Vor ein paar Monaten las ich einen Bericht in der Zeitung, der mich echt sauer machte. Da forderten also Leser und Eltern wirklich das Fach „Benehmen“ in der Schule. Das Fach also, dass ausbügeln sollte in ein paar Schulstunden was Eltern systematisch verpasst haben. Im Ernst jetzt? Ich meine nicht, dass es nicht nötig wäre, wenn ich mich so umsehe. Aber die Schule? Wieder eine Institution und nicht die Eltern? Ich bin immer noch entsetzt. 

Wie viele Kinder habe auch ich erlebt, die weder grüssen, noch Bitte und Danke sagen konnten. Aber warum sollt es wieder jemand anders, als die Eltern richten? Warum werden nicht die Eltern angehalten ihren Kindern Benehmen bei zu bringen bzw. es vorzuleben? Was kostet es denn, wenn Eltern Bitte und Danke sagen, auch zu ihren Kindern? Was erfordert es am Tisch richtig zu sitzen, das Besteck richtig zu benutzen und den Kids beizubringen das man seine Körpergeräusche kontrolliert oder sich entschuldigt? Nichts. 

Erziehung ist primär die elterliche Pflicht 

Stattdessen wird gewartet, bis das erste peinliche Benehmen in der Öffentlichkeit stattfindet, Beschwerden von draussen kommen. Und dann schicken einige die Kinder in diese Kurse. Ja, richtig gelesen. Es gibt nun auch dafür eine Nische, mit der Geld gemacht wird. Haben Eltern keine Zeit mehr den Kindern Anstand bei zu bringen? Denn auch Erwachsene heut zu Tage haben Mühe mit den Wörtern Bitte und Danke und immer öfter bekomme ich ein „Hää?“ statt einem „Wie bitte?“ zu hören. Im Bus wird nicht mehr aufgestanden, wenn alte Menschen einsteigen und auch Rücksicht und Einfühlungsvermögen scheinen den Leuten abhandengekommen zu sein. 

Man fördert die Kinder wo es nur geht. Sie können mit 4. Jahren 3 Sprachen, Klavier spielen und gehen ins Ballett. Man zeigt ihnen wie sie die Besten sein können, aber nicht wie ein Miteinander aussieht. Und ich verlange nicht, dass kleine Kinder sich schon benehmen können wie Erwachsene, alles hat ein gewisses Alter, verständlich. Doch, dass man im Tram, Bus, Zug, Restaurant nicht schreit, sollte einem 4.jährigen Kind geläufig sein. Ansonsten erwarte ich von den Eltern ihr Kind zu erziehen, gegebenenfalls das Restaurant etc. zu verlassen bis sich das Kind beruhigt hat. Konsequent.  

Ein Kind muss und kann nicht immer glücklich sein  

Man kann sein Kind nicht immer glücklich machen, bzw. glücklich sehen, denn das ist unmöglich, ohne das Kind total zu verziehen. Und wer soll das dann richten? Erzieher, Lehrer, Institutionen? Als wäre der Druck die letzten Jahre nicht schon immens auf diese Personen gestiegen! Früher, wenn das Kind schlecht in einem Fach war, musste es mehr lernen. Heute ist es schlecht in einem Fach und die Eltern drohen dem Lehrer mit dem Anwalt! 

Ja, ich bin sauer. Sauer, weil viele Menschen Kinder bekommen und die Verantwortung für diese abgeben wollen. Weil sich viele nicht bewusst sind, dass sie als Eltern Vorbilder sind. Am Tisch, bei Begegnungen mit anderen Personen, im Umgang mit anderen, im Umgang mit Konflikten, im Umgang mit Liebe, einfach 24/7 im Umgang mit allem! Warum nimmt man nicht die Eltern in die Mangel sowie man das mit den Pädagogen macht? 

Ein Knigge Fach ist nötig? Falsch meine lieben! Ein Jahr, der nach der Schule alle Menschen auf Kinder vorbereitet ist nötig! Viele handeln ja so aus dem Bauch heraus, man schaue sich nur die Folgen an.  Das Gegenteil von gut, ist gut gemeint. Ein Fach alleine reingequetscht zwischen Mathematik und Deutsch reicht nicht aus um uns auf das Abenteuer „Kindererziehung“ vorzubereiten. Stattdessen versucht man sich an dem Modell „Feuerwehrübung“, versucht das Kind zu retten, nach dem es in den Brunnen gefallen ist. 

Warum keine Prävention? Warum nicht vorher aufklären, Weitsicht zeigen, statt den Pädagogen noch mehr aufzuhalsen zum normalen Schulprogramm?