„Sie haben kein Recht auf bessere Eltern!“

Ivy Kundt, feige hinter einem Fakeprofil, war so frei mir einen ganz tollen Kommentar zu hinterlassen nach dem sie einen kleinen Ausschnitt des Beitrags auf FrauTV beim WDR gesehen hat:

Sie sind offfenbar die, die ihre Eltern verlassen hat. Was mich an Ihren Aussagen stoert: diese Weinerlichkeit, dieses Suhlen im Vergangenen. Perfekte Eltern gibt es nicht, das wissen alle, die Eltern haben und selbst sind. Und natuerlich machen alle Kinder ihren Eltern Vorwuerfe. Aber gluecklicherweise finden die allermeisten Familien irgendeinen Weg, miteinander in Kontakt zu bleiben auf eine Art, die allen entspricht. Wer den Kontakt aber ganz abbricht – und das nur wegen eines Eis – verbaut den Weg in eine bessere Zukunft. Wie dumm! Und wie arrogant! Merke: Sie haben kein Recht auf bessere Eltern. Mir scheint, dass Sie recht eitel und selbstbezogen sind und an sich selbst viel weniger Forderungen stellen als an Ihre Eltern.“

Es waren ZWEI Eier!

Ja, wegen einem Ei, na sowas aber auch. H├Ątte die Dame besser hingeh├Ârt, w├╝sste sie, es waren sogar zwei. Und h├Ątte sie nicht die Aufmerksamkeitsspanne einer Fliege, h├Ątte sie weiterhin aufmerksam zugeh├Ârt und nicht mit Schaum vor dem Mund mir diesen geh├Ąssigen Kommentar geschrieben, w├╝sste sie, dass diese Eiergeschichte nun mal das ber├╝hmte Fass zum explodieren brachte. Aber nun gut. Man kann auch W├Ârter wie „Gewalt“ und „Erniedrigung“ ├╝berh├Âren so w├╝tend wie man ist. Sie war nicht alleine mit solchen Aussagen, die zum Gl├╝ck in der Minderheit blieben.

„Im Fernsehen kam es schon leider ein bisschen so r├╝ber als h├Ątte es an dem Ei gelegen. Aber kurzes Nachdenken hilft. Sicherlich macht niemand „Schuss“ wegen nur so einer Geschichte.“

Klar, wenn man die W├Ârter jahrelange Gewalt und Erniedrigung ausblendet, und den versuch jahrelang die Vergangenheit anzusprechen, lag es nur an diesem Ei! Niemand versaut mir den verdammten Kuchen Herr Gott nochmal! Entschuldigung, ich kann eben ├╝ber solche Dinge lachen. Was mir auch jemand ├╝bel genommen hat, meinen Humor dar├╝ber.

„Du hast anscheinend nicht genug Pr├╝gel bekommen, wenn Du das lustig findest! Du bist doch krank!“

Schon lustig, dar├╝ber lachen geht als Opfer nicht, aber Opfer von Gewalt fertig machen scheint ok.

Ich weiss, was manche st├Ârt!

Wenn man Opfer von psychischen und physischen Misshandlung h├Ârt, hat man doch, wenn man ehrlich ist, ein Bild vor Augen wie diese Menschen aussehen. Oder wie sie auszusehen haben. Nun sitzt da aber eine selbstbewusste, gepflegte junge Frau, die klar, direkt und mit fester Stimme erz├Ąhlt was sich zugetragen hat. Das passt nat├╝rlich nicht ins Bild. Eine gl├╝ckliche junge Frau? Die misshandelt worden sein soll, jahrelang? Nein! Das kann es nicht sein. So schlimm kann es nicht gewesen sein, wenn sie nun da so sitzt und frei erz├Ąhlt und mein Gott, sie lacht auch noch dabei. Mancher Leute Sensationsgeilheit ist echt unertr├Ąglich.

