1. Woche im Bett und seine Folgen

Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann ich das letze mal eine Woche im Bett verbringen musste, aber letzte Woche war es so weit. Die ersten drei Tage eine fiese Erkältung mit Stimmenverlust, die restlichen 4. Tage nach einem kleinen Kiefer-chirurgischen Eingriff, aufgrund der starken Schmerzmittel. Natürlich gefiel mir das Anfangs überhaupt nicht, doch die inneren Prozesse die da abliefen erstaunten mich sehr.

Hemmungen mich krank zu melden und andere Katastrophen

Ich überlegte wirklich eine halbe Stunde ob ich mich krank melde. Warum genau, das ist mir erst im Nachhinein richtig klar geworden. Weil ich immer den Anspruch hatte zu funktionieren unter allen Umständen. Weil auch andere diesen Anspruch an mich haben, wie es sich im Verlauf der Woche zeigen sollte. Schon beim anrufen, zeigte sich, dass ich nicht mal in der Lage war zu sprechen. Nun ja, so kann es gehen. Da ich noch einen Agenturauftrag hatte, musste ich den natürlich auch absagen. Lustigste aller Fragen: “Meinst Du, Du bist in 2. Tagen wieder fit?” Ich brauche, glaube ich nicht erklären wie mich solche Fragen nerven. Gesundheit ist etwas, dass kann man nicht im Vorfeld “meinen” oder “sehen” oder “steuern” wenn man erst mal krank ist. Irgendwie vergessen das die meisten. Und nein, ich war nach 2. Tagen natürlich nicht wieder “Fit”. mal so nebenbei erfuhr ich auch, die Tage vorher, dass ich mich um die gesamte Promotion für meine Lesung am 10.2 kümmern sollte. An meinem Geburtstag. Danke auch hier nochmals, war ein super Geburtstagsgeschenk! Nichts mehr mit: “Wir drucken Plakate und hängen sie in der ganzen Stadt aus, Du bekommst Flyer und evtl. kommt noch die Zeitung!” Nö. Allein sollte ich eine Facebook Veranstaltung erstellen und dann meine Leute einladen, sie würden dann die Veranstaltung teilen. Na besten Dank auch. Dumm nur, so hatten wir das nicht besprochen und warum sollte ich mich um alles kümmern? Es bot keinen Mehrwert und ich sagte ab. Sorry, aber auch wenn ich Gas gegeben hätte..3. Wochen vorher ist einfach zu spät. Und so entstand eine neue Idee, aber dazu ein anderes mal mehr. Wir wollten das “nachbesprechen” und man hatte sich entschuldigt, aber ich lege keinen Wert mehr darauf. Nach 4. Monaten hin und her, war es einfach Zeitverschwendung. Mal ganz abgesehen von den ganzen verschieben von Terminen, Leuten Bescheid geben ect.

Der Tag beim Zahnarzt und die dicke Backe

Wenn es kommt, dann kommt es richtig. Trifft auch auf mich vollkommen zu. Der Eingriff erwies sich als komplizierter und weitreichender als erwartet und ich bekam Schmerzmittel die mich aus den Socken hauten. Dabei wollte ich an dem Tag noch arbeiten, bzw. die Tage danach. Donnerstag marschierte ich zumindest fest entschlossen mit einer dicken blaugrünen Backe in die Arbeit. Dort lagen alle flach mit Magen Darm. Besten Dank auch, hatte ich ja nicht einen Tag vorher angekündigt in welchem Zustand ich mich befinde. Und die Nähte in meinem Mund..da lassen sich bestimmt gut erbrochenes rausfischen, besonders, weil ich den Mund ja so weit aufgekomme. Nicht. Von dem Risiko, dass sie reissen könnten und ich dann erneut rein muss, mal ganz abgesehen. Ich liess mir eine Krankmeldung zukommen via Email und ging Mittags heim, auch weil mich die Medis extrem ermüdeten. “Das ist nicht mehr ansteckend!” hörte ich es noch dumpf von meiner Vorgesetzten. Nun ja, das ist ansteckend, wenn ihr nicht 24. Stunden beschwerdefrei seid, aber ich diskutierte nicht rum und ging. Brachte ja eh nichts. Trotz eingesendeter Krankmeldung fragte man abends nach ob ich am nächsten Tag komme. Manchmal möchte ich, gerade in solchen Situationen laut schreien. Weil ich es nicht verstehen kann, weil ich es nicht verstehen will wie man so sein kann. Leistung erbringen um jeden Preis? Das war einmal, niemand dankt mir, wenn ich meine Gesundheit aufs Spiel setze um zu funktionieren. Sorry. Und meine Gesundheit geht nun mal vor, hatte ich das Thema nicht erst letzte Jahr, wo man mir bei einem Minijob sagte als ich fiebernd zuhause blieb: ” Du musst Dich zusammenreissen, ich habe Verpflichtungen!”  Joa, da wären wir wieder gelandet. Menschen sind keine Maschinen, ist das so schwer zu verstehen? Immer hin fragte man mich am Freitag wie es mir ging…nun ja. So eine dicke Backe löst sich halt auch einfach so in Luft und Wohlgefallen auf, man muss nur laut genug in die Hände klatschen.

