Freundschaften im Ungleichgewicht

Freundschaften- so komplex wie eine Beziehung. Manche halten ein Leben lang, manche sind nur für ein paar Jahre und wiederum andere entstehen erst gar nicht richtig. Man verbringt unzählige Stunden miteinander, hilft sich gegenseitig durch alle möglichen Phasen des Lebens, lacht und weint miteinander. Doch wie das Leben eben so spielt, sind sie auch immer dem Wandel unterlegen. Weil Menschen und Situationen sich verändern.

 

 

Uns trennt das Leben 

Thomas D.

Es kann viele Ursachen haben. Manchmal ist es das Leben, dass die Freundschaften schleichend, aber langsam auseinander reisst. Einer bleibt Single, der andere entscheidet sich für eine Familie, die Themen ändern, die Sichtweisen ändern sich. Das gegenseitige Unverständnis wächst…manchmal kann es auch ein Ungleichgewicht sein in der Freundschaft, wenn einer das Gefühl hat, er investiere zu viel oder sei nur der Lückenbüsser. Darüber soll der heutige Beitrag handeln.

Reise in die Vergangenheit

Nach meinem letzten Ausflug nach Franken zu Silvester 2015 /2016 habe ich mir ja geschworen, dass ich so schnell nicht mehr wiederkommen werde, was bis jetzt auch ganz gut geklappt hat. Nun ja, bis jetzt. Ich habe ein paar alte Bekannte im Netz entdeckt, die ich unbedingt wieder sehen möchte, deswegen mache ich mich nun über Auffahrt auf nach Nürnberg. Und ich freue mich SEHR! <3

Denn eigentlich sind die alten Freundschaften dort nicht mehr wirklich existent. Wie kommts? Es ist nicht so, dass es einen Riesenstreit gab, nun ja zumindest nicht ganz so dramatisch. Aber ich hatte das Gefühl, dass nur ich in diese Freundschaften investierte und beschloss eines Tages, mich gar nicht mehr zu melden, nach dem ich mich mit meiner besten und ältesten Freundin dort überworfen hatte.

Immer und immer und immer wieder versetzt

Ich bin ja geduldig, habe Verständnis für alles und jeden, zumindest die meiste Zeit. Doch wenn man sich über Jahre immer wieder nur sporadisch meldet, nie wirklich Zeit hat wenn ich dann anrufe, obwohl man immer wieder verspricht, dass es besser wird – ist auch bei mir eines Tages das Mass voll. Wie viele aus Franken hatten immer und immer wieder gefragt wann ich denn mal wieder komme um sie zu besuchen.  Ich kann an einer Hand abzählen, wie viele mich in der Schweiz besuchen kamen.

In zehn Jahren waren es gerade mal vier Menschen. Und der Freundeskreis dort war nicht gerade klein. Ich hingegen war mindestens zwei mal im Jahr dort, anfangs sogar noch vier bis fünf mal…Hab mich zu jedem abgehetzt: Geburtstag, Weihnachten, Hochzeit, Junggesellenabschied, anderweitige Partys und Ereignisse…bis ich dann irgendwann die Faxen dicke hatte…da man mich auch dann noch teilweise versetze. Ist ja nicht so, als hätte ich mich nicht Monate vorher angemeldet. So wurden die Besuche und die Anrufe immer weniger, bis hin zu gar nicht mehr.

Ich renne niemanden hinterher

Jaja, nun kann man argumentieren, dass die Leute Familie und Kinder haben. Das verstehe ich auch. Doch eine SMS, eine WhatsApp ist schnell geschrieben, notfalls auf der Toilette. Und wenn mir jemand am Herzen liegt und ich ihn „Freund“ schimpfe, dann nehme ich mir die zwanzig  Minuten im Monat für ein Telefonat. Oder einen Besuch, schliesslich hatten diese Menschen ja nicht immer Kinder. Ich habe einfach keine Lust mehr, ich renne niemanden mehr hinterher.

Menschen kommen, Menschen gehen, so ist das Leben. Ich mag nicht mehr ständig vertröstet, versetzt und ja, ausgenutzt vorkommen. Denn auch für mich waren es immer stressige Wochenenden, teure Wochenenden – die ganzen schnellen Besuche in Deutschland über Feiertage oder mal nur kurz über das Wochenende. Und für was? Für Menschen die sich nicht mal zwanzig Minuten Zeit nehmen können um mit mir zu telefonieren. Wobei auch da ich immer das Telefonat bezahlte, da ich eine Flat habe.

Ich schenke euch die zweite Geige

Auch hier in der Schweiz habe ich mich von einigen Damen und Herren verabschiedet aufgrund von Unzuverlässigkeit, Lügen und Opportunismus. Natürlich warf man mir an den Kopf ich sollte runter fahren und verstand es überhaupt nicht, wenn ich mich dann mal genau so verhalten hatte wie die andere Person. Klar, es ist immer schrecklich, wenn die einstige Tour nicht mehr läuft, gell?

Doch ich sage euch mal was: Ich habe gelernt mich von Menschen die mir nicht gut tun zu distanzieren. Und wenn ich mich von einigen von euch distanziert habe, dann hat das sicher Gründe 😉 Nur weil ich immer gute Miene zum bösen Spiel gemacht habe, bedeutet das nicht, dass ich naiv immer alles geglaubt und geschluckt habe. Aber auch meine göttliche Geduld ist am Ende irgendwann und meinem inneren Klaus Kinski wollt ihr nicht begegnen, wahrlich nicht. Und um euch und mich vor ihm zu schützen..drehe ich mich lieber um und gehe. Für meinen Seelenfrieden, denn diese Menschen sind es nicht wert die Contenance zu verlieren.

Es muss ja nicht immer eskalieren

Man kann auch friedlich auseinander gehen. Also ohne Streit, gehässigem Getue und all der gleichen. Denkste! Manche brauchen das rumstänkern, das Drama! Und beweisen so erneut, warum es richtig war, sich von dem Menschen abzuwenden.  Heute sogar auf allen Kanälen, lol. Von Menschen, die sich immer nur melden, wenn sie was brauchen, oder versetzt wurden. Von Menschen die lügen um besser dazustehen. Von Menschen, die sich nie festlegen wollen, mit denen man nie planen kann, weil immer etwas besseres um die Ecke kommen könnte.

Von Menschen, die sich immer auf den letzten Drücker melden, weil sie etwas unternehmen wollen, wohlwissend, dass ich alles kann – ausser spontan irgendwas unternehmen. Durch meine Projekte, meiner Arbeit aber auch, weil ich eben viel unterwegs bin und ständig verplant bin. Ich mache mir aber immer Zeit für meine Leute, nur lasse ich nicht alles stehen und liegen, wenn sich wer meldet um dann den Entertainer zu geben. Oder den Lückenbüsser…

 Zum guten Schluss

Habt auch ihr den Mut euch von Freundschaften und Menschen zu trennen, die euch nicht gut tun. Verschwendet eure Energie und eure Zeit nicht mit Menschen die immer nur nehmen und nehmen und nehmen. Aber auf die kein Verlass ist. Es macht Platz für die Menschen in eurem Leben die euch schätzen und sich euch gegenüber Fair verhalten.

Freundschaft – ist ein geben und ein nehmen, geprägt von Vertrauen, Ehrlichkeit und gegenseitigem Respekt, oder wie seht ihr das? Habt ihr ähnliche Erfahrungen machen dürfen? Wie seid ihr damit umgegangen?