Auch, dass der Fokus auf der Geschichte mit der Geschichte mit dem Ei lag wurde bem├Ąngelt

Manchen w├Ąre eine fertige junge Frau lieber gewesen ├╝bers├Ąt von blauen Flecken live aus dem Frauenhaus. Aufgeschnittene Arme, verkorkstes Leben, Sozialamt. Denn sie ist ja ein Opfer, also hat sie sich verdammt nochmal auch wie ein scheiss Opfer zu benehmen. Und Opfer lachen nicht, die haben kein Leben, keine Freude und keine Erfolge. Sie h├Ąngen an der Flasche, sind verwahrlost und depressiv.

Ja, dann h├Ątte man mir und anderen Mitleid ausgesprochen. Und das Recht zugestanden mich zu sch├╝tzen. Danke aber auch! Dumm nur, dass weder ich noch andere um Erlaubnis fragen, oder wann die pers├Ânliche Schmerzgrenze erreicht ist, an dem man das Recht hat sich umzudrehen und zu gehen um sich so vor weiteren Missbrauch zu sch├╝tzen.

 

Was du nicht willst das man dir tut

Einigen Damen habe ich dann auch vorgeschlagen, dass ich bei ihnen vorbei komme. Sie anschreie wegen jeder Sache, sie niedermache, immerw├Ąhrende kritisiere und schlage, ins Gesicht, mit dem Kopf gegen die Wand, mit Gegenst├Ąnden nach ihnen werfe. Wenn sie denken, meine und andere Eltern hatten ein Anrecht dazu das mit ihren Kindern zu tun, dass es nicht weiter schlimm w├Ąre und wir uns nicht so anstellen sollen, dann sehe ich kein Problem, dass mal ein paar Tage mit ihnen durchzuziehen. Vor ihren Freunden, Verwandten, Arbeitskollegen und in der ├ľffentlichkeit. Oder die besagte obige Dame, die meinte ich h├Ątte kein Recht auf bessere Eltern. Und, dass meine Forderungen an meine Eltern h├Âher sind an diejenigen an mich selbst.

Klar, meine Anspr├╝che und Anforderungen sind zu hoch gewesen an meinen Eltern

Klar, es war mein Fehler zu erwarten, dass ich mal gelobt werde oder in den Arm genommen, dass ich mich sicher und geborgen f├╝hle. Es war mein Fehler zu erwarten nicht geschlagen zu werden, oder wegen allem niedergeschrien zu werden. Es ist auch mein Fehler gewesen zu erwarten, dass mich die Mutter nicht als Emotionalen Kotzeimer missbraucht, w├Ąhrend ihrer Scheidung und danach. Oder als Schutzschild, dass zwischen sie gestellt wurde, wenn sie sich wieder mit meinem Vater geschlagen hat. Oder, dass ich in der Pubert├Ąt als Partnerersatz fungieren musste.

Weil „Kinder haben keine eigenen Probleme in der Pubert├Ąt.“ Auch ist es meine Schuld zu erwarten, dass meine Mutter mir glaubt, dass ich ihr sicher nicht den ├╝ber 30 Jahre ├Ąlteren neuen Partner ausspannen m├Âchte. B├Ąh! Auch bin ich nat├╝rlich schuld, an dem Leben, dass meine Eltern f├╝hrten, dass sie so nicht wollten, aber mussten, weil ich geboren wurde. Auch, dass ich erwartet hatte, dass mein Vater sich um uns Kinder k├╝mmert statt nur zu saufen, zu schlafen oder uns alle zu schlagen war zu viel verlangt, ich weiss. Ich sch├Ąme mich ja schon in Grund und Boden das alles erwartet zu haben.

Diese hohen Anspr├╝che und Anforderungen sind auch nur sehr schwer zu erf├╝llen und vor allem nachzuvollziehen. Ich weiss. Was f├Ąllt mir nur auch ein, ein normales Leben mit respektvollen, liebenden Eltern zu erwarten, ich arrogante, dumme, eitle und selbstverliebte Kuh? Warum kann ich nicht einfach dar├╝ber hinweg sehen, und mich nicht weinerlich in der Vergangenheit suhlen, dass alle Eltern „Fehler“ machen und einfach so tun als w├Ąre das alles nicht passiert?

Es gibt Fehler, ja. Und es gibt Missbrauch. Jahrelangen Missbrauch.