Online Praktikum – Ade!

Einige von euch habens sicher mitbekommen, dass ich ein Online Praktikum angefangen habe, 3. Monate um mich SEO Sattelfest zu machen. Nun ja, auch dort ging man wenig bis gar nicht auf meine “Bedürfnisse” ein. Angefangen von ihrer IT Sicherheit die zu hoch war und mich nicht mal einloggen liess um an meinem Projekt, der Webseite zu arbeiten. Bis über, wenig Empathie für meine jetzige Situation. Das Projekt hat Vorrang. Auch sollte ich mir Windows Office runter laden, da man mit den Mac Programmen teilweise überfordert war. “Numbers? Geht das nicht in Excel?” Sorry, nö! Eine Agentur sollte mit beidem und mehr vertraut sein.

Von einer Agentur, erwarte ich, wenn sie mich schon selber anschreiben, dass sie wenigstens sehen woher ich komme. Sie schrieben mich doch an über den Blog, wo meine Emailadresse genau unter meiner Postadresse steht. Ich musste sie drauf hinweisen, nach dem man in knapp 1.5 Wochen das Problem nicht beheben konnte mit dem einloggen oder erreichen der Seite, dass es evtl. daran liegt, dass ich aus dem Ausland bin. Was hat man dann auch gelacht…Heureka! Wir haben es! Ich fand das alles andere als lustig. Schliesslich stellte man mich so hin, als wäre ich unfähig. Als “Pechvogel” wie er es so schön nannte. Auch hier entschuldigte man sich im Nachhinein, aber ich war genervt, sehr sogar. So genervt man nur sein kann, wenn man im Bett liegt unter Medis und muss sich noch so eine Sch…anhören.

Als ich sagte, ich muss zur Nachkontrolle, weil es immer noch so dick ist ect. “Nun ja, dann gibst  im worst case 2 Tage später deine Arbeit ab. Dass ich auf Schmerzmitteln irgendwie andere Prioritäten hatte, und evtl. ins Spital musste, kann man ja mal leicht vergessen. Hatte ich das ja nicht 5. Minuten vorher erwähnt. Worst Case mein lieber, das weiss ich wenn ich wieder da bin, nach der Untersuchung. Aber easy, ich ging hin, war auch alles ok, entschied mich aber das Praktikum hinzuschmeissen. Es stimmte so für mich hinten und vorne nicht. Für mich ist das weder professionell noch kompetent. Und von einem Chef erwarte ich etwas mehr Feingefühl, gerade wenn man auf seine Leute angewiesen ist, wie dieses neue Startup. Suchten sie ja händeringend in den Blogger Foren nach Praktikanten, wie sich später herausstellen sollte. “Wir hätten Skypen sollen!” meinte er darauf, “so hätten wir das alles besser besprechen können!” Ich weiss nicht, wie ich hätte das noch klarer kommunizieren sollen was los ist, oder wie ihre IT Probleme schneller gelöst worden wären, durch einen Skype Call.

 

Eine Woche im Bett und ihre Konsequenzen

Alles in allem, hat mir diese Woche im Bett gezeigt, dass ich mich stärker Abgrenzen muss in Zukunft. Dass ich nicht immer zu funktionieren habe, wie andere oder ich es von mir verlangen. Dass es menschlich ist und normal nicht immer 1000% zu geben, denn zum Schluss kann dir niemand meine Gesundheit reparieren, wenn ich nicht auf mich acht gebe. Und die Leute, die das nicht akzeptieren, die dürfen sich dann jemand anderen suchen, der immer funktioniert. Der immer springt, wenn sie es erwarten. Man wundert sich dann aber wiederum über die vielen Burnouts unserer Zeit. Entschleunigung und weniger arbeiten waren eh eine meiner grossen Vorsätze für dieses Jahr, diese Woche hat mich schmerzlich daran erinnert. Und doch bin ich froh =)

Und wer meint ich habe nur berufliches abgesagt: Auch meine Geburtstagsfeier am Samstag wurde gecancelt und mein Krav Maga Kurs, Samstag den Tag durch… Bringt ja nichts, wenn ich mich nicht grossartig bewegen soll, nichts richtiges essen kann, “feiern” zu gehen oder zum Selbstverteidigungskurs. Krank ist eben krank. Mit allen Konsequenzen.

 

Wart ihr auch schon mal in solchen Situationen’ Wie seid ihr damit umgegangen? Hatte euer Umfeld Verständnis?