€ltigt von allem was ich da sah, hörte und spĂŒrte,  dass ich das erste mal in meinem Leben FreudentrĂ€nen vergossen habe. So richtig, richtig heftig. Und sie liefen unaufhaltsam und ergossen sich wie ein Wasserfall ĂŒber mein Gesicht. Ich konnte gar nichts dagegen tun und je mehr Leute sich nach meinem Befinden erkundigten, was sehr schön war, versteht mich nicht falsch, desto mehr gerĂŒhrt war ich und dementsprechend konnte ich mich nicht in den Griff bekommen. Aber musste ich das? Mich in den Griff bekommen, mich zusammenreissen?

Ich war gerĂŒhrt, erstaunt, von und ĂŒber diese unglaublich starken GefĂŒhlen, es war so befreiend, so wunderschön, so viel GlĂŒck, Freude, Liebe zu empfinden, dieses unglaublich unglaubliche GefĂŒhl, dass ich bis heute nicht in Worte fassen kann. Ich habe es probiert, seit drei Jahren, immer und immer wieder. Aber ich finde nicht die richtigen Worte um zu beschreiben, was da passiert ist. Kein Wort ist stark genug, diesem GefĂŒhl, diesen wunderbaren, aussergewöhnlichem Moment Ausdruck zu verleihen.

Weinen aus Freude – jetzt nur noch mit Vorwarnung

GefĂŒhle sind schliesslich zum fĂŒhlen da. Und es war so wunderbar – anders, sehr intensiv. Seit dem wiederholte sich das noch ein paar mal, doch nun warne ich die Menschen die mit mir unterwegs sind. Denn einige fĂŒhlten sich etwas vor den Kopf gestossen und waren mit der Situation ĂŒberfordert. Und niemand möchte schlechte Vibes, wenn er gerade von extremen GlĂŒcksgefĂŒhlen durchflutet wird. Aber ja, auch fĂŒr die anderen ist es doof 😉

 

Lach doch mal!

„Was fehlt ihm denn?“ „Das Baby hat sicher Hunger, ist mĂŒde
.usw.“ „Warum schaut denn das Kind so ernst?“ „Lach doch mal, das steht dir besser!“ Na, habt ihr einen dieser SprĂŒche erkannt? Ich glaube, wir alle haben den einen oder anderen Spruch schon zu Ohren bekommen…Und wie das nervt! Als mĂŒsste man immer mit einem LĂ€cheln auf den Lippen durch die Welt spazieren. Ja, auch ich habe mal ernstere Tage, an denen ich eben nicht lĂ€chle, Witze mache, rumblödle. Dann bin ich meist in Gedanken, konzentriert oder auch mal traurig. Das ist ok. Auch diese GefĂŒhle habe ihre Daseinsberechtigung. Wenn es aber zum Dauerzustand wird, ist es auch keine Schande sich Hilfe zu holen.

Die eigentliche Frage ist aber:

Warum empfinden wir es als unangenehm, wenn eine Person in der Öffentlichkeit weint? Denn ich habe bis jetzt noch nicht so viele Menschen getroffen, die so ungeniert in der Öffentlichkeit weinen, wie sie lachen. Ihr etwa?

Grosse MĂ€dchen / Grosse Jungs weinen nicht!

Ist es unsere Erziehung, die uns von Anfang an einblĂ€uen will: Grosse Kinder weinen nicht! Als erwachsener hören wir dann bekannte SĂ€ngerinnen und SĂ€nger Songs trĂ€llern wie: „Big girls don`t cry" oder "Boys don`t cry“. Man besingt das LĂ€cheln, aber selten das weinen als Akt an sich. Nur eben, dass man nicht weinen sollte. (Falls mir das entgangen ist, bitte teilt es mir mit!)

Warum? Gehört das nicht zum Leben dazu? SchĂ€men wir uns deswegen unserer GefĂŒhle, die genauso zu uns gehören? Weil wir meinen, nun da wir gross sind, gehört es sich nicht zu weinen? „SchwĂ€che“ zu zeigen. Wie oft sprechen wir selber anderen ihre GefĂŒhle ab nur, weil wir sie nicht nachvollziehen können? Oder weil wir uns nicht anders zu helfen wissen…

Auch auf der Recherche nach einem passenden Bild fĂŒr diesen Beitrag finde ich nur weinende Babys, Kleinkinder. Hier und da mal eine Frau oder ein Mann in Verbindung mit ein paar kitschigen gebrochenen Herzen daneben. BÀÀÀÀh! Als ob man nur weint, wenn man Liebeskummer hat.

Wovor haben wir Angst? Warum können wir uns nicht der Welt so zeigen wie wir sind, mit allen Facetten unseres Seins?

 

 

 

Bild: Pixabay