Wir ernten was wir s├Ąen

All diese Menschen, die mir versuchten einzureden ich w├Ąre schlecht, ich w├Ąre undankbar und arrogant und herzlos, es sind Eltern die verlassen worden sind. Und weil, sie ihren Frust nicht ihren Kindern um die Ohren hauen konnten tun sie es eben bei mir. Aber wie man sein Kind erzieht, so hat man es eben sp├Ąter auch. Wer seinem Kind eine solide Grundlage gibt, Urvertrauen, Liebe, liebevoll Grenzen setzt, Freiheit, wenn es so weit ist,  der muss sich auch keine Sorgen machen.

Kein Kind mit gl├╝cklicher Kindheit und gen├╝gend Freiraum um sich zu entfalten verl├Ąsst seine Eltern. Doch wer sich nicht bem├╝ht um ein respektvolles miteinander ohne Gewalt und Erniedrigung, Machtk├Ąmpfen und st├Ąndigem Geschrei der kann sich sicher sein, dass er sp├Ąter mal von seinem Kind verlassen wird. Sorry for not sorry! Respekt und all das ist keine Einbahnstrasse.

Ich mag mich noch gut erinnern wie meine Mutter immer schrie, ich solle sie respektieren, w├Ąhrend sie auf mich einschlug. Ich habe sie damals ausgelacht. Und tue es heute noch f├╝r diese Aktionen. „Herzlos“ nennen es die einen, damit kann ich leben. Sie als T├Ąter scheint man ja teilweise in Schutz zu nehmen. Wie herrlich zu beobachten, wie sich die Eltern auch hier wieder mit dem T├Ąter mehr Empathie zeigen, sich sogar verb├╝nden und Gewalt pl├Âtzlich voll ok finden. Nur halt nicht an ihnen selber. Aber an anderen scheint sie voll in Ordnung zu gehen.

Ich weiss, was diese Eltern st├Ârt. Da sitzt eine gl├╝ckliche erwachsene, die ihre Eltern nicht vermisst. Die es geschafft hat sich loszul├Âsen, sich ein Leben aufgebaut hat, ganz ohne die elterliche Hilfe. Das ist das was diese wirklich sehr Menschen st├Ârt. Dass ich anderen zeige, wie sch├Ân es sein kann, wenn man sich vom Terror des Elternhauses l├Âst und seine eigenen Wege geht with no fucking regrets!

Es k├Ânnten ja noch mehr auf die Idee kommen, dass es ihnen tats├Ąchlich besser gehen wird, wenn sie sich lossagen von all dem was ihnen nicht gut tut. Und seien es die eigenen Eltern.

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16 Kommentare

  1. Danke f├╝r den tollen Beitrag! (Und auch alle andere vorhergehenden ;-))
    Ich selbst hatte keine „solide“ Kindheit (wenn man es so nennen will) und kann sehr vieles sehr gut nachvollziehen! Bei mir hat vor allem auch Zynismus und Humor ├╝ber viele Jahre hinweg geholfen – und den habe ich mir auch behalten. Was viele wirklich nicht verstehen, wenn ich relativ locker ├╝ber meine Vergangenheit plaudere oder erz├Ąhle, dass meine Mutter auch vor einigen Jahren an einer Abh├Ąngigkeit gestorben ist. Dann wird automatisch ein trauriges Gesicht erwartet und eine ganz andere Haltung. Dabei bin ich (meistens zumindest) ziemlich stolz auf das was ich r├╝ckblickend alles erreicht habe und wie ich jetzt lebe bzw. leben kann! Es gibt einige, die zerbrechen an sowas – und ich bin ehrlich froh, ├╝ber alles was ich mir „trotz allem“ aufbauen konnte.
    Puh, aber zu dem Thema k├Ânnte ich so viel schreiben…deswegen an dieser Stelle auch nochmal ein Lob f├╝r deine tollen Beitr├Ąge! ­čÖé
    Liebe Gr├╝├če,
    Daniela

    • Paula Deme

      Gern geschehen und Danke f├╝r die lieben Worte.

      Ja, ich weiss auch nicht was die Leute erwarten. Einerseits, dass man sich l├Âst aus der Opferrolle und sein Leben lebt, andererseits aber auch, dass man traumatisiert und verst├Ârt ist und, wie du sagst, ein trauriges Gesicht macht, wenn man davon erz├Ąhlt. Mein Gott, wir haben die H├Âlle ├╝berlebt. Warum sollte man also traurig sein? Es ist vorbei und man ist *gross“ und „stark“ geworden und bestimmt nun selber was l├Ąuft. Wenn das kein Grund zur Freude ist?

      F├╝hl Dich gedr├╝ckt liebe Daniela!

  2. Liebe Paula,
    auch schreibe anonym. Aber was diese Frau Dir vorwirft, ist wirklich ein Schlag in die Magengrube. Ich kann Dir nur beipflichten, niemand geht von selbst.
    In meinem Fall musste mein Vater mich im wahrsten Sinne des Wortes bei Nacht und Nebel aus der Wohnung holen, in der ich zuletzt gemeinsam mit meiner Mutter wohnte.
    Er sah, die Verletzungen und glaubte mir.
    Damals konnte ich nicht zur Polizei, weil sie mir das Telefon aus der Hand riss und minutenlang auf mich einschlug.
    Habe auch eine l├Ąngere Email an den WDR geschickt.
    In der Zeit habe ich sehr viel dazu gelernt.
    So auch, dass ich jahrelang von ihr parentifiziert (https://de.wikipedia.org/wiki/Parentifizierung) und physisch missbraucht wurde.
    Ich will auch kein Mitleid, nur stark werden und nichts mehr von dieser Frau h├Âren, sehen und lesen.

    • Paula Deme

      Liebe D.

      Habe ich wieder was gelernt. Danke. F├╝rchterlich, einfach nur f├╝rchterlich zu was M├╝tter in der Lage sind.

      Das gleiche passierte auch mit mir. Ich nannte es nur „als Partnerersatz“ fungieren. Ich sollte mal entscheiden ob wir in eine neue Wohnung ziehen, die wir gemeinsam angesehen hatten, meine Mutter und ich. Klar, war ich begeistert, wir wohnten vorher zu 5.(als mein Vater noch da war) in einer 2 Zimmer Wohnung.

      Am Ende hiess es dann ich h├Ątte sie fast ├╝berredet in die neue, total ├╝berteuerte Wohnung zu ziehen. Hallo? Klar, als Kind hat man ja auch voll den Plan von Budgets und Einkommen. Klar, sage ich als 13 j├Ąhriges Kind „unbedingt einziehen“ wenn die Aussicht besteht mal endlich mein erstes eigens Zimmer zu haben.

      Du bist bereits stark ­čśë <3

      Weiterhin alles Gute!

  3. wortmagie

    Also, das ist ja schon mehr als unrealistisch! L├╝genpresse! Du h├Ąttest dich noch w├Ąhrend die Sendung im Schnittraum bearbeitet wird, zu Tode trinken m├╝ssen. Erst dann h├Ąttest du das Recht gehabt, dich ├╝ber deine Eltern zu beschweren. Wie kannst du es nur wagen? Lesen und schreiben kannst du doch auch! Also kann ja nicht alles schlecht gewesen sein! Und jetzt setzt du dich dahin und hast einfach die Dreistigkeit besessen, dein Leben selbst in die Hand zu nehmen und zu gestalten! Ungeheuerlich! Und f├╝r sowas zahle ich Rundfunkgeb├╝hren!

    Mal im Ernst, was geht in solchen Leuten vor? Ich hab den Beitrag nicht gesehen und auch l├Ąngst nicht alles von dir hier gelesen, aber nur der kleine Teil, den du jetzt hier nochmal aus deiner Kindheit geschildert hast, reicht aus, um mir klar zu machen, dass es richtig war, dich von deinen Eltern zu l├Âsen.

    H├Ąttest du es nicht getan, h├Ątten wahrscheinlich wieder alle nach dem Jugendamt und der Politik geschrien! Aber selbst aktiv zu werden, nein, das geht nicht!

    • Paula Deme

      L├╝genkresse! Nat├╝rlich! Was denn auch sonst? Alles inszeniert, damit ich andere Eltern ├Ąrgern und qu├Ąlen kann! Weil ich sonst an Langeweile sterbe…*
      Ja, ich weiss, aber so als Sozialfall hat man nicht so viel Geld f├╝r Alk, weisste? Spass bei Seite. Ja, was f├Ąllt mir nur ein, nicht weiter im Stillen zu schweigen? lol!

      Der Hass geht in den Leuten vor. Wie immer wenn sie sich so ├Ąussern. Da sitz eine Mutter oder zwei oder drei, die dann sehen: „Oh, da hat eine den KOntakt abgebrochen! Schau mal wie gut es der geht. So wird mein Kind auch sein, hab auch schon ewig nichts mehr von ihm / ihr geh├Ârt.“

      Aber statt sich und das Verhalten zu hinterfragen, zeigt man mit dem Finger auf andere und l├Ąsst den Frust, den Selbsthass, auf andere los. Bringt ihnen halt das Kind auch nicht zur├╝ck oder macht das alles ungeschehen. Und ich? Ich mache Beitr├Ąge aus den Hasskommentaren und lasse mir ihren Bullshit gepflegt am Hintern vorbei gehen. Denn, wenn man ihnen anbietet, mal mit ihnen das gleiche zu machen, wie im Text beschrieben, antworten alle ich sei ja krank und kriminell. Aber meine und andere Eltern d├╝rfen das, logisch, oder? Man soll daf├╝r dann auch noch Dankbar sein, L.O.L.

      Nein, selber das Leben in die Hand nehmen, Verantwortung ├╝bernehmen, sich nicht in der Opferrolle suhlen, ist f├╝r einige so utopisch wie eine fliegende Kuh.

      Liebe Gr├╝sse,

      Paula

      (*Mein Gott, ich hoffe das wird als Ironie erkannt)

  4. Brigitte

    … und Sie haben kein Recht auf „bessere“ Kinder…

    Liebe Paula, ich habe diesen uund deine anderen Artikel ├╝ber das Eltern-Verlassen-Thema gelesen, bin ├╝ber frau-tv auf deinen Blog aufmerksam geworden.
    Ich schreibe wirklich nie irgendwelche Kommenater auf Blogs, aber jetzt ist es n├Âtig: DANKE F├ťR DEINE BEITR├äGE!!!
    Du sprichst / schreibst mir aus der Seele.Habe ├Ąhnliche Geschichte, Konaktabruch mit Eltern seit ein paar Jahren und das war einfach der richtige und n├Âtige Schritt.

    Auch ich habe den Beitrag / vom Buch des Vereins der verlassenen Eltern gesehen und mich UNHEIMLICH aufgeregt und dann auch wirklich lange dr├╝ber nachgedacht, mich mit meinen Therapeuten und sonstigen Fachmenschen dazu auch ausgetauscht. Mein Fazit ist auch ganz klar: Ja, die prim├Ąre Ursache liegt nun mal leider bei den Eltern. Denn: Die Beziehung ist bzw. war ein Leben lang eine einseitig abh├Ąngig Beziehung – d.h. die Eltern pr├Ągen vielm mehr (bzw. ausschlie├člich) das Kind, haben Einfluss auf das Kind – und eben nicht umgekehrt. D.h. ein Kind, das sich vom Elternhaus abwendet hat einfach ganz offenbar etwas ganz essentiell wichtiges nicht von ihren Eltern vermittelt bekommen: Geborgenheit, Liebe, (Ur-)vertrauen.

    Mir hilft einfach nur die Erkenntnis, dass meine Eltern einfach nicht selbstreflektierend ├╝ber unseren Konflikt nachdenken K├ľNNEN, ja sie k├Ânnen nicht einmal versehen, dass dies notwendig zur L├Âsung des Konfliktes w├Ąre. Sie k├Ânnen es einfach nicht anders, weil sie eben auch so aufgewachsen sind, wie sie aufgewachsen sind…. es liegt an UNS, LIEBE PAULA, diese Muster zu durchbrechen!! Das ist schwierig, anstrengend, zum kotzen etc.. wird aber mit einem Gef├╝hl belohnt, das Du so sch├Ân mit „sich selbst sp├╝ren“ beschreibst.

    ALLES GUTE!!

    • Paula Deme

      Guten morgen Brigitte

      Danke erstmal f├╝r die Ehre deines ersten Kommentares ­čśÇ Ich freue mich sehr. Und danke auch f├╝r deine lieben Worte. Ja, nur diese Pr├Ągung die von den Eltern ausgeht..das verstehen viele, viele Menschen nicht. Dass die Eltern verantwortlich sind dem Kind das alles mitzugeben. Und man hat sein Kind meist so, wie man es erzieht, gerade in der Eltern Kind Bindung.

      Ja, das ist hier genauso, sie k├Ânnen nicht dar├╝ber nachdenken, weil sie selber Opfer waren die zu T├Ątern wurden. Das hilft wirklich, ungemein.

      Es freut mich zu h├Âren, dass es Dir anscheinend auch viel besser mit der Entscheidung geht.

      Sch├Âne Ostern und sonnige Gr├╝sse aus Z├╝rich,

      Paula

  5. Liebe Paula,
    ich habe selbst erst vor vier Jahren den „Schlu├čstrich“ gezogen. Ich musste erst 45 Jahre alt werden und 10 Tage auf der Intensivstation verbringen um einen klaren Spiegel vorgehalten zu bekommen. Bei mir waren es nicht nur die Eltern, sondern in Kombination mit meiner Schwester. Als mein Man verstorben war, haben sie sich wie die Assgeier auf mich gest├╝rzt. Sie haben es zu seinen Lebzeiten nicht gewagt, er und ich waren eine Einheit und sie hatten nicht die Chance, weil wir eine Einheit waren. Sicherlich gab auch da Situationen die sehr verletzend waren und auch da schon zu Kontaktabbruch gef├╝hrt haben. Aber „um des lieben Friedens willen“ sich einigerma├čen wieder eingerengt hatte. Aber man ist, je ├Âfter diese Verletzungen zustande kommen, auf der Hut. Und nach seinen Tod kam auch noch meine Schwiegermutter mit in ihr Boot. ├ťber Beschuldigen als M├Âderin, Erbschleichering, dummes Mistst├╝ck hin bis zum Morddrohungen, war alles dabei. Wir hatten auch noch einen kleinen Sohn, vor dem alle ihre „Konflikte und Verfehlungen“ meiner negativen Person zum lautstark zum Ausdruck gebracht und auch anfingen, gegen ihn ihre Boshaftigkeiten loszulassen, so dass auch er in seelische Not geriet und aus der Spur lief. Es war dann eine „Kleinigkeit“ die auch bei mir das Fa├č zum ├╝berlaufen gebracht hat und mich dann diesen Schritt machen lie├č. Es war in der Zeit in vielen Bereichen nicht einfach, weil dar├╝ber hinaus in meinen Umfeld falsche Aussagen ├╝ber meine Person get├Ątigt wurden und mich ├╝belst aussehen lie├čen. Gerade wenn man gerade eine schwere Erkrankung hinter sich hat und eigentlich Erholung bedarf, einen eher andere bl├Âde Gedanken aufkommen lie├čen. Ich habe dann Hilfe von ganz anderer Seite erhalten und habe diese „Trennung“ vollzogen. Es geht uns heute besser. Aber wirklich lassen ihre Geh├Ąssigkeiten nach all der Zeit nicht nach. Traurig! Eigentlich sollten alle einmal einen Terapeuten aufsuchen und nicht immer anderen diesen „gut gemeinten Ratschlag“ erteilen. So what!

    • Paula Deme

      Liebe Birgit

      Ich musste ein paar mal schlucken als ich deinen Kommentar gelesen habe. Tut mir wirklich leid, dass Du so etwas unglaubliches erleben musstest. Ich hoffe es geht dir seit dem besser ­čśÇ Ach, das mit dem hinter dem R├╝cken reden und l├Ąstern kenne ich auch. Aber wie hat mal jemand so sch├Ân gesagt: „Grosse K├Âpfe diskutieren Ideen, und kleine Geister diskutieren Leute!“ Alles in allem zeigt es sich ja schon, dass sie nicht ganz dicht sind, entschuldige. Sicher, nicht nur eine Therapie ­čśë

      F├╝r Dich und deinen Sohn und deine lieben, nur das Beste f├╝r die Zukunft.

      Sonnige Gr├╝sse,

      Paula

  6. Hallo liebe Paula,

    hier noch ein wenig „food for thought“ von einem ehemaligen scapegoat.

    Tom hat einen sehr guten YT-channel, den ich regelm├Ą├čig verfolge.

    https://www.youtube.com/user/NarcissimSurvivor/videos

    Sonnige Gr├╝sse aus dem Ruhrgebiet in die Schweiz und geniesse Deinen Urlaub.

    Deine D.

  7. Susanne

    „Das Dumme an der Demokratie ist, dass die Intelligenz ungleich verteilt ist“ (Zitat eines Hochbegabten).

    Das ist das einzige, was mir zu Frau Kundts Beitrag noch einf├Ąllt.

    Danke f├╝r Deinen Mut, die Dinge beim Namen zu nennen. Du hast alles richtig gemacht. Es gibt ja leider keinen F├╝hrerschein f├╝rs Elternsein, und ganz bestimmt w├╝rden ihn viele nicht bekommen.

    Du hast alles Gl├╝ck der Welt verdient.

  8. Denn sie ist ja ein Opfer, also hat sie sich verdammt nochmal auch wie ein scheiss Opfer zu benehmen.

    Ja, das ist wie mit Diskussionen um Armut hierzulande. Unweigerlich kommt eine(r) aus den L├Âchern und schreit laut „Hier ist doch keiner arm! Die haben doch alles!“

    Das „die“ nat├╝rlich „alles haben“ auf Kosten des Schreiers, ist implizit nat├╝rlich klar.

    Merke: F├╝r manche Menschen ist nichts Armut, was nicht ihren pers├Ânlichen Vorstellungen davon entspricht. Ohne totes Kind im Staub und anderes daneben mit Fliegen in den Augen kann es nicht Armut sein.

    ├ťblicherweise haben diese Menschen weder ethisch noch moralisch besonders hohe Werte oder Verhaltensweisen vorzuzeigen.

    Gilt analog dann auch f├╝r „Opfer von…“

    Derartige Gehirnzwerge schlicht ignorieren, die sind den Sauerstoff nicht wert, den man beim Aufregen verbraucht ­čśë

  9. Hallo Paula,
    ich kann mich nur Deiner Meinung anschlie├čen. Nur weil ich Opfer bin, muss dieses „Opfertum“ ja nicht aus jeder meiner K├Ârperporen ausd├╝nsten. Wichtig ist, was man zwangsl├Ąufig (als Erwachsene) daraus macht. Entscheide ich mich daf├╝r in meiner Opferrolle „auszuruhen“ (ich setze das jetzt mal bewusst in Anf├╝hrungszeichen) oder nehme ich die Herausforderung an, an den Geschehnissen in meiner Vergangenheit (Vater schwerer Alkoholiker, psychischer Missbrauch von meinem Vater an meiner Mutter und sp├Ąter dann auch an mir und meiner kleinen Schwester) zu wachsen? Ich pers├Ânlich habe mich (wie Du?) f├╝r Letzteres entschieden und ich denke, so was nennt man auch Resilienz. Und ja, dabei kommen dann auch starke, selbstbewusste Personen heraus, die mit geraden Schultern, klarem Blick und einem L├Ącheln doch sehr locker ├╝ber den Schei├č aus der Vergangenheit reden k├Ânnen und sich weigern, sich unter einer Decke zu verkriechen, um die ganze Zeit ├╝ber ihr verhunztes Leben zu heulen. Aber das versuche ‚mal dem Gros an Leuten zu erz├Ąhlen, die ├╝ber ihren beschr├Ąnkten Horizont nicht hinausgucken k├Ânnen oder wollen.

Mich interessiert deine Sichtweise zum Thema!

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